NOFV-Oberliga Süd • 11. Spieltag
FC Einheit Wernigerode – FC Grimma 3:1 (2:0)
Wernigerode: Lohse – Lisowski, Singbeil, Julius Schmidt, Pillich – Wersig, Engelhardt (ab 83. Liese) – Hunter (ab 75. Schlichting), St. Louis (ab 87. Raeck), Dörnte (ab 87. Radomski) – Taiwo – Trainer: Mehr
Grimma: Čáp – Bartsch (ab 84. Markus), Rieger, Ziffert, Pistol (ab 87. Spreitzer) – Seidl (ab 46. Kind), Vogel, Mattheus (ab 84. Förster), Hübner – Werner, Tröger – Interimstrainer: Förster
Schiedsrichter: Schröter (Nordhausen) – Schiedsrichter-Assistenten: Bräuer (Nordhausen), Baudis (Sondershausen) – Tore: 1:0, 2:0 Taiwo (9., 16.), 2:1 Vogel (64.), 3:1 Schlichting (82.) – Gelbe Karten: Wersig (Foulspiel – 35.), Engelhardt (Foulspiel – 75.), Lisowski (Foulspiel – 79.), Schlichting (Foulspiel – 90.) – Seidl (Foulspiel – 19.), Pistol (Foulspiel – 20.), Hübner (Foulspiel – 61.), Werner (Foulspiel – 80.) – Reservebänke: Sparwasser (Tor), Ibrahim, Müller – Lumpitzsch (Tor), Janz, Wächtler, Kaba – Zuschauer: 204 im Mannsberg-Stadion zu Wernigerode
Wernigerode. Wie gewonnen, so zerronnen – eine Woche nach dem wichtigen Heimsieg über den VfB Empor Glauchau hat der FC Grimma erneut verpasst, sich ein klein wenig von der abstiegsgefährdeten Zone in der Oberliga abzusetzen. Im ersten Spiel von Interimstrainer Benjamin Förster unterlagen die Muldestädter beim FC Einheit Wernigerode verdientermaßen mit 1:3 (0:2) und ließen damit einen direkten Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt in der Tabelle vorbeiziehen. Dabei sind die Gründe für die Niederlage recht schnell erzählt. Wiederum waren die Grimmaer im Defensivbereich viel zu anfällig – mit den wiederum drei kassierten Gegentreffern hat man sich mittlerweile mit 27 die meisten in der Staffel eingefangen. Zurückzuführen ist dies hauptsächlich auf die zu geringe Zweikampf-Intensität, welche vor allem bei einer sehr robusten Mannschaft wie Wernigerode zwingend nötig gewesen wäre, um etwas Zählbares mitzunehmen. Der unbedingte Wille den Zweikampf mit aller Macht gewinnen zu wollen, war über weite Teilstrecken der Partie extrem ausbaufähig. „Wir haben gewusst, was uns hier auf dem Mannsberg erwartet, doch waren wir zu keiner Zeit in der Lage, dem Gegner in physischer und mentaler Hinsicht Paroli zu bieten“, fasste Benjamin Förster die Partie in der anschließenden Pressekonferenz kurz zusammen. „Die Grundtugenden, welche hier zwingend nötig gewesen wären, konnten wir nicht im Geringsten abrufen – auch nach unserem Anschlusstreffer hatte man nie das Gefühl, dass wir hier etwas mitnehmen können. Deswegen beglückwünsche ich Wernigerode zu den verdienten drei Punkten.“ Florian Mehr, seit Januar diesen Jahres Trainer der Gastgeber, war angesichts des Ergebnisses natürlich erst einmal erleichtert. „Wir sind sehr gut ins Spiel gekommen und haben uns nach 20 Minuten mit der 2:0-Führung dafür auch belohnt“, so der Einheit-Übungsleiter. „Im Anschluss haben wir es allerdings verpasst, entscheidend nachzulegen und die Begegnung frühzeitig zu entscheiden. Die Quittung dafür haben wir mit dem Grimmaer Anschlusstreffer bekommen, wobei uns das Spiel dann zu entgleiten drohte. Daher war das 3:1 in der Schlussphase extrem wichtig, was uns jegliches Zittern ersparte. Mit diesem wichtigen Sieg haben wir uns vor den restlichen Begegnungen in der Hinrunde eine recht gute Ausgangsposition geschaffen.“
Dabei waren der Grimmaer Mannschaft im Vorfeld alle wichtigen Komponenten hinsichtlich des Gegners bekannt. Ein sehr schmaler Platz und eine körperlich sehr robuste Heimmannschaft erforderte von allen Akteuren eine erhöhte Zweikampf-Intensität sowie ein resolutes Defensiv-Verhalten, in dem das Risiko auf ein Minimum reduziert werden sollte. Allerdings sah die Realität aus Gäste-Sicht nach 20 Minuten bereits ganz anders aus. Zwar besaßen die Muldestädter die erste Torgelegenheit als Kevin Werner aus der Drehung an Einheit-Keeper Franz Günther Lohse scheiterte (5.), doch gestalteten die Grimmaer ihr Defensiv-Verhalten nicht im Ansatz so kompakt, wie es in der Besprechung angelegt war. Stattdessen gingen die Harz-Kicker mit ihrem ersten vorgetragenen Angriff früh in Führung. Nach einem abgefangenen Ball setzte Nyger Marley Hunter den über rechts durchstartenden Benjamin St. Louis in Szene, die anschließende flache Eingabe verwandelte Torjäger Usman Taiwo aus Nahdistanz zum 1:0 (9.). Von diesem Zeitpunkt