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"Wenn der Egon nicht wäre ..."
Nach erster Saison unter neuem Namen: FC Grimma mit zehntem Platz in der Landesliga
Grimma. Wir sitzen alle in einem Boot!? Von wegen. Wenn die Männermannschaft des FC Grimma heute über die Mulde schippert, kommt den Kickern vor allem eine tragende Rolle zu. "Sollte Niedrigwasser sein, lege ich die Bleiweste an und lasse mich hucken", witzelt Co-Trainer Ragnar Zaulich. Diese Grimmaer! Trainieren eben auch Lachmuskeln und Schulterpartien. Kein Wunder, dass Präsident und Retter Egon Pape sogar schon auf Händen getragen wurde.
Die Fußballer mögen ihren Egon. Er dürfte weit und breit der einzige Präsident sein, den ausgerechnet der Bärtige auf einer Weihnachtsfeier für weitere fünf Jahre im Amt bestätigte. Zumindest symbolisch. Die Stimmung stimmt im Verein. Das war nicht immer so.
In der Saison 2005/2006 stiegen die Grimmaer in die Landesliga ab. Zuvor wurden Aufwandsentschädigungen nicht mehr regelmäßig gezahlt. Der Verein bekam die Quittung: 37 Spieler aus dem Männerkader schmissen hin. Die nachrückenden Nachwuchskicker verhinderten in der Folge zwar den Sturz ins Bodenlose, doch spitzte sich die Situation wenig später erneut zu. "Wenn der Egon nicht wäre, hätten wir Fußballer nur noch das Licht ausknipsen können", sagt Trainer Daniel Wohllebe, lange Zeit selber Spieler bei Grimma. Zusammen mit Matthias Degen, Thomas Schulke, Roland Fleischer, Wolfgang Jahn und anderen gründete Pape zunächst einen Förderverein. Sein Ziel: Sponsorengelder künftig direkt der Fußballabteilung des SV 1919 zukommen zu lassen. Im Frühjahr 2009 wurde der FC Grimma gegründet. In ihrer ersten Saison unter neuem Namen schafften die im Schnitt 22-Jährigen einen guten zehnten Platz. Luft nach oben gibt es allemal, weil das Fundament endlich stabil ist. Dafür sorgt ein Haushaltsplan, dessen Umsetzung der Vorstand in 14-täglichen Sitzungen überwacht.
Pape ist schließlich ein Mann aus der Wirtschaft. Inzwischen arbeitet der 59-Jährige als Freiberufler, vermietet und verpachtet Immobilien. Bis vor kurzem war er noch Geschäftsführer von Ege-Fenster. "Aber nach 45 harten Arbeitsjahren wollen meine Frau und ich mehr Zeit für uns haben", sagt ausgerechnet der Mann, der - so er im Lande ist - kein Spiel seiner Grimmaer verpasst. Und das, obwohl er kein Fußballverrückter, mehr ein Breitensportler sei.
Pape ist längst ein Wossi. Als Stadtrat von Schloß-Holte (Nordrhein-Westfalen) leitete er jahrelang den Sportausschuss. Schon 1986 engagierte er sich für eine Partnerschaft mit einer Stadt im Osten. Die Kirche vermittelte den Kontakt mit Grimma. Nach der Wende initiierte Pape etliche Vorträge zu Steuern, Krankenkasse oder Verwaltungsfragen. Auf Papes Empfehlung baute das Mutterhaus Ege eine Außenstelle in Grimma auf. Firmen aus Papes Heimatort Verl folgten dem Beispiel: Flachglas, Nüßing, Beckhoff, Coesfeld. Unumwunden spricht Pape von einem Netzwerk, das auch seinen Spielern zugute kommt. Trainer Wohllebe: "Egon lässt seine Beziehungen spielen. Unseren Jungs besorgt er Lehrstellen und Arbeitsplätze."
