Sachsenliga | 3. Spieltag



Reichenbacher FC – FC Grimma 2:2 (1:0)

Reichenbach: Hettwer – Albert, Vogel (ab 87. Gemeinhardt), Particke, Seidel – Papkalla, Strobel – Pechtl, Dressel, Meyer (ab 76. Petrovics) – Schwandner (ab 62. Süß) – Trainer: Färber

Grimma: Birkigt – Schlüter, Maruhn, Dietrich, Kurzbach (ab 65. Wedehase) – Tröger, Theinert – Markus (ab 46. Engler), Brand, Jackisch – Wiegner (ab 71. Radig) – Trainer: Wohllebe

Schiedsrichter: Hempel (Großnaundorf) – Schiedsrichter-Assistenten: Krahl (Schmerlitz), Lorenz (Dresden) – Tore: 1:0 Dressel (18.), 2:0 Schwandner (51.), 2:1 Engler (66., Foulstrafstoß – Meyer an Brand), 2:2 Theinert (85.) – Gelbe Karten: Seidel (Foulspiel – 90.+4) – Jackisch (Foulspiel – 46.), Kurzbach (Foulspiel – 53.), Theinert (Foulspiel – 90.), Dietrich (Unsportlichkeit – 90.+1) – Rote Karten: Maruhn (Grimma) wegen einer Tätlichkeit (78.) – Gelb-Rote Karten: Papkalla (Reichenbach) wegen Foulspiel/Unsportlichkeit (90.+1) – Reservebänke: Bößneck (Tor), Schaller – Evers (Tor), Ziffert – Zuschauer: 145 im Stadion am Wasserturm zu Reichenbach

 

Reichenbach. Der FC Grimma hat sich am 3. Spieltag der Sachsenliga mit einem Teilerfolg zufriedengeben müssen. Beim Reichenbacher FC erreichte die Mannschaft von Trainer Daniel Wohllebe ein 2:2 (0:1)-Unentschieden und bog binnen 20 Minuten einen 0:2-Rückstand noch in ein Remis um. Doch soweit hätte es eigentlich gar nicht kommen dürfen. Wieder einmal offenbarten die Muldestädter in Sachen Chancenverwertung gewaltige Mängel, was der Elf letztlich nicht zum ersten Mal auf die Füße fiel. Hinzu kam, dass man bei beiden Gegentreffern kräftig Pate stand und sich damit in eine sehr bedrohliche Situation brachte. Jedoch retteten die Gäste dank einer enormen Willensleistung und großen Moral letztlich wenigstens noch einen Punkt, so dass in einer überlegen geführten Partie wenigstens noch ein Zähler ergattert wurde – was in Anbetracht der Spielanteile und der sich bietenden Möglichkeiten eigentlich viel zu wenig war. Unentschuldbar dagegen war die Rote Karte gegen Stefan Maruhn, der sich Mitte der zweiten Hälfte zu einer Tätlichkeit hinreißen ließ und somit den Muldestädtern erst einmal über Wochen nicht zur Verfügung stehen wird (78.). Im Sachsenpokal-Match gegen den Oberligisten FC Eilenburg am Samstag um 14.00 Uhr im heimischen Stadion der Freundschaft könnte der Innenverteidiger spielen, im folgenden Meisterschaftsspiel gegen die BSG Stahl Riesa mit Sicherheit nicht.

