NOFV-Oberliga Süd • 22. Spieltag
FC Grimma – 1. SC 1911 Heiligenstadt 4:0 (3:0)
Grimma: Tsarenko – Bartsch, Mattheus, Janz, Pistol – Rieger (ab 71. Markus), Vogel, Ziffert, Spreitzer (ab 67. Seidl) – Werner (ab 71. Kind), Tröger (ab 83. Schulze) – Trainer: Dörfer
Heiligenstadt: Fröhlich – Stashenko (ab 66. Akhtyrskyi), Gorges, Voilenko (ab 82. Köhler), Göbel – von Breitenbuch (ab 46. Pietsch) – Fiedler (ab 46. Bako), Schnellhardt, Wolanski, Tavares – Ruprecht (ab 66. Gümpel) – Trainer: Seipel
Schiedsrichter: Behm (Eberswalde) – Schiedsrichter-Assistenten: Riemer (Eisenhüttenstadt), Böhme (Ludwigsfelde) – Tore: 1:0 Janz (3.), 2:0, 3:0, 4:0 Vogel (25., 35., 62.) – Gelbe Karten: Janz (Foulspiel – 38.), Reisinger (Unsportlichkeit – 53. – als Auswechselspieler), Mattheus (Foulspiel – 67.), Seidl (Foulspiel – 77.), Ziffert (Foulspiel – 83.) – von Breitenbuch (Foulspiel – 14.), Gorges (Foulspiel – 23.), Voilenko (Foulspiel – 40.), Fröhlich (Foulspiel – 42.), Tavares (Unsportlichkeit – 68.), Pietsch (Foulspiel – 75.), Akhtyrskyi (Foulspiel – 89.) – Reservebänke: Förster, Reisinger, Ambrosius – J. Lerch (Tor), Abdoul Aziz, Wilhelm – Zuschauer: 72 im Husaren-Sportpark zu Grimma
Grimma. Oberligist FC Grimma hat nach dem Punktgewinn gegen das Top-Team des RSV Eintracht 1949 (0:0) seinen positiven Trend eindrucksvoll fortgesetzt. Am Samstagnachmittag gewannen die Muldestädter im heimischen Husaren-Sportpark das „Sechs-Punkte-Spiel“ gegen den Aufsteiger 1. SC 1911 Heiligenstadt klar mit 4:0 (3:0) und verkürzten damit den Rückstand zum rettenden Ufer auf drei Punkte. Dabei legten die Schützlinge von Trainer Marcus Dörfer den Grundstein für den ersten Oberliga-Sieg seit Ende Oktober bereits in den ersten 45 Minuten. Defensiv äußerst schnörkellos, resolut und ohne Risiko agierend, nutzten die Hausherren bereits bis zur Pause die sich bietenden Möglichkeiten und gingen in diesem extrem wichtigen Spiel mit einer 3:0-Halbzeitführung in die Kabine. Nach dem Seitenwechsel blieben die Gastgeber in den Anfangsminuten zwar etwas zu passiv, doch nach etwas mehr als einer Stunde Spielzeit waren mit dem vierten FC-Treffer jegliche Messen gelesen. Demzufolge war Trainer Marcus Dörfer mit der Vorstellung seiner Elf sehr zufrieden, wohl wissend, dass nach dem letztwöchigen Punktgewinn, der für viele Fußball-Experten äußerst überraschend eintrat, in diesem Duell gegen einen unmittelbaren Konkurrenten um den Klassenerhalt extrem viel auf dem Spiel stand. „Ich muss meiner Mannschaft für eine sehr engagierte Leistung gratulieren. Die Erwartungshaltung nach dem sehr guten Spiel in der Vorwoche war nicht gering, ein gewisser Druck in einem Heimspiel gegen einen direkten Konkurrenten war dementsprechend vorhanden und spürbar“, so der FC-Coach. „Ich freue mich sehr, wie die Elf die taktischen Vorgaben umsetzen konnte und wie fokussiert sie insgesamt aufgetreten ist. Es war eine Fortsetzung der Vorstellung der Vorwoche, darauf können wir weiter aufbauen. Wir haben zum richtigen Zeitpunkt die Tore gemacht und am Ende des Tages einen Big Point im Abstiegskampf geholt. Freilich war es nur ein weiterer kleiner Schritt in die richtige Richtung, allerdings ein äußerst wichtiger.“ Im Lager des Aufsteigers war die Laune selbstredend eine ganz andere. „Wir haben wie eine Schülermannschaft verteidigt, so dass wir uns über dieses Ergebnis daher nicht wundern brauchen“, so ein völlig bedienter Heiligenstädter Trainer Benedikt Seipel. Nach dieser Niederlage mussten die Eichsfelder den 1. FC Lok Stendal (1:1-Remis in Auerbach) sogar in der Tabelle noch an sich vorbeiziehen lassen und sind nun wieder Träger der Roten Laterne.
