NOFV-Oberliga Süd • 8. Spieltag
FC Grimma – Bischofswerdaer FV 08 2:3 (0:1)
Grimma: Čáp – Markus (ab 78. Mattheus), Rieger, Janz, Pistol – Vogel, Ziffert – Öner (ab 56. Werner), Hübner, Spreitzer (ab 56. Katzenberger) – Kind – Trainer: Behring
Bischofswerda: Kiefer – Dolla, Fromm, Weiß, Rettig – Stopp – Born, Hofmann, Hecker (ab 89. Scholze), Bürger (ab 86. Baum) – Krautschick (ab 46. Baudisch) – Trainer: Rietschel
Schiedsrichter: Kiwitt (Berlin) – Schiedsrichter-Assistenten: Chahrour, Stolze (beide Berlin) – Tore: 0:1 Hecker (9.), 0:2 Born (49.), 1:2, 2:2 Werner (64., 74.), 2:3 Baudisch (87.) – Gelbe Karten: Janz (Foulspiel – 81.), Mattheus (Foulspiel – 85.), Hübner (Foulspiel – 89.) – Krautschick (Foulspiel – 18.), Dolla (Foulspiel – 35.), Baudisch (Unsportlichkeit – 90.+3) – Reservebänke: Lumpitzsch (Tor), Seidl, Förster, Kaba – Jentsch (Tor), Gries – besondere Vorkommnisse: Rote Karte für Grimmas Co-Trainer Förster wegen grober Unsportlichkeit (62.), Gelbe Karte für Grimmas Team-Manager Rietzschel wegen Unsportlichkeit (90.+4) – Gelbe Karte für Bischofswerdas Co-Trainer Wagner wegen Unsportlichkeit (73.), Gelbe Karte für Bischofswerdas Trainer Rietschel wegen Unsportlichkeit (87.) – Zuschauer: 60 im Husaren-Sportpark zu Grimma
Grimma. Nach zuletzt acht Punkten aus vier Spielen hat Oberligist FC Grimma zum ungünstigsten Zeitpunkt wieder eine Niederlage hinnehmen müssen. Ausgerechnet im wichtigen Heimspiel gegen den Bischofswerdaer FV 08 unterlagen die Muldestädter im heimischen Husaren-Sportpark mit 2:3 (0:1), so dass es die Elf damit verpasste, den Vorsprung auf die Abstiegsplätze weiter anwachsen zu lassen. Dabei präsentierten sich die Ostsachsen erwartungsgemäß nicht wie ein Tabellenvorletzter und hatten im gesamten Spiel durchaus Feld- und Chancenvorteile. Die Grimmaer hingegen konnten speziell im ersten Durchgang nicht an die Leistungen der vergangenen Wochen anknüpfen und fanden überhaupt keine Bindung zu dieser Begegnung. Im Offensivspiel blieben die Gastgeber zunächst extrem harmlos, in der Defensive hatte man stattdessen einige heikle Situationen zu überstehen. Erst als die Elf fast aussichtslos mit 0:2 im Hintertreffen lag, mobilisierte man plötzlich alle Kräfte und begann mit einer gehörigen Portion Wut im Bauch auf einmal Fußball zu spielen. Dank eines Kraftaktes konnten die Einheimischen kurzerhand den Rückstand egalisieren, ehe man in der Endphase jedoch etwas zu naiv agierte und damit komplett ins Verderben rannte. Dementsprechend war René Behring in der anschließenden Pressekonferenz bitter enttäuscht. „Der Sieg für Bischofswerda geht in Ordnung, da wir es nicht geschafft haben, das abzurufen, was uns in den letzten Wochen stark gemacht hat“, so der Grimmaer Trainer. „Trotz aller Warnungen vor der Qualität des Gegners hat meine Mannschaft über eine Halbzeit lang vieles vermissen lassen, was nötig gewesen wäre, um das Spiel mit einem positiven Ergebnis abzuschließen. Nach den letzten Resultaten ist mir dies unerklärlich, doch leider können wir nicht in die Köpfe der Spieler hineinschauen. Zwar kommen wir in der zweiten Halbzeit auf 2:2 heran, doch aufgrund eines taktischen Fehlers geraten wir in der Endphase auf die Verliererstraße. Aber nochmal – insgesamt gesehen denke ich, dass Bischofswerda hier mehr investiert und daher verdient gewonnen hat.