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Grimma gelingt Husarenstreich im Vogtland


NOFV-Oberliga • 29. Spieltag

VFC Plauen – FC Grimma  0:1 (0:1)

Plauen: Schulze – Sponer (ab 57. Plank), Michalek, Träger (ab 85. Krantz), Schubert (ab 57. Kämpfer) – Haake (ab 57. Winter), Tavares Ganime Bastos – De Moura Beal, Hussain (ab 77. Lemba) – Martynets, Profis – Trainer: Zschach

Grimma: Čáp – Bartsch, Mattheus, Janz, Pistol – Rieger (ab 90. Seidl), Nitsche, Ziffert, Katzenberger (ab 65. Spreitzer) – Werner (ab 65. Kind), Hübner – Trainer: Dörfer

Schiedsrichter: Metz (Erfurt) – Schiedsrichter-Assistenten: Hanekamm, Deiters (beide Erfurt) – Tor: 0:1 Rieger (20.) – Gelbe Karten: Nitschke (Grimma) wegen Foulspiels (45.), Pistol (Grimma) wegen Foulspiels (60.), Hübner (Grimma) wegen Foulspiels (90.+2) – Reservebänke: Nahrendorf (Tor), Wagner, Glaser, Habermann Passionoto – Tsarenko (Tor), Förster, Markus, Reisinger, Ambrosius – Zuschauer: 430 im Vogtlandstadion zu Plauen

 

Plauen. Am vorletzten Spieltag der Oberliga ist dem FC Grimma ein echter Husarenstreich gelungen. Mit einem 1:0 (1:0)-Auswärtssieg beim Tabellendritten, dem VFC Plauen, konnten sich die Muldestädter dank einer enormen Willensleistung gegen den drohenden Abstieg wehren, so dass die Entscheidung um den Klassenerhalt definitiv erst in der Abschluss-Partie daheim gegen den FC Einheit Rudolstadt am 30. Mai fällt. Dabei präsentierten sich die Grimmaer im Plauener Vogtlandstadion von ihrer besten Seite und funktionierten diesmal als Team absolut geschlossen. Dies deutete sich bereits in den ersten 45 Minuten an, als man defensiv sehr kompakt auftrat und nach Ballgewinnen immer wieder schnell nach vorn spielte. Nach dem Wechsel erhöhten die klar favorisierten Vogtländer klar die Schlagzahl, doch verteidigten die Gäste mit Haut und Haar dank immenser Laufbereitschaft und Zweikampf-Intensität ihr eigenes Tor, so dass man sich nach den 95 Minuten mit einem für viele nicht für möglich gehaltenen Auswärtssieg belohnen konnte. Demzufolge war die Freude im Grimmaer Lager im Anschluss natürlich groß, welche auch Trainer Marcus Dörfer anzusehen war. „Heute hat die Mannschaft gezeigt, zu welch Leistungen sie imstande ist, wenn man als Kollektiv auftritt und der eine für den anderen arbeitet“, resümierte der FC-Coach. „Was die Elf heute läuferisch den Tag legte und mit welchem Willen sie auftrat, war bemerkenswert. Weiterhin haben wir speziell in den ersten 45 Minuten auch fußballerisch recht gut agiert und hätten da sogar noch ein zweites Tor nachlegen können. Nach dem Wechsel war klar, dass Plauen die Intensität erhöhen wird, doch wie meine Mannschaft den Kopf oben behielt, verdient höchste Anerkennung. Das Spiel hat gezeigt, dass die Truppe lebt, so dass es nun auf das Herzschlag-Finale am letzten Spieltag hinausläuft. Zwar können wir weiterhin den Klassenerhalt nicht mehr aus eigener Kraft bewerkstelligen, doch mit diesem heutigen Achtungszeichen hat die Mannschaft den Druck auf die Konkurrenz erhöht.“

