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Deutliche Steigerung unübersehbar, jedoch null Ertrag


FC Grimma – SG Union Sandersdorf  2:4 (1:2)

Grimma: Čáp – Rieger (ab 86. Markus), Bartsch, Ziffert, Katzenberger – Hübner, Vogel, Mattheus (ab 60. Pistol), Spreitzer (ab 73. Kaba) – Kind, Werner – Interimstrainer: Förster

Sandersdorf: Räthel – Choschnau, Schnabel, Sponholz, Nakano – Hamella – Sauer (ab 66. Mehnert), Brunner, Seifert (ab 55. Wonneberger) – Farkas (ab 78. Exner), Scheibe (ab 78. Walter) – Trainer: Sawetzki

Schiedsrichter: Blank (Borsch) – Schiedsrichter-Assistenten: Rauschenbach (Wenigenlupnitz), Götze (Martinroda) – Tore: 0:1 Sauer (4.), 1:1 Vogel (6.), 1:2 Scheibe (9.), 2:2 Spreitzer (67.), 2:3 Wonneberger (83.), 2:4 Brunner (89.) – Gelbe Karten: Bartsch (Grimma) wegen Foulspiels (69.), Hübner (Grimma) wegen Foulspiels (72.), Kind (Grimma) wegen Unsportlichkeit (90.+1) – Reservebänke: Lumpitzsch (Tor), Seidl, Janz, Tröger, Förster, Wächtler – Kamenz (Tor), Stashenko, Jauck – Zuschauer: 87 im Husaren-Sportpark zu Grimma

 

Grimma. Oberligist FC Grimma hat einen weiteren Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt in der Tabelle vorbeiziehen lassen müssen. Im heimischen Husaren-Sportpark unterlagen die Muldestädter der SG Union Sandersdorf mit 2:4 (1:2), so dass die Grimmaer zum ersten Mal seit langer Zeit wieder auf einem Abstiegsplatz zu finden sind. Dabei konnte man der Mannschaft von Interimstrainer Benjamin Förster zwar in Sachen Einstellung, Engagement und Leidenschaft nicht im Geringsten einen Vorwurf machen, doch kann man aktuell gar nicht so viele Tore erzielen wie man hinten bekommt. Wie schon letzten Sonntag in Wernigerode ließ die Elf am und im eigenen Strafraum viel zu oft jegliche Zweikampfintensität und Robustheit vermissen, so dass man sich wiederum vier Gegentreffer einhandelte. Die Gäste aus Sachsen-Anhalt waren nicht zwingend besser, doch in Sachen Effektivität hatte die Mannschaft von Trainer Thomas Sawetzki den Einheimischen einiges voraus. Dementsprechend war die Laune im FC-Lager nach den 90 Minuten arg getrübt. „Für uns eine sehr bittere Niederlage, zumal es sich wiederum um ein Sechs-Punkte-Spiel handelte“, so Interimstrainer Benjamin Förster in der anschließenden Pressekonferenz. „Freilich war die Leistung im Vergleich zu den letzten Begegnungen deutlich besser, doch stehen wir am Ende des Tages erneut ohne Ertrag da. Leider haben wir es direkt nach unserem Ausgleichstreffer verpasst mit 3:2 in Führung zu gehen, was die Begegnung dann vielleicht in unsere Richtung gelenkt hätte. Nichtsdestotrotz müssen wir allerdings unsere Defensive schleunigst in den Griff bekommen – 31 Gegentore in zwölf Spielen ist die klare Bilanz eines Absteigers. Dieses Problem müssen wir zeitnah dringend lösen, immer noch agieren wir am und im eigenen Strafraum nicht resolut genug. Sandersdorf war mit vier Treffern aus fünf Chancen brutal effizient, wir waren dies anhand unserer Möglichkeiten heute nicht. Aufgrund dessen geht, trotz unserer guten Leistung, der Gäste-Sieg in Ordnung.“ Thomas Sawetzki, Trainer der SG Union Sandersdorf, fiel nach dem Abpfiff anhand des Auswärtssieges ein sichtbarer Stein vom Herzen. „Es war über die volle Distanz eine hoch intensive Partie, welche sich total auf Augenhöhe bewegte“, so der Union-Coach. „Wir hatten im Vorfeld etwas mehr Druck als Grimma, so dass ich natürlich glücklich bin, dass wir hier gewonnen haben. Sicherlich war nicht alles überragend – vor allem in der letzten Linie haben wir zu viele Fehler gemacht, auch wenn es uns die beiden Grimmaer Stürmer richtig schwergemacht und unsere Innenverteidiger brutal gefordert haben. Wie wir allerdings nach den beiden Gegentreffern jeweils reagieren und dann die Tore rausspielen, war schon stark. Für uns war dieser Sieg extrem wichtig, wobei ich denke, dass beide Teams bis zum Schluss um den Klassenerhalt kämpfen werden.“