Pape weiß, Sportler sind als zuverlässige und ehrgeizige Mitarbeiter in Betrieben heiß begehrt. Überhaupt seien ihm Mannschaftsgeist und Persönlichkeitsentwicklung sehr wichtig, betont Pape: "Deshalb spielen in Grimma auch keine Söldner. Es stimmt, die Jungs müssen mit minimalen Prämien auskommen. Aber ein offenes Ohr ist mehr wert als ein 50-Euro-Schein." Er wünschte sich zwar noch ein paar mehr Fans, so Pape. Doch überlässt er nichts dem Zufall und eröffnete jetzt das frisch herausgeputzte Vereinslokal neu. Bei Freibier und guter Laune stellte er Serviererin Fanny Muschewski und Koch Gerhard Müller vor. "Der Gerd spielte bereits 1964 für Motor, war in den 70er Jahren Mannschaftsleiter und kocht vorzüglich", lobt Pape. Das Lokal mit seinen volkstümlichen Preisen soll künftig zum Treffpunkt aller Grimmaer Sportler werden. Hier könnten die Nachwuchsfußballer fortan Geburtstage feiern, hier sollen die Anhänger auf Siege anstoßen, hier wird der Weihnachtsmann die Vereinsmitglieder beschenken - und für Egon Pape wohl abermals einen Fünfjahresvertrag aus dem Sack zaubern. Haig Latchinian
Daniel Wohllebe: Egon lässt seine Beziehungen spielen. Unseren Jungs besorgt er Lehrstellen und Arbeitsplätze.
Hoch soll er leben: Die Landesliga-Spieler vom FC Grimma wissen, was sie an ihrem Präsidenten Egon Pape haben. Nach der ersten Saison unter neuem Namen schafften es die jungen Kicker auf Platz zehn. Insgesamt waren in der Liga 16 Teams am Start. Foto: Klaus Peschel
Vereinsinternes Endspiel F-Jugend
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Die erste Mannschaft des FC Grimma, Staffelsieger der Südstaffel, gewann gegen die zweite Vertretung, Sieger der Nordstaffel, das Hinspiel 4:2, verlor im Rückspiel 0:1. Das reichte um mit insgesamt 4:3 Toren sich den Meistertitel der F-Jugend-Muldentalliga zu sichern.
30 Jahre mit Herz und Seele dabei
Uwe Schönes Sportzimmer:
Viele Souvenirs und mehr als 100 Pokale stehen hier, die er als Übungsleiter mit seinen Mannschaften gewonnen hat.
LVZ: 30.01.2010
Fußballtrainer Uwe Schöne ist schon eine Grimmaer Legende und feiert heute einen Runden
Grimma. Was für die nun schon ältere Grimmaer Fußballgeneration ihre Trainerlegende „Lessig Karl“ war, ist für die jetzigen Aktiven des FC Grimma Übungsleiter Uwe Schöne. Kaum ein Spieler, der von Kindesbeinen an dem Fußball hinterher jagte, ist nicht durch die Trainingsschule von Uwe Schöne gegangen. Dabei war er nie selbst aktiver Fußballer, sondern turnte bis zu seinem 22 Lebensjahr bei Einheit Grimma, damals noch unter den Fittichen einer weiteren Grimmaer Sportlegende, nämlich Willi Schmidt. 1980 führte ihn dann der Weg zum Grimmaer Fußball. Als Übungsleiter der E-Jugendlichen (Altersklasse acht bis zehn Jahre) begann seine einzigartige Trainerlaufbahn. Einzigartig auch deshalb, weil in seinem privaten Sportzimmer über 100 Pokale stehen, die er als Trainer mit seinen Mannschaften gewonnen hat.
Uwe Schöne legt Wert darauf und betont dies immer wieder, dass ihm über die Jahre mehrere Sportfreunde helfend zur Seite standen. Werner Jubisch, Gerald Danneberg, Wolfgang Sather, Gerold Gaitzsch, Peter Rusch oder Hansjörg Beitlich waren wichtige Stützen im Trainingsverband Schöne.
Seine Schützlinge von einst schrieben regional auch Fußballgeschichte. Spieler wie René Schmidt (mit Bundesligaeinsätzen), Daniel Wohllebe (Trainer FC Grimma), Tobias Reisinger, Tino Kleinert, Marcel Schweineberg, Silko Stein, Mathias Stäudte, Marcus und Philipp Saalbach lernten bei ihm ebenso das Fußballeinmaleins wie die heutigen Spieler des FC Grimma Sebastian Hemme, Sebastian Vogel, Oliver Kurzbach oder Stefan Pannicke.
Mehrere Male wurde der leidenschaftliche Hefebiertrinker Uwe Schöne Bezirksmeister mit der Grimmer E-Jugend. Seine Siege bei Hallenturnieren oder Platzierungen bei Kreismeisterschaften aufzuzählen, fällt Uwe echt schwer, da es an der Zahl sehr viele sind.