Dabei waren die Vorzeichen vor dieser Begegnung klar. Nach der letztwöchigen 2:4-Heimniederlage gegen Krieschow betrug der Grimmaer Rückstand auf das rettende Ufer zwei Spiele vor Saisonende satte fünf Zähler, so dass nur noch sechs Punkte helfen sollten, um den kleinen Funken Hoffnung noch glimmen zu lassen. Doch wie sollte dieses Unterfangen bei der ersten Aufgabe in Plauen auch tatsächlich funktionieren? Sicherlich hatten die Vogtländer am vergangenen Samstag mit der 1:2-Niederlage in Stahnsdorf die letzte theoretische Chance auf die Rückkehr in die Regionalliga verspielt, doch angesichts der Spielstärke der Vogtländer sowie der aktuellen sportlichen Situation der Grimmaer schien die Realisierung des Ziels äußerst schwierig. Weiterhin kam hinzu, dass mit Alexander Vogel (Lehrgang) und Stefan Tröger (verletzt) zwei Routiniers und Leistungsträger nicht zur Verfügung standen und dass man im Hinspiel vor vier Wochen im heimischen Husaren-Sportpark gegen den VFC absolut chancenlos war. Dass der Fußball allerdings manchmal kaum erklärbar ist und dass jede Begegnung erst einmal gespielt werden muss, wurde den 430 Zuschauern im Vogtlandstadion bereits in der Anfangsphase augenscheinlich. Zwar hatte der klare Favorit die erste Abschlusshandlung zu verzeichnen, als FC-Keeper Ondřej Čáp einen Flachschuss von Matheus De Moura Beal meisterte (1.), doch beeindruckten die Gäste frühzeitig mit einer sehr entschlossenen Vorstellung. Gegen den Ball agierte man als Kollektiv äußerst geschlossen und verdichtete mit einer extremen Laufarbeit geschickt die Räume, zudem wurden im Vorwärtsgang immer wieder Nadelstiche gesetzt. Nach Zuspiel von Lucas Bartsch setzte Tim Mattheus mit einem Distanzschuss das erste Achtungszeichen, als VFC-Torhüter Simon Schulze damit schon arge Probleme hatte (5.). Plauen hatte zwar selbstredend mehr vom Spiel und besaß dementsprechend mehr Ballbesitz, doch ließen die Gäste so gut wie nichts zu. Ganz im Gegenteil – der erste vielversprechende Nadelstich saß bereits. Nachdem Toni Ziffert einen Flachpass von Michalek abfing, spielte Jan Hübner daraufhin die Kugel genau im richtigen Moment in den Lauf von Nico Rieger, der Schulze im Anschluss per gefühlvollem Lupfer zum 0:1 überwand (20.). Dieser Treffer gab den Muldestädtern fortan noch mehr Sicherheit, den Hausherren merkte man zunächst den Schock etwas an. So hatte Kevin Werner nach einer Flanke von Albert Pistol den zweiten FC-Treffer auf dem Kopf, doch vereitelte Schulze per Blitzreflex einen höheren Plauener Rückstand (30.). Dies hätte sich um ein Haar im direkten Gegenzug gerächt, als Tavares Ganime Bastos den frei durchlaufenden Valentin Sponer in Szene setzte, dieser jedoch am glänzend reagierenden Čáp scheiterte (31.). Dies war allerdings die einzige zwingende Möglichkeit der Vogtländer in den ersten 45 Minuten, was vieles über die stabile Defensive der Muldestädter aussagt. Dabei trauten die Zuschauer ihren Augen kaum, dass der Tabellenvorletzte diesbezüglich die klareren Möglichkeiten besaß. Nach einem weiteren Schnellangriff über Mattheus und Werner verfehlte Letztgenannter knapp den Kasten (32.), ehe die Gäste kurz vor der Pause hätten zwingend nachlegen müssen. Nach einem weiteren Ballgewinn von Ziffert im Mittelfeld schickte Max Nitschke mit einem klasse Zuspiel Hübner auf die Reise, doch allein auf Schulze zulaufend, erwies sich der Plauener Schlussmann in diesem Duell als Sieger (42.).

