NOFV-Oberliga Süd • 7. Spieltag
1. SC 1911 Heiligenstadt – FC Grimma 0:3 (0:1)
Heiligenstadt: Stanković – Pietsch, Gorges (ab 13. M. Lerch), Göbel – Möhlhenrich, Schnellhardt – Bako, Wolanski, Jeschke – Vogt (ab 46. Wilhelm), Fiedler (ab 67. Rohner) – Trainer: Thüne
Grimma: Čáp – Wächtler (ab 46. Markus), Rieger, Janz, Pistol – Vogel, Ziffert (ab 72. Mattheus) – Kaba (ab 46. Seidl), Hübner, Spreitzer – Kind – Trainer: Behring
Schiedsrichter: Schwarz (Berlin) – Schiedsrichter-Assistenten: Welk, Mallassa (beide Berlin) – Tore: 0:1 Janz (27.), 0:2, 0:3 Kind (56., 83.) – Gelbe Karten: Pietsch (Foulspiel – 66.) – Hübner (Unsportlichkeit – 35.), Pistol (Foulspiel – 41.), Mattheus (Foulspiel – 79.) – Reservebänke: J. Lerch (Tor), Abdoul Aziz, Henkel, Berger, Michalek, Dornieden – Förster, Öner – Zuschauer: 344 im Gesundbrunnenstadion zu Heiligenstadt
Heiligenstadt. Oberligist FC Grimma hat in der Meisterschaft einen Big Point eingefahren und ein richtungsweisendes Spiel siegreich gestaltet. Beim Aufsteiger 1. SC 1911 Heiligenstadt, am Spieltag Tabellenvorletzter mit zwei Punkten, gewannen die Muldestädter mit 3:0 (1:0) und bleiben damit im vierten Oberliga-Spiel in Folge ungeschlagen. Damit schob sich die Elf von Trainer René Behring mit nun acht Zählern aus sieben Begegnungen auf Tabellenplatz zehn vor und konnte damit den Abstand zur abstiegsgefährdeten Region im Klassement weiter ausbauen. Dabei erwiesen sich die Gäste in Sachen Verwertung der Torchancen als effektiver als die Hausherren, auch wenn die Grimmaer vor allem im ersten Durchgang noch vier klare Gelegenheiten ausließen. Heiligenstadt agierte zwar durchaus auf Augenhöhe, doch im letzten Drittel blieben die Westthüringer insgesamt zu umständlich und inkonsequent. Dies bemängelte auch Gastgeber-Trainer André Thüne, der wenige Tage nach seinem 50. Geburtstag mit dem Spielausgang bitter enttäuscht war. „Glückwunsch an unsere Gäste, die vor dem Tor eiskalt blieben und ihre Chancen genutzt haben. Dies war der Unterschied am heutigen Tag“, so der Heiligenstädter Coach. „Offensiv sind wir aktuell nicht in der Lage Tore zu erzielen. Wir hatten so viele Schussmöglichkeiten am Strafraum, wo wir entweder viel zu spät oder gar nicht geschossen haben. Weiterhin machen wir im Defensivbereich zu viele Fehler, welche in Gegentreffern münden. Beim 0:2 legen wir dem Grimmaer Torschützen im eigenen Strafraum den Ball maßgerecht auf, beim dritten Gegentor laufen wir in einen Konter, nachdem wir vorher am gegnerischen Strafraum nicht den Torabschluss suchen. Auch wenn die zweite Halbzeit vom Ballbesitz her klar an uns ging, ist es enttäuschend, dass wir daraus überhaupt nichts machen konnten und am Ende wieder mit leeren Händen dastehen. Mit dieser Niederlage gegen einen aktuellen Mitkonkurrenten in der unteren Region lassen wir die Teams zwar schon etwas wegziehen, doch werden wir den Kopf nicht in den Sand stecken. Wir bleiben trotzdem positiv – Aufgeben ist keine Option für mich. Am Freitag in Rudolstadt rechnet eh keiner mit uns, vielleicht gelingt uns im einzigen Thüringen-Derby in der Oberliga gerade dort endlich der Knotenlöser.