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Wichtigen Heimsieg fast noch aus den Händen gegeben


NOFV-Oberliga Süd • 10. Spieltag

FC Grimma – VfB Empor Glauchau  3:2 (0:1)

Grimma: Čáp – Bartsch, Rieger, Ziffert, Katzenberger – Seidl (ab 66. Markus), Vogel, Mattheus (ab 75. Kaba), Spreitzer – Werner, Tröger – Trainer: Behring

Glauchau: Reissig – Bochmann, Hähnel, Albustin, Ullmann – Anger (ab 79. Degel), Barth – Luge, Mack, Knoll (ab 73. Mende) – Werrmann (ab 86. Thiam) – Trainer: Quade

Schiedsrichter: Albert (Muldenhammer) – Schiedsrichter-Assistenten: Ordon (Lichtenstein), Bernhardt (Ludwigsdorf) – Tore: 0:1 Ulmann (4.), 1:1 Tröger (62.), 2:1 Vogel (78.), 3:1 Werner (85.), 3:2 Luge (90.+2) – Gelbe Karten: Tröger (Foulspiel – 15.), Mattheus (Foulspiel – 63.), Bartsch (Unsportlichkeit – 74.) – Anger (Foulspiel – 68.) – Reservebänke: Winkler (Tor), Janz, Förster, Wächtler, Kind, Öner – Wiener (Tor), Bernert, Brückner, Bernhardt, Schädel, Rühling – besondere Vorkommnisse: Čáp (Grimma) hält Foulstrafstoß (Kaba an Luge) von Mack (90.+1) – Zuschauer: 74 im Husaren-Sportpark zu Grimma

 

Grimma. Nach zwei Niederlagen in Folge hat der FC Grimma die Kurve bekommen und gegen einen unmittelbaren Kontrahenten im Kampf um den Klassenerhalt einen ganz wichtigen Sieg errungen. Gegen den Aufsteiger VfB Empor Glauchau feierten die Muldestädter im heimischen Husaren-Sportpark einen 3:2 (0:1)-Erfolg und tüteten damit den ersten Saisonsieg vor heimischer Kulisse ein. Grundlage für den dreifachen Punktgewinn war eine deutliche Steigerung nach dem Wechsel – die ersten 45 Minuten gehörten dem Neuling, der zur Pause auch nicht unverdient führte. Zwar wurde es in der Nachspielzeit noch einmal verdammt eng, in der die Gastgeber einen scheinbar komfortablen 3:1-Vorpsrung um ein Haar noch verspielt hätten. Jedoch retteten sich die Hausherren gerade noch über die Ziellinie, so dass die Erleichterung im FC-Lager am Ende riesengroß war. Demzufolge war René Behring in der anschließenden Pressekonferenz erst einmal erleichtert. „Wir haben den Kampf angenommen und uns in der zweiten Halbzeit mit Überzeugung aus dieser misslichen Lage selbst befreit“, resümierte der Grimmaer Trainer. „Insgesamt fällt uns natürlich ein großer Stein vom Herzen, endlich wieder einmal vor heimischer Kulisse gewonnen zu haben. Dieser dreckige Sieg war der gewünschte Schritt in die richtige Richtung.“ Des einen Freud, des anderen Leid – auf der Gegenseite war man im Glauchauer Lager vom Spielausgang dementsprechend enttäuscht. „Glückwunsch an Grimma zu diesen drei Punkten, die natürlich auch für uns wichtig gewesen wären“, erwies sich Empor-Coach Nico Quade als fairer Verlierer. „Wir haben nach unserer guten ersten Halbzeit den Fehler gemacht, uns mit Beginn der zweiten Hälfte zu weit zurückzuziehen. Auch wenn ich in der Pausensprache an die Mannschaft appelliert hatte, dies nicht zu tun, ist genau das eingetreten. Demzufolge haben wir damit Grimma zurück ins Spiel geholt und mussten später selbst hinterherlaufen. Unser derzeitiges Problem war indes heute wieder augenscheinlich. Im letzten Drittel sind wir nicht zielstrebig und energisch genug. Kurzum: Wir benötigen zu viele Möglichkeiten, um zum Torerfolg zu kommen. Fußballspielen kann meine Mannschaft, sie lässt auch den Ball gut laufen – jedoch müssen wir vorn einfach kaltschnäuziger werden und mit unseren Chancen besser umgehen.“

