Wernesgrüner-Sachsenpokal | 2. Hauptrunde



FC Grimma – FC Eilenburg 1:3 n.V. (1:0, 1:1, 1:2, 1:3)

Grimma: Evers– Schlüter, Maruhn, M. Dietrich, Ziffert (ab 75. Markus) – Tröger, Horn – Jackisch (ab 83. Radig), Engler, Wiegner (ab 86. Wedehase) – Brand – Trainer: Wohllebe

Eilenburg: Naumann – Winkler, Majetschak, Vogel – Klemm (ab 63. Stöbe), Heidel – Bartlog (ab 55. Kummer), Zeiße (ab 63. Sauer), Fiedler, Röhrborn – Stelmak – Trainer: i.V. Virag

Schiedsrichter: Jacob (Dresden) – Schiedsrichter-Assistenten: Schiebe (Dresden), Gentz (Freital) – Tore: 1:0 Bartlog (21., Selbsttor), 1:1 Vogel (90.+1), 1:2, 1:3 Stelmak (105., 117.) Gelbe Karten: M. Dietrich (Foulspiel – 29.), Ziffert (Foulspiel – 34.), Engler (Foulspiel – 88.) – Röhrborn (Foulspiel – 56.), Kummer (Foulspiel – 61.) – Rote Karten: Wedehase (Grimma) wegen groben Foulspiels (87.) – Reservebänke: Birkigt (Tor), Bouamama, Schabram – Thomas (Tor), Schmidt, R. Dietrich, Döbelt – Zuschauer: 121 im Stadion der Freundschaft zu Grimma

 

Grimma. Sekunden haben den FC Grimma an der Überraschung gefehlt – gegen den Oberligisten FC Eilenburg führte der Sachsenligist bis in die Nachspielzeit hinein knapp mit 1:0. Waren die Platzherren gegen den höherklassigen Gegner absolut ebenbürtig, hatte man mehrfach die Möglichkeit die Partie zu seinen Gunsten endgültig zu entscheiden. Allein die abermals fahrlässige Chancenverwertung und eine für alle Betrachter völlig überzogene und absolut unangebrachte Rote Karte für den gerade eingewechselten Rocky Wedehase, der wegen angeblichen groben Foulspiels vom Platz gestellt wurde (87.), machte dem Vorhaben einen gewaltigen Strich durch die Rechnung. Dies brachte die Gäste in der Endphase noch einmal auf den Plan, die in der Nachspielzeit gerade noch einmal den Kopf aus der Schlinge zogen, als ein Schuss von Vogel unhaltbar zum 1:1 im Grimmaer Gehäuse einschlug (90.+1). In der Verlängerung spielten die Eilenburger dann ihre nummerische Überlegenheit aus, ein Doppelpack des US-Amerikaner Stelmak riss die Einheimischen letztlich aus allen Drittrunden-Träumen (105., 117.). Nichtsdestotrotz verdienten sich die Schützlinge von Trainer Daniel Wohllebe ein dickes Kompliment, über einen Grimmaer Einzug in die nächste Runde hätten sich die Nordsachsen nicht beschweren dürfen. Während sich der Sachsenligist nun fortan auf die Aufgaben in der Meisterschaft konzentrieren kann, hoffen die Eilenburger in der 3. Runde auf einen lukrativen Gegner. Beide Vertretungen haben am kommenden Wochenende in ihren Spielklassen Heimrecht. Während die Grimmaer in der Sachsenliga am Samstag um 14.00 Uhr die BSG Stahl Riesa empfangen, hat der FC Eilenburg in der Oberliga am Sonntag um 14.00 Uhr den VFC Plauen zu Gast.

