Datum: Sonntag, 28.09.1997

Anstoß: 14.00 Uhr

Spielort: Stadion der Freundschaft, Grimma

Ergebnis: 3:0 (1:0)

Zuschauer: 400



NOFV-Oberliga Süd • 8. Spieltag

SV 1919 Grimma – SV JENAer Glaswerk  3:0 (1:0)

Grimma: Mieglitz – Wohllebe, Löwe, Gießner, Zieger, Liebich, Wimberger, Braun, Krahl, Birnbaum, Pörschmann – Trainer: Lisiewicz

JENAer Glas: folgt – Trainer: Oevermann

Schiedsrichter: Seeger (Gera) – Tore: 1:0 Wimberger (7., Foulstrafstoß), 2:0 Krahl (79.), 3:0 Birnbaum (85.) – Gelb-Rote Karten: Jähnisch (JENAer Glas) wegen wiederholten Foulspiels (67.) – Zuschauer: 400 im Stadion der Freundschaft zu Grimma


Spielberichte

Unter Dauerdruck zerbrach die Gäste-Abwehr

Grimma. Nach der Schlappe in Dessau musste man eigentlich um die Grimmaer Oberliga-Kicker fürchten. Schließlich hatte sich der sonntägliche Gast, SV Jenaer Glaswerk, zuletzt gegen Suhl und VfL Halle in Siegeslaune gebracht und wollte auch im Stadion der Freundschaft drei Punkte einheimsen. Eine Rechnung, die das Oevermann-­Team aber ohne den Wirt gemacht hatte.

Knapp 400 Zuschauer erlebten bei herrlichem Fußballwetter eine von Anbeginn vehement angreifende Jenaer Mannschaft. Doch diese Anfangsoffensive brachte nichts ein, außer zwei Schüssen und einem Kopfball auf das Mieglitz-Gehäuse. Und plötzlich taucht Birnbaum im Jenaer Strafraum auf, die nicht immer sattelfeste Abwehr der Glaswerker weiß sich nicht anders zu helfen als den Grimmaer Blondschopf wegzusäbeln – Elfmeter! Wimberger legt sich das Leder zurecht, läuft an, schießt – 400 jubeln, denn ihre Mannschaft führt mit 1:0.

Wenig später die nächste große Gelegenheit. Liebich (15.) stürmt im Verein mit Birnbaum auf das Jenaer Tor zu, muss noch um Torwart Rottstädt herum. Der Ableger zu Birnbaum kommt zu spät, die Gäste-Abwehr ist zur Stelle. Trainer Rainer Lisiewicz lobte den Neuzugang aus Döbeln: „Mirko hat sich gut eingespielt, ist eine echte Bereicherung geworden." Zwei Spieler, Liebich und Wimberger, fielen an diesem Tag besonders auf. Der eine wie der andere war unablässig auf Achse. Wenn Grimma am Ende verdient siegte, kann man Wimberger getrost als Vater des Sieges bezeichnen. Denn das 2:0 (79.) hätte er genauso gut erzielen können wie Krahl. Von diesem angespielt, umkurvt er Rottstädt, passt noch einmal zu Krahl, der nur noch den Fuß hinzuhalten braucht.

Damit waren die Gäste fast gebrochen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten sie sich einige Chancen herausgespielt, die Mieglitz jedoch mit Reaktionsschnelle zunichtemachte. Aber auch Grimma hatte in einer leidenschaftlich geführten Partie durchaus die Möglichkeit, schon vorher den Sack zuzubinden. So nach Brauns Schuss (21.), Wohllebes Sturmlauf aus der eigenen Hälfte heraus (34.), Wimbergers Freistoß (39.) oder Pörschmanns Durchbruch (61.). Vor allem in der zweiten Halbzeit hatten die Muldestädter Jena besser im Griff, spielten druckvoller.

Und dieser Druck hinterließ Wirkung. Die Gäste-Abwehr bröckelte immer mehr. Immer öfter griffen die Glaswerker zu unfairen Mitteln (fünf Gelbe Karten), um die Grimmaer Angriffe zu unterbinden. Als dann gar noch Jähnisch nach wiederholtem Foulspiel den Rasen verlassen musste (69.), ahnten Zuschauer und Mannschaft, dass der Sieg greifbar nahe war. Für gelungene Aktionen gab es Szenenapplaus, das Publikum ging voll mit und spornte die Mannschaft an.

Trainer Rainer Lisiewicz konnte es sich leisten, auf Auswechslungen zu verzichten. Jeder hab sein Bestes, kein Vergleich zum Dessau-Spiel. Und dann fiel eben jener Treffer zum 2:0. Von nun an marschierten die Kreisstädter mit aller Kraft in Richtung Jenaer Gehäuse. Wimberger schickt mit langem Pass Krahl (82.), doch Rottstädt kann noch einmal klären. Den Endstand erzielte dann Birnbaum, der trotz seines Trainingsrückstandes gut mithielt. Wieder war es ein langer Pass, mit dem die Gäste-Abwehr geknackt wurde. Der Grimmaer Stürmer behielt die Übersicht, jagt das Leder zum 3:0 in die Maschen (85.).

