Wernesgrüner-Sachsenpokal • 3. Hauptrunde
SC Syrau 1919 – FC Grimma 2:4 n.V. (2:0, 2:2, 2:3, 2:4)
Syrau: Zöphel – Reinfeld (ab 80. Freund), Hartung, D. Steinbach, Scholler (ab 108. Ritter) – Schneider, Stein – Heinemann (ab 57. Haller), Limmer (ab 74. B. Wolf), P. Steinbach – Wittig (ab 90. Hocke) – Trainer: Begerock
Grimma: Lumpitzsch – Markus, Mattheus (ab 76. Spreitzer), Ziffert (ab 51. Janz), Pistol – Wächtler (ab 32. Hübner), Vogel, Katzenberger, Kaba (ab 32. Rieger) – Werner, Kind – Trainer: Behring
Schiedsrichter: Ordon (Lichtenstein) – Schiedsrichter-Assistenten: Kosmale (Zwickau), Golde (Beutha) – Tore: 1:0, 2:0 Schneider (11., 20.), 2:1, 2:2 Kind (59., 90.+5), 2:3 Janz (104.), 2:4 Werner (108.) – Gelbe Karten: P. Steinbach (Unsportlichkeit – 38.), Limmer (Foulspiel – 47.), Freund (Foulspiel – 90.+2) – Pistol (Foulspiel – 84.), Markus (Foulspiel – 90.+2) – Reservebänke: Drechsler (Tor), Eichhorn – Čáp (Tor) – Zuschauer: 85 im Waldstadion zu Syrau
Syrau. Das Beste vorneweg: Oberligist FC Grimma hat sich für das Achtelfinale im Wernesgrüner-Sachsenpokal qualifiziert. Beim Sachsenklassisten SC Syrau 1919 setzten sich die Muldestädter mit 4:2 nach Verlängerung (0:2, 2:2, 3:2, 4:2) durch und reisen in der nächsten Runde nun zum Sachsenligisten FC Oberlausitz Neugersdorf. Allerdings hatte die Mannschaft von Trainer René Behring das Vordringen in die Runde der letzten 16 Teams nicht wirklich verdient. Über die komplette reguläre Spielzeit fanden die Gäste nie eine Einstellung zu dieser Begegnung und zum Gegner. Der SC Syrau, welcher zwei Ligen tiefer in der Sachsenklasse auf Punktejagd geht, demonstrierte eindrucksvoll, was in solch einer Pokal-Partie gefragt ist. Die Vogtländer führten leidenschaftlich jeden Zweikampf, hatten in Sachen Handlungsschnelligkeit große Vorteile und legten genau die Einstellung sowie Leidenschaft an den Tag, welche man eigentlich von den Grimmaern vorausgesetzt hätte, um die Favoritenstellung geltend zu machen. Demensprechend brauchten sich die Gäste nicht zu wundern, dass man nach 20 Minuten mit 0:2 in Rückstand lag, wobei man auch bis zum Pausenpfiff kein Bein vor das andere brachte. Nach dem Wechsel wurde die Vorstellung des FC zwar geringfügig besser, doch Oberliga-Format hatte dies nicht im Geringsten. Nichtsdestotrotz stimmte bei den Gästen wenigstens die Moral, um diese Blamage abzuwenden. Nachdem Tommy Kind per Kopf nach gut einer Stunde auf 1:2 verkürzte (59.), war es wiederum der baumlange Torjäger, der quasi mit dem Schlusspfiff per erneutem Kopfballtreffer sein Team doch noch in die Verlängerung brachte (90.+5). Dort hatten die Muldestädter dass bessere Stehvermögen und nutzten das psychologische Momentum, um letztlich noch zwei Treffer nachzulegen und damit doch noch das Achtelfinal-Ticket zu lösen. Nichtsdestotrotz konnte sich René Behring darüber nicht wirklich freuen. „Grundsätzlich gilt erst einmal, dass wir dank einer guten Moral die nächste Runde erreicht haben“, so der Grimmaer Trainer. „Doch wer sich diese Begegnung angeschaut hat, wird gesehen haben, dass wir uns über ein Ausscheiden nicht hätten beschweren dürfen. Wenn man solch eine Einstellung an den Tag legt und die Grundelemente wie Leidenschaft, Wille sowie Zweikampf-Intensität nicht abruft, bekommt man gegen jeden Gegner Probleme. Kompliment an Syrau – der Sachsenklassist hat das sehr gut gemacht, doch agierte meine Mannschaft heute weit unter Schnitt. Das Positivste an dieser Begegnung ist zweifellos das Ergebnis, nur mit großem Glück konnten wir das vorzeitige Ausscheiden bei einem unterklassigen Gegner verhindern.