NOFV-Oberliga Süd • 26. Spieltag
FC Grimma – FC Einheit Wernigerode 2:1 (0:0)
Grimma: Čáp – Bartsch, Mattheus, Janz, Pistol – Rieger (ab 90. Seidl), Vogel, Ziffert, Katzenberger (ab 71. Spreitzer) – Hübner (ab 90.+2 Nitschke), Werner – Trainer: Dörfer
Wernigerode: Lohse – Singbeil, Kuhnhold, Hess – Lisowski (ab 71. Raeck), Wersig, Engelhardt (ah 81. Farwig), Pillich (ab 71. Julius Schmidt) – St. Louis (ab 62. Hunter), Taiwo, Treu (ab 62. Dörnte) – Trainer: Mehr
Schiedsrichter: Bräuer (Nordhausen) – Schiedsrichter-Assistenten: Rauschenberg (Wenigenlupnitz), Poser (Jena) – Tore: 1:0 Werner (55.), 1:1 Singbeil (68.), 2:1 Vogel (74., Foulstrafstoß – Lohse an Hübner) – Gelbe Karten: Werner (Unsportlichkeit – 57.) – Lohse (Foulspiel – 73.), Hunter (Foulspiel – 90.+4) – Reservebänke: Tsarenko (Tor), Förster, Markus, Rasser – Sparwasser (Tor), Liese, Radomski, Pandyal – Zuschauer: 106 im Husaren-Sportpark zu Grimma
Grimma. Der FC Grimma hat seinen allerletzten Strohhalm hinsichtlich des Oberliga-Klassenerhaltes ergriffen. Im heimischen Husaren-Sportpark bezwangen die Muldestädter den FC Einheit Wernigerode mit 2:1 (0:0) und haben vier Spieltage vor Saisonende den Rückstand auf den ersten Nichtabstiegsplatz auf zwei Punkte reduziert. Dabei war der Mannschaft in den ersten 45 Minuten der Druck des Gewinnen-Müssens spürbar anzumerken, in dieser Phase agierte man vor allem im Offensivspiel deutlich unter Schnitt. Nach dem Wechsel wurde die Vorstellung der Hausherren dann etwas besser, wobei man dem Gegner an diesem Tag vor allem in Sachen Effektivität etwas voraus hatte. Nichtsdestotrotz hing der knappe Heimsieg in der Endphase durchaus am seidenen Faden, doch brachten die Muldestädter die existenziellen drei Punkte mit etwas Glück über die Ziellinie. Demzufolge konnte Trainer Marcus Dörfer nach dem Abpfiff erst einmal tief durchatmen. „Wir haben gewusst, dass dies heute unsere letzte Chance ist, alles außer ein Sieg hätte uns nicht geholfen. Dies hat man meiner Mannschaft in den ersten 45 Minuten dann auch deutlich angemerkt, wo wir Glück hatten, nicht hinten zum liegen“, resümierte der FC-Coach. „Nach dem Wechsel lösten sich nach dem Führungstreffer etwas die Blockaden, auch wenn wir wiederum einen absolut vermeidbaren Ausgleichstreffer hinnehmen mussten. Nichtsdestotrotz hat uns dieser nicht umgeworfen, die Jungs sind standhaft geblieben und konnten einen robusten Gegner am Ende des Tages in die Knie zwingen. Mit diesem Sieg sind wir weiterhin im Rennen, doch brauchen wir nicht groß drumherum zu reden, dass wir am Sonntag in Sandersdorf zwingend nachlegen müssen.“ Dörfers Gegenüber, Florian Mehr, hatte die Ursachen für die Niederlage schnell festgemacht. „Wir waren in der ersten Halbzeit klar überlegen und müssen dort zwingend unsere zwei klaren Möglichkeiten nutzen. Dann nimmt das Spiel eine ganz andere Entwicklung“, so der 36-Jährige, der seit Januar 2025 auf der sportlichen Kommandobrücke des FC Einheit Wernigerode sitzt. „Nach der Pause geraten wir nach dem Rückstand natürlich unter Zugzwang und verschulden nach unserem Ausgleich auch den Grimmaer Elfmeter selbst. Aber selbst danach hatten wir immer noch Gelegenheiten, um wenigstens einen Punkt mit nach Hause zu nehmen. Insgesamt ist daher das Ergebnis für uns sehr enttäuschend, da wir von diesen Spielen schon einige in dieser Saison erleben mussten. Nichtsdestotrotz müssen wir selbstredend den Kopf oben behalten, auch wenn wir eigentlich schon zehn Punkte mehr hätten haben müssen. Für uns kommt es nun darauf an, in den restlichen fünf Begegnungen die nötigen Zähler einzufahren, die wir noch für den endgültigen Klassenerhalt benötigen.“
Wer sich im Vorfeld auf einen fußballerischen Leckerbissen eingestellt hatte, musste sich erwartungsgemäß fragen, ob er sich dafür das richtige Spiel ausgesucht hat. Für beide Teams ging es in dieser Begegnung um richtig viel, so dass es völlig klar war, dass physische Komponenten die Hauptrolle spielen werden. Für die gastgebenden Muldestädter zählten nur die drei Punkte – der Gast aus dem Harz wollte den 2:0-Heimsieg unter der Woche gegen Stendal mit weiteren Zählern untermauern, um damit den Klassenerhalt festzuzurren. Und genau dieser nervliche Druck prägte die ersten 45 Minuten – vor allem bei den Grimmaern lief im ersten Durchgang so gut wie gar nichts zusammen. Wernigerode war die bessere Mannschaft, ohne allerdings Bäume auszureißen. Nichtsdestotrotz hätten die Kicker vom Mannsberg bei einer effektivieren Chancenverwertung die Partie bereits in der ersten Halbzeit in die eigenen Bahnen lenken können. Nach einem folgenschweren Missverständnis zwischen Lucas Bartsch und Nico Rieger hätte der allein auf das Tor zusteuernde Benjamin St. Louis den Gast zwingend in Führung bringen müssen, doch viel zu überhastet schob er die Kugel am langen Eck vorbei (14.). Wenig später vergab Sturmtank Usman Taiwo die nächste hundertprozentige Gelegenheit für den Gast, als er eine Eingabe von Lucas Pillich aus Nahdistanz an die Querlatte drückte (26.). Wernigerode verpasste es daher in der ersten Hälfte die Weichen für einen Auswärtssieg zu stellen, nach einem Eckball von Niclas Treu ließ Innenverteidiger Hendrik Kuhnhold per Kopf eine weitere gute Möglichkeit ungenutzt (vorbei, 39.). Die Muldestädter hatten im ersten Durchgang große Probleme ins Spiel zu kommen. Ansätze waren sicherlich vorhanden, doch blieb die Dörfer-Elf in den eigenen Offensivbemühungen viel zu unsauber und fehlerhaft. Es war bezeichnend, dass die einzige Torannäherung der Hausherren aus einer Standardsituation resultierte – ein direkt auf das Tor gezogener Freistoß von Jan Hübner holte Einheit-Schlussmann Franz Günther Lohse aus dem oberen Eck (22.).
