NOFV-Oberliga Süd • 23. Spieltag
Bischofswerdaer FV 08 – FC Grimma 5:1 (2:0)
Bischofswerda: Kiefer – Scharfe, Fromm, Stopp, Dolla (ab 46. Reh) – Weiß (ab 67. Scheunert) – Sobe (ab 81. Rettig), Hofmann, Hecker (ab 76. Scholze), Bürger (ab 67. Krautschick) – Born – Trainer: Rietschel
Grimma: Čáp – Rieger, Janz, Ziffert, Pistol – Schulze (ab 46. Tröger), Vogel (ab 77. Reisinger), Katzenberger, Spreitzer – Hübner (ab 77. Werner), Kind – Trainer: Dörfer
Schiedsrichter: Seib (Holtendorf) – Schiedsrichter-Assistenten: Albert (Muldenhammer), Altmann (Schwarzenberg) – Tore: 1:0 Hofmann (21.), 2:0 Dolla (23.), 3:0 Born (58.), 4:0 Bürger (63.), 5:0 Scholze (79.), 5:1 Werner (90.) – Gelbe Karten: Weiß (Foulspiel – 33.) – Rieger (Foulspiel – 30.) – Reservebänke: Ziesche (Tor), Krause, Ohnesorge – Tsarenko (Tor), Kögler, Förster, Markus, Bartsch, Rasser – Zuschauer: 194 in der Volksbank-Arena zu Bischofswerda
Bischofswerda. Alles was sich Oberligist FC Grimma in den letzten drei Wochen mühsam aufbauen konnte, hat die Mannschaft binnen 90 Minuten mit dem Hinterteil fahrlässig wieder eingerissen. Nach den teilweise sehr guten Auftritten gegen Stahnsdorf (0:0), Heiligenstadt (4:0) und im Sachsenpokal-Viertelfinale gegen den Chemnitzer FC (0:1) legte die Elf nun im „Sechs-Punkte-Spiel“ beim Bischofswerdaer FC 08 einen recht ansatzweise würdigen Oberliga-Auftritt hin und geriet in der Volksbank-Arena mit 1:5 (0:2) unter die Räder. Dabei ließen die Muldestädter all dies vermissen, was die Mannschaft in den vorigen Begegnungen stark gemacht hatte. Defensiv agierte die Elf teilweise wie ein aufgescheuchter Hühnerhaufen, im Spiel mit dem Ball produzierte man viel zu viele Ballverlusten und wartete ohne jegliches Tempo auf. Kurzum: Angesichts der Wichtigkeit dieser Begegnung war die Vorstellung der Grimmaer absolut katastrophal, so dass man sich bei den mitgereisten Grimmaer Fans mehr als nur entschuldigen kann. Nach dieser derben Klatsche ist der Rückstand auf das rettende Ufer nun wieder auf sechs Punkte angewachsen, so dass der Weg zum großen Ziel Klassenerhalt weiterhin extrem weit ist. Dementsprechend war Trainer Marcus Dörfer in der anschließenden Pressekonferenz mehr als sichtlich angeschlagen. „Angesichts der letzten guten Vorstellung meiner Mannschaft ist diese heutige Leistung absolut nicht zu erklären. Wir haben über die komplette Spielzeit nie ins Spiel gefunden, waren in den Defensiv-Zweikämpfen viel zu passiv und haben weiterhin kaum Balleroberungen gehabt“, so der Grimmaer Coach. „Daher geht mein Glückwunsch nach Bischofswerda zum absolut verdienten und ungefährdeten Sieg. Wir haben uns in den 90 Minuten viel zu viel im kleinklein verstrickt und waren insgesamt überhaupt nicht zielstrebig. Warum angesichts der Wichtigkeit dieser Partie meiner Mannschaft jeglicher Biss gefehlt hat, ist mir leider unerklärlich. Wenn man allerdings keine Basics im Spiel abrufen kann, ist mit einem Punktezuwachs eben auch nicht zu rechnen. Insgesamt ein absolut enttäuschender Auftritt meiner Mannschaft, welchen es vor den nächsten wichtigen Spielen dringend auszuwerten gilt.“ Im Bischofswerdaer Lager war der Gemütszustand dementsprechend ein ganz anderer. „Ich bin sehr froh über die wichtigen drei Punkte, jedoch müssen wir in den kommenden Partien dringend dranbleiben“, so ein entspannter BFV-Coach Frank Rietschel. „Zweifellos war vor dem Spiel gehörig Druck auf dem Kessel, doch wie meine Jungs damit umgegangen sind, nötigt mir großen Respekt ab. Der Schlüssel zum Sieg war eine stabile Defensive, sowie die Geschwindigkeit im Spiel mit dem Ball. Die Führung mit dem folgenden Doppelschlag kam zum rechten Zeitpunkt, so dass in der Folgezeit eine Art Befreiung bei meiner Mannschaft zu sehen war. Nichtsdestotrotz richten wir ab Dienstag nun den Fokus auf die kommenden Partien. Die Saison ist noch lang, jedes Spiel kann weiterhin von entscheidender Bedeutung sein.“
