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Trotz knapper Niederlage – B-Junioren betreiben Werbung für den Grimmaer Fußball

B-Junioren • Landespokal-Endspiel

FC Grimma – 1. FC Lokomotive Leipzig  1:2 (1:1)

Grimma: Frankenstein – Dietze, Kracht, Vettermann, Nicklisch (ab 64. Henze) – Haseloff (ab 64. Mähne) – Pfüller (ab 60. Hempel), Dietel, Birnbaum (ab 40.+3 Kießling), Böhm – Ludewig (ab 79. Schwarze) – Trainer: Sturm

1. FC Lok: Geist – Cubota Ruiz-Viana, Kramer, Hotze (ab 67. Kühn), Kadler (ab 41. Franck) – Beckert, Kepper (ab  52. Hofmann), Fazliu (ab 67. Nguyen), Bečić – Wolter (ab 80.+2 Abdelwahab), Moritz – Trainer: Drude

Schiedsrichter: Ziegler (Plauen) – Schiedsrichter-Assistenten: Altmann (Schwarzenberg), Winkler (Oberlungwitz) – Tore: 0:1 Wolter (19.), 1:1 Birnbaum (29.), 1:2 Hofmann (80.) – Gelbe Karten: Henze (Foulspiel – 70.) – Franck (Foulspiel – 59.), Kramer (Foulspiel – 78.) – Reservebänke: Siwek (Tor), Albrecht – John (Tor), Conde – Zuschauer: 475 in der Feralpi-Arena zu Riesa

 

Riesa. Nach Siegen über die Sachsenligisten JFV Neuseenland (5:0), Bischofswerdaer FV 08 (3:2), VfB Auerbach (4:0) und dem Regionalligisten FC Erzgebirge Aue U16 (3:2) haben den B-Junioren des FC Grimma Millimeter gefehlt, um den ganz großen Coup zu landen. In der letzten Minute der regulären Spielzeit unterlag der Tabellenführer des Sachsenklasse Nord im Endspiel des Landespokals dem Regionalligisten 1. FC Lokomotive Leipzig mit 1:2 (1:1), was verdeutlicht, wie grausam manchmal der Fußball sein kann. Das Ergebnis ist zwar das Eine und ist aufgrund der späten Entscheidung sicherlich absolut tragisch, doch viel wichtiger ist, was für eine grandiose Leistung die Elf in diesem Finale auf den Platz brachte. Angetrieben von lautstarken und nimmermüden 400 mitgereisten Grimmaer Fans lieferte die Mannschaft von Trainer Volker Sturm ein absolutes Husarenstück ab, war über die komplette Spielzeit mehr als gleichwertig und setzte dem zwei Spielklasse höher agierenden haushohen Favoriten mächtig zu. Dass die durchaus mögliche Sensation am Ende des Tages leider nicht gelang, lag daran, dass die Muldestädter Mitte der zweiten Treffer zwei glasklare Gelegenheiten nicht nutzen konnten und weiterhin einmal der Pfosten eine Grimmaer Führung verhinderte. So reichte dem Regionalligisten kurz vor Spielende ein sehr gut herausgespielter Angriff, um der eigenen Favoritenrolle Rechnung zu tragen und den Pokal mit nach Probstheida zu entführen. Daher gilt der Glückwunsch an den 1. FC Lokomotive Leipzig zum Gewinn des Landespokals.

Auf dem ersten Blick überwiegt aus Grimmaer Sicht natürlich die Trauer und die große Enttäuschung so nah dran gewesen zu sein, doch sollte sich dieses Gefühl recht schnell in Stolz umwandeln. Die Mannschaft hat im Pokalwettbewerb Riesengroßes geleistet, indem man vier höherklassige Team ausschaltete und im Endspiel gegen einen Regionalligisten einen erbitterten Fight lieferte und vor allem auch fußballerisch zu überzeugen wusste. Die Mannschaft hat sensationelle Werbung für den Grimmaer Fußball betrieben und den Verein mehr als eindrucksvoll vertreten. „Ich bin sowas von stolz auf meine Mannschaft, was sie heute geleistet hat“, resümierte Trainer Volker Sturm. „Na klar hätten wir gern den Pokal mit nach Grimma genommen, doch manchmal ist die Art und Weise wie man sich präsentiert viel mehr wert als irgendwelche Trophäen. Das, was die Mannschaft heute abgerissen hat, war absolut überragend. Ich kann mich bei jedem Einzelnen nur bedanken, genauso wie bei den zahlreich mitgereisten Fans, die uns über die komplette Spielzeit sensationell unterstützt haben und diese Begegnung zu einem regelrechten Grimmaer Heimspiel gemacht haben.“

