Punkt gegen Top-Favoriten der Oberliga


NOFV-Oberliga Süd • 21. Spieltag

FC Grimma – RSV Eintracht 1949  0:0

Grimma: Čáp – Bartsch, Mattheus (ab 68. Seidl), Ziffert, Pistol – Rieger, Vogel, Katzenberger, Spreitzer (ab 84. Kind) – Hübner (ab 90.+6 Janz), Tröger – Trainer: Dörfer

RSV Eintracht: Brenn – Güllmeister (ab 84. Vujić), Samson, Mustapha – Bilbija, Hellwig, Fron, Seeger (ab 64. Sommer) – Ekallé (ab 77. Yatkiner), Plumpe (ab 64. Jupolli), Krüsemann – Trainer: Hinze

Schiedsrichter: Lämmchen (Meuselwitz) – Schiedsrichter-Assistenten: El-Hallag, Dieckmann (beide Jena) – Gelbe Karten: Hübner (Foulspiel – 48.) – Bilbija (Foulspiel – 72.) – Gelb-Rote Karten: Katzenberger (Grimma) wegen wiederholten Foulspiels (81.) – Reservebänke: Tsarenko (Tor), Kögler, Werner, Förster, Markus, Schulze – Löffler (Tor), Koschembahr, Göth – besondere Vorkommnisse: Brenn (RSV Eintracht) hält Foulstrafstoß (Seeger an Rieger) von Ziffert (62.) – Zuschauer: 35 im Husaren-Sportpark zu Grimma

 

Grimma. Oberligist FC Grimma hat sich nach einer wochenlangen Negativserie gegen ein absolutes Schwergewicht der Staffel ein kleines Erfolgserlebnis geholt. Im heimischen Husaren-Sportpark gelang den Muldestädtern gegen den Titelanwärter RSV Eintracht 1949 beim torlosem 0:0-Unentschieden ein Teilerfolg, welcher für die kommenden Aufgaben im Kampf um den Klassenerhalt von großer Bedeutung sein kann. Somit konnten die Grimmaer den Rückstand auf das rettende Ufer auf sechs Punkte reduzieren – bei noch elf auszutragenden Begegnungen mit insgesamt sieben Heimspielen sollte die Hoffnung auf einen positiven Saisonverlauf weiterhin vorhanden sein. Im Duell gegen die Stahnsdorfer, die mit 12 Siegen in Folge mit einer Übermenge an Selbstvertrauen nach Grimma reisten, verdienten sich die Muldestädter diesen Punkt allemal. Im Vergleich zur Vorwoche in Auerbach war die Mannschaft nicht im Geringsten wiederzuerkennen und bot dem scheinbar übermächtigen Gegner über die komplette Spielzeit mehr als nur Paroli. Einziges Manko aus FC-Sicht war diesmal, dass man sich für solch eine klasse Vorstellung nicht komplett belohnen konnte. Dabei erarbeiteten sich die Grimmaer sogar ein leichtes Chancenplus, wobei Kapitän Toni Ziffert die klarste Gelegenheit vom Elfmeterpunkt leider nicht zu nutzen vermochte (62.). Nichtsdestotrotz nehmen die Hausherren diesen für viele nicht zu erwartenden Punkt gern mit, welcher für die Konkurrenz definitiv als Lebenszeichen angesehen werden muss. Demzufolge war Trainer Marcus Dörfer mit der Leistung seiner Elf vollends zufrieden. „Die Mannschaft hat komplett das umgesetzt, was wir im Vorfeld besprochen hatten. Dafür muss ich ihr ein großes Kompliment zollen“, so der FC-Coach. „Letztlich war vielleicht sogar noch mehr als ein Punkt möglich, zumal die Chancen da waren. Jedoch bleiben wir demütig, wobei wir dennoch gesehen haben, was möglich ist, wenn die Elf über die komplette Spielzeit an unsere Leistungsgrenze geht. Der Zähler gegen diesen Gegner ist für die Moral und das Selbstvertrauen der Truppe extrem wichtig. Ziel ist es, dass wir kommenden Samstag im Heimspiel gegen Heiligenstadt diese Leistung bestätigen und diese Begegnung natürlich gewinnen.“ Auf der Gegenseite war man im Stahnsdorfer Lager mit dem Ergebnis letzten Endes zufrieden. „Wir müssen uns mit dem Unentschieden abfinden, das Resultat geht letzten Endes in Ordnung“, fasste RSV-Trainer Patrick Hinze die Partie recht sachlich zusammen. „Die Bedingungen waren nicht die Besten, der Rasen litt schon noch stark unter den Folgen des Winters. Wir hatten heute große Probleme uns auf die Umstände einzustellen, da wir bisher ausschließlich nur auf Kunstrasen trainiert und gespielt haben. Dies ist schon eine ordentliche Umstellung, was man heute eindeutig gesehen hat. Wir haben insgesamt keinen guten Spielfluss zustande bekommen, auch wenn wir die erste klare Möglichkeit in der Anfangsphase hätten nutzen müssen. Am Ende des Tages können wir allerdings froh sein, nicht verloren zu haben. Grimma hätte im Endeffekt den Sieg vielleicht etwas mehr verdient – mit dem verschossenen Elfmeter und drei weiteren hundertprozentigen Möglichkeiten war unser Gegner den drei Punkten durchaus etwas näher.“ Mit diesem Unentschieden verpassten die Brandenburger nach der zeitgleichen Niederlage von Spitzenreiter in Freital (0:1) den Sprung an die Tabellenspitze und verbleiben nun einen Zähler hinter den Rand-Dresdnern. „Für uns ist dieser Punkt dennoch wichtig, aber wir werden das Ergebnis richtig einordnen“, macht Trainer Hinze seinem Team keinen zusätzlichen Druck. „Auch in dieser Begegnung hatten wir trotzdem Ansätze, welche für die kommenden Spiele wichtig sein werden. Man muss auch dem Gegner Respekt zollen – Grimma hat das heute ordentlich gemacht. Wir haben sicherlich schon besser gespielt, doch am Ende des Tages haben wir nicht verloren. Und genau das zählt.“

