Testspiel



FC Grimma – FC Bad Lausick 1990  7:1 (0:0)

Grimma: Evers – Schlüter, Maruhn (ab 46. Bouamama), Dietrich, Kurzbach (ab 55. Szepesi) – Tröger, T. Ziffert (ab 46. Engler) – Radig (ab 46. Markus), Schwarz, Henze (ab 46. Jackisch) – Wedehase (ab 46. Brand) – Trainer: Wohllebe

Bad Lausick: Walper (ab 46. Kutzner) – Uebe, Berthold, Richter, Wurche (ab 59. G. Ehrlich) – Ruppelt, E. Ziffert, Streubel, Wild – J. Dust, Th. Dust (ab 75. Großmann) – Trainer: Vierig

Schiedsrichter: Thamke (Großbothen) – Schiedsrichter-Assistenten: Müller (Mutzschen), Weidlich (Otterwisch) – Tore: 1:0 Brand (46.), 2:0 Engler (50.), 3:0 Markus (52.), 4:0 Jackisch (68.), 5:0 Engler (71.), 6:0 Jackisch (75.), 6:1 Großmann (85.), 7:1 Brand (87.) – Gelbe Karten: keine – Reservebänke: keiner – keiner – Zuschauer: 45 im Stadion der Freundschaft zu Grimma

 

Grimma. 45 Minuten pfui hoch drei, dann 45 Minuten durchaus hui – Sachsenligist FC Grimma hat nach der 1:3-Testspielniederlage am Mittwoch gegen den Regionalliga-Aufsteiger BSG Chemie Leipzig seine zweite Vorbereitungspartie erfolgreich gestaltet. Gegen den Landesklassisten FC Bad Lausick siegten die Muldestädter im heimischen Stadion der Freundschaft klar mit 7:1 (0:0). Was die Elf jedoch in den ersten 45 Minuten zu leisten vermochte, wird schnell unter dem Mantel des Schweigens eingehüllt. Auch wenn die Mannschaft erst seit Montag im Training ist, war die gezeigte Vorstellung in Hälfte eins nicht einmal im Ansatz das, was Trainer Daniel Wohllebe im Vorfeld als Marschrichtung ausgab. Dies war schlichtweg einfach viel zu wenig, Anlass zur deutlichen Kritik war in der Halbzeitpause mehr als angebracht. Im zweiten Durchgang war dann viel mehr Tempo im Spiel des Sachsenligisten, man agierte viel spielfreudiger, so dass die Grimmaer nach den 90 Minuten letztlich einen standesgemäßen Sieg verbuchen konnten. Während die – auch trotz des klaren Rückstandes – stets fairen Kurstädter am kommenden Samstag (22.07.) um 14.00 Uhr beim Sachsenligisten VfL 05 Hohenstein-Ernstthal ihre nächste Vorbereitungspartie absolvieren, testen die Wohllebe-Schützlinge zeitgleich im heimischen Stadion der Freundschaft gegen den Oberligisten VfL Halle 96.

In Hälfte eins waren die Muldestädter jedoch ziemlich weit davon entfernt, was man sich vor der Begegnung vorgenommen hatte. Zwar hatte Rocky Wedehase die erste Möglichkeit, als er nach einem Solo an Daniel Walper im Gehäuse der Kurstädter scheiterte (7.), doch insgesamt wirkte man viel zu pomadig, ohne Tempo agierend und spielte viel zu kompliziert. Man verzettelte sich immer wieder in Einzelaktionen, so dass es die anfangs kompakten Gäste nicht allzu schwer hatten, ihr Tor zu verteidigen. Stattdessen hatten die Kurstädter nach folgenschweren Grimmaer Ballverlusten selbst zwei gute Möglichkeiten. Zunächst strich ein Schuss von Jeremy Dust knapp über den Querbalken (9.), kurz darauf zielte Kevin Ruppelt nach einem Sololauf, allein vor Grimmas Keeper Jan Evers auftauchend, etwas zu ungenau (12.). Die Gastgeber hatten im Spiel nach vorn extrem viel Luft nach oben, konstruktive Offensivaktionen waren an einer Hand abzuzählen. So scheiterte Franz Henze mit einem Distanzschuss am gut reagierenden Walper (20.), bei einer gefährlichen Eingabe von Michel Schwarz von der linken Seite rettete Richter in höchster Not (34.). Die beste Gelegenheit vor der Pause ließ jedoch erneut Wedehase verstreichen, der, nachdem er von Dennis-Sven Radig gut eingesetzt wurde, allein auf das Gehäuse zulaufend, die Kugel allerdings am Kasten vorbeisetzte (45.+1). Insgesamt war die Vorstellung des Sachsenligisten in den ersten 45 Minuten jedoch absolut enttäuschend. Da kann auch der Fakt, erst in dieser Woche mit dem Training begonnen zu haben und eine Reihe neuer Spieler integrieren zu müssen, nicht als Ausrede geltend gemacht werden.