“ Auf der anderen Seite war man im Grimmaer Lager selbstredend natürlich glücklich über den eminent wichtigen Auswärtssieg. „Die Zuschauer haben eine Begegnung mit Chancen auf beiden Seiten gesehen, unsere Vorteile in Sachen der Verwertung hat über den Spielausgang entschieden“, resümierte FC-Trainer René Behring die Partie. „Heiligenstadt hat zwar einen recht guten Ball gespielt, doch haben wir im Gegensatz zum Gegner unsere Möglichkeiten genutzt. Uns tun diese drei Zähler richtig gut, zumal ich mich freue, dass wir wiederum zu Null gespielt haben. Auf diese Leistung können wir aufbauen.“
Dabei sahen die 344 Zuschauer im Heiligenstädter Gesundbrunnenstadion zunächst eine Begegnung, in der die Gastgeber in der Anfangsphase Feldvorteile verbuchen konnten. „Wir haben die ersten zehn Minuten richtig gut begonnen, doch recht zeitnah schon etwas nachgelassen. Es bahnte sich zunehmend an, dass Grimma besser ins Spiel kam, so dass wir zeitnah Glück hatten, nicht in Rückstand zu geraten“, so André Thüne. Dabei konnte man den Ausführungen des Heiligenstädter Trainers zu einhundert Prozent folgen, vergaben die Gäste fortan drei riesige Möglichkeiten. Nach glänzender Vorarbeit von Jan Hübner scheiterte Tommy Kind aus Nahdistanz am glänzend reagierenden Aleksandar Stanković (15.) – bei den anschließenden Pfostentreffern von Kind (18.) und Alexander Vogel (21.) hätte der Heiligenstädter Schlussmann keine Chance gehabt, nachdem diese beiden Möglichkeiten sehenswert von Robin Spreitzer eingeleitet wurden. Nichtsdestotrotz hatte auch der Neuling eine sehr gute Gelegenheit zu verzeichnen, um in Führung zu gehen. Perfekt lief Kristian Bako in eine Flanke von Jannik Jeschke, doch köpfte er die Kugel knapp über den Querbalken (20.). Allerdings blieben die Muldestädter im Offensivbereich deutlich gefährlicher, so dass der Führungstreffer durchaus in Ordnung ging. Nach einem Hübner-Eckball und Kopfball-Vorarbeit von Toni Ziffert wurde ein Schuss von Julian Janz zwar zunächst abgeblockt, doch reagierte der Innenverteidiger gedankenschnell und nagelte den Nachschuss zum 0:1 in die Maschen (27.).
Dieser Gegentreffer hinterließ bei den Gastgebern deutlich Signalwirkung. Defensiv hatten die Hausherren nun alle Hände voll zu tun, um sich dem schnellen Umkehrspiel zu erwehren, so dass sich die Einheimischen selbst nichts Zwingendes erarbeiten konnten. Die Ausnahme bildete da ein weiterer Versuch von Bako, der nach einer Flanke von Ex-Profi Fabian Schnellhardt den schwer zu nehmenden Ball an die Lattenoberkante setzte (34.). Torgefährlicher blieben in dieser Phase die nachsetzenden Muldestädter, die zur Pause durchaus den Vorsprung hätten ausbauen können. Nach einem Freistoß von Hübner köpfte Ziffert knapp am Ziel vorbei (30.), ehe Hübner mit einem Schuss von der Mittellinie Torhüter Stanković um ein Haar überlistet hätte (drüber, 37.). Die beste Gelegenheit ließ kurz vor dem Pausenpfiff jedoch Spreitzer aus, der eine flache Eingabe von Noah Wächtler aus zentraler Position über den Querbalken drückte (45.).