Angesichts des sehr guten Ergebnisses vor sieben Tagen gegen einen Titelfavoriten der Staffel war bei den Grimmaer Verantwortlichen ein Fakt vor dem Anpfiff völlig klar. Der Punkt gegen Stahnsdorf kann nur etwas wert sein, wenn man nun gegen den Aufsteiger aus Heiligenstadt vor heimischer Kulisse die drei wichtigen Zähler hier behält. „Natürlich haben wir im Trainerteam über diesen Aspekt gesprochen, doch nicht vor der Mannschaft“, verrät Trainer Marcus Dörfer. „Nach der guten Vorstellung am letzten Samstag wollten wir nicht noch mehr zusätzlichen Druck erzeugen. Aber selbstredend sollte das jedem Spieler, der sich auch nur ein klein wenig mit dem Fußballsport beschäftigt, auch selbst klar sein.“ Zwar musste das Team im Vergleich zur Vorwoche erneut umgebaut werden, da mit Philipp Katzenberger (Gelb-Rot-Sperre), Jan Hübner (Gelb-Sperre) und Torhüter Ondřej Čáp (Nasenbeinbruch) gleich drei Stammspieler ersetzt werden mussten – doch konnte man im Vorfeld nicht im Geringsten ahnen, dass diese personellen Ausfälle überhaupt kein Handicap darstellen sollten. Ganz im Gegenteil – die Muldestädter begannen äußerst schwungvoll und gingen bereits in der Anfangsphase in Führung. Einen Eckball von Robin Speitzer verlängerte Toni Ziffert auf den zweiten Pfosten, wo Julian Janz rechtzeitig einlief und die Kugel aus Nahdistanz über die Linie drückte – 1:0 (3.). „Dies war genau der Auftakt, den wir uns vorgestellt hatten“, so FC-Trainer Dörfer. „Es war sofort spürbar, dass durch diesen Treffer weitere Potenzen im Team freigesetzt wurden.“ Dabei konnte man dem Grimmaer Übungsleiter nur beipflichten. Defensiv hatten die Hausherren zunächst alles unter Kontrolle, aus einer Vielzahl von Ballgewinnen im Mittelfeld fuhren die Muldestädter weiterhin zahlreiche vielversprechende Angriffe. Nach einem Einwurf von Bartsch und anschließender Kopfball-Verlängerung von Ziffert war Stefan Tröger dem Ausbau der Führung richtig nah, doch strich sein Kopfball knapp über den Kasten (15.). 120 Sekunden später flankte Lucas Bartsch gefährlich in den Gäste-Strafraum, alle möglichen Abnehmer kamen hier allerdings einen Schritt zu spät. „Mensch, die sind noch gar nicht auf dem Platz. Wir müssen hier zeitnah das zweite Tor machen“, brachte es Co-Trainer Benjamin Förster draußen an der Seitenlinie auf den Punkt. Doch nach gut 20 Minuten wurde der Neuling erstmalig vor dem FC-Gehäuse gefährlich. Nachdem der Ex-Erfurter Keliano Tavares die Kugel sehenswert in den Rückraum legte, nahm der ehemalige Bundesliga-Profi Fabian Schnellhardt (Darmstadt 98) das Streitobjekt technisch sauber direkt aus der Luft, doch mit einem Wahnsinns-Reflex verhinderte FC-Schlussmann Artem Tsarenko den Ausgleich (20.). Beim folgenden, kurz ausgespielten, Eckball deuteten die Eichsfelder abermals ihre Gefährlichkeit an, doch strich der Schuss von Tavares knapp am Ziel vorbei (21.).