Auch international war Uwe Schöne mit seinen Mannschaften im Einsatz. Mehrere Spiele und Turniere in Frankreich und Österreich waren immer mit großem organisatorischem Aufwand verbunden, zählen aber zu den absoluten Höhepunkten seiner sportlichen Trainerlaufbahn. In Grimmas Partnerstadt Weingarten, genauer beim SV Weingarten, kennt man Uwe Schöne schon seit Jahren bestens. Ein Kontakt, den er auch zukünftig nicht missen möchte.
Als die Familie Schöne vor einiger Zeit Silberhochzeit feierte, wünschte sie sich vom Verein einen Wäschetrockner. Die Erklärung war einfach. Seine Frau Renate wäscht seit 30 Jahren alle Trikots der von Uwe betreuten Mannschaften zum Nulltarif. Eine ebenso tolle Leistung, die mit Dankesworten kaum auszudrücken ist.
Am heutigen Sonnabend ist nun Uwe Schöne 60 Jahre. Würden all seine ehemaligen Spieler antreten, um ihm zu gratulieren, reichte die Schlange mehrere Stadionrunden. Aber mit Sicherheit wird dieser Tag auch so ein unvergesslicher für die Familie Schöne.
Matthias Seifert
Ilja ist stolz auf seine russischen Wurzeln
Gilt als Nachwuchshoffnung: Ilja Schafeev gelang der Sprung von der A-Jugend ins Team der Grimmaer Männermannschaft. Foto: Ralf Zweynert
LVZ 20.01.2010
19-jähriger Grimmaer Fußballer bekommt auch heute gegen Sachsen Leipzig eine Chance
Grimma. Der 19-jährige Ilja Schafeev vom FC Grimma hat einen mächtigen Schuss drauf. Gegen Markkleeberg haute er den Ball aus 30 Metern in den linken Dreiangel, gegen Sandersdorf fackelte er nicht lange und donnerte die Kugel von der Strafraumgrenze ins lange Eck. Vielleicht trifft der blonde 1,88 Meter-Schlaks auch heute wieder – im Freundschaftsspiel der Grimmaer gegen den FC Sachsen ab 18.30 Uhr im Jahnstadion.
Dabei ist der Mittelfeldspieler auch in der Defensive stark. Kein Wunder: Schon als Kleinkind musste er sich seiner Haut erwehren. Denn um ihn herum wurde scharf geschossen. „Als in Tadschikistan der Krieg ausbrach, lag ich im Bett. Die Schüsse draußen hielt ich für den Eisbären aus der Gute-Nacht-Geschichte. Weil die Salven auch die Wände durchschlugen, legte mich meine Mutter in die Badewanne.“ Ilja spricht perfekt Deutsch. Obwohl er seit seinem 18. Lebensjahr deutscher Staatsbürger ist, betont er seine russischen Wurzeln. „Meine Eltern sind Russen. Wir lebten in der Stadt Kurgan-Tübe in Tadschikistan. Damals war das ja noch alles Sowjetunion. Als die UdSSR zusammenbrach, mussten wir raus. Wir flüchteten zu meinen Großeltern in das kleine russische Dorf Neboltchi.“ Von dort aus ging die Familie nach Wurzen. Hier spielte sein Vater Fußball, Landesliga, bei Frisch-Auf. „Mein Vater war schon in Tadschikistan ein guter Spieler.“ Nächste Station der Schafeevs: Falkenhain. Auch hier legte sich der Vater für den Sportverein ins Zeug. Er spielte nicht nur selber, sondern kümmerte sich als Übungsleiter mit Hingabe um den Nachwuchs. Ilja: „Mitte der 90-er Jahre stand auf einmal die Polizei vor unserer Wohnung. Innerhalb von zwei Stunden sollten wir unsere Koffer packen. Dabei hatten wir gültige Papiere. Es war nur den Dorfbewohnern zu verdanken, dass wir doch bleiben durften.“ Marion Steyer von der Gemeindeverwaltung: „Die Schafeevs waren uns richtig ans Herz gewachsen. Deshalb setzten wir uns sehr für sie ein. Besonders unser damaliger Pfarrer Heinz Martin. Es wurden auch Unterschriften gesammelt.“ Dmitri Schafeev trainierte zwischenzeitlich sogar den eigenen Sohn. Der bekennt: „In der Mannschaft von Falkenhain-Börln platzte bei mir der Knoten. Das habe ich meinem Vater zu verdanken.“ Wie Ilja nun nach Grimma kam? „Ein Kumpel sprach mich in der 11. Klasse an, ob ich nicht Lust auf ein Probetraining hätte. So fing ich also bei Trainer Daniel Kurzbach in der A-Jugend von Grimma an.“ Zwei Jahre wohnte Ilja im Internat. Inzwischen zog die ganze Familie nach Grimma um. Der Vater ist Lkw-Fahrer und weiter Übungsleiter, die Mutter arbeitet im Hohburger Behindertenwohnheim. Nach dem Abitur kämpft Ilja um einen Platz im Landesligateam und macht beim Sponsor Ege-Fenster seine Lehre zum Industriekaufmann. Danach noch studieren? „Vielleicht Lehramt.“
