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Muldestädter setzen Rückrunden-Auftakt komplett in den Sand


NOFV-Oberliga Süd • 18. Spieltag

VfL Halle 96 – FC Grimma  6:1 (2:1)

Halle 96: Stark – Hüttig (ab 81. Cabral), Dos Santos (ab 81. Racine), Lubsch, Pessel – Shoshi (ab 64. Arzumanyan) – Rayko (ab 72. Kurti), Haese, Marks – Bölke (ab 72. Emmerich), Jagupov – Trainer: Shubitdize

Grimma: Čáp – Bartsch, Mattheus, Ziffert, Janz – Rieger, Vogel, Katzenberger (ab 69. Kögler), Spreitzer (ab 69. Rasser) – Kind (ab 88. Schulze), Werner (ab 69. Seidl) – Trainer: Dörfer

Schiedsrichter: Dietz (Berlin) – Schiedsrichter-Assistenten: Slotta, Stolze (beide Berlin) – Tore: 1:0 Bölke (15.), 2:0 Dos Santos (25.), 2:1 Vogel (37.), 3:1 Hüttig (60.), 4:1 Jagupov (67.), 5:1 Hüttig (69.), 6:1 Marks (76.) – Gelbe Karten: Shoshi (Unsportlichkeit – 22.), Arzumanyan (Foulspiel – 80.) – Katzenberger (Unsportlichkeit – 31.), Janz (Foulspiel – 53.), Kögler (Foulspiel – 79.) – Gelb-Rote Karten: Bartsch (Grimma) wegen wiederholten Foulspiels (45.+1) – Reservebänke: Adam (Tor) – Tsarenko (Tor), Förster, Reisinger, Ambrosius – Zuschauer: 69 im Stadion am Zoo (Kunstrasen) zu Halle

 

Halle. Der FC Grimma hat seinen Oberliga-Rückrundenauftakt gewaltig in den Sand gesetzt. Beim VfL Halle 96 unterlagen die Muldestädter deutlich mit 1:6 (1:2) und konnten somit keinen Boden auf die Nichtabstiegsplätze gutmachen. Ernüchternd dabei war die letzte halbe Stunde, in welcher die Grimmaer nach dem dritten Gegentreffer komplett das Gesicht verloren und sich mit einer absolut undisziplinierten Spielweise regelrecht abschießen ließen. Zweifellos agierten die Muldestädter nach einer mehr als strittigen Gelb-Roten Karte gegen Lucas Bartsch (45.+1) zu diesem Zeitpunkt bereits in Unterzahl, doch wie man die letzten 30 Minuten diese Begegnung absolvierte, war so absolut nicht zu akzeptieren. Jedes Tor kann im Kampf um den Klassenverbleib den Ausschlag geben, daher ist diese völlig undisziplinierte Spielweise nach dem dritten Gegentreffer doppelt und dreifach schwer zu verdauen. Demzufolge war die Laune von Trainer Marcus Dörfer, der die Mannschaft zu Beginn des neuen Jahres übernommen hatte, dementsprechend im Keller. „Auch wenn wir kurz vor der Pause den Platzverweis hinnehmen mussten, war die Grundstimmung in der Halbzeit positiv. Wir wollten auch nach dem Wechsel defensiv kompakt agieren, um kein drittes Tor zu bekommen und auf unsere Chance warten“, so das Vorhaben des Grimmaer Coaches. „Dass wir allerdings nach dem 3:1 derart ohne Willen und taktische Disziplin auftreten, macht mich schon nachdenklich. Im Anschluss haben wir uns ergeben und den VfL quasi zum Toreschießen eingeladen. Das darf natürlich nicht sein, wenn man sich im Abstiegskampf befindet und darüber werden wir natürlich reden müssen.“ Auf der Gegenseite war man im VfL-Lager natürlich heilfroh, nach fünf Niederlagen in Folge endlich den Bock umgestoßen zu haben. „Insgesamt bin ich mit der Leistung meiner Mannschaft sehr zufrieden“, bilanzierte Trainer Luca Shubitidze die 90 Minuten seiner Elf. „Alles in allem haben wir defensiv wenig zugelassen, auch man natürlich nicht gänzlich alles wegverteidigen kann. Weiterhin freue ich mich über die drei Tore nach Standards, zumal wir Ecken und Freistöße innerhalb der Vorbereitung ausgiebig trainiert haben. Sehr positiv stimmt mich auch, dass wir auch nach dem dritten Tor weiterhin sehr gierig waren und auch im Anschluss offensiv keinen Gang zurückgeschaltet haben. Am Ende des Tages hat sich die Mannschaft endlich einmal für den Aufwand belohnt, nachdem wir vergangenes Wochenende in Stahnsdorf nie und nimmer hätten verlieren dürfen. Und klar, diese Punkte waren für uns sehr wichtig.“

