Vorschau auf den 8. Spieltag der
NOFV-Oberliga Süd
FC Grimma – Bischofswerdaer FV 08
Datum: Samstag, 04.10.2025
Anstoß: 14.00 Uhr
Spielort: Husaren-Sportpark, Grimma
Grimma. So langsam hat sich Oberligist FC Grimma in die Serie reingekämpft. Nach einem völlig verpatzten Saisonstart mit drei Niederlagen aus den ersten drei Begegnungen haben die Muldestädter aus den letzten vier Partien acht Zähler geholt und damit die kritische Tabellenregion erst einmal verlassen. Am vergangenen Wochenende gewann die Mannschaft von Trainer René Behring das richtungsweisende Auswärtsspiel beim Neuling 1. SC 1911 Heiligenstadt mit 3:0 (1:0) und ist damit seit wettbewerbsübergreifend fünf Begegnungen ungeschlagen. In einem Spiel auf Augenhöhe brachte die bessere Chancenverwertung dabei die Grimmaer auf die Siegerstraße, bereits im ersten Durchgang hätten die Muldestädter jedoch schon höher als 1:0 führen müssen. Dabei hatten die Gäste nach ihrem zweiten Treffer zwar die eine oder andere kritische Situation zu überstehen, doch mit Leidenschaft, immenser Lauf- und Zweikampf-Intensität sowie der etwas inkonsequenten Chancenverwertung der Westthüringer überstand der FC diese kritische Phase unbeschadet und stellte mit einem Kontertor in der Schlussphase die Weichen endgültig auf Sieg. Mit acht Zählern aus sieben Begegnungen haben sich die Muldestädter damit erst einmal auf Rang zehn im Klassement vorgearbeitet, doch ist dies aktuell nicht mehr als eine schöne Momentaufnahme. Der erste Abstiegsplatz ist nur vier Punkte entfernt, so dass man sich in den kommenden Wochen keinesfalls ausruhen darf. Ziel ist es, fortan auch weiterhin eifrig zu punkten, um sich so schnell wie möglich aus den Niederungen der Tabelle zu entfernen. „Die Oberliga ist eine verrückte Liga. Wie schnell es gehen kann, zeigen die Ergebnisse Woche für Woche“, so Trainer René Behring, der die Marschrichtung für die kommenden Aufgaben klar festgelegt hat. „Wir haben uns in den letzten Wochen etwas stabilisiert, daran gilt es nun weiter anzuknüpfen. Was wir uns in den vergangenen Begegnungen aufgebaut haben, dürfen wir nicht fahrlässig wieder herschenken. Wer aufgrund der zuletzt erlangten Resultate daher fortan an einen Selbstläufer glaubt, wird sein blaues Wunder erleben. Nur wenn wir ähnlich konzentriert und kompakt als Mannschaft auftreten, werden wir weiter punkten können. Wenn wir nicht alles abrufen, wird es sehr schwer werden.“ Dabei steht für die Muldestädter am morgigen Samstag bereits die nächste richtungsweisende Aufgabe auf dem Programm, wenn um 14.00 Uhr der Bischofswerdaer FV 08 im Husaren-Sportpark gastiert. Zwar befindet sich der ehemalige DDR-Oberligist mit erst vier Punkten aktuell auf dem vorletzten Tabellenplatz, doch trügt der Schein ganz gewaltig! Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste – der BFV 08 ist qualitativ deutlich besser als dass dies der aktuelle Tabellenstand derzeit aussagt. Die Grimmaer können mit einem positiven Ergebnis in diesem eminent wichtigen Spiel zweifelsohne den nächsten kleinen Schritt in der Tabelle tätigen, doch ist man sich im FC-Lager darüber im Klaren, dass man eine äußerst harte Nuss zu knacken hat, wo man wieder die Leistungsgrenze erreichen muss.
