NOFV-Oberliga Süd • 2. Spieltag
FSV Budissa Bautzen – FC Grimma 7:0 (2:0)
Bautzen: Herrmann – Mo. Noack (ab 61. A. Rohlik), Schröder, Käppler, Müller – D. Rohlik (ab 72. Cellarius), Gerhardi – Zech, Kloß (ab 61. Orosz), Hentsch (ab 75. Baudisch) – Hennig (ab 72. Haustein) – Trainer: Dieske
Grimma: Čáp – Bartsch, Vogel, Janz (ab 46. Seidl), Katzenberger – Tröger (ab 46. Kind), Ziffert – Rieger (ab 73. Wächtler), Nitschke, Spreitzer (ab 46. Kaba) – Werner (ab 81. Pistol) – Trainer: Behring
Schiedsrichter: Dietz (Berlin) – Schiedsrichter-Assistenten: Jessen, Slotta (beide Berlin) – Tore: 1:0 Käppler (8.), 2:0 D. Rohlik (15.), 3:0 Vogel (26., Selbsttor), 4:0 Hennig (39., Foulstrafstoß – Janz an Kloß), 5:0 Hentsch (44.), 6:0 Baudisch (80.), 7:0 Haustein (89.) – Gelbe Karten: Seidl (Grimma) wegen Foulspiels (63.), Bartsch (Grimma) wegen Foulspiels (84.) – Reservebänke: Hübner (Tor), Ma. Noack, Schäller, Böhme – Lumpitzsch (Tor), Förster – Zuschauer: 303 im Stadion Müllerwiese zu Bautzen
Bautzen. Oberligist FC Grimma hat seinen Saisonauftakt komplett in den Sand gesetzt und sich am 2. Spieltag bis auf die Knochen blamiert. Nachdem die Muldestädter am vergangenen Freitag daheim gegen den SC Freital mit 1:2 (1:1) den Kürzeren zogen, erlebten die Schützlinge von Trainer René Behring nun beim FSV Budissa Bautzen mit einer 0:7 (0:5)-Niederlage ein wahres Debakel. Dabei ist die Geschichte dieser Begegnung recht schnell erzählt. Die Grimmaer agierten ohne jegliche Lauf- und Einsatzbereitschaft, weiterhin fand jegliche Zweikampf-Intensität zu keiner Zeit der Partie statt. Kurzum: Sämtliche Grundtugenden, die zu einem erfolgreichen Fußballspiel unausweichlich sind, waren über die komplette Spielzeit nicht in Ansatz zu sehen. Hinzu kam dass man ohne Hingabe und Leidenschaft das eigene Tor verteidigte – drei Tore nach gegnerischen Einwürfen sprechen Bände. Männerfußball sieht anders aus – das, was die Muldestädter auf der altehrwürdigen Bautzner Müllerwiese ablieferten, hatte mit Oberliga-Fußball nicht im Geringsten etwas zu tun. „Was soll ich sagen, das Resultat sagt alles über den Spielverlauf aus“, so ein frustrierter Trainer René Behring. „Kein einziger Spieler erreichte annähernd Normalform, so dass wir heute mit fliegenden Fahnen untergegangen sind. Diese Leistung werde ich allerdings mit keiner Silbe akzeptieren.“ Die Worte von Behrings Trainerkollege Steve Dieske, der seit Sommer 2024 für Budissa Bautzen an der Seitenlinie tätig ist, klangen nach diesem Kantersieg dementsprechend ganz anders. „Vor allem in der ersten Halbzeit hat die Mannschaft komplett alles umgesetzt, was wir vorgegeben hatten, so dass der 5:0-Pausenstand auch in dieser Höhe verdient war“, so der Trainer der Ostsachsen. „Wichtig war, dass wir auch nach dem Wechsel die Spannung nicht verloren haben. Ziel war es zur Pause, auch die zweite Hälfte zu gewinnen. Dies hat die Truppe letztlich auch sehr gut umgesetzt, auch in den zweiten 45 Minuten hat sie sehr diszipliniert Fußball gespielt. Am Ende des Tages konnte meine Mannschaft die positiven Eindrücke aus den Trainingseinheiten und dem Stahnsdorf-Spiel heute eindrucksvoll im Wettkampf untermauern.
