Vorschau auf den 9. Spieltag der
NOFV-Oberliga Süd
1. FC Lok Stendal – FC Grimma
Datum: Sonntag, 19.10.2025
Anstoß: 14.00 Uhr
Spielort: Stadion „Am Hölzchen“, Stendal
Grimma. Nach dem letztwöchigen Ausflug in den Wernesgrüner-Sachsenpokal, als man in der 3. Hauptrunde beim Sachsenklassisten SC Syrau mit einem 4:2-Erfolg nach Verlängerung nur knapp einer Blamage entging und den 2:2-Ausgleichstreffer dabei erst tief in der Nachspielzeit erzielte, geht der Oberligist FC Grimma am Wochenende wieder in den Meisterschafts-Modus über. Mit acht Punkten aus acht Begegnungen befinden sich die Muldestädter derzeit auf Rang 13, wobei der Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz dabei nur ein einziger Zähler beträgt. Dieser hätte selbstredend noch etwas größer sein können, doch unterlag die Mannschaft von Trainer René Behring vor 14 Tagen daheim gegen den Bischofswerdaer FV 08 mit 2:3 (0:1). Dabei kam die Elf nach einem wahren Kraftakt zwar zurück und egalisierte einen zwischenzeitlichen 0:2-Rückstand, doch agierte man in der Schlussphase etwas zu naiv und fing sich kurz vor Spielende noch den entscheidenden Konter zur Niederlage ein. Demzufolge sind die Muldestädter nun wieder in der Pflicht auf dem Punktekonto anzuschreiben, zumal am Wochenende ein weiteres extrem wichtiges und richtungsweisendes Spiel bevorsteht. So gastiert die Mannschaft am Sonntag um 14.00 Uhr beim Aufsteiger 1. FC Lok Stendal, der mit vier Punkten aus acht Partien derzeit auf dem vorletzten Rang im Klassement zu finden ist. Dabei verspricht die Konstellation natürlich extreme Spannung. Stendal kann mit einem Sieg im traditionsreichen Stadion „Am Hölzchen“ an die Nichtabstiegsplätze herankommen, die Grimmaer können indes den Abstand zu den Abstiegsplätzen vergrößern. „Wir wissen um die Brisanz dieser Begegnung und werden uns dementsprechend vorbereiten“, so Trainer René Behring. „Wichtig wird sein, bei der Zuschauerkulisse kühlen Kopf zu bewahren und unser Spiel auf den Platz zu bringen. Aber natürlich muss ich darauf hinweisen, dass solch eine Leistung wie in der Vorwoche auf keinen Fall ausreichen wird. Die Begegnung in Syrau sollte ein Schuss vor den Bug sein – die Mannschaft weiß allerdings, dass in Stendal eine Leistungssteigerung unabdingbar ist.“
Wenn man Pflichtspiele zwischen Grimma und Stendal sucht, muss man schon etwas länger im Archiv zurückblicken. Treffen beide Teams nach der politischen Wende am Sonntag zum allerersten Mal aufeinander, fanden zu DDR-Zeiten insgesamt zwei Begegnungen gegeneinander statt. Im August 1989 fand eine Partie der Ausscheidungsrunde im FDGB-Pokal in der Muldestadt statt, als die gerade aus der DDR-Liga abgestiegenen Grimmaer gegen Lok Stendal klar mit 0:4 den Kürzeren zogen. Mehr Brisanz hatte allerdings die Begegnung im Juni 1984. In den Aufstiegsspielen zur DDR-Liga traf der Leipziger Bezirksmeister Motor Grimma im Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadion auf den Magdeburger Bezirksmeister Lok Stendal – beide Teams hatten ihre ersten beiden Aufstiegsspiele jeweils siegreich gestaltet. Dabei behielten die damals von Wolfgang Fischer trainierten Muldestädter vor über begeisterten 3.800 Zuschauern mit 4:2 (2:1) die Oberhand und legten damit den Grundstein für den Aufstieg in die zweithöchste Spielklasse der DDR – Stendal schaffte als Dritter hinter Erfurt II und Grimma (alle 6:2 Punkte) letztlich das Ziel nicht. Doch nun zurück zur Gegenwart. Nach drei Jahren in der Verbandsliga Sachsen-Anhalt kehrte der 1. FC Lok Stendal im Sommer wieder in den Bereich der NOFV-Oberliga zurück – allerdings erlebten die Altmärker am letzten Spieltag auf Landesebene ein wahres Hitchcock-Szenario. Mit einem Punkt Rückstand auf Spitzenreiter Weißenfels reisten die Stendaler nach Gardelegen, während der Tabellenführer daheim gegen Halle-Ammendorf den Aufstieg perfekt machen wollte. Als Weißenfels kurz vor Abpfiff jedoch den 1:1-Ausgleichstreffer kassierte und Stendal quasi zeitgleich mit 1:0 in Führung ging, änderte sich alles schlagartig. Die Altmärker zogen kurz vor der Ziellinie am Kontrahenten vorbei und stiegen somit in die Oberliga auf. Dort angekommen hatten die Stendaler allerdings ein äußerst schwieriges Auftakt-Programm zu absolvieren. Daher stehen aktuell nur vier Punkte aus den ersten acht Begegnungen auf der Habenseite, doch bewahrt man am „Hölzchen“ jederzeit die Ruhe. „Wir haben bisher gegen die Top-Sechs der Liga bereits gespielt, was sicherlich für einen Aufsteiger extrem undankbar ist“, resümierte Artem Sikulaski (34), der als Sportlicher Leiter bei den Altmärkern fungiert. „Allerdings genießen wir jedes einzelne Spiel in der Oberliga und machen uns keinen Druck. Der Aufstieg aus der Verbandsliga kam sicherlich etwas plötzlich, doch wollen wir mit der Aufgabe in der neuen Spielklasse wachsen.