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Knapper Erfolg in Neugersdorf – Grimma löst Viertelfinal-Ticket im Sachsenpokal


Wernesgrüner-Sachsenpokal • Achtelfinale

FC Oberlausitz Neugersdorf – FC Grimma  0:1 (0:1)

Neugersdorf: Wochnik – Hušek, Petrick, N. Herrmann – Körner, Uhlig (ab 85. Drewanz), Bouša, Zirkel – Leucht (ab 67. Krutoff), Halbich, Hradiský (ab 85. Baláž) – Trainer: Richter

Grimma: Lumpitzsch – Rieger, Bartsch, Janz, Katzenberger – Hübner, Vogel, Ziffert, Pistol (ab 70. Markus) – Werner (ab 81. Tröger), Kind – Interimstrainer: Förster

Schiedsrichter: Köhler (Dresden) – Schiedsrichter-Assistenten: Nixdorf, K. Windisch (beide Dresden) – Tor: 0:1 Vogel (17.) – Gelbe Karten: Hušek (Unsportlichkeit – 30.), Zirkel (Unsportlichkeit – 32.), Halbich (Unsportlichkeit – 52.) – Werner (Foulspiel – 12.), Hübner (Foulspiel – 32.), Janz (Foulspiel – 45.), Ziffert (Foulspiel – 59.), Markus (Foulspiel – 82.) – Rote Karten: Krutoff (Neugersdorf) wegen groben Foulspiels (75.) – Gelb-Rote Karten: Bouša (Neugersdorf) wegen wiederholten Foulspiels (90.+1) – Reservebänke: Barth (Tor), M. Herrmann – Čáp (Tor), Seidl, Förster – besondere Vorkommnisse: Gelbe Karte für Neugersdorfs Trainer Richter wegen Unsportlichkeit (47.) – Zuschauer: 152 in der Sparkassen-Arena Oberlausitz zu Neugersdorf

 

Neugersdorf. Nach zwei Meisterschafts-Niederlagen in Folge, was den Absturz auf einen Abstiegsplatz zur Folge hatte, gelang es Oberligist FC Grimma im Achtelfinale des Wernesgrüner-Sachsenpokals das dringend nötige Erfolgserlebnis einzufahren. Beim Sachsenliga-Schwergewicht FC Oberlausitz Neugersdorf siegten die Muldestädter knapp mit 1:0 (1:0), was in der Qualifikation für das Viertelfinale mündete. Dabei legten die Grimmaer den Grundstein für den Auswärtssieg in einer äußerst kompakten und stabilen Defensive und demonstrierten genau das, wovon man in den letzten Oberliga-Begegnungen meilenweit entfernt war. Über die komplette Spielzeit wurden in robuster und resoluter Weise jegliche Zweikämpfe geführt – hinzu kam, dass in der letzten Linie komplett ohne Risiko agiert wurde. Im Offensivspiel können die Muldestädter zweifelsohne mehr, doch erzielte der Oberligist am Ende des Tages einen Treffer mehr als der Gegner. Nach feinem Doppelpass mit Tommy Kind sollte das Tor von Alexander Vogel zum Viertelfinal-Einzug genügen (17.), auch obwohl man in der Endphase zwei, drei riesige Kontermöglichkeiten ganz schlecht ausspielte. Nichtsdestotrotz feierten die Grimmaer nach dem Schlusspfiff einen nicht unverdienten Erfolg – die äußerst schwere Auswärtsaufgabe Neugersdorf wurde letztlich dank einer sehr guten mannschaftlichen Geschlossenheit gemeistert. Stefan Richter, Trainer der Gastgeber, gratulierte im Anschluss dem Kontrahenten sportlich fair. „Der Grimmaer Sieg ist am Ende des Tages nicht ganz unverdient, weil der Gegner ein Tor erzielt hat – wir eben nicht“, so der FCO-Coach. „Klar hatten wir deutlich mehr Spielanteile und mehr Ballbesitz, doch im letzten Drittel wurden wir allzu selten zwingend. Grimma hat kompakt verteidigt, so dass wir kaum zu klaren Tormöglichkeiten kamen. Nichtsdestotrotz waren zwei, drei Gelegenheiten durchaus vorhanden, doch insgesamt fehlte es meinem Team an der nötigen Klarheit im letzten Drittel.“ Richters Pendant Benjamin Förster, seit Ende Oktober Interimstrainer des FC Grimma, machte seiner Mannschaft im Anschluss erst einmal ein Kompliment. „Wir haben gewusst, was uns hier erwartet, doch hatte ich bereits bei der Erwärmung ein gutes Gefühl“, so Förster. „Dies hat sich in den 90 Minuten dann bestätigt, wo es uns gelang, im Defensivbereich konsequent am Mann zu arbeiten und die Zweikämpfe zu gewinnen. Wir mussten den Fokus erst einmal auf eine stabile Defensive legen, weil wir in den letzten Begegnungen einfach viel zu viele Gegentore bekommen haben. Dies hat die Mannschaft grandios umgesetzt und so die Basis für das Weiterkommen gelegt. Auch in Überzahl sind wir dann von unserer taktischen Marschroute nicht abgewichen, auch wenn wir in der Schlussphase den einen oder anderen Konter viel sauberer ausspielen müssen. Am Ende des Tages zählt allerdings nur das Erfolgserlebnis und das Weiterkommen, so dass wir am Donnerstag mit Spannung der Auslosung entgegenfiebern, wer unser Gegner im Viertelfinale sein wird.“