Diese zwei Gelegenheiten waren allerdings die Einzigen, welche sich der Aufsteiger in den ersten 45 Minuten erspielen konnten. Verantwortlich war dafür die komplette Grimmaer Elf, die als Kollektiv mit viel Laufintensivität verteidigte und im Bereich des eigenen Strafraum sehr konsequent in die Zweikämpfe ging. Doch nicht nur das – auch im Spiel mit dem Ball hatten die Gastgeber klare Vorteile, so dass sich immer wieder Torchancen ergaben. Zunächst trudelte ein abgefälschter Freistoß von Alexander Vogel hauchzart am Gäste-Tor vorbei (24.), ehe nach dem folgenden Eckstoß erneut die Tor-Musik abgespielt werden konnte. In diesen abermals von Spreitzer hereingegeben Ball lief Vogel perfekt ein und ließ Bennet Fröhlich im Gäste-Gehäuse mit einem platzierten Kopfball keine Abwehrmöglichkeit – 2:0 (25.). Dieser Gegentreffer hinterließ bei den Westthüringern weitere deutliche Signalwirkung, Angriff auf Angriff rollte nun in Richtung Heiligenstädter Strafraum. Sehr gut von Vogel in Szene gesetzt, klatschte ein Schuss von Spreitzer nur an den Pfosten (29.) – wenig später trudelte ein weiterer Versuch von Spreitzer am langen Eck vorbei (33.). Doch nur wenige Sequenzen später profitierten die Hausherren von einem weiteren Ballverlust der Gäste und bauten das Ergebnis weiter aus. Nach einer flachen Eingabe von Spreitzer scheiterte Vogel zwar zunächst am gut reagierenden Fröhlich, doch schaltete der Absender als Erster und schob die Kugel im Anschluss mit links flach zum 3:0-Pausenstand ins lange Eck ein (35.).
Nach Wiederanpfiff brauchten die Hausherren jedoch eine gute Viertelstunde, um wieder ins Spiel zu kommen. Die Muldestädter begannen die zweiten 45 Minuten etwas zu passiv, indem man den Gästen zu viel Räume ließ und in den Zweikämpfen oftmals einen Schritt zu spät kam. Einmal wurde es vor dem eigenen Tor richtig kritisch, doch nach sehenswerter Vorarbeit von Tavares scheiterte der zur Pause eingewechselte Kristian Bako an Janz, der rechtzeitig auf der eigenen Torlinie rettete (59.). Allerdings war diese Aktion für die Grimmaer das Signal, um in der Folgezeit wieder mehr zu investieren. Dass die Elf dann kurze Zeit später entscheidend auf die Siegerstraße einbog, sorgte für generelle Erleichterung im FC-Lager. Nach einem Zuspiel von Albert Pistol profitierte abermals Vogel von einem Missverständnis in der Heiligenstädter Hintermannschaft und sorgte mit seinem Treffer zum 4:0 endgültig für klare Fronten (62.). In der Folgezeit schalteten die Hausherren etwas in den Verwaltungsmodus um – was dennoch auf den Kasten kam, meisterte Grimmas Schlussmann Tsarenko souverän. „Ich kann Artem zu seiner Leistung nur beglückwünschen. Nach der Verletzung von Ondřej Čáp hat er seine Aufgabe fehlerlos gelöst und mit einer gewissen Ruhe unserer Mannschaft den nötigen Rückhalt gegeben“, sparte Trainer Marcus Dörfer nicht mit Lob für seinen jungen Torhüter. Zunächst war der 20jährige Ukrainer bei einem Flachschuss von Tavares richtig postiert (68.), anschließend fing er einen Heber des eingewechselten Leon Gümpel geistesgegenwärtig ab, nachdem diese Gelegenheit sehenswert von Pietsch und Tavares eingeleitet wurde (74.). Auch bei einem Freistoß von Bako, der diesen aus spitzem Winkel direkt aufs Tor zog, ließ sich Tsarenko nicht überlisten und hielt seiner Mannschaft damit „die Null“ (78.). In der Schlussphase waren dann allerdings noch einmal die Muldestädter an der Reihe, die in der Nachspielzeit das Resultat sogar noch weiter hätten ausbauen können. Sehr gut von Ziffert und Vogel vorbereitet, verfehlte zunächst ein Schuss von Tommy Kind knapp das Ziel (90.+2). 60 Sekunden später scheiterte Valentin Seidl mit einem Linksschuss von der Strafraumgrenze am gut reagierenden Fröhlich, wobei eventuell die Ablage auf den mitgelaufenen Kind die bessere Option gewesen wäre (90.+3). Doch spielte dies nach dem anschließenden Abpfiff des sehr gut leitenden Schiedsrichters Behm (Eberswalde) überhaupt keine Rolle mehr. Mit einem klaren 4:0 (3:0)-Heimsieg über einen direkten Konkurrenten im Kampf gegen den Abstieg setzten die Muldestädter ein deutliches Achtungszeichen.