Auch trotz einer äußerst wechselhaften Vorbereitung und dem Ausfall von Stefan Tröger (Rot-Sperre), Max Nitschke, Jan Hübner, Vincent Markus (alle verletzt) und Albert Pistol (krank) fuhren die Grimmaer durchaus optimistisch an die Saale und wollten auch beim Favoriten ihre Chance suchen. Mit der nötigen defensiven Kompaktheit und schnellem Umschaltspiel wollte man auf dem Kunstrasen im Stadion am Zoo den Trothaern Paroli bieten und so dringende Punkte im Abstiegskampf entführen. Dabei hatten die Gastgeber zwar die erste Möglichkeit zu verzeichnen, als Joel Marks nach vorherigem Zusammenspiel mit Ludwig Bölke am gut reagierenden Ondřej Čáp im FC-Tor scheiterte (4.), doch ließen die Gäste aus dem Spiel heraus zunächst recht wenig zu. Ganz im Gegenteil – mit der ersten Chance hätten die Muldestädter sogar in Führung gehen müssen. Nach einem Fehlpass im Aufbauspiel von Robert Pessel versuchte sich Tommy Kind mit einem Heber von der Mittellinie über den im Halbfeld zwischen „Baum und Borke“ positionierten VfL-Keeper Stark, doch trudelte das Streitobjekt hauchzart am Tor vorbei (13.). Ein früher Führungstreffer hätte den Grimmaer sicherlich gutgetan, stattdessen schlugen die Hausherren quasi im Gegenzug eiskalt zu. Nach Zuspiel von Pessel fasste sich Bölke aus halblinker Position ein Herz und überwand Čáp mit seinem Schlenzer ins obere, lange Eck – 1:0 (15.). Fortan hatten die Gäste erst einmal große Probleme diesen Schock zu verdauen, was sich alsbald im Ergebnis niederschlagen sollte. Nach einem langen Ball von Schlussmann Stark scheiterte Torjäger Jegor Jagupov aus spitzem Winkel zunächst an Čáp (23.), beim anschließenden 2:0 konnte man dem tschechischen Schlussmann von einer gewissen Mitschuld nicht freisprechen. Freilich versammelte sich nach einem Bölke-Eckball alles in Höhe des ersten Pfostens, als Innenverteidiger Raimison Draiton Dos Santos im Anschluss zum 2:0 einköpfte, doch hätte man sich hier ein resoluteres Eingreifen der Grimmaer inklusive ihres Torhüters allemal gewünscht (25.). Ein 2:0-Rückstand nach 25 Minuten – all das, was nicht passieren durfte, sollte letztlich doch eintreten. Allerdings sollte dieser zweite Gegentreffer einen Ruck innerhalb der Mannschaft nach sich ziehen. Fortan gingen die Gäste im Spiel gegen den Ball beherzter in die Zweikämpfe, was sofort Ballgewinne zur Folge hatte. Dabei klebte den Muldestädter wenig später jedoch das Pech am Stiefel, als Toni Ziffert den Fuß geistesgegenwärtig in einen Schuss von Nico Rieger hielt, die Kugel im Anschluss jedoch vom Pfosten aufgehalten wurde (32.). Fünf Minuten später waren die Dörfer-Schützlinge jedoch wieder im Spiel. Über die Stationen Kevin Werner und Kind prallte die Kugel in den Lauf von Alexander Vogel, der aus zentraler Position sicher zum 2:1-Anschlusstreffer einlochte (37.). Das Momentum schien langsam in Richtung des FC zu kippen, auch wenn Čáp nach einem Schuss von Marks abermals glänzend reagieren musste (45.). Sekunden nach dieser Aktion dann jedoch eine Situation, der jegliche Grimmaer Hoffnungen auf eine Wende im Spiel zusehends erschweren sollten. Kurz vor dem FC-Strafraum „verkeilten“ sich Jagupov und der bereits verwarnte Lucas Bartsch im Zweikampf – drei Sekunden nach dieser Aktion pfiff Schiedsrichter Dietz (Berlin) und stellte den Grimmaer Abwehrspieler zum Entsetzen mit Gelb-Rot vom Platz (45.+1). Dass der VfL-Angreifer nach 22 Minuten jedoch mit voller Absicht Bartsch in einer Spielunterbrechung die Schulter in den Brustkorb rammte, blieb vom Referee und seinen beiden Assistenten zum Erstaunen aller Beteiligter unbemerkt. Keinesfalls soll in dieser Aktion irgendeine Karte für Jagupov gefordert werden, doch kurz vor dem Pausenpfiff nur aufgrund des Geschreis des Publikums sowie der VfL-Spieler drei Sekunden nach solch einer Zweikampf-Situation überhaupt zu pfeifen und dann noch eine Gelb-Rote Karte für die Muldestädter zu verhängen, ist in der ganzen Entscheidungsfindung unheimlich schwer zu akzeptieren. Direkt im Anschluss hätte der VfL nach einem weiteren Bölke-Eckball fast von der noch nicht vorhandenen Konzentration im Grimmaer Lager profitiert, doch drückte Dos Santos seinen Kopfball diesmal knapp über den Querbalken (45.+2).