Dabei hing die Austragung der Partie bis 30 Minuten vor dem Anstoß am seidenen Faden. Grund dafür war ein plötzlich aufziehender Nebel, der die Neugersdorfer Sparkassen-Arena Oberlausitz komplett umhüllte. Zeitweise konnte man vom einen Tor das andere nicht sehen, was eine Durchführung dementsprechend unmöglich gemacht hatte. Allerdings sollte sich die Lage bereits bei der Erwärmung leicht entspannen. Nachdem sich letztlich beide Trainer einig waren, spielen zu wollen, gab Schiedsrichter Nicholas Köhler (Dresden) die Partie pünktlich um 13.00 Uhr frei – der Mut sollte am Ende des Tages belohnt werden, denn nach etwa 25 Minuten war der Nebel komplett verschwunden. Mit dem Anpfiff sahen die Zuschauer dann eine Grimmaer Mannschaft, die extrem konzentriert und fokussiert begann. Im Gegensatz zu den Vorwochen führte die Elf von Beginn an jegliche Zweikämpfe und ließ vor allem im Defensivbereich absolut nichts anbrennen. Einzig als FCO-Torjäger David Halbich aus einer beträchtlichen Distanz ansatzlos abzog, musste Torhüter Giovanni Lumpitzsch auf der Hut sein (10.). Ansonsten ließen die Gäste nichts zu und erarbeiteten sich stattdessen sogar ein leichtes Chancenplus. Sehr gut von Tommy Kind in Szene gesetzt, krachte ein Schuss von Jan Hübner vehement an den Pfosten – dies hatten die meisten Zuschauer aufgrund des Nebels wahrscheinlich jedoch nur gehört (8.). Mit dem zweiten sehr gut vorgetragenen Angriff ging der Oberligist dann allerdings in Führung. Sehenswert von Hübner eingeleitet, spielte Alexander Vogel dann Doppelpass mit Tommy Kind, wobei der Sommer-Neuzugang aus Eilenburg im Anschluss vor dem Tor kaltblütig blieb und Wochnik mit einem platzierten Schuss keine Chance ließ – 0:1 (17.). Dieser Treffer tat den Muldestädter sichtbar gut, das Selbstvertrauen wuchs fortan. Neugersdorf fand im letzten Drittel gegen die resolut zu Werke gehenden Grimmaer nach wie vor keinerlei Mittel, Torannäherungen verzeichnete einzig der Oberligist. So versuchte sich Hübner kurz vor Pause noch einmal aus der Distanz, doch stellte der Aufsetzer FCO-Schlussmann Ron Wochnik vor keine Probleme (41.). Kurz darauf verpasste Kevin Werner hauchzart eine Eingabe von Vogel, den Nachschuss setzte Toni Ziffert nach Rückpass von Philipp Katzenberger knapp über den Querbalken (43.). So war die Grimmaer Pausenführung durchaus als verdient zu bezeichnen – so kompakt und geschlossen hatte man die Muldestädter in den letzten Wochen kaum gesehen.