Trainer Daniel Wohllebe, der mit seinen Jungs das Spielfeld von Schnee beräumte, schenkt Ilja auch heute gegen den FC Sachsen das Vertrauen: „Ilja ist ein intelligenter Bursche. Es macht Spaß, mit ihm zu arbeiten. Wenn er sich noch ein bisschen mehr zutraut, hat er ein enormes Potenzial.“ Ilja freut sich über so viel Anerkennung. Doch das Allerwichtigste für ihn: „Wir sind jetzt fünf in der Familie. Vor anderthalb Jahren haben meine Schwester und ich noch ein Brüderchen bekommen. Weil wir schon so groß sind, wünschte sich meine Mutsch noch ein Baby. Sie hat Kinder doch so gern.“ Da kommt sie ganz nach der Großmutter. Deshalb fährt Ilja mindestens einmal im Jahr zur Oma – ins kleine russische Dorf Neboltchi, wo er das Wasser noch aus dem Brunnen holt. Haig Latchinian
Landesliga ist eine Herausforderung
Daniel Wohllebe, der Trainer der ersten Fußballherrenmannschaft des FC Grimma, liegt mit seinen Mannen gut im Landesligarennen.
LVZ 11.01.2010
Grimmas Fußballtrainer Daniel Wohllebe arbeitet verstärkt mit eigenen Talenten
Die Schützlinge des Grimmar Fußballtrainers Daniel Wohllebe belegen nach 15 von 30 Saisonspielen mit 22 Punkten Platz sieben der Landesligatabelle der Herren. Ob er damit zufrieden ist und was es noch beim FC Grimma Neues gibt, darüber stand er unserer Zeitung Rede und Antwort.
Frage: Wann begann ihre Fußballlaufbahn?
Daniel Wohllebe: Ich bin seit 1984 im Grimmaer Fußball verankert, war dem nur ein Jahr, als ich in Naunhof kickte, untreu. Ich durchlief alle Altersklassen von der F- bis A-Jugend, wurde 1996/97 in das Oberligamännerteam des SV 1919 Grimma berufen.
An welche sportlichen Höhepunkte erinnern sie sich?
Ich schoss das 2:0-Siegtor gegen Dynamo Dresden vor 4000 Zuschauern in Grimma. Weitere Höhepunkte waren die Punktspiele gegen den 1. FC Magdeburg, Dynamo Dresden, HFC, Sachsen Leipzig, Plauen und Zwickau zu Grimmas Oberligazeiten.
Wie zufrieden ist der Trainer mit dem Verlauf der ersten Halbserie ?
Ich bin nicht unzufrieden, aber wir haben Spiele durch eigene Fehler abgegeben. In der Mannschaft steckt viel Potenzial, sie ist sehr jung und darf Fehler machen. Nur dürfen diese sich nicht ständig wiederholen wie in der ersten Halbserie, aber daran arbeiten wir.
Es gibt ja seit dem 1.7.09 den FC Grimma und damit ein neues Umfeld. Gab es einen nahtlosen Übergang? Was ist jetzt anders?
Es ist nicht nur ein neuer Name, es ist ein ganz anderes Gesicht des Grimmaer Fussballs. Es wurde der richtige Weg gewählt. Es macht wahnsinnig viel Spaß, wir sind dabei, wieder etwas aufzubauen.
Im Gegensatz zu früher arbeiten Sie verstärkt mit Talenten aus dem eigenen Nachwuchs. Ist das die neue Strategie des FC Grimma?
Früher hat man das auch gemacht. Wir haben Oberliga gespielt und 80 Prozent waren aus der Grimmaer Jugend. Nur hat man irgendwann wohl andere Ziele gehabt. Mit dem FC werden wir wieder verstärkt unseren Talenten im Männerbereich Chancen anbieten. In Grimma gilt das Hauptaugenmerk dem eigenen Nachwuchs. Der Altersdurchschnitt der Landesligamannschaft beträgt. 22,4 Jahre, der jüngste Spieler ist 18 der älteste 32 Jahre. 13 Spieler aus dem eigenen Nachwuchs stehen im aktuellen Grimmaer Aufgebot.
