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Neu-Trainer Marcus Dörfer im Interview


Grimmas neuer Trainer Marcus Dörfer (42) steht vor der anstehenden Oberliga-Rückrunde Rede und Antwort

 

 

FC Grimma: Hallo Marcus, wir heißen Dich als Trainer unseres Oberliga-Teams herzlich willkommen und freuen uns, dass Du die Zusage gegeben hast, diese verantwortungsvolle Aufgabe zu übernehmen. Wie kam der erste Kontakt zwischen Dir und unserem Verein zustande?

Marcus Dörfer: „Durch meine Zeit in Zorbau kam es über die Jahre zu zahlreichen Begegnungen, dadurch kannte man sich. Der Vorstand kam auf mich zu und wir hatten von Anfang an gute Gespräche.“

 

FC Grimma: Kam die Anfrage für Dich überraschend und wie lange musstest Du überlegen, die Aufgabe zu übernehmen?

Marcus Dörfer: „Zu dem Zeitpunkt schon etwas, auch wenn es mein Wunsch war, perspektivisch wieder in der Oberliga trainieren zu können. Es zieht sich auch etwas durch meine Laufbahn, Herausforderungen zu suchen und nicht zu scheuen.“

 

FC Grimma: Du hast im Sommer 2025 Deine Trainer-Tätigkeit beim SV Blau-Weiß Zorbau beendet. Wie hast Du Deine letzten Monate verbracht, ohne in einer verantwortungsvollen Position an der Seitenlinie zu stehen?

Marcus Dörfer: „Mit ganz viel Fußball, aber eher den Dingen, zu denen man wenig Zeit hat, wenn man in Verantwortung steht. So habe ich einige Lehrgänge besucht, bei Freunden hospitiert und natürlich Spiele angeschaut.“

 

FC Grimma: Wie sind Deine ersten Eindrücke hier in Grimma?

Marcus Dörfer: „Auf mich wirkt der Verein sehr sympathisch. Es gibt ein tolles Umfeld und sehr gute Bedingungen. Auffallend war für mich vor allem der menschliche Umgang miteinander.“

 

FC Grimma: Mit Jan Hübner, Julian Janz, Tommy Kind und Benjamin Förster triffst Du hier auf einige Spieler, mit denen Du bereits in Zorbau zusammengearbeitet hast. Wie gut bist Du generell über den Grimmaer Kader informiert?

Marcus Dörfer: „Das stimmt. Es gibt darüber hinaus weitere alte Bekannte: Philipp Katzenberger wäre fast mein Spieler in Gera geworden und mit Stefan Tröger hatte ich schon vor Jahren Kontakt. Einen groben Überblick über den Kader habe ich, da ich mir einige Spiele live und als Video angesehen habe. Viel wichtiger wird für mich sein, welchen Eindruck die Spieler während der Vorbereitung hinterlassen.“

 

FC Grimma: Aktuell befindet sich unsere Elf in der Oberliga in einer prekären Situation, da sich die Mannschaft über den Jahreswechsel mit nur 12 Punkten auf einem Abstiegsplatz befindet. Aussichtslos ist die gegenwärtige Situation bei vier Zählern Rückstand zwar nicht, doch ist von der Elf in der Rückrunde zwingend ein ganz anderes Gesicht von Nöten. Wie schätzt Du die generelle Lage ein, das Saisonziel Klassenerhalt erreichen zu können?

Marcus Dörfer: „Der Kader ist meiner Überzeugung nach besser, als es die Tabelle derzeit aussagt. Aber das allein hilft ja am Ende auch nicht. Es gibt immer Gründe, warum man seine Ziele erreicht oder nicht erreicht. Gegen Rudolstadt und Freital hat man gesehen, was möglich ist, wenn man als Mannschaft auftritt und bereit ist, füreinander zu arbeiten. Auch wenn es unterm Strich nur ein Punkt war, diese Art und Weise ist der Grundstein um zu punkten. Dann werden wir alle unsere Ziele erreichen, davon bin ich überzeugt.“

 

FC Grimma: Mit Benjamin Förster, der die Mannschaft seit Ende Oktober interimsmäßig trainierte, hast Du einen Co-Trainer an Deiner Seite, mit dem Du in Zorbau bereits eng zusammengearbeitet hast. In wie weit ist es ein Vorteil, dass man bei einem neuen Verein auf bekannte Gesichter trifft?