Nach der Niederlage in Wernigerode (1:3) sowie der indiskutablen Vorstellung unter der Woche im Test gegen Kickers Markkleeberg (0:2) hatten sich die Grimmaer zwar einiges vorgenommen, doch konnten die Muldestädter jegliches taktisches Konzept bereits nach wenigen Minuten komplett über den Haufen werfen. Bereits in der Anfangsphase gerieten die Förster-Schützlinge in Rückstand – ein Gegentreffer, der in seiner Entstehung zur derzeitigen Situation absolut symptomatisch erscheint. Nach einem weiten Einwurf von Akam Sabah Choschnau und Kopfballverlängerung von Samyr Farkas (beide Akteure trugen in der Saison 2023/24 für eine Serie das Grimmaer Trikot) gelangte das Streitobjekt zu Pascal Sauer – von Tim Mattheus unhaltbar abgefälscht, trudelte die Kugel zum 0:1 in die Maschen (4.). Allerdings fanden die Einheimischen bereits 120 Sekunden später die passende Antwort. Nach einer maßgeschneiderten Flanke von Jan Hübner schraubte sich Alexander Vogel im Sturmzentrum am höchsten und nickte den Ball aus Nahdistanz zum 1:1-Ausgleich ins Union-Gehäuse (6.). Doch hielt die Freude aus Sicht der Muldestädter nicht allzu lange an, weil man wenig später wieder allzu inkonsequent das eigene Tor verteidigte. Zunächst wurde Sebastian Seifert auf der linken Seite nicht am Flanken gehindert, anschließend stand Maximilian Scheibe im Sturmzentrum sträflich frei, was dieser mit einem platzierten Abschluss zum 1:2 ausnutzte (9.). Doch auch von diesem erneuten Nackenschlag ließen sich die Einheimischen nicht aus der Bahn werfen. Zwar musste man im FC-Lager nochmals die Luft anhalten, als ein Schuss von Dennis Brunner knapp am Tor vorbeizischte (14.), doch wie sich die Platzherren im Anschluss wehrten, verdient Anerkennung. Bis zum gegnerischen Strafraum war dies absolut in Ordnung, im letzten Drittel fehlte es dann allerdings an der nötigen Durchschlagskraft. Dementsprechend blieb es bei zwei Halbchancen von Toni Ziffert und Tim Mattheus, die zwei Eingaben von Jan Hübner (16.) und Kevin Werner (34.) hauchzart verpassten. So spielte sich das Geschehen bis zum Pausenpfiff hauptsächlich zwischen den Strafräumen ab, da auch Sandersdorf kaum Torgefahr mehr ausstrahlte. Die Ausnahme bildeten Versuche von Seifert (42.) und Farkas (45.+2), welche beide jedoch das Ziel klar verfehlten.