Außer dem langzeitverletzten Max Nitschke endlich einmal wieder mit voller Kapelle antretend, zeigte die Grimmaer Mannschaft im Vergleich zur Vorwoche ein ganz anderes Gesicht. Von Beginn an hellwach, überzeugte die Truppe frühzeitig durch ein sehr laufintensives Spiel und nahm dem Favoriten durch eine konsequente Zweikampfführung alsbald die Lust am Fußballspielen. Dadurch gelangen den Hausherren immer wieder vielversprechende Ballgewinne, welche im Anschluss zwangsläufig Torgelegenheiten nach sich zogen. Bereits nach wenigen Minuten landete eine zu kurz abgewehrte flache Eingabe von Jan Hübner direkt vor den Füßen von Alexander Vogel, doch warf sich Leon Hellwig gedankenschnell in dessen Schuss und verhinderte damit einen frühzeitigen Gäste-Rückstand (5.). Die Brandenburger kamen zunächst überraschend schwer in die Gänge, Tormöglichkeiten resultierten hauptsächlich nach Grimmaer Unzulänglichkeiten. So klatsche Ondřej Čáp einen Eckball nur in die Mitte ab, doch zeigte sich der FC-Schlussmann beim folgenden Schuss von Til Plumpe äußerst reaktionsschnell (14.). Kurz darauf hätte der Favorit allerdings zwingend in Führung gehen müssen. Čáp unterlief im Spielaufbau ein folgenschwerer Fehlpass – Plumpe zeigte sich im Anschluss viel zu eigensinnig, als er, allein auf das Tor zulaufend, die Kugel am Gehäuse vorbeischoss und nicht die mitgelaufenen Luca Krüsemann und Arthur  Ekallé bediente (18.). „Wir brauchen nicht drüber reden, dass wir diese Einladung annehmen müssen“, traf Gäste-Coach Hinze den Nagel auf den Kopf. „Wenn Plumpe den Ball querlegt, laufen Ekallé oder Krüsemann mit dem Ball ins leere Tor.“ In dieser Situation hatten die Muldestädter gewaltiges Glück – ein Rückstand hätte die Begegnung mit Sicherheit ganz anders verlaufen lassen.

Doch schüttelten sich die Hausherren kurz und bleiben weiterhin äußerst engagiert. Sehr gut von Stefan Tröger und Philipp Katzenberger eingeleitet, hatte Hübner auf halblinks freie Bahn, doch schob der Techniker die Kugel hauchzart am langen Eck vorbei (22.). Kurz darauf hatte der Underdog die nächste zwingende Tormöglichkeit. Glänzend nach einem Ballgewinn von Katzenberger in Szene gesetzt, scheiterte der durchlaufende Nico Rieger aus halbrechter Position am sehr gut reagierenden RSV-Torhüter Liam Brenn, beim Nachstochern von Tröger verhinderte Innenverteidiger Güllmeister im letzten Moment den Einschlag (24.). „Drei klare Chancen gegen diesen Gegner – wir müssen uns einfach mal für unsere Leistung belohnen“, konnte es Co-Trainer Benjamin Förster schon in der ersten Halbzeit auf der Bank kaum fassen. Zumal die Gäste in der Folgezeit ab und an durchaus ihre Gefährlichkeit andeuteten. Nach einem weiten Ball von Kapitän Saheed Mustapha war die Grimmaer Hintermannschaft einmal nicht geordnet, doch nach gewonnenem Zweikampf mit Ziffert scheiterte abermals Torjäger Plumpe am gut reagierenden Čáp (42.). Nach dem anschließenden Halbzeitpfiff von Schiedsrichter Matthias Lämmchen (Meuselwitz) hatten die Muldestädter angesichts des torlosen Spielstandes die erste Zwischen-Etappe erst einmal erreicht und in den ersten 45 Minuten bereits angedeutet, welch Leistungen die Elf abrufen kann.

