NOFV-Oberliga Süd • 3. Spieltag
FC Grimma – VfL Halle 96 1:3 (0:0)
Grimma: Čáp – Rieger, Bartsch, Ziffert, Pistol – Vogel – Seidl (ab 60. Kind), Hübner (ab 78. Wächtler), Nitschke, Kaba – Werner – Trainer: Behring
Halle 96: Schmid – Hüttig (ab 90.+1 Cabral), Pessel, Lubsch, Oikonomidis – Arzumanyan (ab 77. Racine) – Kurti (ab 60. Borval), Haese, Marks – Bölke (ab 90.+1 Emmerich), Jagupov – Trainer: Shubitidze
Schiedsrichter: Metz (Erfurt) – Schiedsrichter-Assistenten: Wartmann (Großvargula), Gäbler (Erfurt) – Tore: 1:0 Vogel (48.), 1:1, 1:2 Jagupov (55., 66.), 1:3 Marks (87.) – Gelbe Karten: Bartsch (Grimma) wegen Foulspiels (31.), Nitschke (Grimma) wegen Foulspiels (50.) – Reservebänke: Winkler (Tor), Janz, Förster, Spreitzer – Stark (Tor), J. Dierichen, Tsiledakis, Rümpler – Zuschauer: 121 im Husaren-Sportpark zu Grimma
Grimma. Nach dem 3:1 (1:0)-Pokalerfolg beim Sachsenklassisten SV Liebertwolkwitz 1858 lässt beim FC Grimma in der Meisterschaft die Trendwende weiterhin auf sich warten. Am 3. Spieltag der Oberliga Süd unterlagen die Muldestädter im heimischen Husaren-Sportpark dem Spitzenteam vom VfL Halle 96 mit 1:3 (0:1), so dass die Grimmaer mit drei Niederlagen aus den ersten drei Begegnungen weiter Schlusslicht der Tabelle bleiben. Dabei ging der Sieg der Saalestädter aufgrund der Chancenvorteile in Ordnung, doch vergaben die Einheimischen, wie bereits zum Saisonauftakt gegen Freital, durch fatale individuelle Fehler wertvolle mögliche Zähler. Dass in der Oberliga diese Unzulänglichkeiten gnadenlos bestraft werden, mussten die Muldestädter nun bereits zum wiederholten Male in der noch jungen Saison am eigenen Leib spüren. Allzu fahrlässig gab man eine äußerst schwer erarbeitete Führung viel zu einfach aus der Hand, wobei man die Hallenser damit wieder ins Spiel brachte anstatt sie für deren völlig inkonsequente Chancenverwertung zu bestrafen. „Das Gegentor zum Ausgleich war der Knackpunkt der Partie“, resümierte FC-Trainer René Behring. „Wenn uns der Gegner hinsichtlich der Torerzielung vorher ausspielt, muss man das zur Kenntnis nehmen und kann dem Kontrahenten gratulieren. Aber solche Gegentore wie zum 1:1 dürfen wir in unserer Situation nie und nimmer kassieren. Diese Situation hat uns auf die Verliererstraße gebracht – wenn Halle schon die Tore nicht selbst macht, dürfen wir sie aber hierfür nicht einladen.“
Dabei hatten sich die Gastgeber zwar von Beginn an viel vorgenommen, doch untermauerten die Trothaer frühzeitig eindrucksvoll, dass sie zu den Spitzenteams der Oberliga zu zählen sind. Besonders im Konter demonstrierten die Gäste ihre Gefährlichkeit, was durchaus im frühen Führungstreffer für den VfL hätte münden können. Nach einem Abwurf von Torhüter Julius Schmid ging es über die Stationen Joel Marks und Jegor Jagupov ruckzuck, doch scheiterte Ludwig Bölke völlig freistehend an FC-Keeper Ondřej Čáp (4.). Kurz darauf zog abermals Bölke von der rechten Seite gefährlich nach innen, doch scheiterte mit seinem anschießenden Schuss abermals an Čáp (5.). Die Grimmaer kamen in der Anfangsphase im Offensivbereich über Ansätze nicht hinaus, zu sehr waren die Muldestädter mit Defensivaufgaben beschäftigt. Nach Zuspiel von Kevin Werner prüfte einzig Max Nitschke mit einem Distanzschuss VfL-Schlussmann Schmid, doch war dieser damit nicht zu bezwingen (12.). Zwingender waren zweifelsohne die Gäste, die in den ersten 20 Minuten durchaus hätten führen müssen. Anxhelo Kurti verfehlte mit einem Heber aus größerer Distanz knapp das Ziel (15.) – nach einem weiteren Konter verhinderte Grimmas Torhüter Čáp abermals grandios im Eins-gegen-Eins gegen Kurti den Rückstand, nachdem dieser zuvor glänzend von Bölke in Szene gesetzt wurde (19.).
