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Letztes Testspiel in den Sand gesetzt


NOFV-Oberliga Süd • Testspiel

FC Grimma – SV Blau-Weiß Zorbau  0:2 (0:1)

Grimma: Hauswald (ab 46. T. Jentzsch) – Markus, Choschnau, Bartsch (ab 57. Stockmann), Spreitzer (ab 46. Pechmann) – Beiersdorf (ab 67. Farkas), E. Ziffert (ab 67. Schwarz) – Jackisch, Goldammer, Walter – Tröger – Trainer: St. Ziffert

Zorbau: Schlegel (ab 46. Kostal) – Schubert, Günther, Glänzel (ab 61. Hübner), Mertes – Worbs (ab 61. Nakano) – Nakano (ab 31. Madeira), Hübner (ab 31. Kittelmann), Aljindo, Neuhaus (ab 31. Franz) – Baum (ab 61. Neuhaus) – Trainer: Behring

Schiedsrichter: Albert (Muldenhammer) – Schiedsrichter-Assistenten: Weigelt, Wedhorn (beide Leipzig) – Tore: 0:1 Baum (14.), 0:2 Franz (49.) – Gelbe Karten: Farkas (Grimma) wegen Foulspiels (90.) – Reservebänke: Böhm (Tor) – keiner – Zuschauer: 50 im Husaren-Sportpark (Kunstrasen) zu Grimma

 

Grimma. Eine Woche vor dem Oberliga-Nachholspiel daheim gegen den VfL Halle 96 hat der FC Grimma seine Generalprobe ordentlich in den Sand gesetzt. Gegen den SV Blau-Weiß Zorbau, aktuell souveräner Spitzenreiter der Verbandsliga Sachsen-Anhalt, ließen sich die Muldestädter im heimischen Husaren-Sportpark mit 0:2 (0:1) düpieren und enttäuschten dabei in der zweiten Halbzeit auf ganzer Linie. Konnte sich die Elf von Trainer Steffen Ziffert nach dem frühen Rückstand im ersten Durchgang noch einige Möglichkeiten erarbeiten, um mindestens den Ausgleich zu erzielen, war die Vorstellung in den zweiten 45 Minuten äußerst schwach. Fehlerhaftes Passspiel, ein teilweise viel zu kompliziertes Agieren, mangelnder Angriffsdruck – so war den Gästen nicht im Geringsten beizukommen, die demzufolge bis zum Ende wenig Mühe hatten, den Vorsprung über die Zeit zu bringen. Hinzu kam, dass die Muldestädter beide Gegentreffer durch folgenschwere Fehler im Spielaufbau selbst einleiteten, so dass man damit sich selbst auf die Verliererstraße brachte. Demzufolge war die Laune von Steffen Ziffert nach dem Abpfiff dementsprechend. „In der ersten Halbzeit sind wir nach dem Gegentor besser ins Spiel gekommen und haben Kontrolle erlangt. Jedoch haben wir es verpasst, unsere Möglichkeiten zu nutzen. Nach dem Wechsel legten wir Zorbau den zweiten Treffer erneut selbst auf, was im Anschluss bei meiner Mannschaft deutliche Signalwirkung hinterließ. Wie wir im Anschluss aufgetreten sind, war nicht im Geringsten das, was ich von meiner Mannschaft erwarte. Das war viel zu wenig, so dass wir es mit solch einer Leistung am nächsten Wochenende schwer haben werden, gegen Halle 96 etwas mitnehmen zu können. Dies muss jedem Spieler klar sein.“ Zifferts Gegenüber, René Behring, von Juli 2004 bis Dezember 2005 als Spieler selbst in Grimma aktiv, war angesichts des Erfolgs dementsprechend recht zufrieden. „Es war ein verdienter Sieg, beide Treffer haben wir in den Kontersituationen sehr gut herausgespielt. Angesichts unseres fehlenden Personals bin ich selbst etwas überrascht, wie mühelos wir hier gewonnen haben. Dies lag sicherlich auch daran, dass es Grimma versäumte, in den letzten 15 Minuten vor der Pause die sich bietenden Gelegenheiten zu nutzen – hier hatten wir mit Sicherheit etwas Glück. Aber wie wir nach der Pause aufgetreten sind, nötigt meiner Mannschaft Respekt ab. Nichtsdestotrotz müssen wir gegen den Ball noch etwas stabiler werden und die Mechanismen im Rückwärtsgang verbessern. Doch insgesamt bin ich mit dem Auftritt meiner Truppe natürlich sehr angetan.“

