SCHIEDSRICHTER

Regelwächter des Fussballsports

Ohne (unsere) Schiedsrichter ist alles Nichts. Kein Fußballspiel ohne den Unparteiischen, der sich um die Einhaltung des Regelwerks kümmert. Wir sind sehr froh, dass wir in Zeiten von akutem Schiedsrichtermangel eine große Anzahl 'Schiris' für unseren Verein vermelden können.

Name Einstufung
Alexander Sather 2. Bundesliga
Oliver Fix Landesklasse
Harald Sather Kreisoberliga / Beobachter DFB
Farida Kajol Kreisliga
Michael Leipnitz Kreisliga
Sebastian Sedlaczek Kreisliga
Winfried Eichhorst Kreisliga
Werner Ritter Kreisliga
Reinhardt Wenzl Kreisliga
Christian Schößling Beobachter
Daniel Kurzbach Kreisliga
Alexander Beier Kreisliga
Maximilian Beier Kreisliga

EIN GRIMMAER PFEIFT SICH NACH OBEN

Nur drei Schiedsrichter aus Mitteldeutschland sind in Profi-Ligen zu Hause. Der Thüringer Oliver Lossius und der Sachsen-Anhalter Felix-Benjamin Schwermer pfeifen in der 3. Liga. Der Grimmaer Alexander Sather ist auf der Karriere-Leiter noch weiter nach oben geklettert und übernimmt Spiele der 2. Fußball-Bundesliga. Damit verbunden sind Einsätze in der 1. Liga als Assistent und vierter Offizieller.

Grimma. Alexander Sather ist auf der Referee-Leiter weiter nach oben geklettert. Der 30-Jährige pfeift seit dieser Saison Spiele der 2. Fußball-Bundesliga und gehört damit zu den 42 Elite-Schiedsrichtern Deutschlands.

Der vorläufige i-Punkt seiner atemberaubenden Karriere ist, dass er mit dem neuerlichen Aufstieg nun bei Bundesligaspielen als Assistent und vierter Offizieller eingesetzt wird. Die mächtigste Kulisse erlebte er bislang mit 57 000 Zuschauern am 5. November im ausverkauften Volksparkstadion, als er beim Spiel zwischen dem Hamburger SV und Borussia Dortmund (2:5) an der Linie stand. „Man unterscheidet nicht zwischen laut und lauter, sondern ist wie in einem Tunnel und auf seine Aufgabe fixiert“, sagt er.

Alexander Sather ist längst in den großen Fußstapfen seines Vaters Harald Sather (56), der als Fifa-Linienrichter 103 internationale und 220 Bundesligapartien bestritt, angekommen. Seine Leidenschaft für den Job mit der Pfeife und sein Ehrgeiz beflügeln den jungen Mann vom FC Grimma, der auf der Schiri-Leiter keine Sprosse ausgelassen hat und derzeit Mitteldeutschlands ranghöchster Unparteiischer ist. Auch in seinen drei Schiri-Jahren in der 3. Liga ist Sather junior den Beobachtern positiv aufgefallen. Er ist athletisch fit, jung und dennoch erfahren. „Im Sommer war klar, dass ich in der 2. Liga pfeifen darf. Ich war hocherfreut“, erzählt der 30-Jährige. Das grüne Licht kam vom Schiedsrichterausschuss-Vorsitzenden von NOFV und DFB, Udo Penßler-Beyer und Herbert Fandel. Damit ist Sather jetzt auf dem Platz nur noch im Profibereich tätig, hin und wieder leitet er noch brisante Spiele der Regionaliga wie zuletzt Jena gegen Cottbus. Das macht ihn stolz, „man muss aber aufpassen, bodenständig zu bleiben“, sagt Sather, der bereits im Alter von Elf seinen Schiedsrichterschein machte.

Das erste Spiel, das er in der 2. Liga unter seinen Fittichen hatte, war am 9. September die Partie Würzburg gegen Bochum (2:0). „Ich wollte den Abend genießen und locker durchkommen“, so Sather. Die vier bis fünf strittigen Strafraumszenen habe er richtig beurteilt und die Feuertaufe bestanden, freut sich der Grimmaer. Es folgten Fürth gegen Heidenheim (0:2) am 15. Oktober und Sandhausen gegen Union (0:1) am 27. November. Sein Debüt als Assistent in der Bundesliga erlebte Sather beim Spiel zwischen Mönchengladbach und Bremen. In der Regel agiert er im Monat in der Bundesliga einmal als Assistent und einmal als vierter Offizieller, pfeift ein Spiel in der 2. Liga und eins in der 3. Liga. Zur Zeit ist Winterpause, seine nächsten Einsätze kennt der 30-Jährige noch nicht. „Ich weiß 14 Tage vorher, dass ich die Tasche packen muss, aber erst drei Tage vorher, wohin es geht.“