Erst nach 25 Minuten kamen die Gastgeber etwas besser in die Partie. Fortan gelangen durch aggressives Pressing zwar immer wieder schnelle Ballgewinne – doch was die Grimmaer im Endeffekt daraus machten, war einfach viel zu wenig. Mehrfach waren die Räume zum direkten Zug zum Gehäuse oder die Positionen zum Torschuss durchaus vorhanden, allerdings wurde die Verantwortung meist dem Nächsten übertragen. Eine Abschlusshandlung von Cerno Kaba (drüber, 27.), nachdem Gäste-Schlussmann Schmid vorher eine Flanke von Nico Rieger kräftig unterschätzte, war die magere Ausbeute hinsichtlich der Grimmaer Torgefahr. Da hatte der VfL schon ganz andere Kaliber auf der Uhr, doch sündigten die Gäste hinsichtlich ihrer Chancenverwertung. Bei einem weiteren Konter konnte sich Marks nach Vorarbeit von Jagupov quasi die Ecke aussuchen, doch rettete Čáp abermals in großem Stil (34.). Zwei Minuten vorher hatte der Grimmaer Schlussmann dagegen das Glück auf seiner Seite, als ein abgefälschter Freistoß von Albert Arzumanyan ans Lattenkreuz klatschte (32.). So hätten die Saalestädter längst führen müssen, doch kamen die Hausherren unbeschadet in die Halbzeitpause.
Nach dem Wechsel trauten die FC-Fans ihren Augen kaum, denn bereits kurz nach dem Wiederanpfiff ging ihre Mannschaft in Führung. Durch aggressives Anlaufen wurde VfL-Schlussmann Schmid zu einem Fehlpass gezwungen – nach dem anschließenden Pfostenschuss von Nitschke schaltete der den Angriff einleitende Alexander Vogel am schnellsten und drosch das Streitobjekt mit Urgewalt zum 1:0 unters Tordach (48.). Ganz leicht roch es nach einer eventuellen Überraschung, doch musste das FC-Fanlager kurz darauf mitansehen, wie sich die Elf jegliche Hoffnungen selbst fahrlässig zunichtemachte. Anstatt die Kugel nach einer Parade gefahrlos in die Hallenser Hälfte zu befördern, wollte Torhüter Čáp mit einem Abwurf auf den vollends überraschten Kaba die Partie schnell machen – was sich prompt als Bumerang erwies. Beim resultierenden Eckball schliefen die Gastgeber bei einer kurzen VfL-Ausführung komplett – Marks bediente den am langen Pfosten lauernden Jagupov, der sich im Luftkampf zunächst resolut gegen Vogel durchsetzte und anschließend aus Nahdistanz zum 1:1-Ausgleich einlochte (55.). Damit brachten sich die Muldestädter selbst völlig aus dem Rhythmus, auch wenn ein abgefälschter Freistoß von Jan Hübner wenig später knapp das Ziel verfehlte (58.). Halle 96 erkannte schnell das Momentum und stach kurzerhand ein zweites Mal gnadenlos zu. Nach einer etwas undurchsichtigen Situation knapp vor dem Grimmaer Strafraum setzte Arzumanyan per Kopf den rechtzeitig startenden Jagugov in Szene, welche allein vor Čáp kühlen Kopf behielt und abermals sicher zum 1:2 vollendete (66.).
Davon erholten sich die Hausherren in der Folgezeit nicht mehr, vor allem im letzten Drittel mangelte es fortan an der nötigen Durchschlagskraft. So hatten die Gäste keinerlei Probleme den knappen Vorsprung zu transportieren und waren letztlich dem dritten Treffer näher als der FC dem Ausgleich. So blieben die Hallenser mit ihren schnellen Umschaltaktionen immer gefährlich, Bölke hätte aus Nahdistanz nach einem Rückpass des eingewechselten Dario Borval die Begegnung eigentlich schon entscheiden müssen (drüber, 71.). Nach einer Flanke von Marks kam wiederum Bölke in einer verheißungsvolle Abschluss-Situation, doch strich sein Kopfball hauchzart am Gehäuse vorbei (85.). Zwar können den Gastgebern auch in der Endphase jegliche Bemühungen nicht abgesprochen werden, doch spätestens vor dem Strafraum waren sie mit ihrem Latein am Ende. Stattdessen machten die Blau-Roten drei Minuten vor Schluss endgültig den Deckel drauf. Konnte sich Čáp zwar zunächst bei den Versuchen von Borval und Bölke auszeichnen, brachten die Gastgeber die Kugel jedoch nicht aus der Gefahrenzone. Bölke profitierte im Anschluss von dem Durcheinander im Grimmaer Strafraum und stocherte die Kugel zum mitgelaufenen Marks, der das Streitobjekt mühelos aus Nahdistanz zum 1:3 in die Maschen drückte (87.). Damit war die Entscheidung gefallen, auch weil ein Kopfball von Vogel um Haaresbreite das Ziel verfehlte und damit letzte Hoffnungen auf eine spannende Schlussphase im Keim erstickt wurden (90.+3).
Fazit: Verdienter Sieg des Favoriten, der allerdings die Hilfe der Gastgeber benötigte, um auf die Siegerstraße zu gelangen. Die Muldestädter zeigten sich zwar im Vergleich im Bautzen-Debakel deutlich verbessert, doch steht am Ende des Tages kein Ertrag zu Buche. Drei Spiele, drei Niederlagen – die Situation ist nach dem völlig verpatzten Saisonstart durchaus besorgniserregend. Nun gilt es, in den Trainingseinheiten weiter Gas zu geben, am Samstag bei Germania Halberstadt (Anstoß: 14.00 Uhr) alle Kräfte zu bündeln und den kompletten Fokus einzig auf diese Begegnung zu legen. Nur gemeinsam wird die Mannschaft aus dieser Situation herauskommen.
Bericht: © Tom Rietzschel
Fotos: © Dieter Koch








































