Nach dem Wechsel erhöhte Neugersdorf zwar frühzeitig die Schlagzahl und erarbeitete sich eine Feldüberlegenheit, doch vor dem Gäste-Strafraum waren die Oberlausitzer weiterhin mit ihrem Latein am Ende. Aufopferungsvoll und voller Intensität gingen die Grimmaer in die Zweikämpfe, so dass den Hausherren Zwingendes kaum gestattet wurde. Nach Zusammenspiel mit Halbich fand eine Eingabe von Paul Körner von rechts keinerlei Abnehmer (51.), bei einem Versuch von Halbich war Lumpitzsch gut postiert (62.). Grimmaer Offensivaktionen wurden in dieser Phase zwar etwas weniger, doch wie die Elf den knappen Vorsprung im Kollektiv verteidigte, verdient Respekt und Anerkennung. Ein einziges Mal wurde es vor dem eigenen Tor gefährlich, doch nach einem abgefälschten Schuss von Körner meisterte Lumpitzsch den Kopfball von Krystof Bouša aus Nahdistanz glänzend (67.). Ansonsten ruckte Neugersdorf zwar weiterhin unermüdlich an, doch ließen die Muldestädter in der Folgezeit dank extrem Lauf- und Zweikampfbereitschaft nichts zu. Hinzu kam, dass sich die Platzherren in der Schlussviertelstunde selbst schwächten. Der eingewechselte Tim Krutoff, acht Minuten zuvor erst eingewechselt, holte Nico Rieger an der Außenlinie von hinten von den Beinen – Schiedsrichter Köhler wertete dies als grobes Foulspiel und stellte den Neugersdorfer daraufhin mit glatt Rot vom Platz (75.). „Die eine oder andere Entscheidung vom Schiedsrichter hätte ich mir anders gewünscht“, sprach FCO-Trainer Stefan Richter manch diskutable Situation an. „Allerdings hat dies mit dem Spielausgang nichts zu tun.“ Mit einem Mann mehr auf dem Feld gelang es den Gästen fortan wieder für etwas mehr Entlastung zu sorgen – ohne allerdings zwingend torgefährlich zu werden. Nach einem langgezogenen Hübner-Freistoß und anschließender Kopfball-Ablage von Ziffert hatten die Muldestädter zwar eine Abschlusshandlung zu verzeichnen, doch fing Wochnik den Kopfball von Julian Janz mit einer Hand (79.). So vergingen die Minuten schlagartig, wobei dezimierten Neugersdorfer in der Schlussphase weiter das Risiko forcierten. Doch mussten die Hausherren in der Nachspielzeit einen weiteren Platzverweis hinnehmen, was die Möglichkeiten auf einen eventuellen Ausgleichstreffer weiter minimieren sollten. Der über rechts durchgebrochene Hübner konnte vom bereits verwarnten Bouša nur per Foulspiel gestoppt werden – Gelb-Rot von Referee Köhler war die Folge (90.+1). Zu diesem Zeitpunkt verpassten es die Gäste im Konterspiel allerdings für die endgültige Entscheidung zu sorgen. So besaßen die Muldestädter zwei, drei vielversprechende Überzahl-Möglichkeiten, welche man allerdings viel zu schlampig und überhastet ausspielte, so dass man letztlich nicht einmal zum Torabschluss kam. So setzten die Gastgeber tief in der Nachspielzeit alles auf eine Karte, mit nur noch acht Feldspielern holten die Oberlausitzer in den letzten Minuten die Brechstange heraus. Beim letzten Eckball von Gabor Zirkel hatten die Gastgeber dann wirklich sogar den Torschrei auf den Lippen, doch im Nachfassen bereinigte Torhüter Giovanni Lumpitzsch diese heikle Situation, nachdem ihm die glitschige Kugel zunächst aus den Händen glitt (90.+4).

Als Schiedsrichter Köhler direkt im Anschluss an diese Situation die Begegnung abpfiff, lagen sich ausgepowerten Muldestädter kollektiv in den Armen. Die extrem unangenehme und schwierige Auswärtsaufgabe Neugersdorf wurde letztlich positiv bewältigt, was der Mannschaft für die restlichen vier Oberliga-Spiele bis zur Winterpause etwas Selbstvertrauen verleihen sollte. Glückwunsch an die Truppe – dies ist genau das, was man unter Männerfußball versteht und auf was es in den kommenden Wochen ankommt!

Bericht: © Tom Rietzschel