Nach der Auftakt-Niederlage gegen Freital war diese Begegnung in Bautzen für die Grimmaer schon sehr bedeutsam. Budissa hatte sein erstes Spiel in Stahnsdorf mit 2:4 ebenfalls verloren – angesichts der folgenden Gegner mit Halle 96 (H), Halberstadt (A), Auerbach (H) und Stahnsdorf (A) sollten die Muldestädter auf der Müllerwiese schon punkten, um nicht frühzeitig in der Saison der Musik hinterherzulaufen. Doch Anspruch und Wirklichkeit klafften in dieser Partie meilenweit auseinander. Von Beginn an fanden sich die Gäste fast ausschließlich in der eigenen Hälfte wieder – bereits frühzeitig gelang es den Grimmaern nicht, den Ball über zwei, drei Stationen in der eigenen Reihen zu halten. Umso schlimmer ist jedoch der Fakt, dass wichtige elementare Dinge über den Gegner in der Mannschaftsbesprechung scheinbar vom Team überhört wurden. Obwohl auf die extrem weiten Einwürfe der Gastgeber hingewiesen, kassierte man genau dadurch den frühen Rückstand. Felix Hennig schleuderte die Kugel bis fast in die Mitte des Fünfmeterraums, Budissa-Kapitän Jannik Käppler setzte sich resolut gegen Julian Janz durch und verlängerte den Ball per Kopf direkt ins Tor – 1:0 (8.). Thema Männerfußball – Bautzen machte es frühzeitig vor, die Gäste verhielten sich hinsichtlich der Zweikampf-Führung sehr oft wie Schuljungs.
Damit waren sämtliche taktische Vorgaben aus FC-Sicht frühzeitig über den Haufen geworfen – doch wer auf eine Trotzreaktion der Muldestädter gewartet hatte, konnte dies bis heute vergeblich tun. Bautzen machte weiter Druck, die Gäste liefen auch in der Folgezeit ihren Gegenspielern ausschließlich hinterher. So zische ein Schuss von David Rohlik knapp über den Kasten (11.), beim Versuch von Julien Hentsch zeigte sich Ondřej Čáp auf der Höhe (13.). Doch nur zwei Minuten war der Grimmaer Schlussmann gegen sein ehemaliges Team machtlos. Erneut wurde ein weiter Einwurf nicht konsequent verteidigt, aus der zweiten Reihe landete ein abgefälschter Schuss von Rohlik unhaltbar im FC-Gehäuse – 2:0 (15.). Zwei Gegentore durch gegnerische Einwürfe, zumal vorher ausdrücklich darauf hingewiesen wurde – unfassbar!
Doch damit noch nicht genug, bis zur Halbzeit sollte es aus Grimmaer Sicht noch viel schlimmer kommen. Die Muldestädter rannten defensiv weiterhin von einer Verlegenheit in die nächste, zudem fand ein Offensivspiel nicht statt. Einen einzigen Torabschluss hatten die Gäste zu verzeichnen, als sich Budissa-Schlussmann Eric Herrmann bei einer Direktabnahme von Nico Rieger auf dem Posten zeigte (42.) – das war es mit der Grimmaer Offensiv-Herrlichkeit. Zu diesem Zeitpunkt stand es jedoch bereits 4:0, wobei auch diese beiden Gegentore abermals äußerst vermeidbar waren. Zunächst konnten sich die Hausherren ohne jegliche Zweikampf-Präsenz der Behring-Schützlinge auf der rechten Seite seelenruhig durchspielen – die anschließende Flanke von Norman Kloß nickte Alexander Vogel unglücklich zum 3:0 aus Nahdistanz ins eigene Tor, nachdem die vorherige Kommunikation mit Torhüter Čáp ausblieb (26.). Der vierte Bautzner Treffer resultierte erneut aus einem Einwurf – so makaber dies auch klingen mag. Erneut schleuderte Hennig diesen ins Abwehrzentrum, worauf sich Janz daraufhin nur per Foulspiel an Kloß behelfen konnte. Hennig ließ sich die Chance zum Elfmeterpunkt nicht nehmen und verwandelte den Strafstoß sicher zum 4:0 (39.). Jedoch beließen es die Gastgeber bis zur Pause nicht bei diesem Resultat, sondern profitierten weiterhin vom „Grimmaer Tag der Offenen Tür“. Nach einem Ballverlust weit in der gegnerischen Hälfte waren die Gäste bei einem 0:4-Rückstand (!) im Defensivbereich sperrangelweit offen – eine Sechs-gegen-Vier-Überzahlsituation der Budissen schloss Julien Hentsch im Anschluss platziert zum 5:0-Halbzeitstand ab (44.).