Über welche Spiele der ersten Serie haben Sie sich am meisten geärgert und welche Punkte kamen überraschend?
Ich ärgere mich über verlorene Spiele, nicht weil der Gegner besser war, sondern wir durch einfache Fehler verloren haben, wie zum Beispiel gegen Kamenz oder in Naunhof. Wenn wir verletzungsfrei sind, unsere Leistung abrufen, können wir gegen jede Landesligamannschaft gewinnen, aber eben auch gegen jede verlieren.
Kann der FC Grimma zu Beginn der zweiten Serie verletzungsfrei angreifen?
Leider nicht, Marc Werner wurde vor Weihnachten am Knie operiert und fällt weiter zehn Wochen aus. Auch René Merz fällt noch einige Zeit aus.
Hat Daniel Wohllebe ein Trainervorbild?
Jeder Trainer sollte eine eigene Handschrift haben und niemanden kopieren, aber was Ottmar Hitzfeld erreicht hat, ist schon sehr beeindruckend.
Wenn Sie drei sportliche Wünsche offen hätten, welche wären das?
Erstens: Dass unsere junge Mannschaft möglichst zusammen bleibt. Zweitens: Dass alle verletzungsfrei bleiben, insbesondere Spieler wie Werner, Merz, Hemme. Drittens: Dass der positive Trend beim FC Grimma beibehalten wird und ich meinen Anteil dazu beitragen kann.
Interview: Matthias Seifert
Rote Bullen verleihen rot-weißen Grimmaern Flügel
Egon Pape (Präsident FC Grimma)
LVZ 03.07.2009
Im Stadion der Freundschaft treffen morgen zwei Newcomer aufeinander / Zum Spiel FC gegen RB werden zwischen 800 und 8000 Fans erwartet
Grimma. „Wir hoffen auf 8000 Zuschauer, wären aber auch schon mit 800 zufrieden.“ Grimma-Urgestein Matthias Seifert fiebert einer neuen Fußball-Ära entgegen. Die könnte morgen 15 Uhr mit einem echten Paukenschlag beginnen. Im Stadion der Freundschaft treffen mit dem FC Grimma und RasenBall Leipzig zwei aufstrebende Newcomer aufeinander.
Seifert, der zu DDR-Zeiten 172 Mal für Motor Grimmas Erste spielte, beherrscht sogar noch die Schlachtgesänge von einst: „Die Rot-Weißen aus dem Muldental, die schlagen alles im Pokal!“ Damals war das gar nicht so weit hergeholt. Denn Motor Grimma wurde Ende der 60-er Jahre dreimal Bezirkspokalsieger und empfing dann in der ersten Hauptrunde vor Rekordkulisse Mannschaften wie Carl-Zeiss Jena, HFC Chemie oder den FC Karl-Marx-Stadt. „An diese unvergesslichen Spiele wollen wir mit dem FC Grimma anknüpfen. Deshalb dominieren in unserem Emblem auch ganz bewusst die Farben Rot und Weiß.“ Vorstandsmitglied Seifert bezeichnet die Gründung des FC Grimma als Riesen-Glücksfall und wohl einmalige Chance, den Fußball in der Muldestadt wieder populärer zu machen. Ausdrücklich lobt er die engagierte Führungsriege unter Leitung von FC-Präsident Egon Pape.
Er habe sich nicht etwa in dieses zeit- und vor allem kräfteraubende Ehrenamt gedrängt, betont Pape, Geschäftsstellenleiter der Firma EGE Grimma und bisher alles andere als eine Sportskanone. „Fußballverrückte wie Harald Sather hatten mich in Einzelgesprächen solange bearbeitet, bis ich Ja gesagt hatte.“ Von Papes unternehmerischen Fähigkeiten verspricht sich der Sechstligist den Aufbau professioneller Strukturen. Die seien im anbrechenden Zeitalter eines zu befürchtenden Vereinssterbens dringend nötig, um das Überleben der Fußballabteilung auch perspektivisch zu sichern: „Wir brauchen in Grimma keine Söldnertruppe. Statt dessen wird der eigene Nachwuchs zur Kaderschmiede ausgebaut. Ziel ist eine eingeschworene Gemeinschaft“, so Pape. Der Anfang ist gemacht. Ein Jahr lang dauerte die vertraglich fixierte Herauslösung der Fußballer aus dem SV 1919: „Unter anderem verpflichtete sich der FC, den kompletten Kinder- und Jugendbereich weiter zu führen. Im Gegenzug sagte der SV 1919 zu, den Wettkampfbetrieb bis Saisonende aufrechtzuerhalten. Das ist inzwischen geschehen, und wir können die Spielerechte nun in vollem Umfang wahrnehmen“, sagt der FC-Präsident.
