· 

Demütigung gegen Chemnitzer U19

NOFV-Oberliga Süd • Testspiel

 

FC Grimma – Chemnitzer FC A-Junioren  1:3 (1:3)

Grimma: Birkigt – Käseberg (ab 70. Voigtländer), Irwin (ab 70. Mattheus), Bartsch, Kunath (ab 46. Funken) – Sommer (ab 70. Wenzel), Wolf – Wiegner (ab 46. Ruppelt), Erdmann (ab 63. Wiegner), Mertes (ab 70. Konzok) – Griesbach (ab 46. Hübner) – Trainer: Kunert

Chemnitz A-Junioren: Lungwitz (ab 46. Dorfs) – Jusić (ab 46. Lange), Seidel (ab 58. Weidauer), Janz, Verhülsdonk (ab 46. Schreiber) – Windsor (ab 58. Wolter), Kortüm (ab 46. Ackermann), Dittrich (ab 46. Scheunert) – Selishta (ab 63. Habrich), Heidler (ab 46. Pawletta), Kämpfer (ab 46. Luib)  – Trainer: Stephan

Schiedsrichter: Bringmann (Bad Lausick) – Schiedsrichter-Assistenten: Wadewitz, Thieme (beide Leipzig) – Tore: 0:1 Windsor (4.), 0:2, 0:3 Dittrich (9., 26.), 1:3 Sommer (39.) – Gelbe Karten: Ruppelt (Foulspiel – 62.) – Habrich (Foulspiel – 83.) – Reservebänke: Becker (Tor) – keiner – Zuschauer: 45 im Husaren-Sportpark zu Grimma

 

Grimma. Nach der Corona-bedingten Absage des Sachsenpokal-Spiels gegen den Regionalligisten Chemnitzer FC gelang es dem Oberligisten FC Grimma in einem kurzfristig anberaumten Testspiel nicht, sich etwas Selbstvertrauen für die Meisterschaft zu holen. Gegen die Bundesliga-A-Junioren des Chemnitzer FC unterlagen die Schützlinge von Trainer Alexander Kunert im heimischen Husaren-Sportpark mit 1:3 (1:3) und ließen sich dabei speziell in den ersten 45 Minuten regelrecht vorführen. Dabei waren im Vorfeld mit Sicherheit gewisse spielerische und physische Stärken von A-Junioren-Bundesliga-Teams bekannt, doch wie sich die Muldestädter in dieser Begegnung präsentierten, wirft einige deutliche Fragen auf. Anstatt den CFC-Junioren mit „Männerfußball“ und einer ordentlichen körperlichen Präsenz entgegenzuwirken, ließ man die Gäste nach Herzenslust agieren, so dass die Grimmaer im Rückwärtsgang von einer Verlegenheit in die nächste rannten. Teilweise spielten die Chemnitzer mit den Hausherren Katz und Maus und deckten die Probleme der Muldestädter schonungslos auf. Zwar wurde die Grimmaer Vorstellung in den zweiten 45 Minuten ein klein wenig besser, doch war man meilenweit davon entfernt, auch nur ansatzweise ein gleichwertiger Testspiel-Partner zu sein. Letztlich gewannen die CFC-Junioren hochverdient – auch, weil es ihnen die Gastgeber teilweise viel zu einfach machten.

Im Grimmaer Lager muss man sich unterdessen langsam die Frage stellen, ob alle Akteure den Ernst der aktuellen Situation erkannt haben. Vier Punkte aus fünf Begegnungen stehen bisher zu Buche – und das in einer Oberliga-Saison, in der es definitiv fünf Absteiger geben wird. Sicherlich, die Mannschaft ist extrem jung, die Personalprobleme derzeit nicht von der Hand zu weisen – und ja, es gibt noch sehr viele Punkte zu vergeben. Doch von Beginn an der Musik hinterherzulaufen, kann für den weiteren Verlauf der Saison, und vor allem für den Kopf, absolut nicht förderlich sein. Demzufolge sollten sich alle Spieler hinterfragen, ob die diese Vorstellung Oberliga-Ansprüchen genügt. Die Antwort diesbezüglich ist sehr leicht zu geben! FC-Trainer Alexander Kunert wird mit Sicherheit die richtigen Schlüsse aus diesem Spiel ziehen und in der kommenden Trainingswoche ganz genau hinschauen. Um am kommenden Samstag in Bischofswerda (Anstoß: 14.00 Uhr • Volksbank-Arena) etwas Zählbares mitzubringen, muss sich vieles – wenn nicht sogar alles – ändern.

