NOFV-Oberliga Süd • 30. Spieltag
FC Grimma – FC Einheit Rudolstadt 3:1 (3:0)
Grimma: Čáp – Bartsch, Mattheus (ab 75. Pistol), Ziffert, Janz – Rieger (ab 86. Seidl), Vogel (ab 86. Tröger), Nitschke, Katzenberger (ab 71. Spreitzer) – Hübner, Werner (ab 75. Kind) – Trainer: Dörfer
Rudolstadt: Bresemann – Rühling, Frackowiak (ab 46. Floßmann), Schneider (ab 46. Ensenbach), Smyla – Prokopp (ab 84. Barthel) – Rupprecht, Zerrenner, Kponton – Schlegel, Krahnert (ab 69. Siegel) – Trainer: Faik
Schiedsrichter: A. Stolz (Pritzwalk) – Schiedsrichter-Assistenten: Starost (Perleberg), Stolzenburg (Neuruppin) – Tore: 1:0 Vogel (13., Foulstrafstoß – Frackowiak an Rieger), 2:0, 3:0 Hübner (23., 38.), 3:1 Rupprecht (70.) – Gelbe Karten: Hübner (Foulspiel – 89.) – Floßmann (Foulspiel – 85.), Schlegel (Unsportlichkeit – 89.), Barthel (Unsportlichkeit – 90.+2) – Reservebänke: Tsarenko (Tor), Förster, Markus, Schulze – Kunth (Tor), Heß, Starke, Riemer – Zuschauer: 131 im Husaren-Sportpark zu Grimma
Grimma. Der FC Grimma hat den letzten Spieltag der Oberliga-Saison 2025/26 mit einem Erfolg abgeschlossen. Im heimischen Husaren-Sportpark bezwangen die Muldestädter den FC Einheit Rudolstadt mit 3:1 (3:0) und zogen damit im Klassement am Bischofswerdaer FV 08 (2:4-Heimnederlage gegen den VFC Plauen) auf den drittletzten Platz vorbei. Dass am Ende des Tages jedoch nicht der Sprung auf den ersten Nichtabstiegsplatz gelang, lag am zeitgleichen 2:0-Heimsieg des 1. FC Lok Stendal gegen den VfB 1921 Krieschow. Dadurch brachten die Altmärker den Zwei-Punkte-Vorsprung über die Ziellinie, was den Grimmaer Abstieg in die Sachsenliga zur Folge hätte. Nichtsdestotrotz gibt es aktuell jedoch noch eine kleine Möglichkeit die Oberliga halten zu können – und diese heißt Relegation. Dabei treffen die Tabellen-Vierzehnten beider Oberliga-Staffeln in einem Hin- und Rückspiel gegeneinander an, wobei der Sieger dieser Entscheidungsspiele in der Spielklasse verbleiben würde, wenn dem Regionalliga-Staffelsieger 1. FC Lokomotive Leipzig im Duell mit den Würzburger Kickers der Aufstieg die 3. Liga gelingen sollte. In diesen beiden Relegationsspielen treffen die Muldestädter auf die SG Dynamo Schwerin – am Mittwoch um 19.00 Uhr steigt das Hinspiel in Mecklenburg-Vorpommern, nächsten Samstag um 14.00 Uhr findet das Rückspiel in Grimma statt. Dementsprechend bereitet man sich im Lager der Muldestädter auf diese Begegnungen vor, wohl wissend, dass diese Relegation bei einem Nicht-Aufstieg von Lok Leipzig durch den Nordostdeutschen Fußballverband eventuell noch abgesetzt werden könnte. Demzufolge war es für Trainer Marcus Dörfer erst einmal wichtig, mit einem Erfolgserlebnis in die Relegation gehen zu können. „Der Sieg gegen Rudolstadt war einerseits wichtig, um Bischofswerda von diesem Relegationsplatz verdrängen zu können – andererseits um mit einem guten Gefühl das Hinspiel in Schwerin angehen zu können“, so der FC-Coach, der recht nüchtern das Abschluss-Klassement betrachtete. „Die Situation ist jetzt so wie sie ist. Stendal hat das Heimspiel gegen Krieschow gewonnen, das akzeptieren wir. Wir haben es im Verlauf der Saison mehrfach versäumt, die letztlich fehlenden drei Punkte zu holen und haben uns dadurch selbst in diese Situation gebracht. Demzufolge hatten wir es hinten raus nicht mehr in der eigenen Hand, was letztlich natürlich nicht gut ist. Mit der Relegation haben wir allerdings noch die Möglichkeit die Klasse zu halten, welche wir natürlich nutzen wollen.“