Nach der letztwöchigen 4:5 (3:2)-Niederlage in Stendal, als die Muldestädter sogar zwischenzeitlich mit zwei Toren führten, war natürlich Wiedergutmachung angesagt, auch wenn mit Jan Hübner (Gelb-Sperre) und Tommy Kind (nach Rückenproblemen nur auf der Bank) zwei Stammspieler nicht zur Verfügung standen. Dementsprechend starteten die Behring-Schützlinge – ein erstes Achtungszeichen war gesetzt, als Robin Spreitzer nach guter Einleitung von Tim Mattheus mit seinem Linksschuss knapp verzog (2.). Doch bereits wenig später lief es der treuen Grimmaer Fangemeinde eiskalt den Rücken herunter – die kalte Dusche hatte gesessen. Nach einem Eckball von Jonas Mack fiel die Kugel in einer unübersichtlichen Situation Colin Ullmann genau vor die Füße, der die Glauchauer früh in Führung brachte (4.). Dies war natürlich Gift für die Einheimischen, denen fortan die Schwere des Rucksacks nach der Niederlage der Vorwoche und dem diesmaligen zeitigen Rückstand absolut anzusehen war. Im Spiel nach vorn taten sich die Gastgeber extrem schwer, torgefährliche Situationen konnte man sich in der Folgezeit überhaupt nicht erarbeiten. Ganz anders Glauchau. Die Westsachsen wirkten nach der Führung handlungsschneller, eroberten nahezu jeden zweiten Ball und waren in der ersten Halbzeit die bessere Mannschaft. Vor allem André Luge war für die Muldestädter kaum zu stellen – alles, was der Ex-Profi (Zwickau, RB Leipzig, Regensburg) im Offensivspiel ankeilte, hatte Hand und Fuß. Luge war es auch, der nach einer langgezogenen Flanke von Ullmann die Ergebniserhöhung auf dem Fuß hatte, doch strich sein Rechtsschuss hauchzart am langen Eck vorbei (20.). „Wir sind gut ins Spiel gekommen, doch haben wir es nach unserer frühen Führung versäumt, ein zweites Tor nachzulegen“, so Gäste-Coach Nico Quade. So hatten die Platzherren mit dem schnellen Umkehrspiel des Neulings immer wieder große Probleme, zumal man im Offensivspiel weiterhin so gut wie nichts zustande brachte. Die einzige Abschlusshandlung vollzog Mittelstürmer Kevin Werner, der nach einer Kopfballverlängerung von Toni Ziffert knapp das Ziel verfehlte (drüber, 29.). Demzufolge herrschte im FC-Spiel viel Luft nach oben, so dass die Halbzeitpause letztlich für die Muldestädter wie gerufen kam.