Nach dem letztwöchigen Last-Second-Schock, als man daheim gegen Blau-Weiß Zorbau kurz vor Abpfiff noch den 2:2-Ausgleichstreffer hinnehmen musste, hatten sich die Grimmaer für diesen Testkick zwar einiges vorgenommen, doch sah die Realität bereits nach zehn Minuten ganz anders aus. Zwar setzte Kevin Wiegner das erste Achtungszeichen, als er mit einem Dropkick an CFC-Schlussmann Luis Lungwitz scheiterte (3.), doch aufgrund unerklärlicher Aussetzer im Defensivbereich lagen die Platzherren recht schnell mit 0:2 im Hintertreffen. Zunächst lochte Jeremiah No-Jin Windsor nach einem Grundlinien-Rückpass von Finn Heidler zum 0:1 ein (4.), anschließend traf Jonas Dittrich nach Zuspiel von Windsor flach ins lange Eck – 0:2 (9.). Zwar hätte Wiegner direkt im Gegenzug für den sofortigen Anschlusstreffer sorgen können, doch nach guter Vorarbeit von Moritz Griesbach scheiterte er erneut an Lungwitz im Chemnitzer Tor (10.).

Wer aufgrund dieser vielversprechenden Torgelegenheit jedoch auf Besserung im Grimmaer Spiel hoffte, wurde bitter enttäuscht. In den Offensivaktionen blieb vieles Stückwerk – weiterhin kam man gegen den Ball in allgemeiner Häufigkeit immer einen Schritt zu spät. Chemnitz war handlungsschneller und brachte mit schnellem Kombinationsspiel die Hintermannschaft der Muldestädter immer wieder in arge Verlegenheit. So schloss Jasin Jusić einen CFC-Konter im Torabschluss zu ungenau ab (vorbei, 17.), kurz darauf strich ein Schuss von Paul Kämpfer knapp über den Querbalken (19.). Die Grimmaer offenbarten im Defensivbereich immer wieder große Lücken, so dass eine höhere Gäste-Führung absolut im Bereich des Möglichen lag. Nach einem Heidler-Freistoß scheiterte Tom Seidel am gut reagierenden Pascal Birkigt (21.), bei einem weiteren Seidel-Freistoß fehlten die berühmten Zentimeter (25.). Der Bundesliga-Nachwuchs konnte weiterhin ungestört kombinieren, viel zu leicht und quasi ohne Gegenwehr konnte sich der CFC immer wieder gute Tormöglichkeiten erspielen. Eine davon nutzte abermals Dittrich zum 0:3, als er nach einem Pfostenschuss von Jusić am schnellsten reagierte und die Kugel aus Nahdistanz im Gehäuse unterbrachte (26.).

Spätestens jetzt hätten die Muldestädter den Ernst der Situation erkannt haben sollen, doch auch in der Folgezeit trat keine Besserung im Spiel der Muldestädter ein. In den Zweikämpfen kam man immer einen Schritt zu spät – wenn man sie überhaupt führte –, auf dem Feld fand sich niemand, der die Ärmel hochkrempelte und in dieser kritischen Phase vorne wegmarschiert. Auch die Hintermannschaft der Gäste war, speziell bei hohen Bällen, definitiv nicht sattelfest, was die zwei Torannäherungen von Moritz Griesbach beweisen (27., 32.), doch insgesamt wurde die CFC-Defensive viel zu wenig gefordert. Stattdessen offenbarten die Platzherren im Rückwärtsgang weiterhin große Lücken. Nach einem Heidler-Eckball verfehlte Seidel aus Nahdistanz knapp das FC-Gehäuse (30.), bei einer flachen Kämpfer-Eingabe traf Windsor anschließend nur den Pfosten (35.).