Einen Sieg kann der FC schon jetzt verbuchen – nämlich die Verpflichtung des lukrativen Freundschaftsspiel-Gegners RB Leipzig. Naja, es war wohl das Glück des Tüchtigen. Am Rande der U-17-EM, die ja auch in Grimma und Markranstädt ausgetragen wurde, verabredete der FC-Vorstand den Spieltermin zu der Zeit noch mit dem Oberligisten SSV Markranstädt, der inzwischen als RasenBall Leipzig in die Bundesliga drängt. Seifert: „Ich denke, wir werden morgen einige namhafte Neuverpflichtungen von RB Leipzig bestaunen können.“ Und wer weiß, vielleicht verleihen die Roten Bullen auch den rot-weißen Grimmaern Flügel. Haig Latchinian
Mit dem FC beginnt in Grimma eine neue Fußballära
Bleibt: Daniel Wohllebe coucht auch 2009/10 Grimma
Foto: Wilko Finke
LVZ 02.07.2009
Neuer Fußballverein startet mit Trainer Daniel Wohllebe in die Saison 2009/10
Gestern begann im Grimmaer Fußball eine neue Ära. Die des SV 1919 wurde beendet, die des FC Grimma startete mit dem ersten Training des Herrenteams. Das bestreitet am Sonnabend das erste Spiel unter neuer Flagge, aber mit dem bisherigen Coach Daniel Wohllebe. Mit ihm führte unsere Zeitung ein ausführliches Gespräch.
Frage: Vieles kommt anders, als geplant. Passierte Ihnen dies auch schon?
Daniel Wohllebe: Als ich wieder nach Grimma kam, wollte ich unter Trainer Volker Dietrich nur Fußball spielen. Ich lief auch gegen Kickers Markkleeberg und Hohenstein-Ernstthal auf, verletzte mich aber wieder und aus war es mit der aktiven Zeit.
Wieso war es aus mit Fußball spielen?
Ich musste lange zuvor wegen einer Knieverletzung pausieren. Als ich wieder anfing wusste ich, dass ich ein Risiko auf mich nehmen würde. Ich wollte aber Grimma helfen und hoffte, dass nichts passiert. Ich hatte Pech und mein Karriereende, zu dem mir auch mein Arzt riet, war nicht zu verhindern. Die Gesundheit geht nun mal vor.
Wie ging es weiter?
Fortan unterstützte ich Volker Dietrich beim Training.
Dietrich ging von Bord. Warum?
Das hatte mit mir überhaupt nichts zu tun. Es war halt so, dass er die Mannschaft nicht mehr erreichte und es auch, weil Spieler unzufrieden waren, zu seinem Rücktritt kam.
Was passierte danach?
Seitens des SV 1919 wurde Rainer Görnitz gefragt, ob er die Truppe übernehmen möchte. Der bekundete Interesse mitzumachen, aber nicht als erster Trainer. Daraufhin wurde ich gefragt und da die Aufgabe reizvoll erschien, erklärten wir uns bereit, bis zum Winter 2008 die Truppe zu übernehmen.
Wie ging es weiter?
Da es ganz gut lief und Erfolge nicht ausblieben, bot man uns an, weiterzumachen.
Sie sagten ja, obwohl die Abgänge mehrere Leistungsträger in der Winterpause anstanden. Wie beurteilen Sie diese Entscheidung ins Nachhinein?
Wir hatten eine sehr gute Hinrunde gespielt und uns ein großes Polster zur Abstiegsregion angelegt. Ich war mir natürlich im Klaren, dass die Punktausbeute in der Rückrunde wesentlich geringer ausfallen wird. Denn ein Carsten Klee und René Großmann kann man nicht ohne weiteres ersetzen. Zuvor gingen ja auch schon Vojtech Conka und Tomasc Vavra von Bord.
Das was vermutet wurde, trat ein. Die Punktausbeute fiel spärlicher aus, im Hintergrund wurde der Wechsel vom SV 1919 zum FC Grimma vorbereitet. Was erwarten Sie in der neuen Saison 2009/10?
