NOFV-Oberliga Süd • 24. Spieltag
FC Grimma – 1. FC Lok Stendal 5:2 (0:0)
Grimma: Čáp – Bartsch, Mattheus, Ziffert, Pistol – Rieger (ab 90.+2 Seidl), Vogel, Tröger, Katzenberger (ab 72. Spreitzer) – Werner (ab 72. Kind), Hübner (ab 90.+1 Nitschke) – Trainer: Dörfer
Stendal: Poser – Scheffler, Mahrhold, Kohl, Knoblich – Ilchenko – Kaschlaw (ab 72. Schleicher), Masuth, Grigo (ab 67. Tovkach), Buschke – Schulze (ab 72. Salge) – Trainer: Schulz
Schiedsrichter: Baudis (Sondershausen) – Schiedsrichter-Assistenten: Lämmchen (Meuselwitz), Lorenz (Bad Langensalza) – Tore: 0:1 Buschke (46.), 1:1 Werner (55.), 2:1 Katzenberger (64.), 3:1 Hübner (70.), 3:2 Buschke (75., Foulstrafstoß – Bartsch an Masuth), 4:2 Hübner (89.), 5:2 Vogel (90.+3) – Gelbe Karten: Pistol (Foulspiel – 74.), Rieger (Foulspiel – 90.+1) – Mahrhold (Unsportlichkeit – 90.+1) – Gelb-Rote Karten: Knoblich (Stendal) wegen wiederholten Foulspiels (66.) – Reservebänke: Tsarenko (Tor), Kögler, Förster, Markus, Reisinger – Günther (Tor), Balliet – Zuschauer: 136 im Husaren-Sportpark zu Grimma
Grimma. Der FC Grimma hat seine Chancen auf den Oberliga-Klassenerhalt gewahrt. Nach zuletzt zwei bitteren Niederlagen in Folge (1:5 in Bischofswerda, 2:4 gegen Bautzen) gewannen die Muldestädter das existenzielle „Sechs-Punkte-Spiel“ im heimischen Husaren-Sportpark gegen den 1. FC Lok Stendal mit 5:2 (0:0) und zogen damit im Klassement um einen Zähler am Kontrahenten vorbei. Mit diesem dreifachen Punktgewinn verkürzten die Grimmaer den Rückstand auf den ersten Nichtabstiegsplatz auf vier Zähler, wohl wissend, dass Stendal aktuell noch Partien weniger ausgetragen hat. Demzufolge war dieser Erfolg gegen einen unmittelbaren Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt schon extrem wichtig, doch war dies nicht mehr als ein kleiner Schritt. Der Weg zur Realisierung des großen Ziels ist noch ewig weit – für einen Grund zum Feiern gibt es momentan überhaupt keinen Anlass. Die Mannschaft steht nun vor sieben Endspielen – dies muss der Truppe absolut bewusst sein. Wenn die Mannschaft diese folgenden Begegnungen allesamt gemeinsam als Kollektiv total fokussiert bestreitet und jeder Einzelne seine persönlichen Befindlichkeiten hinten anstellt, ist das Team allerdings zu allem in der Lage. Dies hat die Elf gegen den Neuling aus Stendal eindrucksvoll bewiesen, als man sich nach einem zwischenzeitlichen Rückstand aufgrund einer Energieleistung spektakulär aus dem Sumpf zog. Dementsprechend konnte Trainer Marcus Dörfer nach Spielschluss erst einmal aufatmen. „Wichtig war, dass wir nach dem Rückstand nicht die Nerven verloren haben und die Mannschaft weiter an sich geglaubt hat. Wie die Elf dann mit dem mentalen Druck umgegangen ist und dann die Begegnung noch drehen konnte, war schon richtig gut“, so Trainer Marcus Dörfer, der den Weg zu diesen drei Punkten realistisch einschätzt. „In unserer Situation zählen nur Ergebnisse, vor allem gegen direkte Kontrahenten. Wir müssen fußballerisch nicht glänzen – zumal das unserer gegenwärtigen Situation auch der völlig falsche Ansatz wäre. Was wir im Abstiegskampf brauchen, ist ein Resultat, welches uns weiterhilft. Am Ende des Tages haben wir das heute eingefahren und nur dies zählt.