Nach der Pause kam Plauen erwartungsgemäß mit mehr Druck aus der Kabine. Die Vogtländer erhöhten ab sofort die Intensität, so dass im Laufe der Partie die Feldüberlegenheit größer wurde. Doch aus dem Spiel heraus ließen die Gäste weiterhin recht wenig zu, Gefahr vor dem Grimmaer Gehäuse entstand hauptsächlich nach Standardsituationen. So hatten die Muldestädter eine ganze Reihe von gefährlich getretenen Ecken und Freistößen zu verteidigen und hatten dort Schwerstarbeit zu leisten. Nach einem Eckball von De Moura Beal und Kopfballablage von Eric Träger rettete Bartsch im letzten Moment vor dem einschussbereiten Gabriel Michalek (52.), nach einem weiteren Eckball war Albert Pistol beim Kopfball von Torjäger Johan Martynets sehr gut postiert und konnte die Situation rechtzeitig entschärfen (73.). Den Grimmaern fehlte es fortan an der nötigen Entlastung, zu sehr waren die Gäste im Defensivbereich gebunden. Einzig Nitschke setzte mit einem Distanzschuss eine Duftmarke in Richtung VFC-Gehäuse, doch strich die Kugel knapp über den Querbalken (63.). Ansonsten spielte fast nur noch Plauen, auch, weil die Gäste manch vielversprechende Konter-Gelegenheit im letzten Pass etwas schlampig ausspielten. Wie die Dörfer-Schützlinge jedoch defensiv weiterhin als Kollektiv arbeiteten und mit körperlicher Robustheit, Wille sowie Hingabe den kostbaren Vorsprung verteidigten, war mehr als bemerkenswert. Als der Favorit über die linke Seite doch einmal durchkam, machte Čáp nach einem Schuss von De Moura Beal rechtzeitig das kurze Eck dicht (76.). Plauen verrann daraufhin etwas die Zeit, so dass die Aktionen der Gastgeber aus dem Spiel heraus fortan auch etwas unsauberer wurden. Daher mussten den Hausherren Distanzschüsse helfen, um ihrerseits noch einmal torgefährlich zu werden. Nach einem Spielzug über die eingewechselten Max Winter und Ilja Lemba verfehlte Letztgenannter zunächst das kurze Eck (80.), anschließende konnte sich Čáp bei einem Versuch von Martynets nochmals auszeichnen (87.). So deutete in der Endphase vieles auf eine faustdicke Überraschung hin, doch hatten die Gäste in der Nachspielzeit noch einmal komplett das Glück gepachtet. Einen im eigenen Strafraum aufspringenden Ball klärte der eingewechselte Robin Spreitzer vor dem Plauener Leonard Krantz deutlich mit Oberarm und hätte einen Handstrafstoß für den VFC nach sich ziehen müssen (90.+1). Glücklicherweise ließ der gut amtierende Schiedsrichter Leon Maximilian Metz (Erfurt) weiterlaufen, so dass sich die Muldestädter nach dem Abpfiff völlig entkräftet vor Freude in den Armen lagen.

Mit diesem Sieg blieben die Grimmaer zwar weiterhin auf dem vorletzten Tabellenrang, doch hat man vor dem letzten Spieltag mit dem Drittletzten aus Bischofswerda (1:1 in Krieschow) punktemäßig gleichgezogen (beide 25). Durch die 0:2-Niederlage in Sandersdorf ist Lok Stendal auf dem ersten Nichtabstiegsplatz nur noch zwei Zähler entfernt, so dass es nun zum Showdown am letzten Spieltag kommt. Grimma empfängt dann zu Hause Rudolstadt und muss dieses Heimspiel zwingend gewinnen, wenn man sich den letzten kleinen Strohhalm in Sachen Klassenerhalt erhalten will. Zeitgleich muss dann geschaut werden, was Bischofswerda (daheim gegen Plauen) und Stendal (Heimspiel gegen Krieschow) ergebnistechnisch leisten. Fakt ist, dass die Muldestädter den Klassenerhalt weiterhin nicht selbst mehr in der Hand haben, doch der letzte Funke ist noch lange nicht erloschen. Grimma lebt – das ist das Wichtigste! Entscheidend ist, dass die Elf weiterhin daran glaubt und sich in den bevorstehenden 12 Tagen fokussiert auf die letzte Partie vorbereitet. Sollte es am Ende des Tages der drittletzte Rang werden, würden die Muldestädter auch gern die „Hintertür“ Relegation in Anspruch nehmen, wenn in zwei Entscheidungsspielen die Drittletzten der Nord- und Südstaffel gegeneinander antreten. Der Sieger dieser Relegation hätte in der kommenden Saison dann den Oberliga-Startplatz sicher, sollte der 1. FC Lokomotive Leipzig die Aufstiegsspiele zur 3. Liga gegen die Würzburger Kickers erfolgreich bestreiten. Fragen über Fragen, Eventualitäten über Eventualitäten – doch über allem steht erst einmal ein Heimsieg über Einheit Rudolstadt…

Bericht: © Tom Rietzschel