Nach der Pause kamen die Gastgeber zwar mit viel Elan aus der Kabine, doch einzig war es erneut Bako, der FC-Schlussmann Ondřej Čáp zum Eingreifen zwang (54.). Stattdessen sorgten die Gäste für einen extremen Stimmungskiller bei den Westthüringern, als man zehn Minuten nach Wiederanpfiff die Führung ausbauen konnte. Eine Flanke von Spreitzer brachte der Neuling nicht entscheidend aus der Gefahrenzone – nach erfolgreichem Gegenpressing von Vogel gegen Schnellhardt fiel Kind die Kugel regelrecht vor die Füße, welcher staubtrocken abzog und das Streitobjekt zum 0:2 in die lange Ecke jagte (56.).
In der Folgezeit nahm der Druck der Hausherren deutlich zu, wenngleich sich die Gäste im Anschluss etwas zu tief fallen ließen. Heiligenstadt erhöhte nun klar ersichtlich die Schlagzahl, doch blieben die Reserven der Gastgeber in Sachen Torabschluss deutlich erkennbar. Die Grimmaer hatten in dieser Phase das eine oder andere Mal etwas Glück, ein eventuelles Gegentor hätte diese Aufgabe für den FC mit Sicherheit deutlich erschwert. Zwei Distanzschüsse von Schellhardt zischten dabei knapp über den Querbalken (59., 64.), bei einem weiteren Versuch von Bako zeigte sich Čáp abermals gut positioniert (60.). Nach sehr guter Vorarbeit von Schnellhardt mussten die Muldestädter dann doch einmal richtig stark durchatmen, als der zur Pause eingewechselte Adrian Wilhelm die Kugel aus bester Position über den Kasten setzte (68.). „Wir brauchen nicht darüber reden, dass uns ein Anschlusstor sicherlich noch einmal die zweite Luft verschafft hätte. Allerdings waren wir im Abschluss einfach viel zu inkonsequent“, legte SCH-Trainer André Thüne in der anschließenden Pressekonferenz den Finger in die Wunde.
In dieser Phase fehlte es zwar etwas an der nötigen Entlastung im FC-Spiel, doch hatten auch die Gäste trotz alledem zwei sehr gute Abschluss-Möglichkeiten. Nach einer Freistoß-Ablage von Hübner hatte Stanković beim Flachschuss von Vincent Markus zwar einige Mühe mit dem glitschigen Ball (67.), nach einer maßgeschneiderten Spreitzer-Flanke verhinderte der serbische Torhüter mit einer Blitzreaktion bei einem Kopfball von Hübner allerdings die endgültige Entscheidung (69.). Diese sollte dann jedoch sieben Minuten vor Schluss eingetütet werden, was den Muldestädtern drei ganz wichtige Zähler einbringen sollten. Nach einem abgeblockten Heiligenstädter Schuss am FC-Strafraum schaltete Hüber blitzschnell um und schickte den aus der eigenen Hälfte startenden Kind auf die Reise. Allein auf das Gehäuse der Gastgeber zulaufend, behielt er vor Stanković letztlich kühlen Kopf und überwand den Schlussmann mit einem perfekt getimten Lupfer – 0:3 (83.). „Dieses Gegentor war symptomatisch für diese Begegnung“, so SCG-Coach Thüne. „Vorn bekommen wir den Abschluss nicht hin und kassieren prompt dieses Kontertor.“ Damit war der Grimmaer Sieg definitiv in trockenen Tüchern – als Čáp einen weiteren Abschluss von Bako meistern konnte (90.+1), blieben die Behring-Schützlinge zusätzlich auch zum zweiten Mal in Folge ohne Gegentor.
Mit diesem Sieg klettern die Muldestädter im Tableau weiter etwas nach oben, wobei am kommenden Samstag das nächste extrem wichtige Spiel für die Grimmaer ansteht. Im heimischen Husaren-Sportpark empfängt man um 14.00 Uhr mit dem Bischofswerdaer FV 08 ein weiteres Team aus der unteren Tabellenregion. Mit vier Punkten steht der ehemalige DDR-Oberligist völlig überraschend auf dem vorletzten Rang – für die Qualität dieser Mannschaft absolut schwer zu erklären. Einen Saisonsieg hat der BFV derzeit erst auf dem Konto – dass dieser jedoch ausgerechnet beim aktuellen Spitzenreiter in Freital (2:1) errungen wurde, verdeutlicht die Fähigkeiten der „Schiebocker“. Wer im Grimmaer Lager nun allerdings denkt, dass fortan alles von selbst läuft, wird eine ganz bittere Überraschung erleben. Unterschätzen des Gegners wäre aktuell das Schlimmste, was die Muldestädter tun sollten. Nur mit den nötigen Grundeigenschaften sowie einer hundertprozentigen Leistungsbereitschaft und Einstellung ist auch in dieser Begegnung etwas möglich.
