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Existenzielles „Sechs-Punkte-Spiel“

Vorschau auf den 24. Spieltag der
NOFV-Oberliga Süd

 

FC Grimma – 1. FC Lok Stendal

 

Datum:                   Sonntag, 12.04.2026

 

Anstoß:                  14.00 Uhr

 

Spielort:                 Husaren-Sportpark, Grimma

 

Grimma. Der FC Grimma steht am morgigen Sonntag vor dem nächsten Abstiegs-Endspiel in der Oberliga Süd. Nachdem die Mannschaft von Trainer Marcus Dörfer vor dem vergangenen Samstag mit einem Punktgewinn gegen Spitzenreiter Stahnsdorf (0:0) und einem Sieg gegen Heiligenstadt (4:0) auf dem richtigen Weg schien, folgte in den letzten beiden Begegnungen prompt die Ernüchterung. Eine derbe 1:5 (0:2)-Packung beim Abstiegskonkurrenten Bischofswerda sowie die am Mittwoch im Nachholspiel erlittene 2:4 (0:1)-Heimniederlage gegen Budissa Bautzen haben die Muldestädter binnen weniger Tage wieder auf den Boden der Realität zurückgeholt. Bei noch acht auszutragenden Partien sind die Grimmaer dadurch auf den vorletzten Rang im Klassement abgerutscht, wobei der Rückstand auf das rettende Ufer mittlerweile sechs Punkte beträgt. Dabei sind die Gründe für die neuerlichen zwei Niederlagen recht schnell erzählt. Neun Gegentore in den beiden Begegnungen zeigen eindrucksvoll die Probleme auf, mit welchen sich der FC in der kompletten Saison herumschlagen muss. Der Mannschaft gelingt es viel zu selten, eine defensive Stabilität an den Tag zu legen, welche in der Oberliga dringend von Nöten ist, um Punkte einzufahren. Mit 57 Gegentoren hat man mittlerweile die meisten in der Staffel kassiert, sowohl in Bischofswerda als auch gegen Bautzen wurden die defensiven Probleme mehr als augenscheinlich. Doch Bangemachen gilt nicht! Natürlich ist die Ausgangsposition vor den letzten acht Begegnungen nicht die Beste, doch solange rechnerisch alles möglich ist, möchte man sich diesen Strohhalm unbedingt erhalten. Dabei ist allerdings zwingend erforderlich, dass es der Mannschaft gelingt, in der Endphase der Meisterschaft über sich hinauszuwachsen, um damit die dringend nötigen Zähler doch noch einzufahren. Die erste Möglichkeit bietet sich dafür bereits am morgigen Sonntag, wenn man um 14.00 Uhr im Husaren-Sportpark mit dem Aufsteiger 1. FC Lok Stendal einen weiteren Kontrahenten im Kampf um den Oberliga-Verbleib empfängt. Für die Muldestädter ist dieses „Sechs-Punkte-Spiel“ quasi von existenzieller Bedeutung – mit einem dreifachen Punktgewinn könnte die Elf vor den restlichen Partien abermals richtig Schwung holen.

