Vorschau auf den 4. Spieltag der
NOFV-Oberliga Süd
VfB Germania Halberstadt – FC Grimma
Datum: Samstag, 30.08.2025
Anstoß: 14.00 Uhr
Spielort: Friedensstadion, Halberstadt
Grimma. Den Saisonstart haben sich die Oberliga-Herren des FC Grimma ganz anders vorgestellt. Nach drei Niederlagen aus den ersten drei Begegnungen stehen die Muldestädter derzeit am Tabellenende, so dass man der Musik erst einmal hinterherläuft. Dabei ist umso ärgerlicher, wie man speziell beide Heimspiele verlor. Sowohl zum Auftakt gegen den SC Freital (1:2) als auch vergangenes Wochenende gegen den VfL Halle 96 (1:3) gaben die Grimmaer jeweils eine Führung extrem leichtfertig aus der Hand und ließen die Gegner durch krasse individuelle Fehler wieder zurück ins Spiel kommen. Dass diese Unzulänglichkeiten in der Oberliga knallhart bestraft werden, musste die Elf in dieser noch jungen Saison bereits des Öfteren erfahren – auch in Bautzen, wo man quasi gar nicht auf dem Platz war und letztlich ein 0:7 (0:5)-Debakel über sich ergehen lassen musste. „Sowohl gegen Freital als auch gegen Halle bringt uns ein mehr als vermeidbares Gegentor zum Ausgleich völlig aus dem Rhythmus, von welchem sich die Mannschaft nicht mehr erholen konnte“, so Trainer René Behring. Dass die 96er am letzten Sonntag Chancenvorteile besaßen, steht außer Frage, „doch wenn der Gegner seine Möglichkeiten nicht nutzt, müssen wir ihnen dabei nicht noch helfen. Vom Grundsatz her müssen wir den VfL hinsichtlich seiner inkonsequenten Chancenverwertung bestrafen, wo wir nach unserer Führung auch auf einem guten Weg waren. Aber stattdessen bringen wir uns durch Sachen völlig aus dem Konzept und um einen eventuellen Lohn, die wir eigentlich gar nicht machen wollen und die wir im Vorfeld auch gar nicht so besprochen hatten.“ Allerdings sollte auch die letztwöchige Partie nun abgehakt sein, da es fortan weiterhin Schlag auf Schlag geht. Bereits am morgigen Samstag steht für die Muldestädter die nächste Aufgabe auf dem Plan – doch ist man sich darüber völlig im Klaren, dass diese keinesfalls leichter wird. Die Reise des FC führt morgen zum VfB Germania Halberstadt, einem weiteren Spitzenteam der Oberliga. „Doch Bangemachen gilt nicht“, so Coach Behring. „Die neue Mannschaft hat in der Vorbereitung beispielsweise gegen Chemie Leipzig oder Eilenburg bereits bewiesen, zu welch Leistungen sie in der Lage ist. Wir bleiben weiter dran und behalten die Ruhe – auch wenn wir natürlich dringend Punkte benötigen.“ Der Anstoß im Halberstädter Friedensstadion erfolgt um 14.00 Uhr.
Nach dem Abstieg aus der Regionalliga im Sommer 2023 geht der VfB Germania Halberstadt in seine nun dritte Oberliga-Saison in Folge. Nach den Platzierungen drei und sieben in den beiden letzten Jahren hat man im nördlichen Harzvorland die Zielsetzung ganz klar vorgegeben. „Wir möchten unter den Top-Fünf der Oberliga landen“, so Coach Manuel Rost (36), der im Februar 2022 als Co-Trainer unter Andreas Petersen nach Halberstadt kam und im Sommer 2022 die Mannschaft als „Chef“ übernahm. Allerdings musste man in Halberstadt in der Sommerpause im Kader einige Änderungen vornehmen. Mit Patrick Baudis (Ummendorf), Denis Vukančić (HSC Hannover), Nick Poser (Eilenburg), Ole Matthias (Braunschweig II), Fynn Kleeschätzky und Mateo Martinez (beide unbekannt) verließ ein halbes Dutzend Stammspieler den Verein, was eine personelle Umstrukturierung im Kader zwangsläufig zur Folge hatte. Wenn man sowohl die Rückholaktion von Marcel Kohn (Chemie Leipzig) als auch die Verpflichtung von Routinier Daniel Heinrich (Plauen) mal außen vor lässt, stießen im Sommer fast ausnahmslos junge Talente nach Halberstadt, die in ihrer Karriere den nächsten Schritt gehen wollen. Paul Kühnhardt (Eilenburg U19), Philipp Heller (Plauen) und Fabian Zeidler (Lok Leipzig U19) passen daher genau das Schema von Trainer Rost, künftig den Nachwuchs mitnehmen zu wollen. „Insgesamt bin ich mit der Vorbereitung sehr zufrieden – vor allem, weil wir einerseits verletzungsfrei durchgekommen sind und sich die Mannschaft schnell zusammengefunden hat“, so der Germania-Coach. Dabei spielten auch Teambuilding-Maßnahmen eine nicht zu unterschätzende Rolle, so dass der Kader-Umbruch gut gemeistert werden konnte. „Alle Spieler bringen sich sehr gut ein – insgesamt ist eine Entwicklung zu sehen, da wir Woche für Woche stabiler werden“, so das erste Fazit von Manuel Rost. „Natürlich haben wir im Spiel mit Ball und in unseren Abläufen noch einiges zu tun, doch zeichnet sich die Mannschaft darin aus, als Kollektiv Schritt für Schritt besser werden zu wollen.