Marcus Dörfer: „Ich persönlich mag es grundsätzlich sehr, irgendwo vollkommen neu zu sein, raus aus der Komfortzone. Dadurch entwickelt man sich selbst immer am meisten weiter. Hier geht es aber nicht nur um meine persönliche Entwicklung, sondern vor allem um die der Mannschaft und da hilft es natürlich, jemanden zu haben, den man gut kennt und der einem beim Einstieg hilft und einen Überblick geben kann.“

 

FC Grimma: Was sind die ersten Dinge, wo Du den Hebel ansetzen willst?

Marcus Dörfer: „Das, was man immer wieder liest, von Trainern in meiner Situation ist ‚wir müssen an der Fitness arbeiten‘. Das klingt vielleicht gut, aber ganz so einfach ist es nicht. Die erste Aufgabe wird sein, ins Gespräch mit den Spielern zu gehen, gerade mit denen, die das Team führen sollen. Außerdem einander kennenzulernen. Darüber hinaus etwas, was mir persönlich sehr wichtig ist und sich durch all die Jahre meiner Trainerlaufbahn zieht, ist Mut. Mutig sein, mutig Fußball spielen. Mit Angst hat noch niemand was erreicht.“

 

FC Grimma: Die Vorbereitung auf die Rückrunde hat am heutigen Tag begonnen. Welche Erwartungen hast Du an die Mannschaft und an jeden Einzelnen während diesen knallharten Wochen?

Marcus Dörfer: „Das jeder sich bewusst macht, welche Stunde geschlagen hat. Wir benötigen für die anstehenden Aufgaben Spieler, die bereit sind, alles für den Erfolg zu tun, nicht nur die Dinge, die Spaß machen, sondern die sich auch wenn nötig quälen können. Und das heißt eben auch, mit Rückschlägen umzugehen. Dafür werden wir den Rahmen schaffen und schauen, wer bereit ist, diese Einstellung an den Tag zu legen und immer wieder den extra Meter zu machen.“

 

FC Grimma: Was ist für Dich Grundvoraussetzung, was sind unabdingbare Elemente, um die Rückrunde positiv gestalten zu können?

Marcus Dörfer: „Etwas, was mir aus der letzten Zeit in Erinnerung geblieben ist: Du kannst nicht Nicht-Vorbild sein. Das fängt bei uns im Trainerteam an und geht auf dem Platz weiter, permanent für diese Aufgabe zu brennen und dies auch nach außen zu zeigen. Wir brauchen Leidenschaft und absoluten Willen. Mein ehemaliger Geraer Co-Trainer Norman Teichmann sagte immer, du kannst nur andere anzünden, wenn du selber brennst.“

 

FC Grimma: Die Oberliga kann man in dieser Saison wiederum als echte „Lotterie“ bezeichnen – Woche für Woche kommen die verrücktesten Ergebnisse zustande. Was denkst Du, wieviel Zähler werden am Ende des Tages nötig sein, um die Klasse halten zu können?“

Marcus Dörfer: „Nimmt man die letzten Jahre als Orientierung, denke ich um die 32 Punkte. Aber am Ende – egal wie: Wir müssen drei Teams hinter uns lassen.“

 

Marcus, vielen Dank für das freundliche Gespräch. Wir sagen noch einmal „Herzlich Willkommen“ in Grimma und wünschen Dir und der Mannschaft für die „Mission Klassenerhalt“ viel Erfolg!

Interview: © Tom Rietzschel