Dabei waren die Muldestädter nach den letzten ordentlichen Auftritten durchaus mit Selbstvertrauen zum ehemaligen DDR-Oberligisten gereist. Zwar mussten mit Lucas Bartsch und Stefan Tröger zwei angeschlagene Spieler zunächst auf der Bank Platz nehmen, doch auch ohne diese beiden Leistungsträger der vergangenen Wochen waren die Gäste fest gewillt, ihren positiven Trend weiter fortzusetzen. Was die mitgereisten FC-Fans dann allerdings von ihrer Mannschaft zu sehen bekamen, war ein Rückfall in Zeiten, welche man dachte, dass sie längst der Vergangenheit angehören würden. Keine Intensität in den Zweikämpfen, wenig Kommunikation im Rückwärtsgang, kaum durchdachte Aktionen im Spiel nach vorn. Zwar bedrohte Robin Spreitzer mit einem Rechtsschuss BFV-Schlussmann Stefan Kiefer (10.), doch hätten die Hausherren zu diesem Zeitpunkt bereits zwingend führen müssen. Im Gefühl den Ball ins Aus trudeln zu lassen, nahm Martin Sobe Grimmas Schlussmann Ondřej Čáp die Kugel an der Torauslinie ab, doch rettete Julian Janz anschließend in höchster Not vor dem einschussbereiten Franz Born (6.). Auch in der Folgezeit kamen die Gäste überhaupt nicht in die Gänge und ließen den Einheimischen viel zu viel Spielraum. Diese nutzten die Freiheiten und setzten sich durch zwei Distanzschüsse frühzeitig auf 2:0 ab. Nach Zuspiel von Matteo Hecker legte sich Eduard Hofmann das Streitobjekt ohne jegliche Gegenwehr auf seinen starken rechten Fuß und drosch die Kugel zum Führungstreffer sehenswert in die Maschen (21.), anschließend sah Schlussmann Čáp nach einem Aufsetzer von Johannes Dolla alles andere als gut aus – 2:0 (23.). Mit diesem Vorsprung wurden die Ostsachsen in der Folgezeit noch sicherer, wobei die Gäste Glück hatten, dass der BFV ein weiteres Geschenk nicht annahm. Nach einem langen Ball von Dolla profitierte Sobe um ein Haar von einem folgenschweren Missverständnis zwischen Pistol und Čáp, doch trudelte sein Kopfball hauchzart am FC-Gehäuse vorbei (40.). Erst in den folgenden fünf Minuten bis zum Pausenpfiff wurden die Gäste etwas präsenter. Nach einer Flanke von Spreitzer strich ein Kopfball von Tommy Kind knapp über den Querbalken (41.), ehe der FC-Torjäger kurz vor dem Pausenpfiff die große Möglichkeit zum Anschlusstreffer leichtfertig liegenließ. Nach einem langen Ball von Albert Pistol profitierte er von einem Stellungsfehler von Fromm, doch scheiterte er per Kopfball am gut den Winkel verkürzenden Kiefer (45).
In der Kabine hatten sich die Gäste für den zweiten Durchgang zwar allerhand vorgenommen, doch nachdem Spreitzer mit einem Linksschuss an Kiefer scheiterte (48.), verfielen die Muldestädter im Anschluss wieder in den vorherigen Trott. Jede Menge Ballverluste prägten in der Folgezeit das Spiel der Gäste, defensiv war von einer gewissen Stabilität so gut wie nichts zu sehen. Nach einer abgefangenen Flanke von Katzenberger schalteten die Hausherren blitzschnell um – Hecker setzte im Anschluss per Steckpass die weit ausgerückte Grimmaer Hintermannschaft schachmatt, der allein auf das Tor zusteuernde Born hatte daraufhin wenig Mühe auf 3:0 zu erhöhen (58.). Damit waren nach gut einer Stunde Spielzeit jegliche Messen gelesen, doch luden die Gäste den Kontrahenten in der Folgezeit weiter munter zum Toreschießen ein. Nach einer Eingabe von Johann Weiß rettete Čáp gegen Sobe in höchster Not (62.), ehe die Gäste kurz darauf in den nächsten Konter rannten. Nach einem Ballverlust von Spreitzer sah Sobe den mitgelaufenen Luca Bürger, der sich im Anschluss quasi die Ecke aussuchen konnte und das Resultat auf 4:0 in die Höhe schraubte (63.). Doch damit noch nicht genug, auch in der Folgezeit herrschte vor dem Grimmaer Gehäuse weiterhin Tag der offenen Tür. Sehr gut von Sobe und dem eingewechselten Jonas Krautschick herausgespielt, profitierte der ebenfalls ins Spiel gekommene Leon Noah Scholze vom inkonsequenten Eingreifen der FC-Hintermannschaft und erhöhte mühelos auf 5:0 (79.). Zwar konnte Kevin Werner nach Zuspiel von Kind kurz vor Spielende noch auf 5:1 verkürzen (90.), doch tat dies der katastrophalen Vorstellung der Muldestädter keinen Abbruch.