Demzufolge konnte die Vorstellung der Gastgeber in den zweiten 45 Minuten nur besser werden – und ja, sie wurde es. Hilfreich war diesbezüglich unumstritten, dass die Muldestädter mit dem ersten Torabschluss nach dem Wechsel sofort in Führung gingen. Einen Freistoß von Hübner fand den Kopf des sich hochschraubenden Kevin Werner – mit Unterstützung des Innenpfostens schlug die Kugel unhaltbar zum 1:0 ein (55.). Damit lösten sich allmählich die Blockaden der Hausherren, die nun deutlich besser im Spiel waren. Nach sehenswerter Vorarbeit von Toni Ziffert hätte Philipp Katzenberger sofort den zweiten Treffer nachlegen können, doch verfehlte der Linksfuß das kurze Eck (58.). Allerdings waren die Hausherren weiterhin auch in der Pflicht, in der Defensive ohne Risiko zu operieren. Nach einem Doppelpass mit Kuhnhold rettete Werner im letzten Moment bei einem Versuch von Jannis Lisowski vor dem einschussbereiten Taiwo (65.), ehe die Hausherren kurz darauf trotzdem den Ausgleich hinnehmen mussten. Nach einem langgezogenen Freistoß von Gino Dörnte lief Moritz Singbeil am zweiten Pfosten unbehelligt ein und köpfte die Kugel zum 1:1 ins kurze Eck (68.). Ein leicht mulmiges Gefühl durchfuhr den Grimmaer Verantwortlichen fortan durch die Magengegend, doch ließ sich die Elf glücklicherweise nicht von diesem Nackenschlag aus der Bahn werfen. Stattdessen nahmen die Einheimischen ein Geschenk der Gäste dankend an, um wieder in Führung gehen zu können. Nach einem Zuspiel von Singbeil unterlief Torhüter Lohse bei der Ballannahme ein folgenschwerer Stockfehler – Hübner spritzte dazwischen und konnte vom Einheit-Keeper daraufhin nur per Foulspiel im Strafraum gestoppt werden. Alexander Vogel übernahm vom Elfmeterpunkt Verantwortung und drosch das Streitobjekt humorlos zum 2:1 in die Maschen (74.). Kurz darauf lag nach einer Flanke von Bartsch sogar das dritte FC-Tor im Bereich des Möglichen, doch nach Kopfball-Vorarbeit von Robin Spreitzer kam Werner nur um Sekundenbruchteile zu spät (77.). Zur Wahrheit gehört allerdings auch dazu, dass der Gast aus Wernigerode in der Schlussphase noch einmal gehörig Dampf machte und alles auf eine Karte setzte. Nach einem Eckball des eingewechselten Nyger Hunter entschied Schiedsrichter Bräuer (Nordhausen) glücklicherweise auf Stürmerfoul von Mika Hess an Nico Rieger und nicht umgekehrt (80.) – 60 Sekunden später nahm FC-Torhüter Ondřej Čáp dem frei durchgebrochenen Taiwo den Ball vom Fuß, nachdem dieser ihn umspielen wollte (81.). Auf der Gegenseite waren daher zwangsläufig Grimmaer Kontermöglichkeiten vorhanden, doch spielte man diese bereits im Ansatz leider viel zu unsauber zu Ende. So blieb die Begegnung bis zum Ende extrem spannend, doch als der eingewechselte Maximilian Farwig einen Freistoß aus zentraler Position über das Gehäuse zog (88.), sollte der eminent wichtige Grimmaer Heimsieg langsam Gewissheit werden. Auch eine fünfminütige Nachspielzeit überstanden die Muldestädter unbeschadet, so dass die Freude der Einheimischen nach dem anschließenden Abpfiff selbstredend riesengroß war.
Fazit: Drei ganz wichtige Punkte für die Dörfer-Schützlinge, die damit weiterhin im Rennen um den Klassenerhalt bleiben. Freilich ist die Ausgangsposition nach wie vor schwierig, doch nach diesem Heimsieg nicht unmöglich. Grundlage dafür ist allerdings, dass die Muldestädter am Sonntag bei der SG Union Sandersdorf weiter anschreiben.
Bericht: © Tom Rietzschel
Fotos: © Dieter Koch



























