© Bericht: Tom Rietzschel
Mit leeren Händen
Heiligenstadt. Es sollte der Befreiungsschlag werden. Statt Jubel herrschen nach dem Heimspiel gegen den FC Grimma jedoch Enttäuschung und Fragezeichen. Zwar hatten unsere Blau-Weißen über weite Strecken mehr Ballbesitz und zeigten phasenweise gefällige Kombinationen bis an den Strafraum, doch im entscheidenden Moment fehlte erneut die Durchschlagskraft. Am Ende steht eine bittere 0:3-Heimniederlage im Gesundbrunnen, die das Team weiter im Tabellenkeller der Oberliga festhält.
Während die Thüne-Elf bemüht, aber harmlos agierte, überzeugten die Gäste aus Sachsen mit Effektivität und Zielstrebigkeit. Spielerisch war kaum ein Unterschied auszumachen, doch Grimma machte aus wenigen Möglichkeiten viel. In der 28. Minute war Julian Janz nach einer Ecke wacher als die SCH-Hintermannschaft und stocherte den Ball im zweiten Versuch über die Linie. Nach der Pause folgte der nächste Rückschlag: Tommy Kind traf in der 56. Minute per Dropkick zum 2:0 für die Gäste. Und er war es auch, der in der 82. Minute mit seinem zweiten Treffer den Deckel an diesem Tag endgültig draufmachte.
Der dritte Treffer zeigte noch einmal deutlich, warum Grimma an diesem Tag als Sieger vom Platz ging. Ein Schuss von Adrian Wilhelm wurde im Strafraum geblockt, doch statt nachzusetzen, schaltete Grimma blitzschnell um. Kind startete aus der eigenen Hälfte, lief allein auf Keeper Aleksandar Stanković zu und lupfte überlegt ins Netz.
Der SCH hatte zwar Chancen – doch statt Selbstvertrauen brachten sie nur weiteres Kopfschütteln ein. Kristian Bako tauchte in der ersten Halbzeit gleich zweimal gefährlich im Strafraum von Grimma auf. Erst köpfte er freistehend vorbei (19.), dann knallte er den Ball nach einem schönen Pass von Fabian Schnellhardt an die Latte (34.). Auch der SCH musste in Halbzeit eins zweimal mächtig durchpusten (18./21.), als der Ball gegen den Pfosten prallte. Zudem parierte Stankovic gegen Tommy Kind (15.). Kurz vor der Pause vergab Robin Spreitzer sogar freistehend aus fünf Metern (44.).
Die Ernüchterung überwiegt. Wieder zeigte die Thüne-Elf Einsatz und Engagement – doch Zählbares sprang erneut nicht heraus. Die fehlende Konsequenz im letzten Drittel zieht sich wie ein roter Faden durch die bisherigen Partien.
Nach sieben Spieltagen ist klar: Es braucht jetzt mehr als gute Ansätze. Der Glaube, die Körpersprache und der Mut im Abschluss müssen zurückkehren. Der nächste Spieltag in Rudolstadt wird nicht nur eine sportliche Aufgabe – er wird ein Charaktertest. Jetzt geht es darum, sich nicht in Selbstzweifeln zu verlieren, sondern eine Reaktion zu zeigen. Noch ist nichts verloren, aber der Moment, aufzuwachen, ist genau jetzt.
© Michael Apel • 1. SC 1911 Heiligenstadt
Bilder vom Spiel
Fotos: © Karsten Hannover

























