Dort schien Trainer René Behring jedoch die richtigen Worte gefunden zu haben. Mit Wiederanpfiff sahen die Zuschauer eine ganz andere Grimmaer Mannschaft, die sich mehr und mehr in die Begegnung hinein arbeitete. Fortan legte die Elf in der Zweikampf-Intensität eine deutliche Schippe drauf und agierte viel zielstrebiger, was eine gewisse Wirkung beim Gegner nicht verfehlte. Bereits drei Minuten nach Wiederanpfiff musste Dominik Reissig im Glauchauer Gehäuse erstmals sein Können nach einem Versuch von Alexander Vogel unter Beweis stellen, beim Nachschuss verfehlte Spreitzer das kurze Eck (48.). Vier Zeigerumdrehungen später versuchte sich Valentin Seidl aus halbrechter Position, doch begrub Reissig die abgefälschte Kugel reaktionsschnell unter sich (52.). Doch auch wenn die Muldestädter nun richtig gut in der Begegnung waren, die schnellen Glauchauer Gegenstöße blieben jederzeit gefährlich. Sehr gut von Mack eingeleitet, zog Domenic Knoll über die linke Seite auf und davon, doch ließ sich Ondřej Čáp im FC-Tor anschließend nicht überraschen (53.). Zwingender und zielstrebiger waren nun allerdings die Platzherren, so dass sich Tormöglichkeiten zwangsläufig ergaben. Nach einer flachen Spreitzer-Eingabe verpasste der rechtzeitig einlaufende Werner – Ullmann rettete vor dem einschussbereiten Tröger in letzter Sekunde (58.). Kurz darauf klebte den Muldestädtern das Pech am Stiefel als Toni Ziffert nach einer Kopfballablage von Werner gedankenschnell abzog, doch Reissig das von Albustin und Anger abgefälschte Streitobjekt sensationell an die Querlatte lenkte (60.). Die Hausherren waren nun deutlich am Drücker, so dass der Ausgleichstreffer der Lohn für die Bemühungen darstellte. Nach Zuspiel von Lucas Bartsch verlängerte Werner per Kopf den Ball genau in der Lauf von Stefan Tröger – der FC-Rekordspieler schob daraufhin geschickt den Körper zwischen Ball und seinen Gegenspieler Florian Hähnel und hob die Kugel im Anschluss abgezockt über Reissig zum 1:1 in die Maschen (62.). Nun wollten die Grimmaer die Begegnung natürlich komplett drehen, doch musste man zwangsläufig die richtige Balance zwischen Angriffsdruck und der nötigen defensiven Kompaktheit finden. So musste man im FC-Lager nach einem langen Ball von Gäste-Kapitän Mack schlagartig die Luft anhalten, doch verpasste der aufgerückte Innenverteidiger Hähnel die Kugel um Haaresbreite (65.). Allerdings blieben die Muldestädter auch weiterhin das bessere Team, zwölf Minuten vor Schluss schien die Elf komplett den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. Über die Stationen Cerno Kaba und Kevin Werner kam Alexander Vogel in Ballbesitz – sein anschließender Schuss aus zentraler Position prallte von der Lattenunterkante unhaltbar zum 2:1-Führungstreffer in die Maschen (78.). Damit hatten die Hausherren die Partie mit einer kollektiven Steigerung und Willensleistung komplett gedreht, doch es sollte sogar noch besser kommen. Nach einem gewonnenen Kopfball-Duell von Bartsch im Mittelfeld leitete Spreitzer den Ball per Kopf genau in den Lauf von Werner weiter. Leicht abseitsverdächtig steuerte der Mittelstürmer kurz hinter der Mittellinie daraufhin allein auf das Glauchauer Gehäuse zu und behielt im Eins-gegen-Eins-Duell mit Reissig kühlen Kopf – 3:1 (85.). Damit schien eine Art Vorentscheidung gefallen zu sein – doch weit gefehlt. Im Gefühl des sicheren Sieges schalteten die Hausherren in der Schlussphase einen Gang zurück und wollten gedanklich scheinbar bereits nach 85 Minuten das Spiel vorzeitig beenden. Als Mack mit einem Freistoß abermals Čáp zum Eingreifen zwang (90.), hätte dies schon ein Warnsignal für die Muldestädter sein müssen. Kurz darauf landete ein langer Ball von Torhüter Reissig punktgenau bei Luge, der daraufhin äußerst clever im Duell mit Kaba einen Elfmeter herausholte – der sehr gut leitende Schiedsrichter Lars Albert (Muldenhammer) konnte gar nicht anders als auf den ominösen Punkt zu zeigen. Mack ließ allerdings die Chance zum Anschlusstreffer verstreichen – Čáp ahnte die Ecke und wehrte den Strafstoß reaktionsschnell ab (90.+1). Allerdings waren die Gastgeber beim anschließenden Eckball von Luge gedanklich überhaupt noch nicht bei der Sache und feierten noch ihren Torhüter – vom einlaufenden Mende entscheidend irritiert, schlug die Kugel vorbei an Markus und Čáp direkt zum 3:2 im Tor ein (90.+2.). Nun begann im Grimmaer Lager das große Zittern, zumal die Nachspielzeit noch zwei Minuten beinhaltete. Glauchau setzte nun alles auf eine Karte, der schon sicher geglaubte FC-Sieg hing nun richtig am seidenen Faden. Selbst Gäste-Schlussmann Reissig stürmte nun mit und eine letzte Chance sollte der Aufsteiger auch noch bekommen. Nach einer langgezogenen Flanke von Barth distanzierte Spreitzer die Kugel völlig falsch, doch rettete Čáp gegen den anschließenden Kopfball-Aufsetzer von Luge sensationell (90.+4). Unfassbar, wie sich die Grimmaer fast selbst um den Lohn für diese deutliche Steigerung brachten und um ein Haar den eminent wichtigen Heimsieg noch aus den Händen gaben.