Wenn man über Traditionsvereine im Dresdner Raum spricht, fällt dem geneigten Fußballfan neben Dynamo Dresden, dem Dresdner SC und Stahl Riesa sofort der Bischofswerdaer FV 08 ein. Zu DDR-Zeiten unter Vorgängerverein Fortschritt Bischofswerda in den Spielserien 1986/87 und 1989/90 jeweils in der höchsten Spielklasse, der Oberliga, auf Punktejagd gehend, ist die Fußball-Begeisterung am „Tor zur Oberlausitz“ weiterhin vorhanden – auch wenn sich die Spielklasse der „Schiebocker“ jedoch zwangsläufig änderte. Nichtsdestotrotz kickte der BFV von 2017/18 bis 2020/21 in der Regionalliga Nordost, was für die Stadt von „nur“ 10.500 Einwohnern unheimlich viel Medienpräsenz und öffentliches Interesse einbrachte. Seitdem spielen die Blau-Weißen wieder in der Oberliga, obwohl in der vorletzten Saison die Rückkehr in die Regionalliga möglich war. Am letzten Spieltag der Saison 2023/24 zog man mit einem 6:0-Auswärtssieg in Arnstadt aufgrund des besseren Torverhältnisses noch am Spitzenreiter VFC Plauen (gleichzeitiger 2:1-Erfolg beim 1. FC Magdeburg II) vorbei und hatte sich sportlich für die nächsthöhere Spielklasse qualifiziert. Am Ende des Tages verzichteten die „Schiebocker“ allerdings auf ihr Aufstiegsrecht in die Regionalliga, welches die Plauener als Vizemeister letztlich wahrnahmen. In der folgenden Oberliga-Saison erreichte der BFV 08 im letzten Jahr Rang acht – doch in dieser noch jungen Spielzeit hängen die Kicker von Frank Rietschel (54) bisher noch etwas durch. Mit vier Punkten aus den ersten drei Begegnungen recht ordentlich gestartet, verlor der ehemalige DDR-Oberligist die letzten vier Partien allesamt, was ein Rückfall auf die vorletzte Tabellenposition zur Folge hatte. Zweifelsohne hatte der BFV 08, wie auch die Grimmaer, ein recht schweres Auftakt-Programm zu absolvieren, doch war die interne Hoffnung schon da, vom Punktekonto nach sieben Spieltagen besser aufgestellt zu sein. „Wir brauchen nicht um den heißen Brei herumreden – wir haben definitiv zu wenig Zähler auf dem Konto, wofür es Gründe gibt“, so das Zwischenfazit von Trainer Frank Rietschel, der seit dem Regionalliga-Abstieg im Sommer 2021 auf der Trainerbank in Bischofswerda sitzt. Dabei schließt sich für den jahrelangen Mittelfeldspieler beim FC Sachsen Leipzig und Budissa Bautzen beim BFV 08 der Kreis – bereits in seiner Jugendzeit kickte er für die „Schiebocker“ und gehörte von 1991 bis 1993 zum Oberliga-Kader der Bischofswerdaer. Höhepunkt in dieser Zeit war zweifelsohne der Sachsenpokal-Erfolg im Jahr 1992, als man den FSV Hoyerswerda in Kamenz mit 2:0 besiegte, sich Frank Rietschel dabei in die Torschützenliste eintragen konnte und in der folgenden Saison mit den Begegnungen gegen den VfB Oldenburg (3:2) und den Karlsruher SC (0:1 nach Verlängerung) zwei attraktive Gegner im DFB-Pokal im damaligen Stadion der Jugend begrüßen durfte. Doch zurück zur Realität. „Fakt ist, wir befinden uns aktuell in einer prekären Situation, so dass wir in den nächsten Wochen anders auftreten müssen, um eine Kehrtwende herbeizuführen“, so der BFV-Coach. Zweifelsohne hat man an der Wesenitz mit Mike Salewski (Karriere-Ende), Steve Zizka (VfB 1921 Krieschow), Bruno Schiemann (SC Freital), Tim Wockatz (vereinslos) und Ole Achtenberg (SV Markendorf) eine ganze Reihe von Leistungsträgern abgeben müssen. Um die