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Nach Pausenrückstand war sogar mehr als ein Remis drin


NOFV-Oberliga • 5. Spieltag

FC Grimma – VfB Auerbach  2:2 (0:1)

Grimma: Čáp – Rieger (ab 46. Werner), Ziffert, Janz, Pistol – Vogel – Wächtler, Hübner, Katzenberger, Seidl (ab 46. Öner, ab 90.+2 Spreitzer) – Kind (ab 87. Mattheus) – Trainer: Behring

Auerbach: Birke – Schmidt, Birkner, Schardt, Guzlajevs (ab 38. Lippmann) – Hache, Bauer – Roscher (ab 61. Čermuš), Kadrić (ab 61. Weigel), Kaiser – Spranger (ab 61. Graf) – Trainer: Köhler

Schiedsrichter: Wundram (Flöha) – Schiedsrichter-Assistenten: Schlömann (Brand-Erbisdorf), Bartsch (Zwickau) – Tore: 0:1 Spranger (28.), 1:1 Hübner (49.), 2:1 Vogel (73.), 2:2 Hache (80., Foulstrafstoß – Öner an Kaiser) – Gelbe Karten: Öner (Foulspiel – 79.), Ziffert (Foulspiel – 85.), Hübner (Foulspiel – 90.+2) – Hache (Foulspiel – 35.) – Reservebänke: Lumpitzsch (Tor), Schulze, Förster, Reisinger – Schlosser (Tor), Schneider – Zuschauer: 86 im Husaren-Sportpark zu Grimma

 

Grimma. Nach dem Überraschungs-Sieg in Halberstadt (1:0) sowie den Pokal-Erfolg in Görlitz (3:0) ist Oberligist FC Grimma zum dritten Mal in Folge ungeschlagen geblieben. Im Heimspiel gegen den VfB Auerbach holten die Muldestädter beim 2:2 (0:1)-Unentschieden einen weiteren Punkt, welcher allerdings nach den ersten 45 Minuten außer Reichweite schien. Dort enttäuschten die Gastgeber auf der ganzen Linie, blieben im Offensivspiel komplett alles schuldig und waren in der Defensive viel zu anfällig. Hier hätten die Vogtländer durchaus höher aus 0:1 führen müssen, was sich aus Sicht der Gäste nach dem Wechsel bitter rächen sollte. Nach dem Pausenpfiff konnten sich die Hausherren etwas steigern und befanden sich nach der 2:1-Führung sogar kurzzeitig auf der Siegerstraße. Dass es letztlich nicht für die drei wichtigen Zähler reichte, war auf einen mehr als berechtigten Elfmeter zurückzuführen, welchen sich der VfB zunutze machen konnte und am Ende noch zum 2:2 ausglich. Demzufolge war die Gemütslage der beiden Trainer in der anschließenden Pressekonferenz durchaus unterschiedlich. „Bei mir überwiegt heute etwas die Enttäuschung über zwei verlorene Punkte“, nahm Auerbachs Coach Sven Köhler kein Blatt vor den Mund. „Angesichts unseres zwischenzeitlichen Rückstandes, sollten wir hier sicherlich mit dem Punkt zufrieden sein. Wenn ich allerdings das komplette Spiel betrachte, müssen wir hier den Platz als Sieger verlassen. Wir haben in der ersten Halbzeit ein ordentliches Spiel abgeliefert, doch war unsere 1:0-Pausenführung viel zu wenig für das, was wir gespielt haben. Mir war klar, dass sich Grimma nach dem Wechsel anders präsentiert, doch war unser zwischenzeitliche Rückstand nur aufgrund unserer eigenen Schwächen zurückzuführen. Glücklicherweise konnten wir mit dem Elfmeter noch ausgleichen, was ich als das Mindeste für meine Mannschaft an diesem Tag betrachte. Demzufolge müssen wir am Ende des Tages mit dem Remis leben.“ Köhlers Gegenüber, FC-Trainer René Behring, nahm in seinen öffentlichen Ausführungen den Zähler gern mit. „Das Unentschieden unterschreibe ich, da wir vor der Pause großes Glück hatten, nicht höher als 0:1 in Rückstand zu liegen. Nach dem Wechsel konnte sich meine Mannschaft, nach einigen Umstellungen zur Pause, dann steigern und die Partie letztlich noch unentschieden gestalten. Am Ende des Tages bin ich mit dem Punkt zufrieden.“

Dabei sahen die Zuschauer im Husaren-Sportpark zunächst eine erste Halbzeit, welche komplett den Gästen aus Auerbach gehörte. Die Einheimischen, die ohne die verletzten Max Nitschke, Lucas Bartsch Cerno Kaba und Stefan Tröger sowie den privat verhinderten Vincent Markus antreten mussten, fanden in den ersten 45 Minuten überhaupt nicht statt. Im Offensivspiel gelang es den Muldestädtern überhaupt nicht, die Kugel über drei Stationen in den eigenen Reihen zu halten – nicht einen einzigen Torabschluss hatten die Grimmaer in der ersten Hälfte zu verzeichnen. Das stereotyp vorgetragene „Langholz“ auf Zielspieler Tommy Kind wurde zum prompten Bumerang, da die Platzherren auch überhaupt keine zweiten Bällen aufsammelten konnten. Demzufolge erarbeiteten sich die Vogtländer frühzeitig eine gewisse Feldüberlegenheit, was auch an klaren Chancenvorteilen mündete. So strich zunächst ein Distanzschuss von Pascal Schardt knapp über den Querbalken (8.), nach Doppelpass mit Amer Kadrić fand Aleksandrs Guzlajevs bei seinem Versuch seinen Meister in FC-Keeper Ondřej Čáp (12.). Die Einheimischen fanden überhaupt keine Bindung zum Spiel und gerieten Mitte der ersten Hälfte daher auch völlig verdient in Rückstand. Nach einem Fehlpass von Albert Pistol im Spielaufbau verlagerte der VfB das Spielgeschehen kurzerhand auf die rechte Seite – eine maßgeschneiderte Flanke von Kadrić köpfte der völlig freistehende Charlie Spranger im Sturmzentrum aus Nahdistanz zum 0:1 in die Maschen (28.).