Doch als Referee Albert kurz darauf die Partie beendete, lagen sich die Muldestädter kollektiv in Armen. Mit letzter Kraft rettete man sich über die Ziellinie und konnte sich am Ende des Tages über einen ganz wichtigen Heimsieg freuen – der erste seit dem 17. Mai. Dieser war, dank der Leistungssteigerung nach dem Wechsel, auch als verdient anzusehen, doch diese schier unmenschliche Spannung in der Nachspielzeit hätte es mit Sicherheit nicht gebraucht. Aber egal – die drei Punkte verbleiben in Grimma und dies steht absolut über allem!

Bericht: © Tom Rietzschel


Spielberichte

„Das tut weh“: Empor Glauchau kassiert beim FC Grimma die zweite knappe Niederlage in Folge

Grimma. Die Schlussphase im Grimmaer Husarenpark hatte es am Samstagnachmittag aus Glauchauer Sicht noch einmal in sich. Erst scheiterte Jonas Mack mit einem an André Luge verwirkten Foulelfmeter an Torwart Ondřej Čáp (90.). Dann gelang André Luge mit dem aus der Parade resultierenden Eckball doch noch der 2:3-Anschlusstreffer für den VfB Empor, als der aufs Tor geschlagene Ball im Kasten des FC Grimma landete (90.+1). Und schließlich ergab sich in der Nachspielzeit des Duells der Fußball-Oberliga auch noch die Chance zum Ausgleich, als der Grimmaer Schlussmann einen Schuss nur abprallen lassen konnte. Doch die Gäste schlugen kein Kapital daraus. Es blieb beim 3:2 für Grimma. „Das tut heute weh“, hieß es nur kurze Zeit später auf dem Glauchauer Instagram-Kanal.

Die Enttäuschung im Lager des VfB Empor war beim Abpfiff ähnlich groß wie die Freude des FC Grimma über den ersten Heimsieg der Saison. „Wir haben das Spiel aus der Hand gegeben“, haderte der Glauchauer Trainer Nico Quade mit der zweiten knappen Niederlage nach dem 1:2 gegen den RSV Eintracht in der Vorwoche. Er sagte: „Wir haben eine gute erste Halbzeit gespielt, sind verdient in Führung gegangen und hatten die Möglichkeit das zweite Tor zu machen. Nach der Pause sind wir zu passiv geworden und haben damit den Gegner wieder ins Spiel gebracht.“

In der Tat hatten die Glauchauer, die verletzungsbedingt auf Marcin Sieber und Randolf Riesen verzichten mussten, den besseren Start erwischt. Bereits in der 4. Minute war es Colin Ullmann, der nach einem Eckball von Jonas Mack die Gäste 1:0 in Führung schoss. Auch danach blieb Glauchau am Drücker. So verzog André Luge knapp (22.). Auch bei Eingaben von André Luge (24.) und Domenic Knoll (39.) fehlten nur die berühmten Zentimeter. Die größte Grimmaer Chance hatte Kevin Werner, dessen Schuss übers Tor strich (30.).

Nach dem Wechsel war der Glauchauer Torwart Dominik Reissig zunächst zweimal zur Stelle (47., 58.). Zudem wurde eine Grimmaer Chance auf der Linie geklärt (50.). „Wir haben zugelassen, dass Grimma mit langen Bällen einen Tick gefährlicher wird und so auch das erste und zweite Gegentor bekommen“, analysierte Nico Quade nach dem Spiel. Stefan Tröger (62.) und Alexander Vogel (78.) drehten das Spiel. Beim 3:1 schoss der Ex-Plauener und Grimmaer Top-Torjäger Kevin Werner einen Konter erfolgreich ab (85.).

Nach der fünften Niederlage im zehnten Punktspiel der Saison findet sich der VfB Empor Glauchau in der Tabelle der 16 Mannschaften starken Oberliga auf Platz 14 wieder. Dahinter liegen mit zwei beziehungsweise sechs Punkten Rückstand die beiden Mitaufsteiger 1. FC Lok Stendal und SC Heiligenstadt. Nächster Gegner für Glauchau ist am 2. November, 13.30 Uhr im heimischen Sportpark der Bischofswerdaer FV, der am Samstag mit einem 3:1 gegen Stendal ebenso wie Grimma am VfB vorbeizog. Für den Glauchauer Trainer steht fest: „Wir müssen in der Oberliga noch konsequenter und energischer werden.“

© Monty Gräßler • Freie Presse Zwickau


Pressekonferenz