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„Never-Ending-Story“ um ein Kapitel erweitert


NOFV-Oberliga Süd • 9. Spieltag

1. FC Lok Stendal – FC Grimma  5:4 (2:3)

Stendal: Meichuk – Schleicher, Mahrhold, Schaarschmidt, Knoblich – Ilchenko – Kaschlaw (ab 72. Scheffler), Witte (ab 90.+4 Barrie), Masuth, Buschke – Schulze – Trainer: Schulz

Grimma: Čáp – Markus (ab 46. Katzenberger), Rieger, Janz, Pistol – Hübner (ab 59. Öner), Vogel, Ziffert, Spreitzer – Werner, Kind (ab 85. Mattheus) – Trainer: Behring

Schiedsrichter: Baudis (Sondershausen) – Schiedsrichter-Assistenten: Götze (Martinroda), Metz (Erfurt) – Tore: 0:1 Werner (8.), 0:2 Spreitzer (22.), 1:2 Witte (30.), 1:3 Werner (39.), 2:3 Buschke (40.), 3:3 Schulze (48.), 3:4 Kind (55.), 4:4, 5:4 Witte (77., 86.) – Gelbe Karten: Rieger (Grimma) wegen Unsportlichkeit (35.), Hübner (Grimma) wegen Foulspiels (43.), Pistol (Grimma) wegen Unsportlichkeit (64.) – Reservebänke: Günther (Tor), Balliet, Matiiv – Lumpitzsch (Tor), Seidl, Tröger, Wächtler, Kaba – Zuschauer: 378 im Stadion „Am Hölzchen“ zu Stendal

 

Stendal. Mit 2:0, 3:1 und 4:3 bei einem unmittelbaren Konkurrenten geführt – doch nach 90 Minuten null Ertrag! Der FC Grimma hat seine jahrzehntelange Tradition fortgesetzt und wiederum akute Aufbauhilfe für eine abstiegsgefährdete Mannschaft in der jeweiligen Spielklasse betrieben. Beim Neuling und Tabellenvorletzten 1. FC Lok Stendal unterlagen die Muldestädter mit 4:5 (3:2) und konnten damit diese scheinbare „Never-Ending-Story“ um ein weiteres Kapitel erweitern. Nach der zuletzt erlittenen 2:3 (0:2)-Heimniederlage gegen den Bischofswerdaer FV 08 verpassten es die Grimmaer damit zum zweiten Mal binnen 14 Tagen, sich entscheidend von der abstiegsgefährdeten Zone abzusetzen. Somit verbleibt die Mannschaft von Trainer René Behring auf Rang 13 der Tabelle stehen, doch ist man nun punktgleich mit dem ersten Abstiegslatz. Stendal rückte mit diesem Erfolg auf einen Zähler an die Muldestädter heran – die Mannschaft muss sich den harten Vorwurf gefallen lassen, im altehrwürdigen Stadion „Am Hölzchen“ durch eine absolut oberliga-untaugliche Defensiv-Leistung diese mehr als komfortable Ausgangsposition allzu fahrlässig verspielt zu haben. Fakt ist: Vier Auswärtstore sollten reichen, um zwei Auswärtsspiele zu gewinnen. Wer allerdings in einem solch wichtigen Spiel ohne die nötige Zweikampf-Robustheit und ohne den unbedingten Willen sein eigenes Tor verteidigt, braucht sich am Ende des Tages nicht zu wundern, wenn man letztlich gar mit leeren Händen nach Hause fährt. „Wer nach einer 2:0-, 3:1- und 4:3-Führung am Ende des Tages nicht als Sieger vom Platz geht, hat die drei Punkte letztlich auch nicht verdient“, ging Trainer Behring mit seinem Team hart ins Gericht. „Zunächst ging unser Matchplan zwar sehr gut auf, doch war unsere Defensiv-Leistung insgesamt zu schlecht, um diese vielversprechende Ausgangsposition zu veredeln. Wir brauchen nicht um den heißen Brei herumreden – wer auswärts vier Tore erzielt und trotzdem nicht gewinnt, der hat es selbst verbockt.“ Im Stendaler Lager war man angesichts der Tabellenkonstellation sowie dem letztwöchigen Pokalausschieden beim Verbandsligisten SV Eintracht Emseloh (0:2) selbstredend heilfroh über die drei Punkte. „Nach den frühen ersten beiden Gegentoren wurde mir zunächst Angst und Bange“, gestand Lok-Trainer Jörn Schulz in der anschließenden Pressekonferenz. „Heute waren wir das erste Mal richtig gezwungen zu punkten, um nicht den Anschluss in der Tabelle zu verlieren – und dann sehen wir bei beiden Treffern nicht gut aus. Jedoch muss ich meiner Mannschaft danach nur ein dickes Kompliment machen, wir sie im Anschluss mehrfach wieder zurückgekommen ist. Eigentlich sind wir nach dem Gegentreffer zum 3:4 vom Grundsatz her tot, doch hat die Elf mit einer totalen Willensleistung und einer super Moral die Begegnung letztlich noch drehen können. Demzufolge sind wir nun natürlich erst einmal erleichtert, doch kommen jetzt die Gegner, wo wir weiter versuchen müssen zu punkten. Der Sieg heute sollte ein guter Anfang sein.“

