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Grimma bei Freunden mit klarem Ziel

Vorschau auf die 2. Hauptrunde des Wernesgrüner-Sachsenpokals

 

NFV Gelb-Weiß Görlitz 09 – FC Grimma

 

Datum:                   Samstag, 06.09.2025

 

Anstoß:                  15.00 Uhr

 

Spielort:                 Sportstätte „Junge Welt“, Görlitz

 

Grimma. Ganze vier Oberliga-Spiele musste der FC Grimma warten, ehe die Mannschaft das erste Erfolgserlebnis in der Meisterschaft einfahren konnte. Nachdem die Muldestädter die ersten drei Begegnungen jeweils verloren und sich damit ganz am Tabellenende wiederfanden, gewannen die Grimmaer am vergangenen Samstag beim Spitzenteam VfB Germania Halberstadt knapp mit 1:0 (1:0) und haben die Rote Laterne erst einmal an den Aufsteiger 1. FC Lok Stendal abgegeben. Dabei war dieser erste dreifache Punktgewinn von ganz entscheidender Bedeutung, wollte man nicht frühzeitig in der Meisterschaft der Musik hinterherlaufen und damit den Kontakt zum Tabellenmittelfeld verlieren. Freilich hing dieser Auswärtssieg am Ende des Tages am seidenen Faden, doch mit welcher Leidenschaft, Zweikampf-Intensität und kämpferischem Aufbegehren man sich die drei Zähler sichern konnte, nötigt der Elf großen Respekt ab. „Ich muss meiner Mannschaft ein großes Kompliment machen, wie sie heute bei einem Oberliga-Schwergewicht aufgetreten ist. Die Truppe hat sich als echte Einheit erwiesen und gezeigt, was diesbezüglich möglich ist“, fand Trainer René Behring in der anschließenden Pressekonferenz die passenden Worte. Damit sollten die Muldestädter für die kommenden Aufgaben wieder etwas Selbstvertrauen eingefahren haben, wenngleich man diesen ersten Dreier teuer bezahlen musste. Max Nitschke zog sich Sekunden vor dem Abpfiff in einer Zweikampf-Situation einen Totalschaden im rechten Knie zu und wird seiner Elf daher für lange Zeit fehlen. „Sein Ausfall schmerzt natürlich sehr, zumal er erstens ein wichtiger Spieler im Team ist und zweitens der Kader auch nicht allzu groß ist“, so Coach Behring. „Allerdings wir müssen die Situation jetzt so annehmen und als Mannschaft versuchen diesen Ausfall zu kompensieren. Wichtig ist, dass wir in den nächsten Spielen dran bleiben müssen und nicht denken, dass es nun von alleine gehen wird.“ Auch wenn die Oberliga an diesem Wochenende eine Pause macht – der Pokalwettbewerb macht es möglich, dass die Muldestädter diesen positiven Schwung gleich fortsetzen können. Nach dem 3:1 (1:0)-Erstrunden-Erfolg beim Sachsenklassisten SV Liebertwolkwitz reisen die Grimmaer nun zum NFV Gelb-Weiß Görlitz, wobei man zu den Oberlausitzern seit Jahren eine tiefe Freundschaft pflegt. Bestes Beispiel war der Sommer 2013, als die gerade von der zweiten Hochwasser-Katastrophe binnen elf Jahren gebeutelten Grimmaer ihr letzten Saisonspiel der Sachsenliga in Görlitz antreten mussten und von den Verantwortlichen der Gelb-Weißen kurzerhand einen Spendenscheck in Höhe von 1.500,00 Euro für die Hochwasser-Soforthilfe überreicht bekamen. Solch eine Aktion bleibt im Grimmaer Lager natürlich bis zum heutigen Tag unvergessen, auch wenn von den handelnden Personen auf beiden Seiten kaum jemand in Amt in Würden ist. Beim FC beschränkt sich dies einzig auf Team-Manager Tom Rietzschel – bei den Görlitzern ist neben den Vorstandsmitgliedern Carsten Liebig und Manfred Kretschmer nur noch Trainer Oliver Hofrath dabei, der 2013 als Assistent des damaligen Übungsleiters Fred Wonneberger fungierte. Nichtsdestotrotz freut sich der FC auf das Duell auf der altehrwürdigen Görlitzer „Jungen Welt“, der Anpfiff erfolgt morgen um 15.00 Uhr.