“ Auf der anderen Seite war man im Stendaler Lager dementsprechend enttäuscht, zumal der Aufsteiger den am Ostermontag errungenen 1:0-Erfolg beim Tabellenzweiten in Freital unbedingt vergolden wurde. „Nach der 1:0-Führung haben wir komplett die Spielkontrolle abgegeben und innerhalb von 15 Minuten die Partie verloren. In Unterzahl sind wir dann zwar noch einmal zurückgekommen, zumal die Möglichkeiten zum Ausgleich durchaus vorhanden waren“, fasste Artem Sikulski, seines Zeichens Sportlicher Leiter des 1. FC Lok Stendal, die Partie zusammen. „Insgesamt war es natürlich ein schlechter Tag für uns, die letzten beiden Gegentreffer unterstreichen dies. Allerdings haben wir gar keine Zeit nun die Köpfe hängenzulassen. Am Mittwoch sind wir im Hölzchen gegen Sandersdorf schon wieder gefordert, wo ich hoffe, dass dann das Glück wieder auf unsere Seite zurückkehrt.“
In diesem Duell Vorletzter gegen Drittletzter wurde den Zuschauern in den ersten 45 Minuten jedoch äußerst überschaubare Fußballkost geboten. Der horrende Druck war beiden Teams von Beginn an anzumerken, so dass man sich gegenseitig im Mittelfeld komplett neutralisierte. Torchancen blieben auf beiden Seiten absolute Mangelware, da sich beide Teams im Offensivspiel mit Fehlpässen, Unzulänglichkeiten und Missverständnissen gegenseitig überboten. Der Gast aus Stendal wirkte fußballerisch noch einen kleinen Tick besser, doch waren die meisten der Zuschauer heilfroh, dass Schiedsrichter Paul Baudis (Sondershausen) eine grauenvolle erste Halbzeit mit dem Pausenpfiff beendete.
So langweilig und öde sich jedoch die ersten 45 Minuten darstellten, so anspruchsvoll und spannend wurde die Angelegenheit dann jedoch sofort nach dem Wechsel. Dies begann darin, dass die Gastgeber einen Katastrophen-Start hinlegten und den Aufsteiger vom zweiten Auswärtssieg in Folge träumen ließen. Direkt nach Wiederanpfiff übersah Jan Hübner mit einem Rückpass auf Torhüter Ondřej Čáp den auf den Passweg spekulierenden Niclas Buschke, der im Anschluss den Grimmaer Schlussmann umkurvte und die Kugel zum 0:1 ins verwaiste Tor schob (46.). Nun hatte man im Lager der Muldestädter ein leicht mulmiges Gefühl, zumal sich die Vorstellung der Elf in den ersten 45 Minuten als äußerst überschaubar darstellte. Allerdings riss sich die Mannschaft zusammen, verdaute den Schock recht schnell und kam mit enormer Wucht zurück. Nach einer flachen Eingabe von Alexander Vogel hätte Hübner um ein Haar zum Ausgleich getroffen, doch fischte Lok-Schlussmann Philipp Poser den Flachschuss aus dem Eck (54.). Doch bereits nach dem folgenden Eckball sollte der Gleichstand erzielt werden. Die bereits abgewehrte Standardsituation brachte Nico Rieger zurück ins Sturmzentrum – nach Vorlage von Toni Ziffert leitete Vogel die Kugel direkt auf Kevin Werner weiter, der aus Nahdistanz flach zum 1:1 einlochte (55.). Doch auch nach dem Gegentreffer deutete der Gast immer wieder seine Torgefährlichkeit an, wobei die Einheimischen zweimal richtig Glück hatten, nicht wieder in Rückstand zu geraten. Nach Zuspiel von Valentin Masuth klärten Schlussmann Čáp und Tim Mattheus in Gemeinschaftsproduktion gegen Ian Scheffler (57.), kurz darauf schob Rosario Schulze eine flache Eingabe von Buschke zum Entsetzen der Gäste am Tor vorbei (59.). Als Buschke wenig später Illia Ilchenko in Szene setzte, vergeben die Altmärker die nächste gute Möglichkeit (drüber, 61.). Doch auch die Muldestädter haderten das eine oder andere Mal mit der Chancenverwertung. Am ehesten, als Philipp Katzenberger mit einem Grundlinien-Rückpass abermals Werner fand, doch drosch der vorherige Ausgleichs-Torschütze die Kugel über den Querbalken und übersah