“ Die gastgebenden Vogtländer, die in der Sachsenklasse aktuell nur auf Rang 13 zu finden sind, waren angesichts der um Sekunden verpassten Sensation dementsprechend enttäuscht. „Meine Mannschaft hat ein fantastisches Spiel abgeliefert und hat all das umgesetzt, was wir im Vorfeld besprochen hatten“, fand Trainer Chris Begerock ausschließlich lobende Worte für sein Team. „Das Ende ist natürlich enttäuschend, doch haben wir alles rausgehauen und können uns nichts im Geringsten etwas vorwerfen. Trotz des Ausscheidens hoffe ich, dass uns diese Leistung für die kommenden Meisterschaftsspiele das nötige Selbstvertrauen verleihen wird.“
Sicherlich kann man im Vorfeld der Partie gegen einen unterklassigen Gegner immer wieder an die nötige Einstellung an sein Team appellieren, doch ist die Umsetzung der Truppe bei Anpfiff ein anderes Paar Schuhe. Und genau das sahen die 85 Zuschauer dann auch im Syrauer Waldstadion. Auch wenn Cerno Kaba mit einem Kopfball nach vorheriger Flanke von Vincent Markus die erste Abschlusshandlung zu verzeichnen hatte (drüber, 6.), kamen die Grimmaer enorm schwerfällig in die Begegnung. Die Vogtländer waren von Beginn an hellwach, indem sie konsequent die Zweikämpfe bestritten und nach Ballgewinnen immer wieder schnell nach vorn spielten. Nach Ablage von Dustin Wittig musste sich Giovanni Lumpitzsch im FC-Tor frühzeitig das erste Mal gewaltig strecken, um einen Grimmaer Rückstand zu verhindern (10.). Doch schon nach dem folgenden Eckball sollten sich die Einheimischen für den couragierten Auftakt zum ersten Mal belohnen. Nachdem dieser von Dominique Steinbach serviert wurde, setzte sich Paul Schneider unbemerkt in Richtung des zweiten Pfostens ab und nickte die Kugel völlig freistehend zum 1:0 in die Maschen (11.). Doch auch dieser Gegentreffer sollte für die Muldestädter nicht als das nötige Signal dienen – ganz im Gegenteil. Von Wittig freigespielt, trudelte eine flache Eingabe von Tom Heinemann durch den kompletten Fünfmeterraum – Schneider konnte am zweiten Pfosten sein Glück kaum fassen und lochte zum 2:0 ein (20.). Zwar hätten die Gäste nur Sequenzen später sofort verkürzen können, als Kevin Werner eine Markus-Flanke über den Querbalken drückte (21.), doch war dies die einzige FC-Möglichkeit vor dem Wechsel. Von einem Zwei-Klassenunterschied war nicht im Geringsten etwas zu sehen – die Grimmaer Vorstellung in den ersten 45 Minuten kann man getrost als pomadig und absolut enttäuschend bezeichnen.
Nach Wiederanpfiff kamen die Muldestädter zunächst mit deutlich mehr Elan aus der Kabine, doch der Wunsch eines schnellen Anschlusstreffers erfüllte sich zunächst nicht. Nach Ablage von Werner traf Alexander Vogel nur die Querlatte (47.), bei einem Freistoß von Jan Hübner musste SC-Schlussmann Stefan Zöphel entscheidend nachfassen (48.). Zwar intensivierte der FC nun etwas den Druck, doch waren die Abschlüsse einfach zu harmlos, um Zöphel herausfordern zu können. Nach Flanke von Markus war der Syrauer Torhüter beim folgenden Abschluss von Vogel (53.) genauso gut postiert wie kurz darauf bei einem Kopfball von Albert Pistol (54.). Nach gut einer Stunde Spielzeit kam der Favorit dann doch zum Anschlusstreffer – hierbei musste allerdings eine Standardsituation herhalten. Nach einem Hübner-Freistoß von der linken Seite schraubte sich Mittelstürmer Kind am höchsten und ließ Zöphel keine Abwehrchance – 2:1 (59.).