Vor dem Abschluss-Duell mit dem seit Wochen bereits geretteten FC Einheit Rudolstadt waren die Vorzeichen im Grimmaer Lager völlig klar. Durch den überraschenden 1:0-Erfolg in Plauen vor zwei Wochen zogen die Muldestädter im Klassement mit dem Bischofswerdaer FV 08 gleich (beide 25 Punkte), Neuling Lok Stendal war auf dem ersten Nichtabstiegsplatz zwei Zähler entfernt. Daher hatten die Altmärker vor dem Heimspiel gegen den VfB 1921 Krieschow die beste Ausgangssituation, Bischofswerda (daheim gegen Plauen) und Grimma mussten zunächst ihre „Hausaufgaben“ erledigen, um im Anschluss ins legendäre Stendaler „Hölzchen“ zu schauen, was sich dort ergeben sollte. Daher war auf dem Grimmaer Kessel schon ein gehöriger Druck, was der Mannschaft in der Anfangsphase auch deutlich anzumerken war. So kamen die Einheimischen zunächst äußerst holprig in die Partie, Rudolstadt war in den ersten Minuten die bessere Mannschaft. Dies änderte sich allerdings schlagartig, als die Hausherren mit ihrer ersten Offensivaktion einen Elfmeter zugesprochen bekamen. Nico Rieger wurde im Gäste-Strafraum von Szyman-Jan Frackowiak von den Beinen geholt – Schiedsrichter Stolz (Pritzwalk) zeigte sofort auf den ominösen Punkt. Alexander Vogel übernahm Verantwortung und verwandelte den Strafstoß sicher – 1:0 (13.). Dieser Treffer half den Muldestädtern spürbar, um fortan deutlich besser die Partie anzunehmen. In der Folgezeit ging die Elf viel entschlossener in die Zweikämpfe, war in Sachen Handlungsschnelligkeit nun viel präsenter und verlagerte damit das Spiel immer mehr in die Hälfte der Thüringer. Nicht von ungefähr erzeugten die Gastgeber sofort mehr Torgefahr. Nach Ablage von Tim Mattheus zischte ein Schuss von Max Nitschke knapp über den Querbalken (17.), nach Eckball von Jan Hübner entschärfte Einheit-Schlussmann Max Bresemann einen Kopfball von Toni Ziffert aus nächster Nähe (22.). Mit der nächsten Offensivaktion sollten die Muldestädter dann jedoch das Ergebnis wunschgemäß ausbauen. Nach einer langgezogenen Flanke von Rieger legte sich Hübner die Kugel mustergültig auf seinen „starken“ rechten Fuß und ließ Bresemann im Anschluss mit einem Flachschuss ins lange Eck keine Abwehrchance – 2:0 (23.). Diese zwei Gegentreffer hinterließen bei den Gästen eine spürbare Reaktion – nur noch selten gelangen ihnen solch konstruktive Angriffe wie in der Anfangsphase. Stattdessen arbeiteten die Hausherren weiterhin am Ausbau der Führung. Sehr gut von Kevin Werner eingeleitet, scheiterte Nitschke aus spitzem Winkel an Bresemann (37.), ehe die Grimmaer kurz darauf weiter nachlegen konnten. Nach einem Ballgewinn von Philipp Katzenberger in der Gäste-Hälfte, sah dieser mit einem Diagonalpass den völlig frei stehenden Hübner, der die Kugel im Anschluss technisch hochwertig zum 3.0 im Rudolstädter Gehäuse unterbrachte (38.). Mit dieser scheinbar beruhigenden Pausenführung ebneten die Hausherren der Begegnung in die gewünschte Richtung – man war daher auf dem besten Weg, die eigene Aufgabe zu lösen, um den letzten Funken Hoffnung weiter glimmen zu lassen.