Trotz der nun folgenden Unterzahl waren die Muldestädter in der Pause angestachelt, mit taktischer Disziplin doch noch etwas Zählbares mitnehmen zu können. Dabei hatte man zunächst jedoch etwas Glück, als ein abgefälschter Versuch von Jagupov knapp am langen Eck vorbeizischte (54.) und sich Tim Mattheus gerade noch rechtzeitig in einen Drehschuss von Benny Haese aus kurzer Distanz warf (59.). Mit dem folgenden Hallenser Eckball lösten sich bei den Gästen allerdings jegliche Hoffnungen auf einen eventuellen Punktezuwachs schlagartig auf. Diesen servierte abermals Bölke auf den ersten Pfosten – nach dem völlig unzureichenden Klärungsversuch von Čáp erhöhte Niclas Hüttig aus der Drehung auf 3:1 (60.). Damit waren fortan jegliche Messen gelesen, zumal die Grimmaer im Anschluss jegliche Ordnung verloren und von einem Konter in den nächsten liefen. Von Jagupov glänzend in Szene gesetzt, scheiterte der von links allein auf das Tor zulaufende Marks am gut reagierenden Čáp (61.), ehe den Gastgebern wenig später der vierte Treffer gelang. Wiederum wurden die Muldestädter nach einem Ballverlust gnadenlos ausgekontert, nach Zuspiel von Bölke umkurvte Jagupov den herauslaufenden Čáp und lochte anschließend mühelos zum 4:1 ein (67.). Spätestens jetzt hätte es in den Reihen der Grimmaer zwei, drei Führungsspieler gebraucht, die das FC-Schiff dementsprechend steuern, um das drohende Debakel aufzuhalten. Doch stattdessen verlängerten die Gäste beim „Tag der offenen Tür“ die Öffnungszeiten. Beim nächsten Hallenser Konter rettete Kapitän Toni Ziffert in höchster Not nach einem Querpass von Marks vor dem einschussbereiten Haese (68.), doch sollte es beim folgenden Eckball abermals im FC-Gehäuse einschlagen. Diesen servierte Bölke diesmal auf den zweiten Pfosten – ohne jegliche Gegenwehr stieg Hüttig am höchsten und erhöhte per Kopf mit Hilfe des Innenpfostens auf 5:1 (69.). Nun musste man im Grimmaer Lager richtig Angst haben, zumal Marks nach perfekter Vorlage von Jagupov sogar noch das halbe Dutzend vollmachte – 6:1 (76.). Glücklicherweise hatten die Trothaer im Anschluss ein Einsehen mit den Muldestädtern, auch wenn der eingewechselte Erik Emmerich nach Zuspiel von Marks noch einen weiteren Hundertprozenter ausließ (vorbei, 88.). In der Nachspielzeit verpassten die Muldestädter nach einer Flanke von Vogel auch noch eine kleine Ergebniskosmetik, als der eingewechselte Nico Rasser aus Nahdistanz an VfL-Keeper Phillip Stark scheiterte (90.+2).

Fazit: Ein ernüchternder Auftritt in der letzten halben Stunde sollte im Grimmaer Debakel münden. Zweifelsohne waren die Muldestädter nach der äußerst strittigen Gelb-Roten Karte mehr als gehandicapt, doch muss die Mannschaft auch dann in der Lage sein, sich nach dem dritten Gegentor ansprechend aus der Affäre zu ziehen und sich nicht abschlachten zu lassen.

Bericht: © Tom Rietzschel