“ In den Ergebnissen ist die klare Entwicklung der jungen Elf bisher eindrucksvoll zu sehen. Zum Auftakt drehte man einen Rückstand beim Aufsteiger aus Heiligenstadt noch in einen 3:1-Sieg um – gegen Top-Gegner wie Auerbach (1:0) und in Stahnsdorf (1:1) holte man satte vier Punkte. „Insgesamt sind wir gegen beide Schwergewichte der Liga sehr stabil aufgetreten und haben letzte Woche beim RSV Eintracht sogar trotz 45minütiger Unterzahl verdientermaßen einen Punkt geholt“, so der ehemalige Trainer des FC Rot-Weiß Erfurt. „Das zeigt, dass die Mannschaft schon zu diesem frühen Zeitpunkt der Saison auf einem guten Weg ist.“ Wo der Coach der Germanen jedoch leichtes Magengrummeln hat, ist die Kaderstärke seiner Elf. „Im Vergleich zur Vorsaison ist der Kader in seiner Breite unverändert und natürlich ist es immer so, dass die jungen Spieler noch Leistungsschwankungen unterliegen“, so der 36jährige. „Fakt ist, dass wir letzte Saison gesehen haben, wie schwer es ist, Leistungsträger zu ersetzen. Daher hoffe ich, dass wir diesmal ohne langwierige Verletzungen durchkommen. Viel darf allerdings nicht passieren, das wissen wir.“ Im Halberstädter Lager ist man sich weiterhin auch absolut im Klaren, dass man am Wochenende gegen Grimma die Favoritenrolle einnehmen wird. Die Germanen empfangen mit sieben Zählern die bisher punktlosen Muldestädter, doch hebt Manuel Rost warnend den Zeigefinger. „Die morgige Aufgabe ist eine andere als zuletzt. Aufgrund der Tabellenkonstellation ist die Erwartungshaltung morgen klar, doch ist diese Ausgangslage sehr gefährlich“, so der Halberstädter Trainer. „Wir werden von Grimma definitiv nichts geschenkt bekommen, daher ist diese Begegnung für meine Mannschaft schon eine Art Reifeprüfung. Entscheidend wird sein, dass wir unsere Handlungsziele und unser Tempo auf dem Platz bringen müssen und noch stabiler in den defensiven Umschalt-Bewegungen auftreten müssen. Fakt ist jedoch, dass wir diesen positiven Schwung aus den vier Pflichtspielen weiter mitnehmen und ausbauen wollen.“
Die Grimmaer waren sich unterdessen bereits im Vorfeld von den schwierigen Ansetzungen zum Saisonstart im Klaren, doch mit dem einen oder anderen Punkt hatte man sicherlich schon geliebäugelt. Nun ist jedoch der Fakt eingetreten, dass man aus den ersten drei Begegnungen bisher nichts Zählbares mitnehmen konnte, so dass schon ein gewisser Druck zu spüren ist. Die Fehler aus dem Halle-Spiel wurden jedem einzelnen Spieler in der Video-Auswertung noch einmal aufgezeigt, so dass sich die Elf nun total fokussiert dem Gegner Halberstadt widmen kann. Die Ausgangslage vor der Begegnung ist absolut klar, die Muldestädter werden die morgige Partie im Friedensstadion aufgrund der Tabellenkonstellation zwangsläufig als Außenseiter angehen. Nach den ersten Partien wird der neutrale Zuseher auch wenig von den Gästen erwarten – doch dürfte dies die Chance für den FC sein. Bereits in der Vorsaison gab es für die Muldestädter bereits die Möglichkeit in Halberstadt etwas Zählbares zu entführen. In Überzahl glichen die Behring-Elf zu Beginn der zweiten 45 Minuten zum zwischenzeitlichen 2:2 aus, ehe man in der Folgezeit taktisch völlig unnötig von seiner Marschroute abwich und letztlich noch eine 2:4-Niederlage quittieren musste. „Wichtig wird sein, dass wir von Beginn an hellwach sind und auf das Tempo das Gegners vorbereitet sind“, so der Grimmaer Coach. „Defensiv müssen wir unsere Schaltpausen auf ein absolutes Minimum reduzieren – am besten dürfen gar keine auftreten. In unserer Situation müssen wir uns auf einfachen Fußball beschränken. Wenn wir die Grundelemente wie Leidenschaft, Zweikampf- und Laufbereitschaft an den Tag legen und uns auch in Sachen Kommunikation auf dem Feld verbessern, sehe ich uns nicht chancenlos. Allerdings müssen wir defensiv wirklich unsere Fehler minimieren und auch im Spiel mit dem Ball mutig auftreten.“ Personell sieht es ähnlich wie in den vergangenen Wochen aus. Tim Mattheus und Stefan Tröger werden aufgrund von Verletzungen nicht zur Verfügung stehen, Vincent Markus kehrt am Wochenende erst aus dem Urlaub zurück. „Wir müssen uns als Einheit präsentieren, wo zu sehen ist, dass der eine für den anderen da ist und Fehler ausbügelt“, so Trainer René Behring vor dieser schwierigen Auswärtsaufgabe. „Wenn wir als Team die Kräfte bündeln, werden sich auch zeitnah wieder Erfolgserlebnisse einstellen.“ Vielleicht dürfte das letztjährige Heimspiel gegen Halberstadt der Elf als zusätzliche Motivationsspritze dienen, als man gegen die nördlichen Harzvorländer ein eigentlich nicht zu gewinnendes Spiel in der Endphase noch umbog und sich am Ende des Tages knapp mit 2:1 (0:1) durchsetzen konnte. Zu wünschen wäre es dem Team, doch dafür muss die Elf über 90 Minuten und mehr alles Mögliche in die Waagschale werfen.
Vorschau: © Tom Rietzschel