In den zweiten 45 Minuten sah man dann eine wie verwandelt wirkende Grimmaer Mannschaft. Mit den Einwechslungen von Christoph Jackisch, Robin Brand, Rico Engler und Vincent Markus kam sofort viel mehr Tempo ins Offensivspiel der Muldestädter. Innerhalb von sechs Minuten nach Wiederanpfiff hatte der Favorit einen 3:0-Vorsprung herausgearbeitet. Zunächst köpfte Brand nach guter Vorarbeit von Tröger per Kopfball-Bogenlampe zum 1:0 ein (46.), anschließend setzte der Torschütze sehenswert den durchlaufenden Engler in Szene, der Kutzner per Heber zum 2:0 überwand (50.). Als Jackisch kurz darauf den rechtzeitig startenden Markus glänzend bediente, blieb dieser im Eins-gegen-Eins-Duell mit Kutzner der Sieger und erhöhte auf 3:0 (52.). Damit hatten die Gastgeber binnen kurzer Zeit gezeigt was möglich ist, in der Folgezeit wurde es quasi ein Spiel auf ein Tor. Zunächst zielte Engler nach guter Vorarbeit von Bence Szepesi etwas zu hoch (56.), anschließend konnte Brand, nach hervorragendem Markus-Querpass, Bad Lausicks Schlussmann Kutzner aus Nahdistanz nicht überwinden (57.). Sequenzen später fehlten bei einem Jackisch-Versuch die berühmten Zentimeter (58.). Bad Lausick wehrte sich zwar weiterhin nach Kräften, doch außer einem Schuss von Jeremy Dust, welchen Evers glänzend entschärfte (70.), gelang den Gästen offensiv nichts Zwingendes. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Gastgeber das Ergebnis jedoch schon weiter hochgeschraubt. Nach sehenswerter Einzelleistung von Bilal Bouamama über die linke Seite verwerte Jackisch dessen Eingabe per Kopf aus Nahdistanz – 4:0 (68.). Im Anschluss daran legten die Muldestädter einen weiteren Zwischenspurt ein. Wollte Engler im Strafraum der Kurstädter zunächst den besser postierten Brand bedienen, fiel ihm das Streitobjekt nach Richters Rettungsversuch wieder vor die Füße – Kutzner hatte gegen den platzierten Schuss ins lange Eck zum 5:0 ebenso wenig eine Abwehrchance, wie beim 6:0 durch Jackisch, der mit einem Flachschuss ins äußerste Eck erfolgreich war (71., 75.). Zwischendurch hätte Brand, welcher gut von Markus eingesetzt wurde, weiter erhöhen können, doch ließ er diese gute Gelegenheit ungenutzt (73.). Damit schien der Torhunger der Gastgeber nun gestillt zu sein. Man agierte fortan zu sorglos, schaltete leicht zurück und agierte in der Endphase etwas zu unkonzentriert. Jeremy Dust traf nach einem Konter der Kurstädter zunächst nur die Lattenunterkante, wobei die Kugel im Anschluss daran zurück ins Spielfeld sprang (76.). So kamen die Gäste zum Ehrentreffer, welchen sie sich auch durch ihren nimmermüden Einsatz verdient hatten. Wiederum von Dust eingeleitet, zog Großmann von der Strafraumgrenze ab – Evers hatte beim 6:1 gegen diesen platzierten Flachschuss ins Eck nicht die Spur einer Abwehrchance (85.). Allerdings stellten die Einheimischen 120 Sekunden später den alten Abstand wieder her. Brand ließ sich, allein vor dem Gäste-Gehäuse, diesmal die Chance nicht entgehen und überwand Kutzner mit einem eleganten Lupfer – 7:1 (87.). In der Schlussminute hätten die Platzherren das Resultat gar noch weiter ausbauen können, doch scheiterten sowohl Schwarz am gut reagierenden Kutzner (90.), als auch Jackisch, dessen Schuss um Zentimeter den Kasten verfehlte (90.+1).