Nach dem Wechsel konnte die Mannschaft allerdings den Schwung aus den letzten 30 Minuten der ersten Hälfte nicht mitnehmen. Einerseits ließ man in der Handlungsschnelligkeit etwas nach, weiterhin unterliefen nach Ballgewinnen im Passspiel zu viele Unsauberkeiten. Andererseits machte mehr und mehr der Zwischenstand aus Stendal die Runde, so dass am Ende des Tages der Spannungsverlust im zweiten Durchgang bei den Muldestädtern unübersehbar war. Zudem stellte Rudolstadt nach dem Wechsel etwas um, was sich positiv auf das Spiel der Thüringer bemerkbar machte. So musste sich FC-Schlussmann Ondřej Čáp bei einem Flachschuss von Robin Ensenbach gewaltig strecken (53.), weiterhin rettete Tim Mattheus in höchster Not nach einem Versuch von Tim Rühling (66.). Die Hausherren agierten fortan nicht mehr mit der nötigen Intensität und Zielstrebigkeit – einzig bei einer langgezogenen Flanke von Mattheus, die auf der Lattenoberkante landete, versprühten die Gastgeber etwas Torgefahr (68.). So kam der Anschlusstreffer der Gäste summa summarum nicht überraschend. Čáp konnte zwar zunächst von Flachschuss von Philipp Schlegel parieren, doch Sven Rupprecht reagierte am Schnellsten und nahm den Abpraller zum 3:1 auf (70.). Dieser Treffer brachte die Thüringer noch einmal auf den Plan, die auch fortan weiterhin ihr Heil in der Offensive suchten. Dabei hatten die Hausherren Glück, dass zunächst ein Distanzschuss von Schlegel knapp das Ziel verfehlte (79.) und Čáp im Anschluss in großem Stil einen Kopfball des eingewechselten Ole Barthel entschärfte (88.). Allerdings hatten die Muldestädter in der Endphase die eine oder andere riesige Kontergelegenheit, um die Partie endgültig zu entscheiden. Sehr gut von Tommy Kind in Szene gesetzt, scheiterte der allein aufs Tor zusteuernde Nitschke an Bresemann (82.), ehe Kind zweimal aus guter Position das Ziel verfehlte (88., 90.+2). Das Schlusswort gehörte allerdings dem Gast, doch zeigte sich Čáp abermals nach einem Schuss von Marlon Siegel auf der Höhe (90.+3).
So blieb es nach den 90 Minuten bei 3:1 (3:0)-Heimsieg der Grimmaer – völlig unnötig war in der Schlussphase allerdings die aufkommende Hektik unter den Akteuren. Am Ende des Tages erledigten die Hausherren ihre Hausaufgaben – ob es reichen wird, werden die kommenden Tage zeigen.
Bericht: © Tom Rietzschel
Spielberichte
Hausaufgaben zum Glück davor gemacht
Grimma. Erfolgstrainer Holger Jähnisch, der den FC Einheit vor 14 Jahren in die Oberliga geführt hatte und der zuletzt auf eigenem Wunsch hin das Traineramt an Hendrik Faik übergab, hatte sein Versprechen wahr gemacht und die Mannschaft nach Grimma im Bus begleitet. Sehr erfreulich nicht nur für Jähnisch war dabei der Umstand, dass der Klassenerhalt für die Rudolstädter schon zuvor sicher war. „Doch wenn man am letzten Spieltag bei so einem Schiedsrichter nicht mehr auf andere angewiesen sein muss und seine Hausaufgaben gemacht hat, dann ist das Gold wert.“
Dass das Ergebnis am Ende zwar Einiges mit dem Unparteiischen aus Pritzwalk zu tun hatte, steht auf einem anderen Blatt. Und dass der Referee gemeinsam mit seinen Assistenten schon an vielen Stellen ins Spiel eingriff und manche eigenwillige Entscheidung traf, gehört auch zur Wahrheit. Ob das Trio aus dem Brandenburgischen eine Zukunft in der 5. deutschen Liga hat, müssen andere entscheiden. Auf jeden Fall gab es aus der Sicht der Rudolstädter Anhänger und Spieler in den 14 Jahren kaum ein schlechteres Kollektiv… .