Nachdem der NFV Gelb-Weiß Görlitz über einen ununterbrochenen Zeitraum von 16 Jahren zum Inventar der Sachsenliga gehörte, kam im September 2016 das plötzliche Aus in der höchsten Spielklasse des Freistaates. Jahrelang im oberen Drittel sowie im Tabellenmittelfeld platziert, zogen die Neißestädter kurz nach Beginn der Saison 2016/17 plötzlich die Reißleine. Der Kader war damals nach dem kurzfristigen Verlassen von diversen Spielern, die einer polnischen Sportagentur angehörten, derart ausgedünnt, so dass die Görlitzer nach dem 4. Spieltag ihre Mannschaft von Spielbetrieb der Sachsenliga zurückzogen. In der Folgesaison 2017/18 nahm der NFV sein Spielrecht auch nicht in der darunter liegenden Landesklasse Ost wahr, sondern startete sogar noch eine Spielklasse tiefer – in der  Kreisoberliga Oberlausitz. Dort war die völlig neuformierte und total umgekrempelte Mannschaft allerdings nicht konkurrenzfähig und stieg mit dem SSV Germania Görlitz sogar in die Kreisliga A ab. Dort gelang den Neißestädtern dann der prompte Wiederaufstieg in die Kreisoberliga – eine Spielklasse, in der man fortan sechs Spielzeiten in Folge verblieb. Erst in diesem Sommer kehrte der NFV Gelb-Weiß in die Sachsenklasse zurück. Nach einem fulminanten Endspurt mit neun Siegen aus den letzten zehn Begegnungen schoben sich die Görlitzer in der Endabrechnung auf den Vizerang vor – nur das um sechs Treffer schlechtere Torverhältnis im Vergleich zum LSV Friedersdorf verhinderte den Staffelsieg. Da die Friedersdorfer allerdings auf ihr Aufstiegsrecht verzichteten, rückte der NFV als Zweiter nach und spielt seit Sommer wieder in der Sachsenklasse. „Wir haben eine junge Mannschaft, welche allerdings in jedem Spiel lernen muss und wachsen soll“, so Trainer Oliver Hofrath, der seit 01.07.2022 bei den Gelb-Weißen auf dem Trainerstuhl sitzt und vorher den Lokalrivalen GFC Rauschwalde coachte. „Als Neuling kann für uns nur der Klassenerhalt als Saisonziel ausgegeben werden.“ Dabei haben die Görlitzer nach den ersten drei Begegnungen drei Zähler auf dem Konto – nach dem 3:0-Heimsieg über die SG Weixdorf zum Auftakt gingen im Anschluss die Begegnungen beim SV Wesenitztal (0:2) und in Hoyerswerda (1:3) jeweils verloren. „Doch auch in diesen beiden Partien wäre sicherlich insgesamt mehr möglich gewesen, auch wenn wir letztlich jeweils nicht unverdient den Kürzeren gezogen haben. Nichtsdestotrotz ist der Start als Neuling okay, wohl wissend, dass mit Niesky und Neusalza-Spremberg nun schwere Aufgaben auf uns warten.“ Dabei ist der Kader der Gelb-Weißen gespickt von jungen hungrigen Spielern, die sich fortan in der Sachsenklasse beweisen wollen. Höherklassige Erfahrung haben ausschließlich Torhüter Stepan Andruszczyszyn (Heidenau, Neusalza-Spremberg, Neustadt/Spree, Dresdner SC), Moritz Adam, Florian Qach (beide Niesky), Josef Hintersatz (Neusalza-Spremberg) und Krystian Gawora (Neustadt/Spree), doch ist die Entwicklung der jungen Spieler Woche für Woche ersichtlich. „Alle sind recht gut ausgebildet, so dass ich insgesamt recht zufrieden bin. Wenn allerdings Leistungsträger längerfristig ausfallen, könnten wir schon Probleme bekommen, weil es in der Breite noch an der nötigen Qualität fehlt“, so Oliver Hofrath. Auf das morgige Pokalduell gegen Grimma angesprochen, redet der NFV-Coach nicht um den heißen Brei herum. „Die Ausgangslage ist völlig klar. Grimma spielt seit Jahren Oberliga, wir sind mit unserer jungen Mannschaft erst wieder in die Sachsenklasse aufgestiegen“, so der 45jährige. „Wir werden im Abwehrverhalten sicherlich einiges zu tun bekommen – daher ist diese Begegnung wichtig, um die Defensive weiter zu schulen. Die Jungs sollen das Spiel gegen einen höherklassigen Gegner genießen und alles raushauen, was im Tank ist. Wir wollen uns gut präsentieren und es dem Favoriten vor heimischer Kulisse natürlich so schwer wie möglich machen.“