Von Beginn entwickelte sich im Stadion der Freundschaft ein Duell auf Augenhöhe. Eilenburg schlug technisch erwartungsgemäß die etwas feinere Klinge, doch die Platzherren hielten mit ihrer Kampfkraft und ihrer Physis frühzeitig dagegen. Zwingende Tormöglichkeiten erarbeiten beide Teams zunächst jedoch kaum. Auf Grimmaer Seite zischte ein Freistoß von Jackisch weit über den Querbalken (7.), bei den Eilenburgern verzog Bartlog, nachdem dieser von Klemm auf die Reise geschickt wurde (10.). Beide Teams neutralisierten sich weitgehend, nur allzu selten kamen beide Teams in die torgefährliche Zone. Den Gästen gelang dies jedoch einmal, als Zeiße mit einem öffnenden Pass Fiedler in Szene setzte, Vogel die flache Eingabe jedoch nicht verwerten konnte (17.). Die Platzherren machten geschickt die Räume eng und versuchten ihrerseits Nadelstiche zu setzen. So zum Beispiel, als Kevin Wiegner sich – trotz seiner Schnelligkeit – scheute am Eilenburger Strafraum die Eins-gegen-Eins-Situation zu suchen und die Kugel anschließend auf Rico Engler quer passte, dessen Schuss jedoch weit das Gehäuse verfehlte (13.). Die Gastgeber agierten durchaus selbstbewusst, was den anschließenden Führungstreffer zur Folge hatte – obwohl die Gäste dabei entscheidend mithalfen. Als Engler eine langgezogene Flanke von Philipp Schlüter per Kopf verlängerte, wollte der Eilenburger Bartlog die Kugel zu seinem Schlussmann zurückköpfen, doch senkte sich das Streitobjekt über den sich vergeblich streckenden Naumann zum 1:0 in die Maschen (21.). Zwar versuchten die Gäste den Schaden noch vor dem Halbzeitpfiff umgehend zu reparieren, doch zwingend wurde der Oberligist kaum. Ein Distanzschuss von Zeiße strich ebenso am Grimmaer Kasten vorbei wie ein Kopfball von Majetschak nach einem Fiedler-Eckball (26., 43.). Die Gastgeber agierten im Defensivbereich äußerst kompakt, so dass es mit einer knappen Grimmaer Halbzeitführung in die Pause ging.