“ Behrings Gegenüber, Frank Rietschel, konnte nach zuletzt vier Niederlagen in Folge erst einmal tief durchatmen. „Wir haben eine Stunde lang gut gespielt und verdientermaßen mit 2:0 geführt“, so der Trainer des Bischofswerdaer FV. „Danach haben wir es allerdings verpasst, dass dritte Tor zu machen, weil wir zwei, drei vielversprechende Offensivaktionen nicht sauber genug ausspielen. Dass die Grimmaer Ergebnisse der letzten Wochen nicht von ungefähr kommen, haben wir danach zu spüren bekommen. Vor allem mit der Einwechslung von Kevin Werner haben wir dann defensiv große Probleme bekommen, so dass ich nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich schon etwas Magenschmerzen hatte. In dieser Phase kann das Spiel komplett zugunsten von Grimma kippen, doch glücklicherweise sind wir heute standhaft geblieben und konnten das Spiel im Anschluss wieder beruhigen. Der späte Treffer tut uns natürlich extrem gut, so dass ich heute glücklich bin, dass wir heute als etwas glücklicher Sieger diese ganz wichtigen drei Punkte mit nach Bischofswerda nehmen.“
Dabei konnten die Grimmaer den Schwung aus den letzten Begegnungen zunächst überhaupt nicht in diese Partie transportieren. Im Offensivspiel unterliefen den Hausherren viel zu viele Unzulänglichkeiten, defensiv hatte man mit den spielstarken „Schiebockern“ zusätzlich einige Probleme. Daher kam es nicht von ungefähr, dass die Ostsachsen bereits in der Anfangsphase in Führung gingen. Nach einem abgewehrten Freistoß schaltete der ehemalige DDR-Oberligist blitzschnell um – nach Zuspiel von Franz Born zog Matteo Hecker von der halblinken Seite nach innen und ließ FC-Torhüter Ondřej Čáp mit einem Schuss von der Strafraumgrenze keine Chance – 0:1 (9.). Doch auch in der Folgezeit kamen die Hausherren überhaupt nicht in die Gänge. Bischofswerda beherrschte die Szenerie, wobei ein weiterer Treffer dem Spielverlauf durchaus entsprochen hätte. Nach glänzender Vorarbeit von Johannes Dolla scheiterte Luis Bürger am gut den Winkel verkürzenden Čáp (25.), nach einem Hecker-Freistoß und Kopfball-Vorarbeit von Johann Weiß konnte Jonas Krautschick aus Nahdistanz den Grimmaer Schlussmann nicht überwinden (32.). Erst nach gut 35 Minuten kamen die Muldestädter etwas besser in die Begegnung, ohne jedoch große Torgefahr zu erzeugen. Ein Schuss von Robin Spreitzer war das Einzigste, was sich in Richtung BFV-Gehäuse verirrte – hier packte Torhüter Stefan Kiefer allerdings sicher zu (37.). Stattdessen brannte es vor dem Grimmaer Tor kurz vor dem Seitenwechsel noch einmal lichterloh, doch setzte Krautschick eine flache Rettig-Eingabe nur auf das Tordach (45.). Daher ging die Führung für die Ostsachsen zur Pause vollauf in Ordnung – das Beste aus Grimmaer Sicht war einzig der Zwischenstand.
Zwar kamen die Platzherren zum Wiederanpfiff wild entschlossen aus der Kabine, doch bereits wenige Minuten später konnte man sämtliche taktische Vorgaben sofort zu den Akten legen. Ein Zuspiel von Eduard Hofmann verlängerte Hecker direkt in den Lauf von Born, der vor Čáp kühlen Kopf behielt und auf 0:2 erhöhte (49.). Auf der Gegenseite besaß Tommy Kind zwar die Riesenmöglichkeit zum sofortigen Anschlusstreffer (drüber, 53.), doch blieb Bischofswerda zunächst weiterhin klar besser. Als abermals Born, nach guter Vorarbeit von Baudisch, aus halblinker Position an Čáp scheiterte, hätte dies bereits die Vorentscheidung bedeuten können (59.). Die Hausherren hängten in dieser Phase extrem in den Seilen, ehe ein Kulminationspunkt diese Begegnung blitzartig verändern sollte. Nachdem Jan Hübner sehenswert in den BFV-Strafraum eindrang und von Innenverteidiger Weiß für alle sicht- und hörbar nur per Foulspiel gebremst werden konnte, konnte es nur eine Entscheidung geben (62.). Doch zur Überraschung aller entschied Schiedsrichter Til Kiwitt (Berlin) auf Stürmerfoul – diese Interpretation hatte er wohl als Einzigster im Husaren-Sportpark. Auch sein bestens postierter Assistent Ahmad Chahrour war ihm in der Entscheidungsfindung keine Hilfe, diese hätte es allerdings bei der Klarheit dieser Szene auch gar nicht benötigt. Diese krasse Fehlentscheidung brachte Co-Trainer Benjamin Förster derart auf die Palme, dass er wild protestierend das Spielfeld betrat und seinen Unmut offen kundtat – Rot vom Referee war die Folge.