Wer nun auf einen weiteren andauernden Druck der Muldestädter gehofft hatte, wurde allerdings bitter enttäuscht. Nach einem langen Ball von Julian Janz hatte Hübner zwar die Ausgleichschance, doch verkürzte Zöphel hier geschickt den Winkel (61.). Ansonsten gelang es den Gästen in der Folgezeit allerdings kaum für Gefahr vor dem Tor der Vogtländer zu sorgen. Eine gewisse Feldüberlegenheit war zwar zweifellos zu erkennen, doch fehlte es im letzten Drittel einfach an der notwendigen Durchschlagskraft. Auch im Spiel mit dem Ball unterliefen den Gästen einfach viel zu viele Fehler – neben einer nur etwa durchschnittlichen Pass-Genauigkeit war weiterhin viel zu wenig Tempo im Spiel. Syrau verstärkte sein Hauptaugenmerk zwangsläufig auf eine kompakte Defensive, wobei Wittig nach einem blitzschnell vorgetragenen Konter noch einmal Lumpitzsch prüfte (72.). So verrann die Zeit fortan wie im Flug, auch bis tief in die Nachspielzeit hinein konnte sich der Oberligist nichts Zwingendes mehr erarbeiten. Vier der veranschlagten sechs Minuten „Nachschlag“ waren bereits absolviert, ehe die Muldestädter dann allerdings doch noch die vorzeitige Blamage abwenden konnten und damit gerade noch rechtzeitig den Kopf aus der Schlinge zogen. Nach einem Hübner-Freistoß aus dem Halbfeld verlängerte abermals Kind die Kugel mit dem Hinterkopf zum 2:2-Ausgleich (90.+5), die tapfer fightenden Syrauer sanken daraufhin kollektiv enttäuscht zu Boden. Plötzlich waren die Behring-Schützlinge wieder im Rennen, nachdem man das Glück vorher ins Unermessliche strapaziert und ausgereizt hatte. Um ein Haar hätten die Gäste in der Nachspielzeit die Begegnung sogar noch ganz gedreht, doch nach Kopfballverlängerung von Werner strich ein Schuss des eingewechselten Robin Spreitzer am kurzen Eck vorbei (90.+7). Dies wäre anhand des Spielverlaufs in der regulären Spielzeit allerdings des Guten deutlich zu viel gewesen!
In der anschließenden Verlängerung machte sich fortan der Kräfteabbau der Hausherren immer mehr bemerkbar, weiterhin nutzten die Grimmaer das psychologische Momentum des spät erzielten Ausgleichstreffers. Nichtsdestotrotz hatten die Gäste zunächst eine kritische Situation vor dem eigenen Tor zu überstehen, als Markus einen Kopfball von Schneider gerade noch von der Linie holte (92.). Im Anschluss agierte der Oberligist allerdings zielstrebiger, so dass sich Möglichkeiten zwangsläufig ergaben. Eine Flanke von Pistol drückte Werner per Kopf knapp über die Querlatte (99.), nach Zuspiel von Philipp Katzenberger scheiterte Vogel am gut reagierenden Zöphel (103.). Doch mit dem folgenden Eckball drehten die Gäste die Begegnung dann vollends. Hübner fand den am langen Pfosten völlig freistehenden Janz, der den FC mit einer Kopfball-Bogenlampe auf die Siegerstraße brachte – 2:3 (104.). Von diesem Nackenschlag erholten sich die Vogtländer fortan nicht mehr, stattdessen sorgte der Favorit kurz nach Wiederanpfiff der zweiten Hälfte der Verlängerung endgültig für die Entscheidung. Sehr gut von Kind eingeleitet, fand Spreitzer mit einem Querpass den mitgelaufenen Werner, der im Anschluss wenig Mühe hatte zum 2:4 zu vollenden (108.). Fortan spielten die Gäste die Partie konzentriert zu Ende, auch wenn SCS-Doppeltorschütze Schneider noch einmal ein Achtungszeichen setzte (vorbei, 112.).
Als Schiedsrichter Florian Ordon (Lichtenstein) kurz darauf die Begegnung beendete, waren sich alle einig – die bessere Mannschaft war aus dem Wettbewerb ausgeschieden. Aus Grimmaer Sicht war es ein Tanz auf der Rasierklinge – ein Unterfangen, welches in der letzten Sekunde gerade noch einmal gut ging.