Auch zu Beginn des zweiten Durchgangs änderte sich am Spielverlauf recht wenig. Die Gastgeber agierten weiterhin höchst diszipliniert, Eilenburg fand kaum Mittel. Nach knapp einer Stunde wurden beide Teams dann wieder gefährlich. So hatten die Gäste den Ausgleich auf dem Stiefel, als Fiedler von Stelmak gut in Szene gesetzt wurde, der Mittelfeld-Akteur jedoch nur das Außennetz traf (62.). Wenig später jubelte der Eilenburger Fanblock schon, als sich Kummer nach einer unübersichtlichen Situation im Grimmaer Strafraum eigentlich die Ecke aussuchen konnte, doch Mirko Dietrich mit einer Rettungsaktion auf der Torlinie den Ausgleich verhinderte (65.). Doch auch die Platzherren hatten zwingende Gelegenheiten, welche eigentlich zur Erhöhung des Resultats hätten führen müssen. Klasse von Felix Horn eingeleitet, lief Wiegner von halblinks allein auf Naumann zu, doch schob er die Kugel knapp am Gehäuse vorbei (63.). Wenig später fand ein Jackisch-Freistoß von rechtzeitig einlaufenden Toni Ziffert, doch kratzte Naumann die Kugel aus dem Eck (68.). Die Gastgeber blieben am Drücker, doch vergaßen sich die Wohllebe-Schützlinge selbst zu belohnen. Dabei verpasste es Engler zweimal sein Team auf die Siegerstraße zu bringen. Zunächst wurde sein Linksschuss vom Pfosten aufgehalten (74.), anschließend versagten ihm die Nerven, als er von halblinks allein auf Naumann zulief und die Kugel über den Kasten jagte (79.). Die Einheimischen verpassten das zweite Tor, dies hätte diese Partie vermutlich entschieden. Nach gutem Zusammenspiel mit Engler versuchte sich Jackisch von halblinks mit einem Schuss von der Strafraumgrenze, doch riss Naumann hier rechtzeitig die Fäuste hoch (82.). Die fahrlässige Grimmaer Chancenverwertung hielt den Oberligisten im Spiel, welcher in der Endphase alles oder nichts spielte. Allerdings wurde der FCE nur bei Freistößen gefährlich. Der erste, von Majetschak getreten, zischte knapp über den Querbalken (84.). Beim zweiten, von Fiedler adressiert, trudelte durch Freund und Feind hindurch, doch ein glänzend reagierender Jan Evers bewahrte sein Team vor dem Ausgleich (89.). Zu diesem Zeitpunkt war der Sachsenligist jedoch schon in Unterzahl – warum weiß allerdings kein Mensch. Der Sekunden vorher eingewechselte Wedehase brachte in der Eilenburger Hälfte Gäste-Kapitän Heidel zu Fall, nicht mehr und nicht weniger. Heidel stand sofort wieder auf, die Situation schien erledigt. Warum Schiedsrichter Jacob (Dresden) diese Attacke sofort mit Rot bewertete, wo nicht mal im Geringsten eine Absicht den Gegner zwingend verletzen zu wollen gewährleistet war, bleibt das Geheimnis des Referees (87.). Eine total unfassbare und absolut groteske Entscheidung des Schiedsrichters, was die Platzherren zusätzlich auf die Palme brachte und letztlich das Spiel maßgeblich beeinflussen sollte. Wenn man die Aktion des Eilenburgers Kummer im Vergleich dazu sieht, welcher Mitte der zweiten Hälfte am Grimmaer Strafraum Mirko Dietrich mit gestrecktem Bein rücksichtslos ummähte und daraufhin nur verwarnt wurde (61.), kann man diesen Platzverweis nur als groben Scherz des Schiedsrichters bezeichnen. Doch alles lamentieren nützt nichts, schließlich hätten die Einheimischen das Spiel zu diesem Zeitpunkt längst zu ihren Gunsten entscheiden müssen. Eilenburg nutzte die plötzlich auftretende Grimmaer Unordnung und glich in der Nachspielzeit doch noch zum 1:1 aus. Nach einem weiten Ball brachten die Platzherren das Streitobjekt nicht entscheidend aus der Gefahrenzone – Vogel nahm von der Strafraumgrenze Maß und katapultierte die Kugel unhaltbar zum Ausgleich in die Maschen (90.+1). Die Nordsachsen retteten sich damit in die Verlängerung – glaubten alle. Doch den Matchball hatten die Gastgeber. Glänzend erkämpfte sich der eingewechselte Markus auf der rechten Seite den Ball und passte im Anschluss quer auf den mitgelaufenen Engler, doch machte Naumann gerade noch rechtzeitig das kurze Eck dicht (90.+4).

In der Verlängerung sollte es für den Sachsenligisten erwartungsgemäß schwer werden. In den 90 Minuten hatte man einfach sehr viel Körner gelassen, weiterhin sollte der späte Ausgleich sowie die Überzahl psychologisch einen großen Eilenburger Vorteil darstellen. Und genau so sollte es letztlich auch kommen, obwohl die Gastgeber die erste Möglichkeit besaßen. Robin Brand zog per Direktabnahme von der Strafraumgrenze ab, hauchzart zischte die Kugel über den Querbalken (94.). Doch in der Folgezeit verlagerte sich das Geschehen immer mehr in die Grimmaer Hälfte. Eilenburg spielte die Überzahl geduldig aus, die Einheimischen mussten mehr und mehr hinterherlaufen. So scheiterte zunächst Sauer am glänzend reagierenden Evers (95.), beim Schuss von Röhrborn half das Lattenkreuz (104.). Was sich fortan mehr und mehr andeutete, wurde dann kurz vor Ende der ersten Hälfte der Verlängerung Gewissheit. Perfekt lief Stelmak in eine gut getimte Kummer-Flanke, wobei Evers gegen den Kopfball aus Nahdistanz keine Chance hatte – 1:2 (105.).