Nun kannte der Jubel keine Grenzen mehr. Wer wollte es dieser Mannschaft auch verdenken? Dieser hochwichtige Sieg ging völlig verdient an die Muldestädter, die keinen Ausfall in ihren Reihen hatten, gegenüber Dessau nicht wiederzuerkennen waren. Allerdings muss man auch kritisch fragen, wo stünde der SV 1919 Grimma, wenn die Mannschaft eine solche Leistung in allen Spielen gezeigt hätte. Mit diesem Sieg jedenfalls hat die Lisiewicz-Elf gezeigt, dass sie über die spielerische Mittel verfügt, auf besseren Tabellenplätzen als dem augenscheinlichen zu stehen.

Trainer Rainer Lisiewicz freute sich natürlich, bemerkte aber auch: „In der ersten Halbzeit hatten wir einige Probleme mit den läuferisch starken Glaswerkern. Doch dann haben wir sie zusehends unter Druck gesetzt und uns damit den Sieg auch verdient. Auf jeden Fall war es eine ganz starke Mannschaftsleistung ohne Abstriche. Hervorzuheben eben Frank Wimberger und Mirko Liebich. Wenn wir in die nächsten Punktspiele ebenso engagiert gehen, ist mir nicht bange.“

Bedanken möchte sich die Mannschaft nicht nur bei ihren treuen Fans für die Unterstützung, sondern auch bei den Firmen Elektro Zschau und Arktis Klima und Kälte GmbH. Beide sponserten eine Waschmaschine und einen Wäschetrockner für die Spieler-Dresse.

Andreas Rücker


Gastgeber behalten Punkte

Grimma. Die Gastgeber hatten in der ersten Spielhälfte einige Probleme mit den laufstarken Gästen. Nach dem frühen Führungstor zog dann mehr Sicherheit ins Spiel der Grimmaer ein, die sich einige Chancen erspielten (Liebich, Wohllebe, Wimberger). Jena blieb stets gefährlich, vor allem, wenn das Konterspiel aufgezogen wurde. Bei diesen Aktionen konnte sich Grimmas Torwart Mieglitz auszeichnen. So parierte er gegen Leopold (17.) und Häußler glänzend. In der zweiten Halbzeit zog Grimma das Tempo an, kam damit auch zu mehr Chancen (Pörschmann, Birnbaum). Jena nun unter Druck stehend, zeigte sich anfällig. Drei Chancen waren alles: Leopold (52.), Häußler (58.) und Schmiedehausen (63.). In der 67. Minute musste Jähnisch nach wiederholtem Foulspiel mit Gelb-Rot vom Platz. Damit waren für Jena alle Messen gesungen.

Der Dauerdruck von Grimma ließ die Gäste-Abwehr bröckeln. Hervorragend herausgespielt das 2:0 durch Krahl. Lang geschickt, passte er im Strafraum quer zu Wimberger, der Torwart Rottstädt umspielte, noch einmal auf Krahl ablegte. Jenas Gehäuse wurde nun pausenlos berannt. Das 3:0 fiel durch Birnbaum, der die völlig entblößte Abwehr überlief und vollendete. Trainer Rainer Lisiewicz lobte nach dem Spiel besonders Wimberger und Liebich. Der Routinier und der Neuzugang aus Döbeln lieferten eine tadelsfreie Partie. Überhaupt hatte sich Grimma den Sieg verdient, weil die Mannschaft eine beherzte, leidenschaftlich geführte Partie bot.

Andreas Rücker


Grimma. Am 8. Spieltag endlich mal wieder zufriedene Gesichter im Grimmaer Lager. Durch ein verdientes 3:0 gegen keineswegs schlecht spielende Jenenser wurde sich etwas Luft im Abstiegskampf verschafft. Förderlich für Grimma sicherlich das frühe Elfmeter-Tor von Wimberger.

Allerdings dann auch Torchancen für die Gäste, die Mieglitz teilweise hervorragend vereitelte. Auch nach der Pause gutes Spiel beider Teams, das nach der Gelb-Roten Karte für Jena und dem 2:0 durch Krahl (79.) entschieden war.

Leipziger Fußball-Jahrbuch 1997/98


Der Spieltag in der Übersicht

VfB Chemnitz – SV 1910 Kahla  1:0

FSV Hoyerswerda – FC Carl Zeiss Jena Amat.  1:1

Dresdner SC – SV  Fortuna Magdeburg  0:1

1. Suhler SV 06 – FV Zeulenroda  4:0

Bischofswerdaer FV 08 – FV Dresden Nord  0:1

Bornaer SV – FC Anhalt Dessau  1:3

SV 1919 Grimma – SV JENAer Glaswerk  3:0

Hallescher FC – VfL Halle 96  0:4