Doch genau diese Szene sollte im FC-Spiel als eine Art Initialzündung dienen. Mit gehörig Wut im Bauch agierte die Elf fortan wie ausgewechselt, was sich prompt im Ergebnis niederschlagen sollte. Sehenswert von Alexander Vogel in Szene gesetzt, war der eingewechselte Kevin Werner plötzlich frei durch und ließ sich die Chance nicht entgehen – 1:2 (64.). Fortan drückten die Muldestädter gewaltig, Angriff auf Angriff rollte in Richtung BFV-Gehäuse. Fünf Minuten nach dem Anschlusstreffer hätten die Hausherren dann bereits den Ausgleich erzielen müssen, doch köpfte Hübner eine Maßflanke von Kind völlig freistehend aus zentraler Position über den Querbalken (69.). Doch ruckten die Einheimischen auch in der Folgezeit weiter an – warum die Elf dies nicht von Anbeginn tat, bleibt ihr Geheimnis. Kurz darauf war dann jedoch soweit, binnen kurzer Zeit hatten die Muldestädter den Zwei-Tore-Rückstand egalisiert. Der im Abseits stehende und zunächst zum Ball gehende Kevin Werner ließ die Kugel nach einem Pass von Philipp Katzenberger für den von hinten einlaufenden Hübner passieren – beim anschließenden Querpass hatte Werner aus Nahdistanz keine Mühe zum 2:2 auszugleichen (74.). In dieser Situation hatten die Muldestädter sicherlich das nötige Glück – das Zum-Ball-Gehen Werners in der Entstehung hätte eigentlich als aktives Eingreifen bewertet werden müssen, was aufgrund der Abseitsposition die Aberkennung des Treffers zur Folge gehabt hätte. Das Momentum war nun klar auf Grimmaer Seite, doch wollte die Elf vielleicht in der Schlussphase etwas zu viel. Bischofswerda konnte sich von diesen zwei Nackenschlägen kurzerhand wieder erholen – ein Freistoß von Born, welcher an die Lattenoberkante klatschte, hätte für die Behring-Schützlinge Warnung genug sein müssen (81.). Nichtsdestotrotz versuchen die Einheimischen die Begegnung noch ganz zu ihren Gunsten zu drehen, wodurch man drei Minuten vor Schluss totalen Schiffbruch erlitt. Nach einem Ballgewinn in der eigenen Hälfte schalteten die „Schiebocker“ blitzschnell um – sehr gut von Hecker eingeleitet, traf der eingewechselte Florian Baudisch aus halblinker Position mit seinem Flachschuss zum 2:3 das lange Eck (87.). Die Grimmaer sanken daraufhin zu Boden – etwas zu gierig operierend, machte man den spielentscheidenden Fehler, was die Gäste knallhart bestraften. Zwar versuchten die Hausherren in den Schlussminuten die Partie noch einmal aus dem Feuer zu reißen, doch ließ die Hintermannschaft der Ostsachsen nichts mehr zu.
So blieb es letztlich bei der bitteren Grimmaer Niederlage, welche angesichts der Tabellenkonstellation natürlich doppelt schmerzt. Bischofswerda ist durch den Sieg auf einen Zähler an die Muldestädter herangerückt – ein Fakt, welcher vor dem Anpfiff unbedingt vermieden werden sollte. Die Einheimischen müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, erst nach 60 Minuten aufgewacht zu sein und nach dem Ausgleich etwas zu blauäugig agiert zu haben. Wer nach einer absolut überschaubaren Vorstellung einen Zwei-Tore-Rückstand aufgrund einer wahren Energieleistung trotzdem irgendwie egalisiert, darf die Begegnung am Ende nie im Leben mehr verlieren.
Bericht: © Tom Rietzschel
Fotos: © Karsten Hannover































































