Dabei musste Trainer Daniel Wohllebe im Vorfeld zwei Umstellungen im Team vornehmen. Für den angeschlagenen Jan Evers hütete Pascal Birkigt das Tor, der innerhalb der Trainingswoche auf Lehrgang befindliche Rico Engler wurde durch Kevin Wiegner ersetzt. Doch begannen die Gäste wie die Feuerwehr, frühzeitig wurde das Heft des Handelns in die Hand genommen. Bereits in den ersten fünf Minuten erarbeiteten sich die Gäste vier gute Möglichkeiten. Im Anschluss eines Eckballs von Christoph Jackisch rettete Papkalla auf der Linie nach einem Schuss von Robin Brand (2.). Nachdem er von Max Theinert klasse in Szene gesetzt wurde, verfehlte Vincent Markus frei vor dem RFC-Gehäuse knapp das Ziel (3.). Zu Beginn ging es nur in eine Richtung, Reichenbach konnte sich zunächst kaum befreien. Nach guter Vorarbeit von Wiegner scheiterte Jackisch am gut reagierenden Hettwer (4.), ein Durcheinander im Fünfmeterraum der Einheimischen konnte Philipp Schlüter nicht nutzen (5.). Bereits in dieser Anfangsphase hätten die Muldestädter in Führung gehen müssen, was für den folgenden Spielverlauf mit Sicherheit von Vorteil gewesen wäre. Die Vogtländer brauchten eine gewisse Zeit um sich von dem Grimmaer Druck zu befreien, bei zwei Distanzschüssen von Dressel zeigte sich Birkigt auf dem Posten (11., 15.). Doch bereits drei Minuten später schauten die Gäste zum ersten Mal dumm aus der Wäsche. Anstatt die Partie mit einem frühen Tor in die richtigen Bahnen zu lenken, lag man kurzerhand in Rückstand. Dressel profitierte zunächst von einem Missverständnis zwischen Kurzbach und Jackisch und ließ im Anschluss daran Birkigt mit einem platzierten Flachschuss von der Strafraumgrenze keine Chance – 1:0 (18.). Der Spielverlauf war damit völlig auf den Kopf gestellt, doch hatten dies einzig die Gäste zu verantworten. Allerdings versuchten die Grimmaer prompt den Schaden zu reparieren. Eine scharfe Eingabe von Jackisch durch den Fünfmeterraum verpassten sowohl Freund als auch Feind (19.), eine Direktabnahme von Brand pfiff nur hauchzart über den Querbalken (26.). Die Platzherren machten es mit der Führung im Rücken noch enger, zwingende Offensivaktionen blieben ihrerseits recht rar. Einzig Schwandner testete per Kopf nach einer Meyer-Flanke noch einmal die Reaktionsfähigkeit von Birkigt, doch lenkte der Keeper die Kugel über die Latte (33.). Auf der Gegenseite besaßen die Gäste kurz vor dem Pausenpfiff die nächste Gelegenheit zum Ausgleich. Jackisch brachte einen Eckball scharf vor das Tor, doch fischte Hettwer den Flugkopfball Brands aus dem unteren Eck (44.). Mit einem in Anbetracht der liegengelassenen Möglichkeiten unfassbaren 0:1-Rückstand ging es aus Grimmaer Sicht in die Halbzeitpause.