Fazit: Warum die Grimmaer in einem derart wichtigen Spiel komplett versagten, ist nicht im Geringsten zu erklären und bleibt das Geheimnis der Truppe. Das einzig Gute ist, dass die Elf relativ schnell die Möglichkeit bekommt, ihr wahres Gesicht zu zeigen und diese Schmach zu tilgen. Bereits am kommenden Mittwoch gastiert um 17.30 Uhr der FSV Budissa Bautzen zum Nachholspiel im Grimmaer Husaren-Sportpark. Für die Muldestädter ist dies das nächste Endspiel im Kampf um den Oberliga-Verbleib, in dem die Mannschaft dringend Punkte benötigt. Die peinliche 0:7 (0:5)-Hinspielniederlage auf der Müllerwiese dürfte daher als zusätzliche Motivation dienen.
Bericht: © Tom Rietzschel
Spielberichte
Der Anfang ist gemacht...
Bischofswerda. Mit einer überzeugenden Vorstellung ist unser Oberligakader erfolgreich in den so wichtigen Monat April gestartet. Im Heimspiel vom 23. Spieltag stand viel auf dem Spiel, denn mit dem FC Grimma kam der Tabellen-Vierzehnte nach Bischofswerda, der unmittelbare Tabellennachbar und damit unmittelbare Konkurrent um den ersten Nichtabstiegsplatz bzw. eventuellen Relegationsplatz.
Von Beginn an zeigte das Team unseres Trainergespanns Frank Rietschel, René Wagner und Alexander Schidun, dass man gewillt war, das bisher enttäuschende sportliche Abschneiden spätestens jetzt endgültig in positivere Bahnen zu lenken.
Gegen zugegebenermaßen enttäuschend harmlos auftretende Gäste aus Grimma konnte man von Minute eins an das Spielgeschehen in die Hand nehmen und sich deutliche Feldvorteile erspielen. Bis Mitte der ersten Halbzeit verpasste man es allerdings, vor dem gegnerischen Tor den richtigen Moment zum Abschluss zu finden. Als sich Eduard Hofamnn dann aus gut 20 Metern ein Herz fasste und den Ball aus 20 Metern ins linke Dreiangel jagte, war der Bann dann endlich gebrochen. Vom Führungstreffer beflügelt konnte Johannes Dolla dann kurz darauf nachlegen. Auch er nahm sich aus ähnlicher Distanz ein Herz und wurde mit einem leicht abgefälschten Fernschusstor für seinen Mut belohnt. Die Gäste konnten in Halbzeit eins nur einen gefährlichen Torabschluss per Kopf knapp über das Tor von Stefan Kiefer verzeichnen, was aber auch daran lag, dass die Defensive um das heutige Innenverteidiger-Duo Paul Fromm und Tommy Stopp eine sichere und konzentrierte Leistung ablieferte. Kapitän Johann Weiß organisierte das Spiel etwas überraschend von der Sechser-Position und hielt damit seinen Vorderleuten den Rücken frei.
Auch nach dem Seitenwechsel blieben unsere Jungs weiter am Drücker und schafften es, nach einer knappen Stunde den wichtigen dritten Treffer zu erzielen. Franz Born konnte, auf der halbrechten Bahn auf die Reise geschickt, unbedrängt an Grimma-Schlussmann Čáp hinein ins lange Eck verwerten und damit für die Vorentscheidung sorgen. Wenige Minuten später sorgte Luis Bürger dann für die Entscheidung. Ähnlich wie Born kurz zuvor tauchte er alleine vor dem Gäste-Hüter auf und setzte das Spielgerät ebenfalls ins lange untere Eck. Die Moral der Gäste war damit endgültig gebrochen, stellenweise wirkte die Gegenwehr des Teams von Cheftrainer Marcus Dörfer arg gebrochen. Mit Beginn der Schlussphase durfte sich dann auch der eingewechselte Leon Scholze in die Torschützenliste eintragen, nachdem er sich vor der Strafraumgrenze gegen zwei Gegenspieler behaupten und auch den Torhüter umkurven und ins leere Tor abschließen konnte. Der Ehrentreffer der Gäste durch den ebenfalls eingewechselten Kevin Werner war dann in der Schlussminute ein kleiner Schönheitsfleck einer sonst überzeugenden und sehr ansehnlichen Mannschaftsleistung. So kann und muss es aber auch in den kommenden Wochen weitergehen, um den Abstiegsrängen und einem möglichen Relegationsplatz 13 bis zum Saisonende entgehen zu können.
Auf jeden Fall kann die Mannschaft, das Trainerteam und auch die sportliche Leitung einmal tief durchatmen und guter Hoffnung in die kommenden Spiele gegen Heiligenstadt, Bautzen, Stendal und Glauchau gehen.
© www.bfv08.de
Pressekonferenz
© youTube-Kanal Bischofswerdaer FV 08