“ Dass die Mannschaft allerdings Qualität besitzt, wurde trotz des schweren Auftaktprogramms schon jetzt sichtbar. In Bautzen holte Lok ein beachtliches 1:1-Remis, daheim konnte der VfB Auerbach klar mit 4:1 bezwungen werden. „Das Niveau in der Oberliga ist schon ein deutlich anderes als in der Verbandsliga“, resümiert Sikulski. „Wir haben mit 27 Spielern zwar einen äußerst breiten Kader, doch ist die Leistungsdichte sicherlich noch nicht so eng wie bei anderen Oberligisten. Weiterhin hat jeder Kontrahent mindestens vier, fünf Spieler, die schon höherklassig gespielt haben. Dies haben wir nicht, zumal der älteste Akteur bei uns erst 23 Jahre ist. Nichtsdestotrotz möchten wir natürlich unser Ziel, welches ganz klar Klassenerhalt lautet, auch erreichen. Dafür behalten wir trotz der ersten Ergebnisse jedoch die Nerven und werden unseren Weg weiterhin fortzusetzen.“ Im Hinblick auf diese wichtige Begegnung gegen Grimma mussten die Altmärker in der letzten Woche allerdings einen weiteren kleinen Nackenschlag verkraften. Nachdem man in der vorigen Saison das Endspiel des Sachsen-Anhalt-Pokals erreichte und dort erst spät dem Regionalligisten vom Halleschen FC mit 0:1 unterlag, musste man diesmal in diesem Wettbewerb bereits im Achtelfinale die Segel streichen. Beim Verbandsligisten SV Eintracht Emseloh unterlag die Mannschaft von Trainer Jörn Schulz (48) am letzten Samstag mit 0:2 (0:1). Nichtsdestotrotz hat man sich für das kommende Heimspiel gegen die Muldestädter einiges vorgenommen. „Grimma ist ein etablierter Oberligst und hat sich nach einem verpatzten Start nun etwas stabilisiert – wir brauchen gegen einen direkten Konkurrenten jedoch dringend Punkte“, so Artem Sikulski. „Ich erwarte ein Spiel auf Augenhöhe, wobei Kleinigkeiten über den Spielausgang entscheiden werden. Allerdings hoffe ich wieder auf die zahlreiche Unterstützung unserer Zuschauer am „Hölzchen“, so dass ich von einer spannenden Partie ausgehe.“
Im Grimmaer Lager wurde die letztwöchige Pokal-Begegnung in Syrau intensiv ausgewertet, genug Material war diesbezüglich auch vorhanden. „Das Beste war das Ergebnis – in Stendal dürfen wir uns so nicht präsentieren“, so Trainer René Behring. Natürlich sind sich die Muldestädter darüber im Klaren, was einen am Sonntag erwartet, doch hat die Mannschaft sehr ordentlich trainiert und ist gut vorbereitet. Wenn der Grimmaer Tross um 9.45 Uhr den Husaren-Sportpark verlässt, fährt man aufgrund einer durchaus guten Personaldecke recht optimistisch in die Altmark. Neben dem langzeitverletzten Max Nitschke wird einzig Benjamin Förster aufgrund einer Rot-Sperre nicht zur Verfügung stehen. Weiterhin muss man bei Innenverteidiger Lucas Bartsch noch die Abschluss-Einheit am Samstagvormittag abwarten, ob ein Einsatz nach seiner Fußverletzung bereits möglich ist. Dabei werden die Muldestädter allerdings kein unnötiges Risiko eingehen – zu wichtig ist diese Personalie in den verbleibenden Hinrunden-Spielen. „Wir standen zuletzt in Heiligenstadt vor einer ähnlichen Konstellation und konnten am Ende des Tages beim Aufsteiger drei Punkte einfahren“, so Trainer Behring. „Natürlich hoffe ich, dass wir das am Wochenende wiederholen können. Dies wäre für den weiteren Saisonverlauf schon sehr wichtig. Selbst wenn wir unentschieden spielen, halten wir den Gegner auf Distanz. Doch klar – ich möchte natürlich jedes Spiel gewinnen. Verlieren dürfen wir jedoch nicht, dann wird es unangenehm. Deshalb müssen wir uns im Vergleich zur Vorwoche klar steigern, wenn wir etwas Zählbares aus Stendal mitnehmen wollen.“
Bericht: © Tom Rietzschel