Dabei entwickelte sich bereits frühzeitig eine hochintensive und spannende Final-Partie, in welcher ein Zwei-Klassen-Unterschied niemals zu sehen war. Zweifelsohne hatte der Favorit aus Probstheida in den ersten 25 Minuten mehr Feldvorteile, doch wie die Muldestädter mit einem extrem laufaufwendigem Spiel gegen den Ball immer wieder die Räume verdichteten und im Anschluss konsequent die Zweikämpfe bestritten, war schon bemerkenswert. Im Spiel nach vorn fehlte es den Sturm-Schützlingen zwar zunächst noch etwas an der Durchschlagskraft, da man in der Anfangsphase die Bälle im letzten Drittel noch nicht wunschgemäß halten konnte. Allerdings war es der Underdog, der das erste Achtungszeichen setzte. Nach einer kurzen Eckball-Ausführung mit Ben Dietel brachte Lion Böhm die Kugel gefährlich vor das Lok-Gehäuse – Innenverteidiger Kramer warf geistesgegenwärtig den Rettungsanker und bewahrte sein Team damit vor Schlimmerem (13.). Im Anschluss wurden die Leipziger Aktionen etwas zwingender, was sofort Alarm vor dem FC-Tor sorgte. Nach einem Chipball von Kramer hinter die Grimmaer Viererkette lenkte Schlussmann Tim Frankenstein einen Flachschuss von Moritz um den Pfosten (15.), 60 Sekunden später köpfte Bečić den Ball nach vorheriger Moritz-Flanke knapp am Ziel vorbei (16.). In dieser Phase hatten die Muldestädter etwas zu wenig Entlastung, was der Favorit kurz darauf mit dem Führungstreffer zu nutzen vermochte. Nach Zuspiel von Moritz zog Wolter vom linken Strafraumeck nach innen und zog im Anschluss staubtrocken mit einem Schuss ins kurze Eck ab – 0:1 (19.). Doch ließen sich die Grimmaer auch davon nicht beeindrucken und schüttelten sich kurz. Fortan gelang es, das Spielgeschehen wieder mehr aus der eigenen Hälfte zu verlagern und Gleichwertigkeit zu erzielen. Der Lohn dafür war der vielumjubelte Ausgleichstreffer, auch wenn der Regionalligist dabei kräftig mithalf. Geistesgegenwärtig spitzte Nick Birnbaum in einen zu kurzen Rückpass von Cubota Ruiz-Viana, um im Anschluss Lok-Keeper Geist zu umkurven und die Kugel aus spitzem Winkel zum 1:1 einzuschieben (29.). Der Grimmaer Anhang war verständlicherweise total aus dem Häuschen, bei den FC-Kickern war daraufhin sofort deutlich mehr Selbstsicherheit anzumerken. Bei Lok Leipzig hinterließ dieser Gegentreffer deutliche Signalwirkung, in Sachen Pass-Qualität wurde der Favorit fortan unsauberer. Zwar musste Grimmas Schlussmann Frankenstein in der Nachspielzeit bei zwei Abschlüssen von Wolter nochmals eingreifen (40.+1, 40.+5), doch richtig zwingend wurde Lok Leipzig dabei nicht. Stattdessen lag auf der anderen Seite sogar der Führungstreffer in der Luft, doch nach einem Ballgewinn gegen Kramer verfehlte abermals Birnbaum mit seinem Flachschuss das lange Eck (40.+2). Demzufolge wurden die Grimmaer Kicker nach dem Halbzeitpfiff des sicher leitenden Schiedsrichters Ziegler (Plauen) mit tosendem Applaus von ihrem Anhang in die Kabine begleitet.