Abgänge zu kompensieren, sicherte man sich zudem die Dienste von jungen, entwicklungsfähigen Spielern mit dem Ziel, dass sich diese schnellstmöglich an die Oberliga gewöhnen. „Wir wollen junge Spieler in Bischofswerda entwickeln, jedoch wissen wir auch, dass diese zwangsläufig noch Leistungsschwankungen unterliegen. Daher haben wir diese natürlich einkalkuliert – den Weg des Vereins werden wir definitiv fortsetzen“, so Trainer Frank Rietschel. Nichtsdestotrotz hat man trotz alledem weiterhin erfahrene Kicker in den eigenen Reihen, welche von der Qualität alles mitbringen. Der 2:1-Erfolg beim Spitzenreiter in Freital am 2. Spieltag unterstreicht dies dick, auch der Punkt beim 1:1-Remis im Derby daheim gegen Bautzen ist sicher beachtenswert. Allerdings verschließt man in Bischofswerda nicht den Blick für die aktuelle Situation. „Fakt ist, dass wir schleunigst da unten rauskommen müssen – das ist erst einmal unser primäres Ziel“, so Coach Rietschel. „Daher denke ich, dass Grimma morgen aufgrund der Tabellenkonstellation schon die Favoritenrolle einnimmt, da die Mannschaft in den letzten Wochen gegen gute Gegner eifrig gepunktet hat. Wenn wir unseren negativen Lauf endlich beenden wollen, müssen wir dementsprechend alles in die Waagschale werfen.“
Die Muldestädter wissen indes um die Gefährlichkeit des Gegners. Auch in dieser Saison zählt Bischofswerda vom Personal her zum Vorderfeld der Oberliga, daher ist man sich darüber im Klaren, dass der aktuelle Tabellenstand der Ostsachsen gewaltig täuscht. Schon aus diesem Grund muss das Ziel sein, auch gegen die „Schiebocker“ in Sachen Einsatz, Mentalität, Einstellung, Leidenschaft und Wille erneut alles an den Tag zu legen, um den positiven Trend weiter fortzusetzen“, so Trainer René Behring. „Gerade jetzt müssen wir dranbleiben und genauso auftreten wie in den letzten Wochen. Dann haben wir die Möglichkeit, den nächsten kleinen Schritt zu machen und den Vorsprung zu den Niederungen der Tabelle weiter zu vergrößern.“ Personell sieht es weiterhin ähnlich aus wie in den abgelaufenen Spielen. Max Nitschke wird nach erfolgter Knie-Operation erst im kommenden Jahr wieder zur Verfügung stehen, die angeschlagenen Stefan Tröger und Lucas Bartsch werden morgen definitiv ausfallen. Dagegen werden jedoch der letztwöchig arbeitsbedingt fehlende Philipp Katzenberger sowie der Gelb-Rot-gesperrte Kevin Werner wieder zum Kader dazugehören. „Wir haben nach der Begegnung in Heiligenstadt binnen sieben Tagen die nächste richtungsweisende Partie vor der Brust, dies müssen sich alle bewusst sein“, so Trainer Behring. „Wir können morgen viel erreichen, allerdings nur, wenn wir alles investieren. Bischofswerda wird uns mit Sicherheit nichts schenken, so dass von jedem Einzelnen eine maximale Leistungsbereitschaft gewährleistet werden muss.“ Bleibt zu hoffen, dass dies die Mannschaft in den 90 Minuten umsetzen kann – denn auf den ersten Heimsieg der Saison warten die treuen FC-Fans immer noch. Als zusätzliche Motivation dürfte vielleicht noch die letztjährige Begegnung im Husaren-Sportpark dienen, als die Muldestädter dem frisch gebackenen Oberliga-Meister mit einem 2:0-Erfolg die erste Saisonniederlage beibrachten. Vielleicht gelingt dies ja erneut, doch dafür hat man über die komplette Spielzeit einiges zu leisten.
Bericht: © Tom Rietzschel