Als ich die Mannschaft übernahm, waren mir die Hände gebunden. Ich musste mit dem auskommen, was da war. Inzwischen konnte ich meine Vorstellungen mit einbringen und meiner Meinung nach konnten wir uns sehr gut verstärken. Das allerdings hat im Fußball oftmals nicht allzuviel zu sagen.
Sie müssen, für das, was Sie nun tun, geradestehen. Stimmt das ?
Das kann man so sagen.
Verraten Sie uns Ihre Neuzugänge?
Mit Nico Merseburger vom ATSV FA Wurzen, Thomas Ulbrich von Eisleben, Sebastian Vogel von Eintracht Sermuth und Sebastian Hemme stehen mir Spieler zur Verfügung, die einst in Grimma schon mal auf Torejagd gingen. Ergänzt werden die Neuen durch den Bornaer Andreas Streubel.
Das steht hundertprozentig fest?
Mit den Genannten sind wir uns einig, es gibt lediglich noch einige kleine Formalitäten zu klären.
Wie sieht es bei den Abgängen aus?
Thomas Max nimmt eine fußballerische Auszeit, Vaclav Blaha wechselt zurück nach Tschechien. Ein Fragezeichen steht noch bei Martin Seyfarth, der ein Studium beginnt.
Neue Besen kehren gut, lautet eine Redewendung. Welchen Eindruck haben Sie von der neuen Führungsriege?
Beim FC Grimma soll einiges anders laufen. Ich persönlich spüre, dass sich einiges tut. Vor allem das Untereinander und der Zusammenhalt zwischen den Mitstreitern soll verbessert werden. Alle Trainer sollen merken, dass sie gebraucht werden, sie sollen Spaß haben, an ihren Aufgaben wachsen. Es soll erreicht werden, dass sich jeder mit seinem Verein, dem FC Grimma, identifiziert.
Wird es Veränderungen im Nachwuchssport geben?
Noch mehr Augenmerk soll auf den Nachwuchs gerichtet werden. So zum Beispiel wird nach langer Zeit ein Grimmaer A-Jugend-Team wieder in der Landesliga spielen. Es muss ganz einfach erreicht werden, dass im ersten Herrenteam wieder viele Spieler aus Grimma oder der näheren Umgebung, mit denen sich die Zuschauer in Zukunft identifizieren können, auflaufen.
Vor ganz anderen Problemen stehen die Macher des Vereins gegen den der FC Grimma seine Testspielserie beginnt. Beim RasenBall Leipzig will man mal ganz hoch hinaus. Wie finden Sie das?
Ich finde es erst einmal gut, dass wir am Sonnabend, ab 15 Uhr, gegen ein sicherlich stark verstärkte Zweite unseren ersten Test über die Bühne ziehen werden. Und ich finde es sehr gut, dass sich in Fußball in der Umgebung etwas tut. Ich habe den Eindruck, dass da echt etwas passiert.
Inwiefern?
Schon allein die Tatsche, dass da solange nichts an die Öffentlichkeit drang, dass alles in Ruhe vorbereitet wurde. Das alles macht einen sehr professionellen Eindruck. Für die Umgebung von Leipzig ist das ein riesengroßer Glücksfall. Denn keiner der anderen Leipziger Verein ist derzeit in der Lage höherklassig Fußball spielen zu können.
Könnten ausbleibende Zuschauer ein Problem von RB Leipzig werden?
Das denke ich nicht. Mit zunehmenden Erfolg – sofern er eintritt – werden die Gegner immer lukrativer und somit wird sich das Zuschauerinteresse immer mehr steigern, bin ich mir sicher.
Werden Sie sich selbst Spiele der „Rasenfußballer“ ansehen.
Ich schaue mir gerne Spiele höherklassiger Mannschaften an. Und wenn es meine Zeit erlaubt, werde ich mir auf alle Fälle auch welche der Rasenfußballer anschauen.
Die Saisonvorbereitung begann. Wieviel Mal pro Woche wird trainiert.
Vier Mal bis zum Saisonstart. Ab Punktspielbeginn passen wir das Training an.
Welche Mannschaften werden in den Vorbereitungsspielen empfangen?
Sonnabend RB Leipzig II, dann empfangen wir Stahl Riesa und am 18. Juli treten wir in Lommatzsch an. Auch unser viertes Testspiel findet auswärts statt. Am 26. Juli sind wir beim VfB Zwenkau. Am 1. August empfängt der FC Grimma den Bezirksligaaufsteiger Lok Engelsdorf.