Nach dem Wechsel kamen die Hausherren dann sehr entschlossen aus der Kabine, mit äußerster Vehemenz wurde nun versucht, das Spiel in die Gäste-Hälfte zu verlagern. Bei einem Hübner-Freistoß hatten die FC-Fans dann bereits schon den Torschrei auf den Lippen, doch zischte die Kugel um Haaresbreite am Tor vorbei (53.). Sandersdorf war fortan im Defensivbereich bedeutend mehr gefordert, einzig nach Kontersituationen wurden die Gäste im Ansatz gefährlich. So hätte Scheibe einen Grimmaer Ballverlust im Vorwärtsgang um ein Haar bestraft, doch machte FC-Keeper Ondřej Čáp rechtzeitig das kurze Eck zu (59.). Nichtsdestotrotz sahen die Zuschauer nun eine Grimmaer Mannschaft, die langsam Oberwasser gewann und immer wieder ihre baumlangen Angreifer Tommy Kind und Kevin Werner mit weiten Bällen einsetzte. Werner selbst hatte nach einer Kopfballverlängerung von Kind den Ausgleichstreffer auf dem Fuß, doch fischte Union-Keeper Yann-Eric Räthel die Kugel reaktionsschnell aus dem oberen Eck (65.). Wenig später war es dann jedoch soweit, als sich die Hausherren für ihre beherzte Vorstellung selbst belohnen konnten. Einen langen Ball von Nico Rieger verlängerte Kind per Kopf genau in den Lauf von Robin Spreitzer, der Räthel aus Nahdistanz keine Chance ließ – 2:2 (67.). Damit waren die Muldestädter wieder zurück im Spiel, doch verstanden es die Gastgeber leider nicht, das Momentum zu nutzen und die Begegnung komplett in die gewünschten Bahnen zu drehen. Sehr gut von Werner in Szene gesetzt, lief Kind aus halblinker Position allein auf das Gäste-Tor zu, doch verhinderte Räthel mit einem Blitzreflex die erstmalige Grimmaer Führung (68.). Sequenzen später war der Sandersdorfer Schlussmann erneut gefordert, als er einen Kopfball von Lucas Bartsch reaktionsschnell parierte (69.). Die Muldestädter waren dem Führungstreffer in dieser Phase deutlich näher als die Anhaltiner, doch lernt die Mannschaft aktuell sehr intensiv auch die grässliche Seite des Fußballs zum wiederholten Mal kennen. Nach einem Grimmaer Fehlpass, weit in der Sandersdorfer Hälfte, schalteten die Gäste blitzschnell um – wobei die Einheimischen in der Entstehung leider nicht das Mittel des taktischen Fouls zogen, um diesen Angriff zu unterbinden. Glänzend vom eingewechselten Julius Finn Mehnert eingeleitet, zog Kai Wonneberger von der Strafraumgrenze staubtrocken ab und katapultierte die Kugel unhaltbar zum 2:3 in den oberen Winkel (83.). Entsetzen bei den Muldestädtern, diesen Spielverlauf hatten die Hausherren nicht verdient! Zwar versuchten die Gastgeber in den verbleibenden Minuten vehement, die Kastanien aus dem  Feuer zu holen, doch verteidigten die Gäste den knappen Vorsprung aufopferungsvoll. Immer wieder ruckten die Hausherren an und packten dabei die berühmte Brechstange aus, doch musste man sich nach einem Konter endgültig geschlagen geben. Sehr gut von Wonneberger in Szene gesetzt, legte sich Brunner die Kugel an der Strafraugrenze auf den rechten Fuß und schlenzte den Ball im Anschluss unhaltbar zum 2:4-Endstand ins lange Eck (89.).

„Wir werden jetzt die Köpfe aufrichten, eine eindeutige Steigerung im Vergleich zu den letzten Spielen war unübersehbar“, resümierte Interimstrainer Benjamin Förster. „Allerdings müssen wir im Defensivbereich deutlich zulegen, was die Verteidigung unseres eigenen Tores betrifft. Vielleicht ist es jetzt ganz gut, dass wir am Wochenende in einem anderem Wettbewerb antreten und den Oberliga-Fluch erstmal ablegen können. Jedoch müssen wir am Samstag unser Pokal-Achtelfinale in Neugersdorf genauso angehen wie ein Oberliga-Spiel – von der Einstellung, vom Willen und der Leidenschaft müssen wir wiederum alles investieren. Wir werden in der Oberlausitz gegen einen ambitionierten und hochmotivierten Gegner auf eine harte Probe gestellt werden, doch werden wir alles dafür tun, uns im Pokal das dringend nötige Erfolgserlebnis zu holen.“

Bericht: © Tom Rietzschel

Fotos: © Karsten Hannover