Datum: Sonntag, 08.10.2000

Anstoß: 14.00 Uhr

Spielort: Stadion der Freundschaft, Grimma

Ergebnis: 3:1 (0:0)

Zuschauer: 356



Sachsenpokal • Achtelfinale

SV 1919 Grimma – FC Stahl Riesa 98  3:1 (0:0)

Grimma: folgt – Trainer: i. V. Niklasch

Schiedsrichter: Oehme (Witzschdorf) – Tore: 0:1 Mittenzwei (50.), 1:1 Fiedler (63., Selbsttor), 2:1 Pörschmann (78.), 3:1 Liebich (80.) – Zuschauer: 356 im Stadion der Freundschaft zu Grimma

 

Grimma drehte in den letzten 20 Minuten Spieß um

Grimma. Wohl kaum einer der 356 Zuschauer im Stadion der Freundschaft gab dem SV 1919 Grimma nach dem 0:1 noch eine Chance. Bis zu eben jener 50. Spielminute im Fußball-Landespokal bestimmte der Gast, FC Stahl Riesa, mehr oder weniger das Geschehen. Doch da erwachte der Kampfgeist der Lisiewicz-Elf.

Dabei konnte der im Urlaub weilende Trainer das Geschehen selbst nicht verfolgen. Umso mehr dürfte er sich gefreut haben, zu welcher Leistung sich seine Mannschaft in der Endphase des Pokalfights aufschwang. Da war nichts mehr vom Leerlauf des letzten Punktspiels zu sehen. Plötzlich fand man wieder zu mannschaftlicher Geschlossenheit.

Auch die Anfangsminuten begannen für Grimma nicht schlecht. Da schaltete sich Steffen Ziffert immer wieder in den Angriff mit ein, hatte eine Kopfballchance. Da glänzte Routinier Detlef Schößler mit Kabinettstückchen (sehenswert seine Hackenablage). Doch unverständlich, warum man dann den Gast immer mehr die Initiative überließ.

Grimma zog sich oft mit elf Mann in die eigene Hälfte zurück und Riesa nutzte das weidlich. Es war eine halbe Stunde vergangen, da mussten Keeper Ronny Winkler und Sven Birnbaum gemeinsam gegen Christian Mittenzwei klären. Nur eine Minute später rettete Ronny Winkler gegen Torsten Runge. Grimma schien wieder auf das Niveau des Plauen-Spiels abzudriften.

Kurz nach dem Seitenwechsel zog ein Stöhnen durch die Zuschauerränge. Heiko Pörschmann ließ Keeper Thomas Busch aussteigen und hatte das leere Tor vor sich. Dann zögerte der Grimmaer zu lange und scheiterte an den beiden herbeigeeilten Verteidigern. Dieses mangelnde Selbstbewusstsein kennzeichnete eigentlich den Spielverlauf.

Um so mehr als es nach einem Ballverlust in der Riesaer Hälfte plötzlich 0:1 stand (50.). Der auffälligste Riesaer Angreifer, Christian Mittenzwei, schloss den Konter sicher ab.

Dieser Rückstand aber rüttelte die Grimmaer wach. Mit einer „Nun-erst-recht-Stimmung“ übernahmen sie plötzlich das Zepter. Ausdruck des plötzlichen Sinneswandels war das 1:1. Zwar half dabei ein Riesaer kräftig mit, zuzuschreiben ist es aber dem Grimmaer Kampfgeist. Sven Birnbaum zog eine Eingabe scharf vor den Torraum und Andreas Fiedler knallte das Leder vor dem einschussbereiten Nico Zieger in die eigenen Maschen (63.). Eine Schrecksekunde hatte Grimma noch zu überstehen, als Daniel Küttner nur den Pfosten traf (67.). Dann dominierte Grimma und gab eindrucksvoll die Antwort.

Der drangvolle Ragnar Zaulich scheiterte mit einem Kopfball (68.). Thomas Brumme (73.) wurde für Nico Zieger, der längst noch nicht in alter Form ist, eingewechselt und sorgte sofort für Druck. Zuerst musste sich Thomas Busch bei einem Kopfball von Sven Birnbaum mächtig strecken, um das Leder mit den Fingerspitzen noch zur Ecke zu lenken (76.). Dann fasste sich Heiko Pörschmann endlich ein Herz. Aus spitzem Winkel knallte er den Ball zum 2:1 in die Maschen (78.). Und der SV 1919 ließ keinen Zweifel daran aufkommen, dass er gewillt war, Riesa aus dem Pokal zu eliminieren. Ganze zwei Minuten später baute Mirko Liebich die Führung aus. Nach einer überlegten Eingabe von Thomas Brumme brauchte der Grimmaer nur doch den Fuß hinzuhalten.

Damit gab sich der SV 1919 allerdings nicht zufrieden. Als müssten sich die Spieler den ganzen Frust der letzten Zeit von der Seele spielen, wurde Riesa unter Druck gesetzt. Da setzte Detlef Schößler auf der rechten Seite zu einem Sturmlauf an. Seine Eingabe schob Thomas Brumme freistehend knapp neben das Tor (83.). Daniel Wohllebe überraschte Thomas Busch mit einer Bogenlampe. Doch der Ball sprang von der Querlatte wieder ins Spielfeld (89.). In diesem Spielrausch störte es niemand, dass Ronny Winkler noch einmal Christian Mittenzwei den Schneid abkaufen musste. Zumal Schiedsrichter Oehme (Witzschdorf) wenig später die Partie abpfiff.

Wolfgang Schlick, Sportlicher Leiter der Abteilung Fußball, strahlte: „In den letzten 20 Minuten hat die Mannschaft gezeigt, zu was sie spielerisch fähig ist. Wir mussten es mit Nico Zieger versuchen, um ein konkretes Bild über seinen Leistungsstand zu haben.“ Auch Co-Trainer Joachim Niklasch war mit seiner Mannschaft zufrieden: „Nach dem 0:1 haben wir plötzlich zu mannschaftlicher Geschlossenheit gefunden. Und damit erzeugten wir ein deutliches spielerisches Übergewicht, das sich letztlich auch im Ergebnis widerspiegelte.“

Quelle: Andreas Rücker • LVZ Muldental


Der Spieltag in der Übersicht

folgt