Dass die Mannschaft dann jedoch auch die zweite Hälfte komplett so durchzog und dem Favoriten weiterhin einen erbitterten Fight lieferte, verdient höchste Anerkennung. Zunächst musste allerdings abermals Čáp sein Können demonstrieren, als im Duell mit dem von Plumpe sehr gut in Szene gesetzten Krüsemann der Sieger blieb (49.). Doch bissen sich die Grimmaer weiterhin vollends in die Begegnung und spielten nach einer Vielzahl von Ballgewinnen immer wieder schnell und zielstrebig nach vorn. Nach einem Flachschuss von Robin Spreitzer hatten die FC-Fans bereits den Torschrei auf den Lippen, doch zischte die Kugel knapp am langen Eck vorbei (55.). Kurz danach war Ziffert per Kopf, nach einem Hübner-Eckball, einen Schritt eher am Ball als der herausstürzende Brenn, doch auch hier fehlten die berühmten Zentimeter (57.). Die Muldestädter legten nun einen energischen Zwischenspurt hin, die Gäste hatten im Defensivbereich fortan allerhand zu tun. Nach einem Diagonalball von Albert Pistol profitierte Rieger vom inkonsequenten Eingreifen von Fabian Seeger, der sich im eigenen Strafraum im Anschluss nur mit einem Foulspiel zu helfen wusste. Schiedsrichter Lämmchen entschied sofort auf Elfmeter, doch scheiterte der sonst so sichere Ziffert anschließend vom „Punkt“ an Brenn, welcher rechtzeitig abtauchte und die Ecke ahnte (62.). Ein Führungstreffer hätte den Muldestädtern richtig gutgetan, doch ruckten die Dörfer-Schützlinge weiter unermüdlich an. Nach einem Hübner-Freistoß raufte man sich im FC-Lager erneut die Haare, als der aufgerückte Lucas Bartsch das Streitobjekt aus Nahdistanz am Gehäuse vorbeidrückte (64.). So viele Großchancen gegen ein Spitzenteam der Oberliga – unfassbar, dass die Hausherren nicht eine einzige zu nutzen vermochten.

So erhöhten die Brandenburger in der Schlussphase noch einmal die Schlagzahl. Nachdem der baumlange Innenverteidiger Mustapha fortan ins Sturmzentrum beordert wurde, mussten die Gastgeber in der Folgezeit Schwerstarbeit in Sachen Torverteidigung leisten. Als neun Minuten vor Schluss dann der kurz zuvor bereits verwarnte Katzenberger wegen wiederholten Foulspiels berechtigterweise mit Gelb-Rot vom Platz gestellt wurde (81.), mussten die Hausherren dann sogar noch um den einen wertvollen Punkt richtig bangen. Allerdings verteidigten die Muldestädter fortan jeden hohen Ball im Kollektiv äußerst aufopferungsvoll und ließen auch in einer zehnminütigen Nachspielzeit nichts Zwingendes mehr zu. Fortuna im Bunde kam hinzu, als Referee Lämmchen nach einem Zweikampf zwischen Ziffert und dem eingewechselten Jupolli nicht auf Strafstoß für die Gäste entschied (66.). Zwar versuchte sich der eingewechselte Muratcan Mert Yatkiner kurz vor Schluss noch einmal mit einem Distanzschuss, doch hatte Čáp damit keinerlei Probleme (90.+10).

So blieb es am Ende des Tages beim torlosen 0:0-Unentschieden – ein Punkt, welcher den Muldestädter für die nächsten wichtigen Aufgaben den nötigen Schwung verleihen sollte. Diese Leistung muss der Maßstab für die kommenden Spiele sein – dann besteht die berechtigte Hoffnung, dass die Grimmaer Mannschaft den Tabellenkeller noch verlassen kann. „Dass die Mannschaft die Oberliga-Qualitäten besitzt, hat sie heute eindrucksvoll bewiesen“, so Trainer Marcus Dörfer. „Doch müssen wir diese halt Woche für Woche auch abrufen. Was möglich ist, war heute zu sehen.“

Bericht: © Tom Rietzschel


Bilder vom Spiel

Fotos: © Karsten Hannover