dabei den weitaus besser postierten Rieger (60.). Doch war bereits zu diesem Zeitpunkt eine grundlegende Steigerung im FC-Spiel unübersehbar, was kurz darauf im 2:1-Führungstreffer münden sollte. Nachdem sich Werner im Luftduell gegen Kohl zweimal als deutlich stabiler erwies, erkannte Stefan Tröger die unübersichtliche Situation im Gäste-Strafraum als Erster – per Kopfballvorlage setzte dieser mustergültig Katzenberger in Szene, der mit einem Flachschuss aus halblinker Position zum 2:1 erfolgreich war (64.). Damit hatten die Einheimischen mit enormen Willen die Begegnung erst einmal gedreht, wobei den Dörfer-Schützlingen weiterhin entgegen kam, dass sich der Aufsteiger wenig später selbst schwächte. Bereits in der Anfangsphase nach einem Foulspiel an Rieger gelbverwarnt, hielt Felix Knoblich Mitte der zweiten Hälfte abermals gegen Rieger drüber – Gelb-Rot war die Folge (66.). Diese nummerische Überlegenheit machten sich die Hausherren prompt zunutze, indem man kurzerhand das Ergebnis weiter ausbauen konnte. Nach Zuspiel von Katzenberger ließ Hübner zunächst den gerade eingewechselten Tovkach aussteigen und traf anschließend durch die Beine Posers zum 3:1 (70.). Damit schien der Grimmaer Weg nun endgültig geebnet, doch völlig unerklärlicherweise wurde den in Unterzahl agierenden Gästen noch einmal die Rückkehr in die Partie gestattet. Ausgangspunkt war ein Strafraum-Foul von Lucas Bartsch an Masuth, der den Altmärkern einen Elfmeter bescherte. Buschke ließ sich von „Punkt“ nicht zweimal bitten und verkürzte auf 3:2 (75.). Fortan wurde es aus Grimmaer Sicht ein Tanz auf der Rasierklinge – mit einem Spieler mehr auf dem Platz war es dem Team deutlich anzumerken, dass man nun etwas verlieren konnte. Stendal witterte fortan noch einmal Morgenluft und verstärkte dementsprechend die eigenen Offensivbemühungen. Die Platzherren agierten nun viel zu passiv, was sich jedoch glücklicherweise nicht im Ergebnis niederschlagen sollte. Nach einer Eingabe von Alexander Schleicher verfehlte Max Salge zunächst klar den FC-Kasten (77.), vier Minuten später rettete Čáp per Fußabwehr nach einem Schuss von Artem Tovkach (81.). Stendal setzte nun alles auf eine Karte, doch jegliche Hoffnungen auf einen eventuellen Punktezuwachs zerstörten sich die Gäste in der Endphase selbst. Nach Zuspiel von Torhüter Poser unterlief Kohl kurz vor der Mittellinie ein folgenschwerer Stockfehler – Hübner war der Nutznießer, in dem er die Kugel zum vorentscheidenden 4:2 ins verwaiste Tor schob (89.). Doch damit noch nicht genug – kurz vor dem Ablauf der Nachspielzeit legten die Hausherren sogar noch einen drauf. Nach über acht Monaten Leidenszeit von Vogel klasse in Szene gesetzt, sah der eingewechselte Max Nitschke den mitgelaufenen Valentin Seidl auf der rechten Seite, dessen perfekt getimte Flanke der heranrauschende Vogel selbst zum 5:2-Endstand ins Stendaler Gehäuse köpfte (90.+3).
Fazit: Überlebenswichtige drei Grimmaer Punkte gegen einen unmittelbaren Kontrahenten im Kampf um den Klassenerhalt – nicht mehr und nicht weniger. Das Ziel muss es jetzt sein, zwingend dranzubleiben und sich nicht auf diesem Erfolg auszuruhen! Dann ist der Elf alles zuzutrauen – vielleicht schon am Mittwoch um 17.45 Uhr im heimischen Husaren-Sportpark, wenn der VFC Plauen zum Nachholspiel gastiert.
Bericht: © Tom Rietzschel
Bilder vom Spiel
Fotos: © Dieter Koch





































