Im Grimmaer Lager hat man die Zielsetzung für den morgigen Pokalfight auf der „Jungen Welt“ ganz klar definiert. „Wir spielen zwei Klassen höher als Görlitz, so dass wir natürlich die Favoritenrolle einnehmen werden“, so Trainer René Behring. „Und natürlich wollen wir dieser Ausgangsposition auch gerecht werden und uns mit einem ordentlichen Auftritt für die nächste Runde qualifizieren.“ Dabei hebt der Grimmaer Coach jedoch sofort mahnend den Zeigefinger. „Dies wird uns allerdings nur gelingen, wenn wir die Partie von der Einstellung auch so angehen, wie es sich für eine höherklassige Mannschaft gehört. Aufgrund der ersten Meisterschaftsspiele haben wir sowieso überhaupt keine Befähigung auch nur irgendeine Mannschaft zu unterschätzen. Wir wollen den Schwung aus dem Halberstadt-Spiel natürlich mitnehmen, doch mit halber Kraft wird uns das nicht gelingen. Erfolgserlebnisse ist in unserer aktuellen Phase elementar wichtig – das nötige Selbstvertrauen für die kommenden Aufgaben in der Oberliga können wir morgen weiter aufpolieren. Auch wenn der eine oder andere Akteur morgen nicht zur Verfügung stehen wird – ich erwarte, dass der Zwei-Klassen-Unterschied über die 90 Minuten zu sehen ist.“ Neben dem bereits erwähnten langfristigen Ausfall von Max Nitschke werden mit Stefan Tröger, Tim Mattheus (beide im Aufbautraining), Robin Spreitzer und Philipp Katzenberger (beide Arbeit) weitere Leistungsträger morgen nicht zur Verfügung stehen. „Allerdings ist dies die Möglichkeit für andere Akteure auf sich aufmerksam zu machen und ihre Chance zu nutzen“, so Coach Behring. „In der vergangenen Saison haben wir im Pokalwettbewerb unsere Leistungen gegen unterklassige Gegner immer abgerufen, genauso stelle ich mir das auch diesmal vor. Mit den Erfolgen in Oderwitz und Marienberg haben wir in der Endkonsequenz das letztjährige Halbfinal-Ticket gebucht – und was dann gegen Lok Leipzig zuschauertechnisch im Husaren-Sportpark los war, hat jeder gesehen. Der Pokalwettbewerb ist für den Verein äußerst lukrativ, deshalb wollen wir natürlich auch in dieser Saison hier wieder für Furore sorgen.“

Vorschau: © Tom Rietzschel