Sicherlich, mit den verletzten Stefan Tröger, Vincent Markus, Robin Brand, Toni Ziffert sowie dem angeschlagenen Matty Goldammer und dem privat verhinderten Michel Schwarz fehlten der Kunert-Elf wichtige Akteure, doch wie leidenschafts- und emotionslos man sich präsentierte und sich dabei von einer Junioren-Mannschaft demütigen ließ, ist einfach schwer zu akzeptieren. Vor allem Lucas Bartsch hatte sich nach sechswöchiger Verletzungspause sein Comeback sicher anders vorgestellt, indem er mit dem kanadischen Neuzugang Alexander Irwin (FSV Martinroda) erstmals die Innenverteidigung des FC bildete. Zwar profitierte Maximilian Sommer per direktem Freistoß vom einem krassen Torwartfehler, was das 1:3 zur Folge hatte (39.), doch auch dieses Geschenk diente den Muldestädtern nicht als Wachmacher. Direkt im Gegenzug spielten Heidler und Kämpfer eine Zwei-gegen-Eins-Überzahlsituation gegen eine aufgerückte Grimmaer Hintermannschaft glücklicherweise unsauber aus (40.), wenig später konnte Kämpfer von der rechten Seite quasi ohne Gegenwehr in den Strafraum eindringen, doch verhinderte Birkigt hier weiteres Unheil (45.). So war der 1:3-Pausenstand letztlich noch das Beste aus Grimmaer Sicht – so kann man sich als Oberliga-Mannschaft nicht im Geringsten präsentieren!

Zwar wurde die Grimmaer Vorstellung in den zweiten 45 Minuten etwas besser, doch war diese nicht ansatzweise gut genug, um gegen einen spielerisch weiterhin gut agierenden Gegner Paroli zu bieten. Vor allem im Spiel gegen den Ball lag auch in der Folgezeit einiges im Argen, so dass sich den Gästen auch nach dem Wechsel genügend Tormöglichkeiten boten. So wurde der einschussbereite Sead Selishta im letzten Moment abgeblockt (51.), gegen den sich resolut auf der linken Seite durchsetzenden Yannick Luib rettete Birkigt bravourös (53.). Chemnitz sündigte derart mit den Gelegenheiten, was den Platzherren letztlich sogar einen Wiedereintritt ins Spiel ermöglicht hätte. So wurde ein Eckball von Jan Hübner per Kopf an den Pfosten verlängert, beim Nachschuss von Kevin Ruppelt reagierte CFC-Schlussmann Alexander Dorfs blendend (56.). Doch blieben diese Möglichkeiten einfach viel zu selten, da im Offensivspiel weiterhin vieles Stückwerk blieb. Wenig Ideen, so gut wie kein Tempo – so war den jungen Chemnitzern nicht beizukommen! Einzig Lucas Bartsch hatte nach einem Getümmel im Chemnitzer Strafraum noch eine Gelegenheit zur Resultatsverbesserung, doch zeigte sich hier Dorfs abermals auf der Hut (80.). Stattdessen blieben die Probleme im Defensiv-Verhalten weiterhin augenscheinlich, was weitere Gegentreffer hätten zur Folge haben können. Gegen den völlig frei vor ihm auftauchenden Hugo Habrich glänzte Birkigt im FC-Tor abermals (65.), eine Minute später konnte Max Weidauer eine feine Vorarbeit von Yannick Wolter nicht verwerten (vorbei, 66.). Die beste Möglichkeit zur Resultatserhöhung ließ allerdings Franz Josef Pawletta ungenutzt, als er eine flache Eingabe von Moritz Schreiber nur um Haaresbreite verpasste (86.).

So blieb es letztlich bei einer völlig verdienten Grimmaer 1:3 (1:3)-Niederlage, welche bei einer besseren Chancenverwertung der Gäste noch weit höher hätte ausfallen können. Alles andere wird Trainer Alexander Kunert mit Sicherheit in der kommenden Trainingswoche mit seinen Spielern besprechen.

Tom Rietzschel


Bilder vom Spiel

Fotos: Karsten Hannover