Nach dem Wechsel waren die Gäste selbstredend auf Schadensbegrenzung aus – teilweise mit einer Sechserkette agierend sollte die Niederlage nun nicht noch höher ausfallen. So plätscherte die Begegnung fortan etwas vor sich hin, da die Gastgeber glücklicherweise etwas das Tempo drosselten. So kamen die Gäste Mitte der zweiten Hälfte sogar zu zwei Abschlusshandlungen, ohne jedoch erfolgreich zu sein. Nach einem Freistoß von Philipp Katzenberger köpfte Toni Ziffert knapp über den Kasten (66.), wenig später fand Katzenberger mit einem weiteren Freistoß in Herrmann seinen Meister (71.). Doch in der Schlussviertelstunde zog Budissa noch einmal das Tempo an, was prompt Signalwirkung bei den Gästen hinterließ. Reagierte Čáp bei einem Schuss des eingewechselten Toni Orosz noch reaktionsschnell (72.), nutzte Florian Baudisch eine weitere undurchsichtige Situation im Fünfmeterraum der Gäste und machte das halbe Dutzend voll – 6:0 (80.). Zwar war wenig später der Grimmaer Ehrentreffer durch Ziffert (vorbei, 85.) und Wächtler (Parade Herrmann, 86.) durchaus möglich, doch hätte auch dieser den katastrophalen Auftritt nicht im Geringsten retuschiert. Stattdessen fingen sich die Muldestädter Sekunden vor dem Schlusspfiff sogar noch einen weiteren Gegentreffer ein, was das Debakel letztlich vollendete. Eine Flanke von Adam Rohlik war stundenlang in der Luft – Oscar Haustein nutzte das inkonsequente Eingreifen der FC-Hintermannschaft und nickte die Kugel aus Nahdistanz zum 7:0-Endstand in die Maschen (89.).
Fazit: Ein vollends ernüchternder Auftritt der gesamten Grimmaer Mannschaft, die sich nach dieser schallenden Ohrfeige nun am Tabellenende wiederfinden. Es darf bezweifelt werden, ob alle Spieler den Ernst der Lage begriffen haben und wissen, was es bedarf, um in dieser Spielklasse zu punkten. So, wie man sich in Bautzen hat abschlachten lassen, darf sich dies in keinster Weise wiederholen – darüber müssen sich fortan alle Beteiligten absolut im Klaren sein! Die Antwort kann die Elf nur am Samstag beim SV Liebertwolkwitz 1858 geben, wo man um 14.00 Uhr sein Erstrunden-Spiel im Wernesgrüner-Sachsenpokal bestreitet. Beim Sachsenklassisten können sich die Muldestädter durch ein Erfolgserlebnis einen winzigen Bruchteil des nicht mehr vorhandenen Selbstvertrauens zurückholen. Dieses Ziel ist auch absolut alternativlos, denn bereits am kommenden Sonntag gastiert mit dem VfL Halle 96 ein absolutes Oberliga-Spitzenteam in Grimma. Dann muss zwingend eine ganz andere Mannschaft auf dem Platz stehen – darüber sind sich alle einig! Dass die Truppe saisonübergreifend aus den letzten 13 Oberliga-Begegnungen insgesamt nur mickrige zwei Partien gewinnen konnte, sollte ebenfalls die keinesfalls positive Tendenz deutlich aufzeigen! Es muss dringend eine Trendwende her, will man nicht frühzeitig in der Saison der Musik hinterherlaufen. Je eher, desto besser…
Bericht: © Tom Rietzschel