Fazit: Zwei grundverschiedene Grimmaer Halbzeiten, wobei eindeutig zu sehen war, dass es

nur mit einer halben Arschbacke, wie in Hälfte eins, einfach nicht geht. In den zweiten 45 Minuten erlebten die Zuschauer dann eine deutliche Steigerung der Muldestädter, so dass letztlich noch ein standesgemäßer Sieg eingefahren wurde. An der Vorstellung der zweiten 45 Minuten gilt es nun anzuknüpfen – das sah durchaus nach Fußball aus.

Tom Rietzschel

 

Bericht des Gegners

Grimma. Unterschiedlicher können zwei Halbzeiten eines Testspiels, wie jetzt zwischen dem FC Grimma und dem FC Bad Lausick, kaum ablaufen. Das 0:0 nach 45 Minuten war für die Kurstädter nicht nur aller Ehren wert sondern drückte auch das Geschehen auf dem Rasen aus. In Halbzeit zwei fielen dann acht Tore – sieben davon im Kasten der Gäste.

Immer wieder gelang den Gästen schnelle Spielzüge, die den Landesligisten im Rückwärtsgang doch vor einige Probleme stellte. Grimma hatte durch Wedehase zwar die erste gute Chance, Daniel Walper klärte mit Fußparade (8.), doch schon im Gegenzug tankte sich Jeremy Dust mit Glück und Geschick gegen mehrere Grimmaer Kicker durch, zog den Ball dann allerdings übers rechte Eck. Dann war es Kevin Ruppelt, der ähnlich stark über die linke Seite antrat, doch auch sein Schuss landete knapp neben dem Tor des Gastgebers (12.). Eine Rettungsaktion per Kopf gelang Andreas Streubel fast auf der eigenen Torlinie (20.), ein sicherer FC-Hüter bei einem Schuss Wedehases von der Strafraumgrenze (44.), mehr war es nicht, was der Gastgeber bis zur Pause zu bieten hatte.

Das gefiel Grimmas Trainer, der in dieser Saison auf einen Kader von 24 Spielern zurückgreifen kann, offenbar überhaupt nicht und ehe die Gäste wussten was los war, lagen sie innerhalb von fünf Minuten 0:3 zurück. Permanent wurde Druck aufgebaut, die Kurstädter bereits an ihrer Strafraumgrenze attackiert, auch Versuche die Grimmaer ins Abseits laufen zu lassen, klappten selten bis überhaupt nicht und so wurde der nun im Kasten stehende Patrick Kutzner zum tragischen Helden. Denn weder gegen den Kopfball Brands, noch gegen die jeweils allein vor ihm auftauchenden Engler und Markus hatte er Chancen entscheidend einzugreifen, da sich die Grimmaer den Ball selbst im Straf- und Torraum nochmals zuspielen konnten. Zwischen dem 4 und 5:0, die nach dem gleichen Muster herausgespielt wurden, hatte Thies Dust die erste nennenswerte Chance für die Gäste – doch Evers im Tor war zur Stelle (70.). Das 6:0 der Grimmaer beantwortete sein Bruder Jeremy mit einem fulminanten Schuss unter die Latte nachdem ihm Streubel den Ball exakt in den Lauf gelegt hatte (75.). Mehr Erfolg war Toni Großmann beschieden, der aus 16 Metern Maß nahm und Evers mit einem satten Schuss ins linke Eck überwand. Den Schlusspunkt setzte allerdings dann der Gastgeber. Brand war es damit vorbehalten die Trefferflut der zweiten Halbzeit eingeleitet und beendet zu haben.

Der nächste Test führt die Kurstädter am kommenden Samstag zum nächsten Landesligisten nach Hohenstein-Ernstthal.

Quelle: Hans-Peter Weiske | www.fc-badlausick-1990.de