Wer dachte, dass es schlimmer nicht kommen konnte, wurde zu Beginn des zweiten Durchganges eines Besseren belehrt. Zunächst wurde Dressel trotz Grimmaer Überzahl am Flanken nicht gehindert, anschließend verließ sich Abwehrchef Mirko Dietrich auf ein Kommando seines Schlussmannes – Schwandner spritzte dazwischen und lochte zum 2:0 ein (51.). Die folgenden Minuten waren von Grimmaer Konfusion geprägt, dieser Gegentreffer hatte deutliche Signalwirkung hinterlassen. Theinert wurde von Birkigt durch ein riskantes Zuspiel am eigenen Strafraum böse in Bedrängnis gebracht, doch konnte Schwandner diese Gelegenheit nicht nutzen (54.). Doch im Anschluss daran bewiesen die Gäste Moral. Man krempelte fortan die Ärmel hoch und versuchte diese mehr als verfahrene Situation dennoch irgendwie noch zu retten. Sehr gut von Tröger in Szene gesetzt, rettete Hettwer in Gemeinschaftsproduktion mit dem Pfosten bei einem Versuch von Brand (56.), Jackisch scheiterte allein vor dem RFC-Gehäuse am gut reagierende Reichenbacher Keeper (59.). Grimma verzweifelte teilweise schon am eigenen Unvermögen, als man von den Einheimischen kurzerhand wieder ins Spiel gebracht wurde. Recht unkonventionell ging Meyer im eigenen Strafraum im Duell mit Brand zu Werke – Schiedsrichter Hempel (Großnaundorf) zeigte sofort auf den Punkt. Der eingewechselte Engler ließ sich die Chance nicht nehmen und versenkte den Strafstoß souverän zum 2:1-Anschlusstreffer (66.). Die Gäste waren fortan wieder im Spiel, Brand scheiterte mit einem weiteren Versuch an Hettwer (68.). Die Vogtländer zogen sich mehr und mehr zurück, einzig nach einem Konter, als Meyer das Abschlussglück fehlte, wurden die Platzherren noch einmal gefährlich (76.). Die Muldestädter drückten nun mit Macht, doch in diese Drangphase wurde man durch eine Unbeherrschtheit arg zurückgeworfen. Vor einem eigenen Freistoß ließ sich Maruhn gegen Strobel zu einer Tätlichkeit hinreißen und wurde von Referee Hempel mit glatt Rot des Feldes verwiesen (78.). Doch mit dieser Situation konnten die Gastgeber in der Folgezeit noch weniger anfangen. Reichenbach verbarrikadierte sich in der eigenen Hälfte, die sich bietenden Kontermöglichkeiten spielten die Gastgeber in der Entstehung seht schlecht aus. Die Gäste ruckten bis zum Ende weiter an und wurden mit dem mehr als verdienten Ausgleich belohnt – auch wenn die Einheimischen dabei stark mithalfen. Einen Freistoß von Theinert aus beträchtlicher Distanz ließ der bis dahin sehr gute Hettwer völlig überraschend aus den Händen gleiten, so dass die Kugel zum 2:2 ins Netz trudelte (85.). Nun wollten die Wohllebe-Schützlinge – obwohl in Unterzahl agierend – natürlich noch mehr. Die Schlussphase wurde extrem hektisch, da die Gastgeber nun mit Mann und Maus den Punkt verteidigen wollten. So musste auch der bereits verwarnte Reichenbacher Papkalla vorzeitig das Spielfeld verlassen, als er nach einem Schamützel mit Dietrich mit Gelb-Rot vom Platz gestellt wurde (90.+1). Grimma drückte bis zum Ende und hatte mit zwei Freistößen sogar den Sieg auf dem Fuß. Torschütze Theinert versuchte sich zunächst per Aufsetzer und stellte Hettwer damit vor erneute Probleme (89.). Als nach einem Jackisch-Freistoß alle Akteure verpassten, hatte man im Gäste-Lager bereits den Torschrei auf den Lippen, doch lenkte der Reichenbacher Schlussmann die Kugel mit letzter Kraft über den Querbalken (90.+4.).

So blieb es letztlich beim 2:2-Remis, in der für die Grimmaer aufgrund der fahrlässigen Chancenverwertung natürlich mehr möglich gewesen wäre. Allerdings steht auch zu Buche, dass man einen 0:2-Rückstand in Unterzahl noch zum Unentschieden umbog, was die Moral der Truppe unterstreicht. Dies ist natürlich extrem positiv, obwohl man bemerken muss, dass man sich hätte niemals in diese bedrohliche Situation hätte bringen müssen.

Tom Rietzschel

 

Bericht des Gegners

Reichenbach. Einen Punkt gewonnen oder zwei verloren? Im Vorfeld der Partie gegen einen der Staffelfavoriten hätte wohl jeder ein Unentschieden unterschrieben, nach dem Ende aber nicht. Schließlich hat der RFC einen 2:0-Vorsprung aus der Hand gegeben und den Ausgleich praktisch selbst geschossen. Doch der Reihe nach: Das Endresultat entsprach durchaus dem Spielverlauf, aber noch nie waren die Reichenbacher so dicht an einem vollen Erfolg gegen die Muldestädter. Ausgerechnet einer der Besten, RFC-Schlussmann Patrick Hettwer patzte beim 2:2, als er einen hohen Freistoß von Theinert, kurz hinter der Mittellinie abgegeben, aus den Händen fallen ließ und die Kugel ins Netz einschlug. „Das war bitter, weil Hette uns bis dahin mit einigen Paraden im Spiel hielt. Aber so ist eben das Schicksal einer Nummer eins. Der kann vorher toll halten, um dann mit einem einzigen Fehler ein Gegentor einzuleiten. Weiter vorn wird über Fehler nicht gesprochen. Da kann ein Stürmer oft reihenweise Großchancen versieben. Deshalb sind Vorwürfe auch völlig fehl am Platz. Letztlich hätten wir bei unseren Kontern die Fehler miniminieren müssen“, sagte Kapitän Steffen Vogel nach dem Abpfiff, der dennoch der Partie nach dem gefühlten Last-Minute-Ausgleich positive Dinge abnahm. „Schließlich haben wir wieder gezeigt, dass wir gegen jeden der Liga mithalten können, wenn wir kompakt auftreten.“