Dabei sprach in der Anfangsphase alles für die Muldestädter, die zunächst sehr konzentriert zu Werke gingen und mit schnell vorgetragenen Umschaltmomenten zu überzeugen wussten. Bereits mit dem ersten Nadelstich konnten die Gäste für allgemeines Entsetzen unter den 378 Zuschauern sorgen. Nach einem gewonnenen Kopfball-Duell von Toni Ziffert im Mittelfeld setzte Tommy Kind den rechtzeitig startenden Kevin Werner in Szene, der Lok-Schlussmann Artem Meichuk mit einem Lupfer überwand – 0:1 (8.). Nach diesem schnellen Rückstand waren die Altmärker sichtlich geschockt, wobei der Hintermannschaft der Platzherren mit den schnell vorgetragenen Angriffen der Gäste immer wieder große Probleme hatte. Nach einer glänzenden Einzelleistung von Jan Hübner legte Werner die Kugel im Anschluss auf den mitgelaufenen Robin Spreitzer zurück, doch traf der Linksfuß mit seinem Schuss nur den Pfosten (18.). Zwei Zeigerumdrehungen später sollte es dann jedoch soweit sein, die Fans trauten ihren Augen kaum. Nach einer Kopfballverlängerung von Kind zog Spreitzer von der Strafraumgrenze staubtrocken ab und katapultierte die vorher aufspringende Kugel zum 0:2 unters Tordach (22.). „Auch wenn unsere Trainingswoche nicht allzu gut war, hatten wir uns für diese Begegnung schon viel vorgenommen“, verriet Stendals Trainer Schulz. „Wenn man dann aber nach 20 Minuten bereits mit 0:2 im Hintertreffen liegt, bekommt man schon leichte Magenschmerzen.“

Im Anschluss kamen die Altmärker jedoch etwas besser in die Begegnung, auch, weil die Gäste nach ihren zwei Treffern etwas den Fuß vom Gas nahmen und etwas passiver wurden. Dabei hatte der Ex-Magdeburger Niclas Buschke mit einem Schlenzer den Anschlusstreffer auf dem Fuß, doch trudelte die Kugel haarscharf am FC-Gehäuse vorbei (25.). Leider nahmen die Muldestädter diese erste Torannäherung Stendals nicht als Warnung wahr. Erneut setzte sich Buschke auf der linken Seite durch, seine präzise Flanke drückte Philipp Witte am zweiten Pfosten zum 1:2 in die Maschen (30.). Stendal witterte nun etwas Morgenluft, nach einem weiteren Versuch von Witte musste Ondřej Čáp im Grimmaer Tor beherzt zupacken (33.). Doch in dieser kleineren Stendaler Druckphase schlugen die Gäste wenig später zum dritten Mal erbarmungslos zu. Strich zunächst ein weiterer Versuch von Spreitzer knapp über den Querbalken (36.), bauten die Gäste mit dem nächsten Angriff die Führung aus. In einer etwas unübersichtlichen Situation im Lok-Strafraum scheiterte Spreitzer aus Nahdistanz zwar zunächst am gut reagierenden Meichuk, doch reagierte Werner blitzschnell und staubte zum 1:3 ab (39.). Wer nun allerdings glaubte, dass die Gäste diesen erneuten Zwei-Tore-Vorsprung unbeschadet in die Pause transportieren würden, sah sich eines Besseren belehrt. Mit dem darauffolgenden Anstoß startete der Neuling den nächsten Angriff – die Gäste schienen gedanklich noch beim Torjubel zu sein. Von der linken Seite spielte Valentin Masuth das Streitobjekt flach in den Rücken der Abwehr – trotz Überzahl im Strafraum ließen die Behring-Schützlinge Buschke im Rückraum völlig ungedeckt, welcher sich mit dem 2:3-Anschlusstreffer bedankte (40.).

