Vorschau auf den 22. Spieltag der
NOFV-Oberliga Süd
FC Grimma – 1. SC 1911 Heiligenstadt
Datum: Samstag, 21.03.2026
Anstoß: 14.00 Uhr
Spielort: Husaren-Sportpark, Grimma
Grimma. Nicht viele der sogenannten Fußball-Experten hatten Oberligist FC Grimma am letzten Wochenende gegen den Tabellenzweiten RSV Eintracht 1949 eine derartige Leistung zugetraut. Nach drei Niederlagen aus den ersten drei Rückrunden-Spielen und insgesamt 13 Gegentoren trotzten die Muldestädter den mit 12 Siegen in Folge angereisten Brandenburgern ein torloses 0:0-Unentschieden ab und verdienten sich den Punktgewinn zu hundert Prozent. Am Ende des Tages waren die Schützlinge von Trainer Marcus Dörfer sogar dem Sieg näher als die mit strotzendem Selbstvertrauen angereisten Gäste, da die klareren Möglichkeiten die Hausherren besaßen. Daher konnte man sich im Lager der Muldestädter nach dem Abpfiff sogar insgeheim etwas grämen, nicht die volle Punktausbeute geholt zu haben. „Die Mannschaft hat gezeigt, zu welch Leistungen sie imstande ist, wenn sie als Kollektiv funktioniert“, so Coach Dörfer. „Klar hätten wir angesichts des Spielverlaufs gerne gewonnen, doch bleiben wir demütig und nehmen diesen Punkt gegen eine absolute Spitzenmannschaft mit. Dieses kleine Erfolgserlebnis haben wir vor den nun anstehenden Begegnungen gegen Kontrahenten auf Augenhöhe dringend gebraucht.“ Mit diesem Zähler haben sich die Grimmaer damit auf die drittletzte Position der Tabelle verbessern können – der Rückstand auf das rettende Ufer beträgt allerdings immer noch sechs Zähler. Dies klingt auf den ersten Blick relativ viel, doch bei noch elf ausstehenden Partien, von denen sieben im heimischen Husaren-Sportpark zu absolvieren sind, scheint insgesamt noch alles möglich. „Doch dazu bedarf es, dass wir zeitnah einen Sieg einfahren“, spricht Trainer Marcus Dörfer die Zielvorgabe klar an. Am Wochenende wäre dazu mit Sicherheit eine sehr gute Gelegenheit, zumal für die Muldestädter ein echtes „Sechs-Punkte-Spiel“ auf dem Programm steht. Mit dem Aufsteiger 1. SC 1911 Heiligenstadt reist am morgigen Samstag der Tabellenvorletzte nach Grimma, der aktuell nur einen Zähler hinter den Einheimischen zu finden ist. Für beide Teams geht es daher um unheimlich viel, will man sich die Chance offenhalten, auch in der kommenden Saison in der Oberliga zu spielen. „Wir haben letzte Woche sehr gut gespielt, so dass ich hoffe, dass wir diesen Schwung mit in diese hoch wichtige Begegnung nehmen können“, so der FC-Coach. „Dazu ist allerdings eine ähnliche Vorstellung wie vergangenen Samstag von Nöten.“ Der Anstoß um Husaren-Sportpark erfolgt morgen um 14.00 Uhr.
Im Sommer des letzten Jahres hat der 1. SC 1911 Heiligenstadt nach dem Staffelsieg der Thüringenliga erstmalig das Gebiet des Nordostdeutschen Fußballverbandes betreten. Nach einem spannenden Finish holten die Eichsfelder mit 70 Punkten die thüringische Landesmeisterschaft und ließen dabei ehemalige Oberligisten wie den SV SCHOTT Jena (68) und den FC An der Fahner Höhe (66) knapp hinter sich. Mit einem 3:1-Erfolg in Schleiz sicherten sich die Heiligenstädter am letzten Spieltag den Staffelsieg, obwohl man im traditionsreichen Fasanengarten zur Pause noch mit 0:1 im Hintertreffen lag. In der Oberliga angekommen, hatte der Neuling zunächst allerdings große Anpassungsprobleme. Zwar waren die Thüringer allzu oft auf Augenhöhe, doch konnte auf dem Punktekonto anfangs recht wenig verbucht werden. Nach acht Spielen hatte der Aufsteiger nur zwei Zähler auf dem Konto (2:2 in Sandersdorf, 1:1 gegen Stahnsdorf), so dass sich die Mannschaft frühzeitig am Tabellenende wiederfand. Auch wenn die Elf wenig später im thüringischen Landespokal-Achtelfinale dem Regionalligisten FC Carl Zeiss Jena im heimischen Gesundbrunnenstadion einen harten Kampf lieferte, wurde Aufstiegs-Trainer André Thüne daraufhin von seinen Aufgaben entbunden. Nachfolger auf der Trainerbank wurde Benedikt Seipel (39), der in der vergangenen Saison noch als Co-Trainer beim Hallescher FC fungierte. Seit Mitte Oktober ist der ehemalige Regionalliga-Kicker des 1. FC Lokomotive Leipzig und von Wacker Nordhausen für die Mannschaft verantwortlich und konnte aus seinen ersten zwölf Spielen zehn Punkte einfahren. Damit haben die Heiligenstädter zwar die „Rote Laterne“ an Lok Stendal weitergereicht, doch befindet sich die Elf immer noch auf einem Abstiegsplatz. „Wenn man eine Mannschaft mit zwei Punkten auf dem Konto übernimmt, kann man natürlich von einer Herausforderung sprechen“, so der 39-Jährige. „Doch nachdem ich meine Tätigkeit beim HFC im Sommer beendet hatte, konnte ich in der Zeit die Akkus wieder aufladen, so dass ich mit Euphorie diese Aufgabe in Heiligenstadt angegangen bin. Grundsätzlich ist seitdem eine Weiterentwicklung erkennbar – es macht großen Spaß mit den Jungs zu arbeiten. Fakt ist, dass wir alles investieren werden, um die Klasse zu halten.