Grimma machte vom Anpfiff weg kein Hehl an der Sache, mit drei Zählern zurückzufahren und legte ein höllisches Tempo vor. In den ersten fünf Minuten brannte es gleich dreimal lichterloh im RFC-Strafraum. Papkalla kratzte Brands Versuch von der Linie. Markus spitzelte knapp am linken Pfosten vorbei und Hettwer entschärfte gedankenschnell Jackischs Schuss. Von der Umklammerung konnten sich die Hausherren erst nach einer Viertelstunde befreien. Dressel probierte es dann einmal aus dem Hinterhalt, doch fehlte ihm die Schärfe. Wenig später machte er es besser. Von Pechtl nach einem Einwurf aufgelegt, nahm er aus dem Hinterhalt Maß. Sein flach abgegebener Ball schlug im rechten unteren Eck ein – 1:0. Gleich die erste dicke Möglichkeit saß. Fortan gestaltete der RFC das Geschehen ausgeglichener und hätte bei seiner zweiten sogar erhöhen können. Meyers Eingabe erwischte Schwandner mit dem Kopf, riss der Gäste-Schlussmann aber die Arme nach oben und lenkte das Streitobjekt über den Balken. Auf der Gegenseite ließ der FC nicht locker. In der 43. Minute nahm Brand im Strafraum einen Eckstoß direkt aus der Luft volley, doch tauchte Hettwer mit tollem Reflex in die Ecke und wehrte ab.

Mit Wiederbeginn verlagerte sich die Partie dann immer mehr in die Hälfte der Hausherren. Die aber schlugen gleich eiskalt zu. Dressel erkämpfte sich den Ball in Höhe der rechten Eckfahne und flankte nach innen. In Erwartung des heranfliegenden Balles machte sich der FC-Schlussmann schon fangbereit, doch Schwandner brachte die Fußspitze noch dran und bugsierte diesen ins lange obere Eck. Die Vorentscheidung? Nein, weil die Grimmaer fortan alles in die Waagschale warfen, aber zunächst nichts Zwingendes verzeichneten. Ein verwandelter, aber doch unnötiger Elfer, einen Gästespieler wurde im Sechszehner in den Rücken gesprungen, ließ den FCG wieder in die Partie kommen. Mitten im Anrennen erwies aber Maruhn seinen Farben einen Bärendienst. Vor der Ausführung eines Freistoßes riss er sich gegen Strobel zu einer Tätlichkeit hin – Rot. In Unterzahl ließen die Muldestädter aber nicht locker, luden den RFC aber einige Male zu Kontern ein, die aber nicht ausgefahren wurden. Doch irgendwie wollte kurz vor dem Ende dann doch noch der Ball ins Reichenbacher Netz…. „Wir haben eine Stunde lang alles richtiggemacht und voll dagegengehalten, gekämpft und gerackert und uns auch mit zwei Toren belohnt. Der Anschluss und die Rote Karte bekamen uns aber nicht gut. Da haben wir zu sehr nachgelassen. So ein Spitzenteam wie Grimma bestraft dann eben solche Sachen“, meinte Ronald Färber. Letztlich waren die RFC-Verantwortlichen sogar froh, als nach vier Nachspielminuten der Abpfiff kam. Denn mit der letzten Szene, einem Aufsetzer-Freistoß, den Hettwer noch über den Balken klärte, lag sogar noch das Siegtor für die Gäste in der Luft. Doch dies wäre dem Guten aus Grimmaer Sicht wohl dann doch zu viel gewesen.

Quelle: Olaf Meinhardt | www.reichenbacher-fc.de

 

Bericht der Presse

Reichenbach. Der FC Grimma musste in Reichenbach nach 0:2-Rückstand und Rot für Stefan Maruhn (wegen Tätlichkeit) zufrieden sein, in Unterzahl noch ein 2:2 erreicht zu haben.

Quelle: Frank Müller | Leipziger Volkszeitung


Bilder vom Spiel

Fotos: Karsten Hannover