Mit diesem späten Torerfolg kamen die Hausherren natürlich erwartungsgemäß mit jeder Menge Elan aus der Kabine, so dass es für die Gäste wichtig war, sofort hellwach zu sein. Dies sah anfangs auch gar nicht so schlecht aus, denn nach einem Einwurf von Albert Pistol riskierte Schlussmann Meichuk Kopf und Kragen, um im letzten Moment ein Selbsttor eines Mitspielers zu verhindern (46.). Doch bereits wenig später war der komfortable Zwei-Tore-Vorsprung der Muldestädter komplett aufgebraucht – was partout nicht passieren durfte, trat schon wenige Minuten nach Wiederanpfiff ein. Einen Masuth-Schuss von der Strafraumgrenze konnte Čáp nicht festhalten, Rosario Schulze schaltete als Erster und staubte zum 3:3 ab (48.). Nun war aus Grimmaer Sicht guter Rat teuer, zumal Witte kurz darauf die Altmärker hätte erstmalig in Führung bringen können (vorbei, 50.). Das Spiel drohte nun zugunsten des Aufsteigers zu kippen, doch nutzten die Grimmaer kurz darauf einen weiteren Konter und sorgten abermals für absolute Stille im „Hölzchen“. Zunächst gewann Werner nach einem langen Ball das Laufduell gegen Schaarschmidt, im Anschluss setzte er den mitgelaufenen Kind perfekt in Szene, der Meichuk aus spitzem Winkel sehenswert überwand – 3:4 (55.). Das psychologische Momentum sprach nun auf einmal wieder klar für die Grimmaer, zumal Spreitzer per Kopf (61.) sowie Ziffert per Freistoß (64.) für weitere Torgefahr sorgten. Stendal kam in dieser Phase kaum über Ansätze hinaus, bei einem Distanzschuss von Felix Knoblich zeigte sich Čáp auf der Höhe (63.).

Doch gaben sich die Hausherren, trotz diesen erneuten Nackenschlages, nie auf. Mit einer Vielzahl von langen Bällen suchten die Schulz-Schützlinge ihre Möglichkeiten – zumal mit fortlaufender Spielzeit klar ersichtlich wurde, dass die Gäste damit immer mehr Probleme bekamen. Auf FC-Seite wurde fortan einfach die Klarheit vermisst, diese stupiden langen Bälle mit einer gewissen Kompromisslosigkeit und Robustheit in den Zweikämpfen zu verteidigen. Mit einfachsten Mitteln kamen die Gastgeber daher auf einmal zu Abschluss-Möglichkeiten – eine davon mündete zunächst im vielumjubelten 4:4-Ausgleich. Ein langer Ball von Schaarschmidt gelangte über Umwege zu Witte, der von der Strafraumgrenze abzog und Čap mit diesem scharfen Schuss keine Chance ließ (77.). Schon mit einem Unentschieden hätten die Gäste aufgrund des Spielverlaufs mit sich hart ins Gericht gehen müssen, doch es sollte kurz vor Ultimo noch schlimmer kommen. Verfehlte der eingewechselte Ian Scheffler zunächst knapp das Ziel (81.), verspielten die Muldestädter vier Minuten vor Schluss auch noch diesen einen Zähler. Erneut war ein langer Ball der Ausgangspunkt – wiederum kam Witte nach Verlängerung von Knoblich aus halblinker Position in Schussposition und ließ Čáp beim Treffer zum 5:4 nicht wirklich gut aussehen (86.). Zwar versuchten die Gäste in der verbleibenden Spielzeit noch einmal vehement den Schaden umgehend beheben zu können. Doch spätestens als ein Ziffert-Freistoß über den Querbalken strich (90.+3), sollte diese völlig fahrlässig herbeigeführte Niederlage Gewissheit haben.

Mit dieser Pleite haben sich die Muldestädter in der Tabelle selbst wieder sämtlichen Druck auferlegt. Anstatt den Vorsprung auf Stendal zu vergrößern oder wenigstens gleichbleibend zu lassen, haben sich die Schützlinge von Trainer René Behring selbst in die Bredouille gebracht und müssen nun sämtliche Kräfte bündeln, um aus dieser Situation heraus zu kommen. Grund zur Wiedergutmachung ist bereits am Samstag möglich, wenn die Grimmaer um 14.00 Uhr im Husaren-Sportpark mit dem VfB Empor Glauchau einen weiteren Oberliga-Neuling empfangen. Der Aufsteiger hat aktuell einen Zähler mehr auf dem Konto, so dass jedem einzelnen FC-Akteur die Wichtigkeit dieser Partie klar sein muss!

Bericht: © Tom Rietzschel


Quelle: © youTube-Kanal Lok Stendal