Nachdem die Altmärker im letzten Sommer mit einem Last-Minute-Sieg in Gardelegen (1:0) die Oberliga-Rückkehr realisieren konnten, hatte der ehemalige DDR-Oberligist in der ersten Halbserie allerdings große Probleme, sich in der neuen Spielklasse zurechtzufinden. Nach sechs Spieltagen hatten die Stendaler nur einen Zähler auf dem Konto, so dass man sich frühzeitig in den Niederungen der Tabelle wiederfand. Trotz der Vielzahl der negativen Ergebnisse deuteten die Rot-Schwarzen dabei allerdings bereits ihre Qualitäten an. Am heimischen Hölzchen wurde der VfB Auerbach mit 4:1 bezwungen, in Bautzen holte man beim 1:1-Remis einen Teilerfolg, in Heiligenstadt wurde im Aufsteiger-Duell mit 3:2 gewonnen. Und ja, hinzu kam noch das Hinspiel gegen die Grimmaer, welches die Einheimischen so schnell nicht mehr vergessen werden. Dabei lagen die Altmärker bereits quasi aussichtslos mit 0:2 und 1:3 im Hintertreffen, auch vom zwischenzeitlichen 3:4-Rückstand ließen sich die „Eisenbahner“ nicht aus der Fassung bringen. Letztlich drehte der Neuling diese Begegnung in einen 5:4-Sieg um und hinterließ lange Gesichter bei den Muldestädtern. Trotz alledem überwinterte Stendal auf einem Abstiegsplatz – der langjährige Trainer Jörn Schulz (seit November 2018 im Amt) stellte in der Zwischenzeit selbst einen Wechsel auf der Kommandobrücke in Aussicht, um der Mannschaft von einem neuen Coach einen eventuellen neuen Impuls geben zu können. Dies wurde allerdings vom Vorstand abgelehnt, zu sehr war man von der Arbeit von Schulz überzeugt. Im Nachgang sollte sich dies auch als komplett richtig erweisen, schließlich hat sich der Aufsteiger im Jahr 2026 deutlich stabilisiert. Acht Punkte aus sechs Spielen hat der Neuling im neuen Jahr bereits gesammelt und kann sich damit berechtigte Hoffnungen auf den Klassenverbleib machen. Der 5:1-Erfolg über Einheit Rudolstadt sorgte dabei für ebenso große Furore wie der 1:0-Sieg am Ostermontag beim Tabellenzweiten SC Freital. Weiterhin kommen Teilerfolge in Halle (2:2) und in Auerbach (1:1) hinzu, welche man ebenfalls nicht eben so im Vorbeigehen erlangt. Damit ist die Punkte-Anzahl des 1. FC Lok Stendal mittlerweile auf 18 angewachsen, auch wenn dabei der Rückstand auf den ersten Nichtabstiegsplatz immer noch vier Zähler beträgt. Doch die Tendenz der Altmärker ist zweifellos aufsteigend, zumal man im Vergleich zur Hinrunde auch die Defensive deutlich stabilisieren konnte.

Die Grimmaer sind sich daher über die Schwere der Aufgabe bewusst, wohl wissend, dass in der aktuellen Situation quasi nur noch Siege zählen. Bis zum heutigen Tag rätselt man allerdings immer noch, wie man das Hinspiel in Stendal nach dieser glänzenden Ausgangsposition noch verlieren konnte. Daher ist das Ziel der Muldestädter, diese Niederlage natürlich zu revidieren und dringend auf dem Punktekonto anzuschreiben. Der Druck ist natürlich dementsprechend, zumal die Anzahl der Spiele zwangsläufig immer weniger werden. Doch hat die Mannschaft vor drei Wochen gegen Heiligenstadt eindrucksvoll bewiesen, dass sie damit umgehen kann. Wenn die Muldestädter allerdings dieses existenzielle „Sechs-Punkte-Spiel“ siegreich gestalten wollen, ist eine Stabilisierung der Defensive dringend von Nöten. Im Abstiegskampf ist sie die Grundlage für eine eventuelle Aufholjagd, über alles andere muss aktuell nicht geredet werden. Bereits im Hinspiel im Stendaler Hölzchen waren die Muldestädter davon meilenweit entfernt, als man sich mit einer Vielzahl von langen Bällen derart übertölpeln ließ, dass man am Ende des Tages die drei sicheren Punkte noch mehr als fahrlässig aus der Hand gab. Zwar muss Trainer Marcus Dörfer dabei auf den gelb-gesperrten Julian Janz verzichten, doch werden mit Toni Ziffert und Tim Mattheus (beide erkrankt) zwei Akteure wieder dabei sein. „Wir wissen um die Ausgangsposition und die Brisanz in diesem wichtigen Spiel. Stendal ist in den letzten Wochen gut drauf und hat eifrig gepunktet. Nichtsdestotrotz spielen wir zu Hause und wollen mit einem Sieg wieder am Gegner in der Tabelle vorbeiziehen“, so Coach Dörfer. „Dass unsere Mannschaft zu allem in der Lage ist, hat die Vergangenheit gezeigt. Leider bekommen wir es jedoch aktuell nicht hin, eine gewisse Konstanz an den Tag zu legen. Nach den guten Spielen ist mir speziell der Auftritt in Bischofswerda unerklärlich. Nichtsdestotrotz haben wir uns für morgen allerhand vorgenommen und wollen mit einem positiven Ergebnis natürlich weiterhin im Kampf um den Klassenerhalt eine entscheidende Rolle einnehmen.“

Bericht: © Tom Rietzschel