Sachsenliga | 28. Spieltag



Radebeuler BC 08 – FC Grimma 6:3 (4:2)

Radebeul: Bunzel – Kunze, Talke, Deugoué, Adamczyk – Lauterbach (ab 84. Richter), Heineccius, Groß, Töppel (ab 59. Kopas) – R. Schöne (ab 70. Kiesse Wete), F. Müller Trainer: M. Müller

Grimma: Birkigt – Schabram (ab 79. Diaby), Schlüter, Dietrich, Kurzbach – Schwarz, Ziffert (ab 66. Markus) – Jackisch, Brand, Fricke – Jentzsch – Trainer: Wohllebe

Schiedsrichter: Brückner (Wechselburg) – Schiedsrichter-Assistenten: Gundler, Schubert (beide Chemnitz) – Tore: 0:1 Brand (5.), 1:1 Lauterbach (13.), 2:1 Töppel (18.), 2:2 Jackisch (19., Foulstrafstoß – Deugoué an Jackisch), 3:2, 4:2 Töppel (36., 40.), 5:2 Lauterbach (67.), 5:3 Brand (73.), 6:3 Heineccius (82.) – Gelbe Karten: Adamczyk (Foulspiel – 26.), Lauterbach (Foulspiel – 45.+1) – Brand (Unsportlichkeit – 30.) – Gelb-Rote Karten: Kurzbach (Grimma) wegen Foulspiel/Unsportlichkeit (81.) – Reservebänke: Graage, Schramm, Thiele – Evers (Tor), Koch – Zuschauer: 65 im Weinbergstadion (Kunstrasen) zu Radebeul

 

Radebeul. Wie gewonnen, so zerronnen. Nach den letzten Siegen über die Spitzenteams aus Lößnitz (4:2) und Hohenstein-Ernstthal (2:0) hat sich Sachsenligist FC Grimma wieder einmal von seiner ganz anderen Seite gezeigt. Beim Aufsteiger Radebeuler BC schaufelten sich die Muldestädter nach einer mehr als enttäuschenden Vorstellung mit 3:6 (2:4) ihr eigenes Grab und konnten sich dabei in der Schlussphase noch glücklich schätzen, nicht noch höher verloren zu haben. Unerklärlich dabei sind die Formschwankungen der Mannschaft von Trainer Daniel Wohllebe in den letzten Wochen. Holte man gegen die im Tabellenvorderfeld platzierten Teams nahezu fast immer die volle Punktausbeute, ließ die Elf nicht zum ersten Mal gegen die etwas schwächeren Mannschaften immer wieder wertvolle Zähler liegen. Wer allerdings so abenteuerlich und wie eine Schülermannschaft verteidigt wie die Grimmaer in Radebeul, braucht sich letztlich auch nicht zu wundern, wenn man mit einer empfindlichen Auswärtsniederlage die Heimreise antreten muss. Die Gastgeber haben mit diesem Sieg den Klassenerhalt nun perfekt gemacht, von den Muldestädtern wird am kommenden Samstag um 15.00 Uhr daheim gegen den SSV Markranstädt eine dringend notwendige Reaktion erwartet. Platz zwei ist nach wie vor möglich, dieses Vorhaben soll mit bestimmender Vehemenz in Angriff genommen werden.

Dabei konnte es für die Grimmaer im Radebeuler Weinbergstadion kaum besser beginnen. Nach einem weiten Schlag von Schlussmann Pascal Birkigt verlängerte Mirko Jentzsch die Kugel per Kopf auf den rechtzeitig startenden Robin Brand, der im Anschluss von einem Missverständnis zwischen Keeper Bunzel und Deugoué profitierte und die Kugel zum 0:1 ins verwaiste Tor schob (5.). Doch gab den Muldestädtern dieser Treffer nicht die nötige Sicherheit. Mit einfachsten Mitteln brachten die Platzherren die Grimmaer Defensive immer wieder in Verlegenheit. Setzte Talke die Kugel per Kopf, nach einem Freistoß von Heineccius, zunächst nur aufs Netz (10.), konnten die Gastgeber kurz darauf ausgleichen. Nach einem Eckball brachten die Gäste den Ball nicht aus der Gefahrenzone, Lauterbach nahm die Einladung an und köpfte eine Talke-Eingabe aus Nahdistanz zum 1:1 ein (13.). Doch damit noch nicht genug. Erneut wurde die FC-Hintermannschaft nach langem Ball komplett ausgehebelt – Töppel hatte wenig Mühe die flache Eingabe von Lauterbach zum 2:1 zu veredeln (18.). Die Begegnung war binnen kurzer Zeit komplett gedreht, doch hatten die Gäste zunächst noch eine schnelle Antwort parat. Nach sehenswerter Einzelleistung konnte Christoph Jackisch im RBC-Strafraum von Deugoué nur regelwidrig gestoppt werden – der Elfmeterpfiff von Schiedsrichterin Brückner (Wechselburg) kam prompt. Jackisch übernahm selbst Verantwortung und wuchtete das Streitobjekt vom Punkt zum 2:2-Ausgleich ins Gehäuse (19.). Doch wie die Elf im Anschluss daran in der Defensive auftrat, war absolut abenteuerlich und einer angeblichen Spitzenmannschaft absolut unwürdig. Jeder lange Ball der Gastgeber wurde gefährlich, die Muldestädter tapsten von einer Verlegenheit in die nächste. Mit einfachsten Mitteln wurden die Rand-Dresdner torgefährlich, welche die sich bietenden Möglichkeiten nahezu konsequent ausnutzten. Verfehlte F. Müller zunächst mit einem Schuss von der Strafraumgrenze das Ziel (32.), brachten sich die Gastgeber mit einem Doppelschlag bereits vor der Pause auf die Siegerstraße. Zunächst wurde mit einem erneuten langen Ball die komplette Grimmaer Hintermannschaft aufgerissen, frei vor Birkigt ließ sich Töppel nicht zweimal bitten (36.). Vier Minuten später dann die Krönung des Ganzen, als die Gäste nach einem Radebeuler Spielzug durchs Zentrum artig Spalier standen und Töppel sich – allein vor Birkigt – abermals zum 4:2 die Ecke aussuchen konnte (40.). Es war einfach unbegreiflich, wie die Mannschaft diese gute Ausgangsposition mit dem frühen Führungstreffer und dem abermaligen Ausgleich aufgrund eines vogelwilden Defensivverhaltens einfach so fahrlässig wegwarf.