Zwar versuchten die Gastgeber – auch in Unterzahl – im zweiten Durchgang der Verlängerung das Blatt noch einmal wenden zu können, doch hielt die Eilenburger Defensive problemlos stand. Trainer Daniel Wohllebe lockerte die Defensive komplett und riskierte alles, was den Gästen natürlich genügend Räume zum Kontern geben sollte. Einen von solchen Schnellangriffen hätte Kummer zum 1:3 abschließen müssen, doch entscheidend von Dietrich am Torschluss gehindert, verzog der Eilenburger am kurzen Eck (116.). Die Platzherren packten in der Endphase die Brechstange aus, doch sollte auch dies nicht den gewünschten Erfolg bringen. Stattdessen machten die Gäste kurz vor Schluss endgültig den Deckel drauf. Gegen eine weit aufgerückte Grimmaer Hintermannschaft setzte sich Stelmak auf der rechten Seit resolut im Zweikampf gegen den Grimmaer Torhüter Evers durch und lief quasi mit dem Ball zum 1:3 ins verwaiste Tor (117.). Damit war die endgültige Entscheidung gefallen.

Fazit: Hut ab vor der Grimmaer Mannschaft, die gegen den höherklassigen Gegner nah dran war eine Überraschung zu schaffen. Allerdings belohnte man sich nicht für den couragierten und disziplinierten Auftritt, die Möglichkeiten dazu waren zweifelsohne vorhanden. Durch dieses Spiel hat die Elf einiges an Selbstvertrauen getankt, was für die kommenden Sachsenliga-Aufgaben natürlich sehr wichtig ist. Die Enttäuschung über das Ausscheiden und vor allem über das Wie ist natürlich vorhanden, doch kann die Mannschaft gestärkt aus diesem Duell gehen.

Tom Rietzschel

 

Bericht der Presse

Grimma. Das war knapp! Der FC Eilenburg hat das Tor zur 3. Runde im Sächsischen Landespokal beim FC Grimma ganz spät aufgestoßen. Erst in der Schlussminute bewahrte Neuzugang Alexander Vogel sein Team mit einem unhaltbaren Schuss von der Strafraumgrenze vor dem K.o. Vogels Tor bedeutete das 1:1 und damit die Verlängerung. In dieser gingen Grimma die Kräfte aus und Eilenburgs Torjäger Branden Stelmak machte mit zwei Treffern alles klar.

Der US-Amerikaner weckt mit seinem Torriecher Begehrlichkeiten. Regionalligist Chemie Leipzig streckte seine Fühler aus, warb heiß und heftig um die Gunst des Stürmers. Ein möglicher Wechsel, über den letzte Woche diskutiert worden war, ist vom Tisch. „Branden bleibt ein Eilenburger“, erklärte FCE-Präsident Steffen Tänzer.

Auch wenn sich Stelmak gegen Grimma oftmals zu spät vom Ball trennte, ist er mit seiner Spielweise immer ein Unruheherd. Unruhe stiftete allerdings zunächst Christoph Bartlog. Nach einer harmlosen Flanke der Grimma köpfte der Flügelflitzer über Andreas Naumann hinweg ins eigene Tor. Naumann stand erstmals im Kasten des FC Eilenburg und hatte sich sein Debüt garantiert anders vorgestellt. Manch einem würden danach die Nerven flattern, der regionalligaerfahrene Naumann blieb ein Eisvogel und wurde vor allem mit Glanztaten in der zweiten Halbzeit zum „Man of the match“. Wer nicht dabei war, konnte sich das Spiel so vorstellen: Eilenburg hatte gefühlt 70 Prozent Ballbesitz, verhedderte sich aber immer wieder und machte einfachste Fehler.

„Wir waren weit weg von unserer Bestform und trotzdem spielerisch und läuferisch klar überlegen“, schätzte Bela Virag das Geschehen ein. Der Sportliche Leiter des FCE übernahm

das Kommando für das verhinderte Duo Nico Knaubel/Frank Thiele. Dem Gast spielte auch eine unnötige Aktion von Heißsporn Rocky Wedehase in die Karten. Der Ex-Eilenburger langte kurz nach seiner Einwechslung übel gegen FCE-Kapitän Sebastian Heidel hin und sah Rot (82.). Während Grimma vor offiziell nur 120 Zuschauern der Saft ausging, drehte Eilenburg auf. Vogels Linksschuss aus 16 Metern bescherte die Verlängerung.

Quelle: Susan Stephan | Delitzsch-Eilenburger Zeitung


Bilder vom Spiel

Fotos: Karsten Hannover