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Von Bolivien zum FC Grimma

Quelle: Google Earth / Google Maps
Quelle: Google Earth / Google Maps

Mehr als zehntausend Kilometer trennen die bolivianische Großstadt Santa Cruz de la Sierra und unser sächsisches Grimma. Vor über einem Monat nahm eine Schülergruppe die Reisestrapazen mit vier Flugzeugumstiegen auf sich um die europäische Kultur kennenzulernen.

Einer von Ihnen ist Ronan. Den 16jährigen Südamerikaner hat es nach Grimma verschlagen. Und weil er selbst Fussballer in der Academia Tahuichi Aguilera ist, war den Gasteltern frühzeitig klar, dass er auch in Deutschland weiter seinem Lieblingssport nachgehen soll. Für unsere U17-Junioren natürlich kein Problem, bekanntlich hat südamerikanischer Einfluß noch keinem Fußballteam geschadet.
Schnell wurde klar, dass Ronan, der nebenbei auch die brasilianische Staatsbürgerschaft besitzt, richtig kicken kann! Grund genug um herauszufinden, welche Unterschiede es zwischen unserem Nachwuchsfussball in Grimma und dem der Tahuichi-Akademie, die bereits mehr als 300.000 Fussballer ausgebildet hat, gibt.

Natürlich sind auch die bolivianischen Teenager nicht anders als unsere Jugendlichen in Deutschland. Musik hören, Sport treiben, Freunde treffen und nebenbei muss auch noch die Schule gemacht werden. Doch die fussballerische Ausbildung unterscheidet sich doch mitunter gewaltig - und das vor Allem in der Intensität. Während in Deutschland die meisten Nachwuchsspieler zwei bis dreimal in der Woche für 90 Minuten trainieren, steht für Ronan und seine Mannschaft fünfmal Training pro Woche ins Haus. Bei einer Trainingszeit von zwei Stunden täglich ergeben sich hier gleich zehn Übungsstunden pro Woche - im Vergleich zu viereinhalb Stunden unserer Schützlinge - im Höchstfall. Dafür ist die Schulzeit in Bolivien meist bereits 13.00 Uhr beendet, während unsere Schulen gern bis 15.00 oder gar 16.00 Uhr unterrichten.

Wert legen die Südamerikaner hier vor allem auf die technische Ausbildung ihrer Spieler. So verwundert es nicht, dass Ronan eine Menge Tricks am Ball drauf hat, sich auch auf engem Raum gut am Ball behaupten kann und so den ein oder anderen ins Staunen versetzt.

Bei uns - in Grimma, Deutschland, vermutlich gar Europa - erfährt dafür die Taktik eine größere Gewichtung. Die Spieler wissen nicht nur, was sie tun, sondern verstehen auch wann und warum.
Doch genau dafür lieben wir den Fussball. Weil er so verschieden und doch so gleich ist, weil er nicht nur Spieler, Freunde und Kollegen verbindet - sondern die ganze Welt. Der große Fussball zeigt es uns ja immer wieder: Ein bisschen südamerikanische Technik (James Rodriguez, Neymar, Coutinho, Matheus Cunha, ...) hier und ein paar deutsche Tugenden da (Toni Kroos, Joshua Kimmich, Timo Werner, ...) und schon kann erfolgreicher Fussball gespielt werden. Und so tut die Mischung allen gut: Dem FC Bayern, RB Leipzig oder eben auch unserem FC Grimma.

Bevor es Ende Januar dann zurück nach Bolivien geht, durfte Ronan am vergangenen Wochenende endlich auch mal nicht nur trainieren, sondern im Wettkampf an den Ball treten. Beim Hallenturnier des BSV Halle-Ammendorf erreichten die B-Junioren den 3. Platz - unter anderem durch ein Tor unseres Südamerikaners.