an war eine gewisse Verunsicherung im Grimmaer Defensiv-Verbund unverkennbar. Machte Torhüter Ondřej Čáp nach einem Flachschuss von St. Louis gerade noch rechtzeitig das kurze Eck dicht (13.), schlug es wenig später erneut im FC-Gehäuse ein. Wenn man allerdings die Entstehung betrachtet, dürfen sich die Muldestädter allerdings nicht wundern, dass solche kapitale Fehler konsequent bestraft werden. Anstatt nach einem Rückpass von Alexander Vogel den Ball ohne Risiko aus der Gefahrenzone zu befördern, bevorzugte Schlussmann Čáp die fußballerische Variante und spielte den am eigenen Strafraum bereits unter Druck gesetzten Nico Rieger an. Dieser verlor den folgenden Zweikampf mit Taiwo, welcher die Kugel im Anschluss zum 2:0 ins lange Eck schlenzte (16.). „Wir haben im Vorfeld besprochen, dass wir auf diesem Platz von hinten heraus ohne Risiko spielen wollen“, so Interimstrainer Förster. „Wenn man dann allerdings genau das nicht macht, brauchen wir uns nicht wundern, wenn wir dadurch auf die Verliererstraße geraten.“ Im Anschluss daran hingen die Gäste komplett in den Seilen – außer einem langgezogenen Freistoß von Jan Hübner, an welchem Freund und Feind vorbeisegelten (35.), gelang offensiv rein gar nichts mehr. Stattdessen hatten die Muldestädter mehrfach Glück, vor der Pause nicht noch höher in Rückstand zu geraten. Bei zwei Versuchen von Gino Dörnte fehlte es an der nötigen Genauigkeit (23., 37.), zweimal rettete Čáp gegen Hunter (39.) und St. Louis (40.) in höchster Not. Die beste Gelegenheit ließ allerdings Doppel-Torschütze Taiwo verstreichen, als er zunächst in einen zu kurzen Rückpass spritzte und die Kugel im Anschluss aus spitzem Winkel knapp verzog (30.).
Interimstrainer Benjamin Förster blieb angesichts des Spielstandes gar nichts anderes übrig, als zur Pause personell zu reagieren und am System leichte Veränderungen vorzunehmen. Doch sollte dies zu Beginn der zweiten 45 Minuten zunächst nicht die gewünschte Wirkung erzielen. Nach einem Lisowski-Eckball holte Rieger einen Kopfball von Ben Engelhardt von der Linie (49.), bei Hunters und Taiwos Versuchen fehlte es an der Genauigkeit (52., 56.). Die Platzherren hätten in dieser Phase die Begegnung schon längst vorentscheiden müssen, ehe die Muldestädter urplötzlich wieder ins Spiel zurückkamen. Nach einem hohen Ball von Tim Mattheus legte Tommy Kind die Kugel maßgeschneidert auf Alexander Vogel ab, der Lohse mit seinem Schuss von Strafraumgrenze keine Chance ließ – 2:1 (64.). Dieser Gegentreffer verursachte etwas in den Köpfen der Hausherren, doch leider waren die Gäste in der Folgezeit nicht in der Lage entscheidend nachzusetzen. Zwar erarbeitete sich die Förster-Elf fortan eine deutliche Feldüberlegenheit, doch waren die Grimmaer am gegnerischen Strafraum mit ihrem Latein am Ende. Wernigerode wirkte nach dem Anschlusstreffer extrem angeknockt, doch konnten die Gäste davon kein Profit schlagen, da man ohne Torgefahr blieb. Durch die Erhöhung des Risikos hatten die Hausherren zwangsläufig in Kontersituationen einige Räume – als sich eine Flanke von Hunter gefährlich in Richtung langes Eck senkte, musste Čáp alles investieren (72.). Acht Minuten vor Schluss war der Grimmaer Schlussmann dann jedoch machtlos, was Einheit endgültig auf die Siegerstraße brachte. Nach einer perfekt getimten Flanke von Dörnte lief der eingewechselte Gregor Schlichting am zweiten Pfosten unbedrängt ein und nickte das Streitobjekt sicher zum 3:1 ein (82.). Zwar setzten die Muldestädter im Anschluss alles auf eine Karte und holten die berühmte „Brechstange“ heraus, doch brachten die Hausherren das Ergebnis am Ende des Tages sicher über die Zeit.
Mit dieser Niederlage haben sich die Grimmaer nun wieder richtig in die Bredouille gebracht, der Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz beträgt nur noch ein winziger Zähler. Daher stehen die Muldestädter am Samstag zum wiederholten Mal vor einer extrem richtungsweisenden Partie und gehörig unter Druck, wenn man um 13.30 Uhr den unmittelbaren Tabellen-Nachbarn von der SG Union Sandersdorf im heimischen Husaren-Sportpark empfängt. Diesbezüglich wird man am heutigen Mittwochabend noch kurzfristig ein Testspiel einstreuen, wenn Sachsenklasse-Spitzenreiter Kickers Markkleeberg um 19.00 Uhr seine Visitenkarte in Grimma abgibt.
Bericht: © Tom Rietzschel
Pressekonferenz
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