“ Dabei kann man den Optimismus des Heiligenstädter Trainers durchaus teilen. Heimsiege über solch Schwergewichte wie Halle (3:2) und Krieschow (4:3) zeigen die Qualitäten des Aufsteigers eindrucksvoll auf, auch in Bautzen oder in Wernigerode (jeweils 1:1) muss man erst einmal Teilerfolge verbuchen können. „Insgesamt wäre sicherlich noch der eine oder andere Punkt mehr möglich gewesen, wenn ich da nur an die Spiele in Bautzen oder daheim gegen Glauchau denke“, erinnert sich Seipel. Aus den ersten vier Begegnungen im neuen Jahr hat der Neuling einen Sieg eingefahren, die drei anderen Partien gingen verloren. „Außer der Begegnung in Stahnsdorf, wo wir 0:2 verloren, war in jedem Spiel etwas zu holen – zumal wir bisher alles Top-Mannschaften der Liga waren. Letzte Woche waren wir daheim gegen Plauen auf Augenhöhe, verpassten es jedoch nach unserem Ausgleichstreffer selbst in Führung zu gehen. Dass wir hinten raus dann jedoch noch 1:2 verlieren schmerzt ungemein. Nichtsdestotrotz sehen wir in jedem Training wie sich die Mannschaft entwickelt, so dass wir optimistisch bleiben. Wenn die Art und Weise weiterhin stimmt, werden die Ergebnisse zwangsläufig folgen.“ Auf das morgige Spiel in Grimma angesprochen, hat Seipel klare Erwartungen. „Ich rechne mit einer intensiven Begegnung, wo unser Gegner eine erwachsene Mannschaft und dementsprechend viel Erfahrung besitzt. Wichtig ist, dass wir uns den Bedingungen anpassen und insgesamt kühlen Kopf behalten. Es wird sicherlich kein fußballerischer Leckerbissen zu erwarten sein, dafür steht aufgrund der Tabellenkonstellation für beide Teams viel zu viel auf dem Spiel.“
Im Grimmaer Lager hat man sich auf diese wichtige Begegnung innerhalb dieser Woche gut vorbereitet – wohl wissend, dass man nach dem guten Auftritt gegen Stahnsdorf nun den nächsten kleinen Schritt in die richtige Richtung tätigen kann. „Natürlich wollen wir den letztwöchigen Punktgewinn gegen Heiligenstadt vergolden, doch dürfen wir natürlich nicht überdrehen“, so Trainer Marcus Dörfer. „Natürlich ist in einem Heimspiel gegen einen unmittelbaren Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt eine gewisse Erwartungshaltung da, doch muss die Mannschaft das richtige Maß finden. Wir werden die Partie natürlich dementsprechend angehen, doch haben wir 90 Minuten Zeit ein Ergebnis zu erzielen, was uns weiterhelfen wird.“ An das Hinspiel im Eichsfeld haben die Muldestädter noch recht gute Erinnerungen – nach zwei Toren von Tommy Kind und einem Treffer von Julian Janz verließen die Grimmaer mit 3:0 als Sieger den Platz. Jedoch sind sich im FC-Lager alle einig, dass man morgen über die komplette Spielzeit alles in die Waagschale werfen muss, um den Hinspielsieg zu wiederholen. Vor allem in der Defensive ist eine ähnliche Kompaktheit wie in der Vorwoche dringend von Nöten. Mit dem bundesliga-erfahrenen Fabian Schnellhardt (ehemals Darmstadt 98), dem polnischen Unruheherd Maciej Wolanski oder dem spielstarken Robin Vogt haben die Eichsfelder genügend Offensiv-Qualität in den Reihen. Ein weiterer wichtiger Punkt im Spiel der Grimmaer wird die Chancenverwertung sein. Am vergangenen Wochenende hatte man gegen die favorisierten Stahnsdorfer völlig unerwartet eine Vielzahl von Möglichkeiten, welche allerdings nicht zu einem dreifachen Punktgewinn reichten. „Äußerst positiv ist zunächst, dass wir uns diese Gelegenheiten erspielt haben“, weiß Coach Dörfer. „Doch muss es uns gelingen, diese resoluter uns konsequenter zu nutzen. Vor allem in solch einer Begegnung auf Augenhöhe wie morgen wird dies ganz entscheidend sein.“ Zwar müssen die Einheimischen auf den langzeitverletzten Max Nitschke sowie die gesperrten Jan Hübner (10. Gelbe Karte) sowie Philipp Katzenberger (Gelb-Rot) verzichten, doch hat die Mannschaft bewiesen, dass sie zu allem in der Lage ist. „Mit Sicherheit wird nicht alles gelingen, doch ist eine hundertprozentige Einstellung am morgigen Tag unabdingbar“, so Marcus Dörfer. „Gepaart mit einfachem Fußball ist unser Ziel natürlich ein weiteres Erfolgserlebnis. Dies wäre für die folgenden Aufgaben gegen weitere unmittelbaren Kontrahenten natürlich Gold wert.“
Bericht: © Tom Rietzschel