© Bericht: Tom Rietzschel
© Fotos: Karsten Hannover
Spielberichte
Drama im Fußball-Sachsenpokal: SC Syrau scheitert in letzter Minute
am Einzug ins Achtelfinale an Oberligist Grimma
Syrau. Zwei Minuten fehlten dem SC Syrau am Samstag zur Sensation in der dritten Runde des Fußball-Sachsenpokals. „Wir haben es überhaupt nicht verdient weiterzukommen, denn so wie wir aufgetreten sind, haben wir im Achtelfinale eigentlich nichts verloren“, sagte Tommy Kind vom FC Grimma nach dem 4:2 (0:2)-Sieg seiner Mannschaft nach Verlängerung. „Wir waren über weite Strecken in allen Belangen nicht schlechter, aber nicht oberliga-würdig. Dass wir uns so aus der Affäre ziehen, dafür gibt es keine Ausreden.“
Kind bewies seine Regionalliga-Qualitäten in vorletzter Minute, als er mit seinem zweiten verwandelten Standard in Folge seine Farben im Rennen hielt. Sowohl in der 59. als auch in der 94. Minute versenkte er einen Freistoß per Kopf ins lange Eck. „Den ersten Freistoß treffe ich perfekt, der Zweite war übelst glücklich, dass der noch ins Tor kullert“, so der 36-Jährige, der von Juli 2023 bis September 2024 beim VFC Plauen auf Torejagd ging. „Riesenkompliment an die Syrauer, die erst einmal so eine Partie spielen müssen. Und dann schämt man sich fast schon, den Vogtländern die Hand zu geben, weil sie es so viel mehr verdient gehabt hätten – Chapeau.“
Dass der aufopferungsvolle und leidenschaftliche Kampf der Syrauer vor 130 Zuschauern doch nicht belohnt wurde, war auch für Paul Schneider extrem bitter. „Wir haben kaum eine Chance zugelassen und dann ist es die individuelle Klasse von Tommy Kind, den wir gedoppelt hatten. Aber zweimal hat er sich gut freigelaufen – und dann macht er die eiskalt rein“, war der SC-Kapitän niedergeschlagen.
Nach einer Ecke von Dominique Steinbach köpfte Syraus Schneider nach zwölf Minuten am langen Pfosten zum umjubelten 1:0 ein, bevor er nur acht Minuten später seinen Doppelpack schnürte: Heinemann bediente den erneut allein am langen Pfosten stehenden Schneider, der mit seinem linken Fuß nur noch zum 2:0 einschieben musste. „Ich war überrascht, dass ich so frei war und mein Gegenspieler gar nicht mitgekommen ist. So leicht wird es mir in der Sachsenklasse nicht gemacht“, schmunzelt der 32-Jährige. „Dann waren wir auch ein bisschen vogelwild, weil jeder noch das 3:0 machen wollte.“
Zwar hatten die Muldentaler nun mehr Ballbesitz, kamen aber zu keinen zwingenden Chancen, weil die Hausherren konsequent verteidigten, immer einen Fuß zum Klären an den Ball bekamen oder sich Torhüter Stephan Zöphel auszeichnen konnte. „Wenn wir ein, zwei Mal die Konter in der zweiten Halbzeit besser ausspielen und mit einem Quäntchen Glück das 3:0 machen, dann ist bei Grimma der Ofen aus“, schätzte Schneider ein, der „ein super Spiel von allen“ und „paar Nadelstiche“ der Drachen sah.
Doch in der Verlängerung ließen bei den Vogtländern die Kräfte nach, was der Gast ausnutzte: In der 104. Minute traf der eingewechselte Janz, der am langen Pfosten zum 3:2 einköpfte. „Man kann nicht alles gegen einen Oberligisten verteidigen, da muss man auch mal das Glück haben, dass der Ball nur an den Pfosten geht oder der Torhüter einen Unhaltbaren pariert.“ Nur vier Zeigerumdrehungen später machten die Gäste den Deckel drauf: Der eingewechselte Spreitzer legte auf Werner quer, der nur noch zum 2:4 ins leere Tor einschieben musste.
„Es ist sehr schade, aber das haut uns nicht um. Diesen Schwung müssen wir in die Liga mitnehmen. Denn da brauchen wir die Punkte. Aber man hat gesehen, was mit dieser mannschaftlichen Geschlossenheit geht“, resümiert Schneider. Sein Trainer Chris Begerock ergänzt: „Wir haben alles rausgehauen, können uns nichts vorwerfen und was die Mannschaft geleistet hat, war absolut klasse.“
© Florian Wißgott • Freie Presse Plauen





























