Nach dem Seitenwechsel steigerten sich die Muldestädter dann noch einmal, so dass sich ab sofort ein absolutes Duell auf Augenhöhe entwickelte. Nichtsdestotrotz musste man im Grimmaer Lager erst einmal gewaltig durchatmen, als Moritz nach einem klasse Zuspiel von Kepper allein auf das Tor zulief – FC-Schlussmann Frankenstein im Eins-gegen-Eins-Duell jedoch kühlen Kopf behielt (46.). Doch mit fortlaufender Spielzeit trauten die Zuschauer ihren Augen kaum. Mit ideenreichem und zielstrebigem Offensivspiel erarbeiteten sich die Grimmer fortan ein Chancenplus, was eine Führung zwingend hätte nach sich ziehen müssen. Überragend von Böhm in Szene gesetzt, scheiterte der über rechts allein aufs Tor marschierende Konstantin Ludewig am gut reagierenden Geist (50.), sechs Minuten später stand dem Lok-Keeper nach einem Schuss von Böhm der Pfosten zur Seite (56.). Die nächste hundertprozentige Gelegenheit leitete der eingewechselte Marlo Henze sehr gut ein, doch allein vor Geist hob Anton Kießling das Streitobjekt über den Querbalken (64.). Die Muldestädter waren dem Führungstreffer deutlich näher als der Regionalligist, doch vergaß die Elf von Coach Volker Sturm sich für diesen fantastischen Auftritt selbst zu belohnen. In der Schlussphase ruckte Lok Leipzig dann noch einmal etwas an, doch stemmten sich die Grimmaer weiterhin entschlossen und resolut dagegen. Dabei war dem Underdog auch etwas das Glück hold, als Hofmann (drüber, 75.) und Cubota Ruiz-Viana (vorbei, 76.) zu Abschlüssen aus verheißungsvollen Positionen kamen. So deutete mittlerweile alles auf eine Verlängerung hin – ehe die Grimmaer kurz vor dem Ablauf der regulären doch noch vom Fußballgott dessen grauenvolles Gesicht zu sehen bekamen. Glänzend von Moritz in Szene gesetzt, entwischte der eingewechselte Hofmann der FC-Hintermannschaft und ließ mit einem platzierten Abschluss Frankenstein keine Abwehrchance – 1:2 (80.). Kollektiv sanken die FC-Kicker im Anschluss zu Boden, dies hatten die Muldestädter absolut nicht verdient. Allerdings war die Begegnung noch nicht abgepfiffen, von der Seitenlinie aus versuchte Coach Sturm seine Elf noch einmal aufzurichten. Und dies erzielte seine Wirkung durchaus nicht, mit der Bündelung jeglicher Kräfte versuchte man nun mit weiten Bällen für Gefahr vor dem Lok-Gehäuse zu sorgen. Nach einem Freistoß von Oscar Kracht wäre dies Henze per Kopf fast gelungen, doch war Geist hier gut positioniert. Bis zum Ende ruckten die Muldestädter unverdrossen an, doch verteidigte der Regionalligist den knappen Vorsprung bis ins Ziel.

Als Referee Ziegler nach 96 Minuten die Partie abpfiff, sah man verständlicherweise in leere und traurige Grimmaer Spieler-Gesichter. Doch binnen kurzer Zeit konnte der FC-Anhang die Jungs schnell wieder aufrichten, als den Kickern damit bewusst wurde, welche grandiose Leistung sie gerade abgeliefert hatten und eigentlich damit der Stolz überwiegen sollte. Auch wenn die Muldestädter sportlich aus diesem Endspiel „nur“ als zweiter Sieger hervorgehen – die Mannschaft hat mit dieser Vorstellung sämtliche Herzen gewonnen und kann mit viel Selbstvertrauen die letzten drei Meisterschaftsspiele der Sachsenklasse Nord angehen, um sich im Anschluss als Titelträger in dieser Spielklasse nach einer herausragenden Saison selbst zu belohnen.

© Bericht: Tom Rietzschel