Der Gastgeber, der so Trainer Marcus Dörfer, unbedingt gewinnen musste, um sich eine Chance auf eine mögliche Relegation bzw. dem Klassenerhalt sichern musste, benötigte gut zehn Minuten, um in die Partie zu finden. Dann gab es irgendwie aus dem Nichts heraus einen Foulstrafstoß für Grimma, den Alexander Vogel sicher verwandelte (13.). Leider blieb die Pfeife des Schiedsrichters im zweiten Abschnitt bei einer ähnlichen Situation stumm. Da lag man mit Marcus Dörfer übrigens auf einer Wellenlänge. „Nun waren wir im Spiel“, freute sich der Grimmaer Coach. Dass das Abwehrverhalten bei den beiden folgenden Treffern von Jan Hübner (23., 38.), der kurz vor dem Abpfiff an einem Feldverweis vorbei schrammte, nicht gut war, hing vielleicht auch etwas mit der nun besser werdenden Zielstrebigkeit der Hausherren zusammen. „Wir haben dann ein sehr schönes 2:0 gemacht und hatten weiter eine hohe Intensität und Geschwindigkeit auf dem Platz. Wir hatten eine gute Zweikampfführung und waren aggressiv. Von unseren vier Chancen haben wir drei Tore erzielt. In der Vergangenheit waren wir nicht immer so effektiv“, beurteilte Marcus Dörfer die Leistung seiner Schützlinge vor dem Wechsel.
Im zweiten Abschnitt konnten die Muldentaler jedoch nicht mehr an die Leistungen vor der Pause anknüpfen. Das sah auch Dörfer so: „Da waren die Abstände größer und wir waren nicht mehr ganz so aggressiv. Es gab viele Unterbrechungen und damit fehlte der Spielfluss.“ Dennoch hatte Grimma noch zwei sehr gute Gelegenheiten, das Resultat zu erhöhen (68., 71.). Aber bei beiden Aktionen bewies Max Bresemann seine Klasse. Auch die Thüringer kamen zu Möglichkeiten (55., 66., 78., 86.). Aber am Endstand änderte dies nichts, Nun reisen die Sachsen am Mittwoch zur ersten Relegationspartie zu Dynamo Schwerin.
Nach dem Abpfiff versammelten sich die Spieler um die Trainer Hendrik Faik und Marco Riemer im Kreis, um sich von Spielern zu verabschieden, die nicht so sehr lange in Rudolstadt waren, Zu jedem fand Riemer passende Worte, wobei sich auch die Spieler bei ihren Teamkollegen bedankte.: Ole Barthel, Robin Ensenbach, Liam Floßmann, Marlon Siegel, Toni Jörg Stelzer, Max Zerrenner.
Zum Abschluss wollen wir noch einmal Holger Jähnisch das Wort, das im Kreis nach der Verabschiedung einiger Akteure an seine ehemaligen Spieler richtete: „Das große Ganze bleibt hängen und welcher Platz es am Ende ist, ist völlig egal. Wir haben schon so viele kommen und gehen sehen, bestes Beispiel ist Bischofswerda. Vor zwei Jahren noch Meister und jetzt Absteiger. Und wer ist noch da – wir sind noch da.“
© Hartmut Gerlach • FC Einheit Rudolstadt
Bilder vom Spiel
Fotos: Dieter Koch
































