„Dieser dreifache Punktgewinn sollte der Mannschaft guttun, auch weil wir letzte Woche schon so nah dran waren“, so Trainer Marcus Dörfer. „Mit diesem Selbstvertrauen wollen wir nun am Samstag unser Pokal-Viertelfinale gegen den Chemnitzer FC angehen. Die Mannschaft hat dort vor einer sehr guten Kulisse nichts zu verlieren und kann völlig frei aufspielen. Wir werden uns diese Woche wieder ordentlich auf diese Begegnung vorbereiten, so dass die Elf am Samstag dem haushohen Favoriten einen ordentlichen Fight liefern kann. Der Druck ist bei Chemnitz – die müssen weiterkommen. Wir müssen gar nichts – außer unseren treuen Fans wieder eine ordentliche Leistung anbieten, indem wir alles in die Waagschale werfen. Und genau das wollen wir.“
Bericht: © Tom Rietzschel
Spielberichte
Blamage für 1. SC Heiligenstadt: „Haben verteidigt wie eine Schülermannschaft“
Grimma. Fußball-Oberligist 1. SC Heiligenstadt (SCH) hat im Kampf um den Klassenerhalt eine schallende Ohrfeige kassiert. Im Duell des vormaligen Vorletzten, der nun wieder Letzter ist, beim Drittletzten FC Grimma kassierten die Heiligenstädter nach enttäuschender Leistung vor nur 72 Zuschauern eine 0:4 (0:3)-Niederlage. Der Abstieg rückt für den Aufsteiger bei nur zwölf Punkten und noch neun ausstehenden Partien damit immer näher.
Heiligenstadts Trainer Benedikt Seipel fehlten nach dem 0:4 im übertragenen Sinn die Worte. „Das hatte mit Abstiegskampf nichts zu tun“, gab Seipel konsterniert zu. „Hier hat nur eine Mannschaft den Abstiegskampf angenommen“, kritisierte der SCH-Coach, der das Amt im vergangenen Oktober von Andre Thüne übernommen hatte. Und meinte damit nicht sein Team.
Bereits nach 36 Minuten war das so wichtige Duell um die Rettung quasi entschieden. Julian Luis Janz sorgte für Grimmas schnelles 1:0 (4.), der dreifache Torschütze Alexander Vogel (25./36.) legte dann nach. Bezeichnend für die Heiligenstädter Vorstellung: Die ersten beiden Gegentore fielen nach Eckbällen, weil die Gäste nicht gallig genug waren. „Wir haben verteidigt wie eine Schülermannschaft“, schimpfte Seipel.
Mit Grimmas viertem Treffer, den erneut Vogel erzielte (63.), war alles klar. Zwar hatte auch der SCH Chancen, traf aber mal wieder nicht. Fabian Schnellhardts Riesenmöglichkeit vereitelte Grimmas Schlussmann Artern Tsarenko vor dem Seitenwechsel stark. Und auch Kristian Bako sowie Leon Gümpel und Keliano Tavares, die beide frei vor dem gegnerischen Kasten scheiterten, waren nach der Pause nicht erfolgreich.
Was bleibt, ist Frust. „Jeder muss sich an die eigene Nase fassen und sich hinterfragen, ob er den Abstiegskampf angenommen hat. Wir müssen uns mehr wehren. Und unsere Aufgabe als Trainerteam wird es sein, nun herauszufinden, wer den Abstiegskampf annehmen will“, bilanzierte ein enttäuschter Seipel.
© Christian Roeber • Thüringer Allgemeine