Doch auch dieser Nackenschlag hinterließ bei den Gastgebern nicht die erhoffte Signalwirkung. Im Offensivspiel blieb man weiterhin extrem fehlerhaft und lief nach einer ganzen Reihe von Ballverlusten dem Gegner immer wieder hinterher. So hätten die Vogtländer sechs Minuten vor der Pause zwingend erhöhen müssen, als Max Roscher – nach gelungenem Zusammenspiel mit Kadrić – zunächst an Čáp scheiterte und Roscher im Anschluss die zurückspringende Kugel zur Überraschung aller nur an die Lattenunterkante des verwaisten Grimmaer Gehäuses donnerte, von wo aus das Streitobjekt zurück ins Spielfeld sprang (39.). „Wir müssen irgendwie in die Halbzeit kommen“, hatte Grimmas Assistenz-Trainer Benjamin Förster nach dieser Aktion große Befürchtungen an der Seitenlinie hinsichtlich eines zweiten Gegentreffers. Und genau diese Ängste erwiesen sich als durchaus begründet. Kurz darauf prüfte Ben Bauer nach vorherigem Zusammenspiel mit Kadrić abermals Čáp (41.), Sequenzen später strich ein Schuss von Roscher knapp über das Gebälk (42.). „Wir müssen aus unseren klaren Chancen vor der Pause einfach viel mehr machen“, legte VfB-Trainer Köhler im Anschluss angesichts der viel zu knappen Halbzeitführung deutlich den Finger in die Wunde.

FC-Coach Behring war in der Pause zum Handeln gezwungen – mit den Einwechslungen von Kevin Werner und Neuzugang Baris Öner (FV Wiehl 2000) erhoffte man sich deutlich mehr Schwung im Spiel nach vorn. Und siehe da, vier Minuten nach Wiederanpfiff sollten die Hausherren mit ihrem ersten Torschuss sofort zum Ausgleich kommen. Pistol bewies auf der linken Seite Übersicht und sah den heranpreschenden Jan Hübner, der aus der Distanz kurzerhand abzog und mit seinem verzinkten Schuss zum 1:1 erfolgreich war (49.). Dieser Gegentreffer hinterließ bei den Gästen sofortige Signalwirkung – von der selbstsicheren Art und Weise, wie die Vogtländer im ersten Durchgang auftraten, war ab sofort nichts mehr zu sehen. Die Platzherren erlangten fortan Gleichwertigkeit, ohne sich allerdings große Tormöglichkeiten erarbeiten zu können. Hierbei hakte es weiterhin an der nötigen Durchschlagskraft im Angriff, auch wenn man vom VfB nun einige Räume angeboten bekam. Allerdings durften die Gastgeber in der Folgezeit trotz alledem die Defensive nicht vernachlässigen, nach einem Eckball von Ben Colin Weigel verfehlte ein Kopfball von Cedric Graf knapp das Ziel (66.). Nichtsdestotrotz waren die Muldestädter nun recht ordentlich in der Begegnung und erwiesen sich mit ihrem zweiten Torschuss äußerst effizient. Erneut war Pistol auf der linken Seite mit einer flachen Eingabe der Ausgangspunkt – Alexander Vogel lief in Höhe des ersten Pfostens perfekt ein und überwand Gäste-Schlussmann Stanley Birke, indem er die Kugel technisch sauber mit der Innenseite zum 2:1 ins obere Eck katapultierte (73.). Nun schienen die Hausherren sogar auf die Siegerstraße abzubiegen, doch wurden jegliche Hoffnungen auf eventuelle drei Punkte kurzerhand jäh zerstört. Nachdem Öner im eigenen Strafraum im Duell gegen Kaiser etwas unbeholfen zu Werke ging, entschied Schiedsrichter Wundrum (Flöha) nach kurzem Zögern korrekterweise auf Strafstoß. Felix Hache ließ sich die Chance zum Punkt nicht entgehen und schickte Čáp in die falsche Ecke – 2:2 (80.).

Fortan erlangte Auerbach plötzlich noch einmal Oberwasser, so dass die Hausherren in der Schlussphase noch einmal jegliche Kräfte im Defensivbereich bündeln mussten. Nach einer flachen Eingabe von Tim Kaiser verpassten sowohl Freund als auch Feind (83.), bei einem Hache-Freistoß zeigte sich Čáp auf der Hut (85.). Als Graf eine Lippmann-Eingabe aus Nahdistanz letztlich am Tor vorbeidrückte (90.), ließen die Vogtländer damit auch ihre letzte Möglichkeit ungenutzt, so dass es am Ende des Tages bei der Punkteteilung bleiben sollte.

Fazit: Aufgrund der ersten Halbzeit können die Muldestädter mit diesem Unentschieden gut leben – anhand des Spielverlaufs nach dem Wechsel ist es allerdings umso ärgerlicher, dass man den knappen Vorsprung aufgrund dieses absolut vermeidbaren Strafstoßes nicht ins Ziel transportieren konnte. Nichtsdestotrotz nehmen die Grimmaer diese Punkt am Ende des Tages mit, welcher erst einmal das Verlassen der Abstiegsplätze zur Folge hat.

Bericht: © Tom Rietzschel


Bilder vom Spiel

Fotos: © Dieter Koch