Alexander Sather muss praktisch zwei Berufe unter einen Hut bringen. Der gelernte Kfz-Mechatroniker verantwortet seit 2013 bei der Gruma Automobile GmbH Grimma die Vermietung von Nutzfahrzeugen und hat einen Gleitzeitvertrag in der Tasche. „Ich habe alle Freiheiten“, ist er seinem Chef Frank Weike, zugleich Vorstandsmitglied im FC Grimma, dankbar. Denn Sather ist durch seine Schiedsrichterei ständig auf Achse. Vor Spielen, auch unter der Woche, muss er einen Tag vor Anpfiff anreisen und absolviert ein straffes Trainingsprogramm. Drei- bis fünfmal in der Woche ist er jeweils zwei bis zweieinhalb Stunden in der Spur. Sein in Leipzig beheimateter Personal-Trainer Ronny Martick, mehrfacher Deutscher Meister über 800 Meter, erstellt einen auf Sather zugeschnittenen Trainingsplan: Dauerläufe, Sprints, Kurzstrecken, Schwimmen, Radfahren... Und donnerstags lässt sich der Grimmaer in der Physio seine Muskeln lockern. In dieser Woche nimmt Sather am DFB-Trainingslager für die 42 Elite-Schiedsrichter sowie Fifa- und Erstliga-Assistenten auf Mallorca teil. Hier gehe es um Theorie und Sport, so der 30-Jährige. Der Fußballbund organisiere zudem ein Sommerlager.

Indes gibt es das Berufsbild Schiedsrichter nicht, so dass Sather neben der Anstellung im Autohaus so etwas wie einen Zweitjob hat und wie alle Unparteiischen ab 3. Liga eine Ein-Mann-Firma gründete. Denn Schiri-Einkünfte sind zu versteuern. In der 3. Liga gibt es 750 Euro brutto pro Spiel, eine Etage höher sind es schon 2000 Euro Honorar. Wer ein Spiel der Bundesliga pfeift, streicht 3800 Euro ein. „Die Assistenten und vierten Offiziellen erhalten in der Regel die Hälfte“, verrät Sather.

Auch die Auslagen ersetzt der DFB. Sather nimmt für drei von vier Spielen den Flieger und ist deshalb froh, in Grimma zu leben. Rasch sei er auf den Flughäfen in Leipzig oder Dresden.

Alexander Sather hat mit der 2. Liga sein nächstes Ziel erreicht. Jetzt geht es ihm erst mal darum, „die Klasse zu halten“ und sich für Spiele anzubieten. Bestimmt, entscheidungsfreudig und taktisch klug will er auf dem Platz agieren. Der Mut zu unpopulären Entscheidungen gehöre dazu, sagt der Grimmaer und weiß um das „extreme Verantwortungsbewusstsein“ eines Spielleiters. Sather will sich weiter bewähren und eines Tages an die Tür zur Bundesliga klopfen. Zunächst werde er seinen Erfahrungsschatz ausbauen, „um irgendwann den Traum der 1. Liga träumen zu dürfen“, sagt er. Vieles spricht für ihn, auch das Alter. In den drei deutschen Profiligen darf man bis zum 47. Lebensjahr pfeifen. Eines aber weiß er genau: „Zwischen erster und zweiter Liga sind Welten.“ Die Geschwindigkeit sei ebenso höher wie die mediale Präsenz, der Druck auf den Schiedsrichter, der für alles den Kopf hinhalten muss, wachse, sagt der junge Mann, der auch schon internationale Testspiele leitet.

Alexander Sather, der in Grimma das Licht der Welt erblickte und aufwuchs, ist in seiner Heimat fest verwurzelt. Im Fußballverband Muldental/Leipziger Land arbeitet er ehrenamtlich als Nachwuchs-Kaderleiter und im Schiedsrichterausschuss und nimmt so junge Referees an die Hand.

Allerdings ist er derzeit „wie so viele Schiedsrichter“ selbst nicht in festen Händen. „Die Frau, die das ganze Theater mitmacht, muss man erst mal finden“, meint der 30-Jährige.



Interview vom 19.01.2017 (Frank Prenzel)