Auf dem Kunstrasenplatz im Husaren-Sportpark entwickelte sich zunächst eine ausgeglichene Begegnung, in der sich beide Teams erst einmal neutralisierten. Viel spielte sich anfangs zwischen den Strafräumen ab, ehe die Gastgeber die erste Torannäherung verzeichnen konnten. Nach Zuspiel von Akam Sabah Choschnau war Vincent Markus über die rechte Seite frei durch, doch war der Winkel beim Torabschluss zu spitz, um Zorbaus Keeper Robert Schlegel überwinden zu können (12.). Doch bereits kurze Zeit später mussten die Gastgeber einem Rückstand hinterherlaufen – ein Gegentreffer, welchen man durch einen individuellen Fehler selbst einleitete. Im Spielaufbau unterlief Robin Spreitzer auf der linken Seite ein haarsträubender Ballverlust in der eigenen Hälfte, den folgenden Schnellangriff schlossen die Gäste mit einem platzierten Schuss von Dave Baum mustergültig ab – 0:1 (14.). Dies war für die Ziffert-Schützlinge jedoch das Signal, in der Folgezeit mehr für das Spiel zu tun. Die Muldestädter erlangten fortan mehr und mehr Spielkontrolle, so dass sich Tormöglichkeiten fast zwangsläufig ergaben. Nach einem langen Ball von Schlussmann Christopher Hauswald strich ein Schuss von Louis Walter knapp am Tor vorbei (20.), nach Zuspiel von Felix Beiersdorf scheiterte Christoph Jackisch mit seinem Versuch am gut aufgelegten Schlegel (24.). Machtlos wäre der Zorbauer Schlussmann jedoch gewesen, als der folgende Jackisch-Eckball durch den kompletten Fünfmeterraum der Gäste pfiff und der am zweiten Pfosten lauernde Stefan Tröger den Ball knapp am Tor vorbeidrückte (25.). Die Muldestädter näherten sich nun systematisch dem Ausgleich an, doch entweder ließ man die letzte Zielstrebigkeit und Konsequenz vor dem Tor vermissen oder man fand in Schlegel seinen Meister. So ließ sich der Zorbau-Keeper zunächst nicht von Walter überwinden, nachdem Tröger und Goldammer diese Situation prima einleiteten (28.), anschließend fischte der Blau-Weiß-Schlussmann einen Distanzschuss von Matty Goldammer sehenswert aus dem Eck (43.). Fehlte es bei zwei weiteren Versuchen von Goldammer ebenfalls an der nötigen Präzision (vorbei, 34. / drüber, 43.), zeigte sich Eric Ziffert kurz vor dem Halbzeitpfiff – nach einer Eingabe von Vincent Markus – am langen Pfosten etwas zu überrascht, so dass er das Streitobjekt über den Kasten drückte (44.). „Wir haben ab Mitte der ersten Halbzeit das Spiel diktiert, doch aus diesen Möglichkeiten müssen wir mindestens ein Tor machen“, bemängelte Trainer Steffen Ziffert die Abschlussschwäche seines Teams.

Nach dem Wechsel wollten die Muldestädter den Schwung natürlich mitnehmen, doch vier Minuten nach Wiederanpfiff brachte man sich selbst auf die Verliererstraße. Anstatt den tiefen Ball in die gegnerische Hälfte zu suchen, bevorzugte Lucas Bartsch die Risiko-Variante und brachte den bereits angelaufenen Felix Beiersdorf mit seinem Zuspiel damit in arge Nöte. Es folgte ein Ballverlust in der eigenen Hälfte, was zur Folge hatte, dass Baum gegen eine völlig entblößte Grimmaer Hintermannschaft mit einem Querpass den mitgelaufenen Richard Franz bediente, der Torsten Jentzsch nicht den Hauch einer Chance ließ – 0:2 (49.). Dieses Gegentor hinterließ bei den Gastgebern einen sichtbaren Kinnhaken, Franz scheiterte kurz darauf auf aufmerksamen Jentzsch (54.). Vielleicht wäre die Partie am Ende des Tages anders verlaufen, wenn Goldammer mit seinem Flachschuss Zlatan Kostal im Zorbauer Gehäuse überwunden hätte (55.), nachdem diese Aktion von Jackisch und Lenny Pechmann sehr gut vorbereitet wurde. Doch stattdessen schluderten die Gastgeber fortan extrem stark in der Pass-Qualität, weiterhin verhaspelten sich einige Akteure aufgrund mangelnder Spielübersicht immer wieder in sinnfreien Eins-gegen-Eins-Situationen – dies alles spielte Zorbau in die Karten, um den Vorsprung problemlos über die Spielzeit zu transportieren. Aufgrund dieses Leistungsabfalls waren zwingende Gelegenheiten der Grimmaer nicht mehr zu sehen. All das, was in Richtung Zorbauer Gehäuse kam, war nicht mehr als Torannäherungen. So strich ein Versuch von Samyr Farkas ebenfalls über den Kasten (73.) wie kurz darauf ein Freistoß von Jackisch (76.). Das einzige Mal, indem Kostal ernsthaft eingreifen musste, war bei einem Flachschuss von Walter, doch meisterte der tschechische Sommer-Neuzugang aus Neugersdorf diese Prüfung problemlos (83.). Stattdessen hätten die Gäste kurz vor Schluss sogar noch erhöhen können, doch drückte Valentino Schubert eine Flanke von Kevin Neuhaus hauchzart über den Querbalken (85.).

Fazit: Ernüchterung im Grimmaer Lager – so hatte man sich die Generalprobe vor dem Oberliga-Start nicht vorgestellt. Allerdings müssen sich die Muldestädter diese Niederlage selbst zuschreiben, da man – wie bereits oftmals in der Hinrunde – den Gegner durch gravierende Fehler im Aufbauspiel regelrecht zum Toreschießen einlud. Hier muss schnellstmöglich ein Lernprozess und ein Umdenken einsetzen, sonst wird es schwer, die Klasse halten zu können. Weiterhin verhinderte eine unterdurchschnittliche Vorstellung in den zweiten 45 Minuten ein besseres Ergebnis für die Muldestädter. Und dabei spielt es auch keine Rolle, dass eine ganze Reihe von Akteuren am Wochenende aus diversen Gründen nicht zur Verfügung standen – alle Spieler, die am Samstag auf dem Platz standen, haben den Anspruch Oberliga spielen zu wollen. Zorbau nutzte die Unzulänglichkeiten gnadenlos aus und konnte gegen eine in der zweiten Hälfte systematisch abbauende Grimmaer Mannschaft einen nicht unverdienten Testspiel-Sieg einfahren. „Wir müssen uns straffen, so wird es für die Rückrunde sehr schwer werden“, so das nüchterne Fazit von Trainer Steffen Ziffert.