15 Landesligamannschaften stehen fest. Der 16. steht noch nicht fest. Wäre Ihnen Delitzsch oder Naunhof lieber?
Ich kann es nicht verstehen, dass eine Mannschaft, wie der ESV Delitzsch, Erster wird und das Aufstiegsrecht nicht wahrnehmen will. Was Taucha losgelassen hat, nur als Erster und nicht als Zweiter von der Bezirksliga in die Landesliga aufsteigen zu wollen, verstehe wer will, das ist Hickhack. Um auf ihre Frage zurückzukommen, ist es mir persönlich egal ob der SV Naunhof oder der ESV Delitzsch unser Gegner sein wird. Wir müssen es nehmen, wie es halt kommt.
Wie schätzen sie die Spielstärke der Aufsteiger Chemnitzer FC II und Radebeuler FC ein.
Die werden sicher ein Wörtchen mitreden.
Interview: Wilko Finke
FC Grimma startet mit neuem Namen
Bleibt: Daniel Wohllebe coucht auch 2009/10 Grimma
Foto: Wilko Finke
LVZ 30.06.2009
Fußball: Auftaktspiel gegen RB Leipzig II am Sonnabend, 15 Uhr, in Grimma
Grimma. In der regionalen und überregionalen Fußballwelt Sachsens bewegt sich trotz der Spielpause einiges. Alle Mannschaften und Vereine versuchen sich Bedingungen zu schaffen, um in der gegenwärtigen wirtschaftlichen Lage ihr Überleben zu sichern, um ihren Sport weiterhin ausüben zu können.
Verantwortungsbewusst hat sich auch im Grimmaer Fußball ein Team von Ehrenamtlichen gefunden, welche sich zum Ziel gestellt haben, den Grimmaer Fußball mit all den Kindern und Jugendlichen bis hin zum Amateursport im Männerbereich neu zu strukturieren. Eine wahrlich komplizierte Aufgabe, die aber der neu gewählte Vorstand in seinen wöchentlichen Sitzungen unter Beachtung aller rechtlichen Auflagen vorbereitet hat.
Unter Leitung des Präsidenten Egon Pape wird im Vorstand nach dem klaren Vorsatz gearbeitet, nur Geld, das vorhanden ist, kann auch ausgegeben werden. Ein erstes Sponsorentreffen mit erfreulich guter Resonanz gab es bereits am 19. Mai 2009 in der Muldentalhalle, wo allen Beteiligten das neue Vereinskonzept vorgestellt wurde. Neben den sportlichen Zielen, die sich jede Mannschaft gesteckt hat, wird auch daran gearbeitet, wieder ein Vereinsleben zu aktivieren, welches einfach zu einem funktionierenden Verein gehört. Auch die Historie und die vielen Erfolge der Grimmaer Fußballer aus den vergangenen Jahren sollten unvergessen bleiben. Gegenwärtig werden alle Erinnerungen gesammelt und analysiert, um den Werdegang des Grimmaer Fußballs mit seinen vielen ehemaligen Aktiven und Funktionären gebührend in Erinnerung zu halten.
Im Internet kann man unter www.fc-grimma.de bereits die ersten historischen Fotos ansehen, auch vom legendären Konkurrenzverein „Dynamo Grimma“.
Am Sonnabend, Anpfiff 15 Uhr, kommt es nun zum ersten Spiel unter dem neuen Namen FC Grimma – gegen einen Kontrahenten, der sich ebenfalls umbenannte und in der kommenden Saison Großes vorhat. Mit großem Interesse werden sich Medienvertreter und hoffentlich viele Zuschauer dieses Spiel ansehen, um schon vielleicht den einen oder anderen Neuzugang auf den Weg nach oben zu bewerten. Aus dem SSV Markranstädt wurde, wie alle Fußballkenner wissen, der RasenBall Leipzig II. Für die Muldestädter ist dies eine Ehre, dass gleich zum Auftakt der FC Grimma auserwählt wurde.
Das uneingeschränkte sportliche Vertrauen als Trainer bei den Grimmaern hat Daniel Wohllebe. Auf seine Erfahrungen als Spieler und später als Übungsleiter baut man im Grimmaer Lager. Obwohl er an diesem Tag auf zwei Spieler urlaubsbedingt verzichten muss, wird er eine spielstarke Elf auf den Rasen laufen lassen.
Bei sicherlich größeren Medieninteresse als bei den „normalen“ Spielen, wird es für die Grimmaer Fußballfans in der fußballarmen Zeit ein mit Sicherheit interessantes Match, zu dem sich das Kommen sicher lohnen wird.
Matthias Seifert
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