Wer im zweiten Durchgang auf eine Reaktion der Gäste gewartet hatte, wurde bitter enttäuscht. Zwar kam die Elf im Offensivbereich nun zu einigen Abschlüssen, doch in Sachen „Tor verteidigen“ schien man bis dahin noch recht wenig gehört zu haben. Nach einem weiten Ball von RBC-Keeper Bunzel lief Lauterbach ungehindert in Richtung Birkigt und ließ ihn mit einem platzierten Schuss nicht die Spur einer Chance – 5:2 (67.). Der Grimmaer Schlussmann konnte einem leidtun, doch wurde er von seinen Mitspielern mehr als nur im Stich gelassen. Mit diesem Drei-Tore-Vorsprung legten die Gastgeber nun erst einmal etwas die Füße hoch und überließen den Gästen nun etwas das Geschehen. Nach guter Vorarbeit des eingewechselten Vincent Markus scheiterte Jentzsch am gut reagierenden Bunzel (69.), ein anschließender Schuss von Marcel Fricke strich knapp am Tor vorbei (70.). Drei Minuten später konnten die Wohllebe-Schützlinge dann jedoch verkürzen. Einen Markus-Einwurf verlängerte Jentzsch per Kopf – Kapitän Brand spekulierte am zweiten Pfosten richtig und drückte die Kugel zum 5:3 aus Nahdistanz unter die Latte (73.). Fortan setzten die Gäste alles auf eine Karte und forcierten das Risiko. Demzufolge hatten die Gastgeber nun natürlich einige Räume, gegen eine an diesem Tag eh schon äußerst anfällige Grimmaer Defensive endgültig den Deckel drauf zu machen. Allerdings ließen sowohl Lauterbach als auch der eingewechselte Kiesse Wete recht gute Möglichkeiten der Radebeuler liegen (76., 78.). Die Hoffnungen des FC, in der Schlussphase vielleicht doch noch etwas mitnehmen zu können, wurden allerdings recht schnell begraben. Der bereits verwarnte Oliver Kurzbach ließ sich zehn Minuten vor Schluss zu einer Unbeherrschtheit hinreißen, indem er nach einer Freistoß-Entscheidung gegen Grimma wutentbrannt den Ball auf den Boden warf, Schiedsrichterin Brückner stellte den Linksfuß daraufhin mit Gelb-Rot vom Platz (81.). Mit dem folgenden Freistoß sollte die Partie dann endgültig entschieden werden. Adamczyk servierte die Kugel auf den Kopf von Heineccius, der den Ball zwar nur streifte, damit aber genau das äußerste Eck traf – 6:3 (82.). Damit waren nun alle Messen gelesen, auch wenn sowohl Jackisch als Fricke RBC-Schlussmann Bunzel nochmals testeten (85., 86.). In den Schlussminuten musste man dagegen froh sein, dass die Platzherren gegen sich nun aufgebende Gäste nicht noch höher gewannen. Richter setzte einen Schuss zunächst knapp am Tor vorbei (89.) und hob den Ball anschließend nach einer Kopas-Eingabe über das leere Tor (90.).

Alles in allem eine mehr als enttäuschende Vorstellung der Grimmaer, welche nicht einmal im Ansatz an die Vorstellungen der letzten zwei Wochen heran kamen. Wer allerdings in der Defensive so nachlässig arbeitet und nahezu hanebüchen verteidigt, braucht letztlich nicht mit Punkten rechnen. Obwohl eigentlich drei Auswärtstore reichen müssen, um wenigstens einen Zähler mitzunehmen. Doch davon waren die Muldestädter an diesem Tag meilenweit entfernt.

Tom Rietzschel


Bilder Vom Spiel

Fotos: Karsten Hannover